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Posts Tagged ‘Geschichte des Horrorfilms’

Kein anderer Regisseur ist wohl so sehr mit der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der Kritik am Kapitalismus verbunden wie George R. Romero, der 1968 mit „Night of the Living Dead“ nicht nur Filmgeschichte schrieb, sondern die Filmkunst an sich veränderte.

Es war die Zeit von Vietnam und der sozialen Unruhen, als Romero mit seinem Debut die Zuschauer schockte. Waren Zombies in früheren Filmen durch Voodoo-Zauber ins Leben gerufene Untote, so hatte Romero ganz andere Vorstellungen. Außerirdische Bakterien, die sich auf einem abgestürzten Satelliten befinden, lösen eine ungeahnte Katastrophe aus: Tote werden durch die Bakterien lebendig und sind auf der Suche nach einer ganz speziellen Nahrung: Menschenfleisch.

So etwas hatte es zuvor im Kino noch nicht gegeben. Der Schwarzweiß-Stil war bewusst gewählt, da, wie Romero in einem Interview sagte, das Geschehen dadurch realistischer wirkte. Doch war „Nacht der lebenden Toten“ weit mehr als ein Horrorfilm. Es war eine Abrechnung mit dem Vietnamkrieg und dem in den USA herrschenden Rassismus. Die grobkörnigen Stills am Ende des Films, die an Fotos in den Tageszeitungen erinnern sollen, zeigen stiernackige Weiße, die Jagd auf die Zombies machen und dabei ihren Spaß zu haben scheinen. Es könnte sich genauso um Aufnahmen von Jagden auf Schwarze in den Südstaaten handeln. Eine eindeutigere Kritik an der Gesellschaft hätte es nicht geben können.

Mit „Dawn ot the Dead“, in dem Zombies ein Einkaufszentrum belagern, schuf Romero quasi die Mutter aller Kapitalismuskritik. „We are the living dead“, sagte er damals und sah in den Zombies die vom Kaufrausch besessenen Konsumenten der westlichen Industriestaaten. Und ist das zombiehafte Verhalten nicht tatsächlich so? Man denke nur an die Furore, wenn ein neues Smartphone auf den Markt kommt und sich lange Schlangen vor den Läden bilden.

Obwohl Romero mit seinen anderen Filmen an den Erfolg von „Nacht der lebenden Toten“ nicht mehr anknüpfen konnte, so veränderte er mit seinem Klassiker nicht nur das Horrorgenre, sondern den gesamten US-amerikanischen Film. Danach war nichts mehr so wie früher. Die Filme aus Hollywood muckten auf, zeigten, was in der Gesellschaft falsch lief und übten damit heftige Kritik. Das Blacksploitation-Genre entstand, ein überaus wichtiges Merkmal der damaligen Bürgerrechtsbewegungen. Denn Filme wie „Shaft“ stellten Schwarze und Weiße auf eine gleiche Ebene.

Das Kino und die Gesellschaft haben George R. Romero viel zu verdanken. Am 16. Juli starb der großartige Regisseur mit 77 Jahren.

 

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