Die 90er: Exotica (1994)

Christina (Mia Kirshner) erzählt ihr Geheimnis; „Exotica“ (1994); © Miramax

„Exotica“ zählt bis heute zum erfolgreichsten Film des Regisseurs Atom Egoyan. Wahrscheinlich liegt dies an der damaligen Marketingstrategie von Miramax, die den Film als Erotikthriller bewarb. Allerdings handelt es sich doch eher um ein Drama und weniger um einen Thriller.

Es geht um den Steuerprüfer Francis, der jeden zweiten Abend das Striplokal Exotica besucht, um dort die Tänzerin Christina zu treffen. Nach und nach offenbaren sich die Zusammenhänge zwischen den einzelnen, teils zwielichtigen Figuren.

Nicht nur für den Regisseur wurde „Exotica“ zum Durchbruch, sonderen ebenso für Hauptdarsteller Bruce Greenwood, der dadurch international bekannt wurde. Bei den Filmfestspielen in Cannes war der Film für die Goldene Palme nominiert, auf weiteren Filmfestivals wurde „Exotica“ mit Preisen überhäuft.

„Exotica“ ist in der Tat ein Meisterwerk, was nicht allein an der exzellenten Kameraführung liegt. Egoyan gelingt es, eine dichte, sinnliche Atmosphäre voller Geheimnisse zu kreieren, die geradezu hypnotisierend wirkt. Er erschafft dabei ein sonderbares Beziehungsgeflecht zwischen Figuren, die sich besser nie über den Weg gelaufen wären. Daraus ergibt sich nicht nur eine tiefe Tragik, sondern zugleich eine elektrisierende Spannung, die durch die sinnlichen Anspielungen noch intensiviert wird.

Doch wie gesagt, handelt es sich bei „Exotica“ nicht wirklich um einen Thriller, auch wenn er ansatzweise mit Elementen des Krimis und eben des Thrillers arbeitet. Egoyan geht es allein um die Figuren und darum, wie sich nach und nach das Labyrinth aus eigenartigen Beziehungen entwirrt. All dies geschieht auf eine äußerst kunstvolle Weise, wobei die Farbgebung, die noch einen Hauch der 80er Jahre vermittelt, einen traumartigen Rahmen schafft, so als befände man sich in Ansätzen in einer Folge der Serie Twilight Zone (witzigerweise hatte Atom Egoyan tatsächlich eine Folge der in den 80er Jahren reanimierten Serie gedreht).

„Exotica“ ist ein ruhiger Film und dennoch scheint es im Hinblick auf Konflikte regelrecht, wenn auch auf subtile Weise, zu brodeln. Man folgt wie gebannt den Figuren und fragt sich dabei, auf welche Auflösung die Geschichte hinsteuert. Dabei ist der Film dermaßen vielschichtig und voller Symbole und Themen, dass „Exotica“ allein schon dadurch fasziniert.

Exotica. Regie, Drehbuch, Produktion: Atom Egoyan, Darsteller: Bruce Greenwood, Mia Kirshner, Elias Koteas, Sarah Polley. Kanada 1994

 

Die 90er: Robin Hood – König der Diebe (1991)

Robin Hood (Kevin Costner) bei der Arbeit; „Robin Hood“ (1991); © Warner Bros.

Wahrscheinlich löse ich einen Shitstorm ungeahnten Ausmaßes aus, wenn ich verrate, dass ich immer dann das Radio ausschalte, wenn Brian Adams‘ Sülzballade „Everything I do I do it for you“ läuft. Man sollte jedoch nicht von dem Song auf den Film schließen, denn „Robin Hood – König der Diebe“ aus dem Jahr 1991 gehört zu den unterhaltsamsten und actionreichsten Robin Hood-Verfilmungen.

Robin von Locksley kann in Jerusalem aus der Kriegsgefangenschaft fliehen – zusammen mit dem Mauren Azeem. Jahre später gelangen beide nach England, wo Robin zurück zu seinem Vater kehren möchte. Doch als er erfährt, dass sein Vater ermordet wurde und der Sheriff von Nottingham das Land drangsaliert, schließt er sich einer Räuberbande an, die in den tiefen Wäldern haust. Von dort aus nimmt Robin zusammen mit seinen neuen Freunden den Kampf gegen den Sheriff auf.

Zurück zu Brian Adams‘ Song, der sich auf die Liebesbeziehung zwischen Robin und Lady Marian bezieht. Im Grunde genommen ist das erstaunlich, denn das Thema spielt im ganzen Film eine eher untergeordnete Rolle. Vor allem geht es Regisseur Kevin Reynolds darum, Robins Aufstieg zum legendären Robin Hood nachzuverfolgen. Und dies geschieht mit viel Witz und Action, was „Robin Hood“ zu einem überaus gelungenen Abenteuerfilm macht.

Kevin Costner verleiht der Figur den dafür notwendigen Heldencharakter, Morgan Freeman als Maure hat immer wieder Seitenhiebe auf die nicht vorhandene Hygiene im Mittelalter auf Lager und Alan Rickman spielt auf köstliche Weise den bösen Sheriff. Demgegenüber verblasst die Rolle der Lady Marian beinahe, besonders auch aus dem Grund, da sie im Verhältnis zu den anderen Figuren, überraschend wenig auftaucht.

„Robin Hood – König der Diebe“ war 1991 der zweiterfolgreichste Film – geschlagen wurde er nur durch „Terminator 2“. Nach diesem Erfolg legte Regisseur Kevin Reynolds mit dem Abenteuerdrama „Rapa Nui“ (1994) und dem mit Kevin Costner zusammen gedrehten SF-Film „Waterworld“ (1995) zwei Flops hin. Mit seiner Version von Robin Hood jedoch schuf er einen Klassiker der 90er Jahre.

Robin Hood – König der Diebe (OT: Robin Hood – Prince of Thieves). Regie: Kevin Reynolds, Drehbuch u. Produktion: Pen Densham, Darsteller: Kevin Costner, Morgan Freeman, Alan Rickman, Mary Elizabeth Mastrantonio. USA 1991, 137 Min.

Die 90er: Rocketeer (1991)

Bereits 1983 sollte „Rocketeer“ verfilmt werden, doch gerieten Drehbuchschreiber und Produzenten sich in die Haare, sodass das Projekt zunächst einmal auf Eis gelegt wurde. Erst 1990 griffen die Disney Studios auf die Adaption von Dave Stevens Comic zurück. Bereits ein Jahr darauf kam der Film in die Kinos. Die Kritiker waren begeistert, dennoch spielte „The Rocketeer“ gerade mal die Produktionskosten ein.

Wieso der Film ein finanzieller Misserfolg war, kann nicht so richtig beurteilt werden. Manche Filmexperten schieben es auf ein falsches Marketingkonzept. So war das ursprüngliche Kinoplakat im Art Deco-Stil gehalten und darauf lediglich die Figur des Rocketeers zu sehen. Anscheinend konnten viele Zuschauer damit nichts anfangen (böse gesagt: keine Explosionen und keine Waffen = keine Zuschauer). Erst als klar wurde, dass der Film unterzugehen drohte, gestaltete man ein neues Plakat, auf dem die Hauptdarsteller Timothy Dalton, Jennifer Connelly und Bill Campbell zu sehen waren, doch konnte diese Aktion „The Rocketeer“ nicht mehr zum Erfolg verhelfen.

Das Plakat, das keinen Erfolg brachte

Wirklich schade, denn Joe Johnstons Verfilmung des Comics steckt voller Witz und Humor und besticht zugleich durch eine rasante Handlung. Der Film spielt 1938. Durch Zufall gelangen Cliff Secord und sein Freund, der Mechaniker A. Peevy, in den Besitz des Racketenrucksacks, als zwei Gangster während der Flucht vor dem FBI das neuartige Fluggerät in einem der Flugzeuge verstecken, die von Peevy repariert werde sollen. Da Cliff und Peevy so gut wie pleite sind, beschließen sie, mit dem Rucksack ein wenig Geld zu machen, um ihn später der Polizei zu übergeben.

Doch alles kommt natürlich anders als geplant. Denn als Cliff mithilfe der Raketen einen Freund aus einem abstürzenden Flugzeug rettet, ist der Raketenmann in aller Munde. Sogleich gerät Cliff in den Fokus der Nazis. Diese entführen Cliffs Freundin Jenny Blake. Und Cliff setzt alles daran, um sie zu retten.

Das neu gestaltete Plakat

Zunächst war geplant, „The Rocketeer“ in schwarzweiß zu drehen und ihn wie eine der alten Flash Gordon-Filme aus den 30ern wirken zu lassen. Die Produzenten wollten dieses Konzept allerdings nicht mitfinanzieren, also wurde dieser Plan aufgegeben und stattdessen auf Farbe gesetzt. Und speziell die Farbe macht diesen wunderbaren, leichten und positiven Grundton des Films aus. Man gab „The Rocketeer“ eine durchweg helle Farbgebung, die selbst in den düsteren und bedrohlichen Szenen durchscheint. Hinzu kommt die schwungvolle, witzige Story, die hervorragend unterhält und mit einer großartigen Optik daherkommt. „The Rocketeer“ war für den Saturn Award und den Hugo Award nominiert, doch gewann leider nicht (beide Preise gingen damals an „Terminator 2“).

Joe Johnston, der vor allem durch „Jumanji“ (1995) und „Captain America“ (2011) bekannt ist, wurde für die Regie engagiert – zuvor hatte er bei „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989) sein Debut gegeben. Trotz des Flops gilt „The Rocketeer“ inzwischen als Klassiker der 90er Jahre und teilweise sogar als Kultfilm, zu dem es sogar noch immer die Actionfiguren zu kaufen gibt. Angestachelt durch den nachträglichen Erfolg, ist zurzeit immer wieder die Rede von einem Sequel. Allerdings soll dieses nicht fürs Kino, sondern für den Streamingdienst von Disney produziert werden.

Rocketeer – Der Raketenmann (OT: The Rocketeer); Regie: Joe Johnston, Drehbuch: Danny Bilson, Paul de Med, Produtkion: Lawrence Gordon, Darsteller: Bill Campbell, Jennifer Connelly, Timothy Dalton. USA 1991

Die 90er: Judge Dredd (1995)

Judge Dredd (Sylvester Stallone) im Einsatz; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Die Kritiken waren damals überwiegend schlecht, dennoch wurde die Comic-Verfilmung „Judge Dredd“ zu einem großen Erfolg. Eigentlich war Arnold Schwarzenegger für die Hauptrolle vorgesehen und Richard Donner hätte Regie führen sollen. Doch dann wurde Sylvester Stallone für die Rolle des Judge Dredd engagiert und Danny Cannon, der hauptsächlich im TV-Bereich tätig ist, führte Regie.

Die Handlung spielt ca. 2080, fast die ganze Erde ist verwüstet. Die Menschheit konzentriert sich auf Megastädte, die mit hohen Mauern umgeben sind. Verbrechen und Chaos haben Hochkonjunktur. Um dennoch Recht und Ordnung zu schaffen, wurde eine Eliteeinheit gegründet, die sog. Judges. Der bekannteste unter ihnen ist Judge Dredd. Doch eines Tages wird ihm ein Mord angehängt und er soll lebenslang ins Gefängnis. Als jedoch der Gefangenentransporter abstürzt, befreit sich Dredd und nimmt die Chance war, um denjenigen aufzuspüren, der ihn beseitigen wollte …

Mit jeder Menge Action ballert sich Dredd durch Megacity, nicht nur, um den Bösewicht aufzuspüren, sondern auch, um das Geheimnis seiner eigenen Herkunft zu lösen. Dies alles mit Staraufgebot. Neben Stallone sind Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Diane Lane, Armand Assante und Joan Chen mit von der Partie.

Ein bisschen warm heute; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Vor allem, und selbst damalige Kritiker konnten dem nicht widersprechen, stechen in dem Film die großartigen Kulissen in die Augen. Schön gemacht ist hierbei vor allem, dass trotz der gewaltigen Größe von Megacity es Regisseur Danny Cannon gelingt, diese klaustrophobisch anmutende, menschenüberfüllte Enge darzustellen. Nirgendwo gibt es einen freien Platz, überall drängeln sich die Bewohner, hinzu kommt die ständige Bedrohung durch Gewalt.

Schön an dem Film ist ebenfalls, dass trotz des Actionschwerpunkts das eigentliche Thema nicht aus den Augen gelassen wird. Es geht um ethische und moralische Fragen und um grundlegende Fragen im Hinblick  auf Macht und Herrschaft. Teils in Form eines politischen Dramas, teils mit viel Selbstironie und schwarzem Humor handelt der Film diese Themen ab, wobei Dredds Kollegin Judge Barbara Hershey stets die Rolle des Gewissens zukommt.

In der Neuadaption von 2012 mit dem Titel „Dredd“ wird speziell diese Thematik so gut wie gar nicht berücksichtigt, was nicht heißt, dass „Dredd“ ein schelchter Film ist. Im Gegenteil, Regisseur Pete Travis schuf damit einen düsteren und erstklassigen Actionfilm. Mit dem eher verspielten „Judge Dredd“ aus dem Jahr 1995 hat „Dredd“ in seiner Machart fast nichts mehr zu tun. John Wagner, der die Figur des Judge Dredd 1977 erfand, war von Danny Cannons Version enttäuscht. Dagegen lobte er die Neuverfilmung, die auch bei Comic-Fans besser ankam.

Nichtsdestotrotz ist „Judge Dredd“ eine wunderbare Mischung aus Action, Humor und Science Fiction. Kurz: immer wieder sehenswert.

Judge Dredd. Regie: Danny Cannon, Drehbuch: Steven E. De Souza, William Wisher, Produktion: Charles M. Lippincott, Beau E. L. Marks, Darsteller: Sylvester Stallone, Armand Assante, Diane Lane, Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Joan Chen. USA 1995

 

 

Die 90er: Firestorm – Brennendes Inferno (1998)

Rettung in letzter Sekunde; „Firestorm“ (1998); © 20th Century Fox

Eigentlich hätte Sylvester Stallone die Hauptrolle bekommen sollen. Doch bevor das Projekt überhaupt nur ansatzweise umgesetzt werden konnte, ging die Produktionsfirma, die aus „Firestorm“ einen superteuren Actionfilm machen wollte, pleite. Das Projekt griff ein paar Jahre später 20th Century Fox auf. Das Budget wurde so minimal wie möglich gehalten und statt Stallone spielte nun der Ex-Footballspieler Howie Long die Hauptrolle.

Es geht um eine Gruppe sog. Smokejumper, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Menschen von einem Waldbrand überrascht werden oder vom Feuer eingeschlossen sind. Eines Tages kommt es gleich zu zwei Zwischenfällen: zum einen bricht ein unvorhergesehenes Feuer aus, zum anderen ist ein psychopathischer Mörder entflohen, der nun zusammen mit einer Gruppe Schwerverbrecher durch den Wald streift. Jesse Graves und sein Team haben also alle Hände voll zu tun.

Von Anfang an erhielt der Film fast ausnahmslos schlechte Kritiken, was dazu führte, dass „Firestorm“ an den Kinokassen mächtig floppte. Doch heißt das nicht, dass der Film tatsächlich schlecht ist. Nun ja, die Handlung kommt recht uninspiriert daher und erinnert ein wenig an „Cliffhanger“, nur dass hier die Berge mit einem Wald(brand) vertauscht wurden. Auch besitzt Hauptdarsteller Howie Long nicht die Ausstrahlung, um den Film meistern zu können, auch wenn er recht sympathisch rüberkommt.

Dennoch bietet der Film von Anfang an tolle Unterhaltung, und etwas anderes erwartet man ja auch nicht. Regie führte Dean Semler, der eigentlich als Kameramann tätig ist und u. a. mit Kevin Costner zusammengearbeitet hat, wobei er für „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) einen Oscar erhielt. In „Firestorm“ macht er aus dem geringen Budget, das er für die Produktion erhielt, das beste draus. Die Actionszenen sind hervorragend umgesetzt, und das Feuer heizt einen so richtig ein. Und wenn dann zwischendurch auch noch David Bowies „Putting out Fire“ (auch bekannt unter dem Titel „Cat People“) erklingt, während die Kamera auf den beginnenden Waldbrand zuschwebt, dann weiß jeder Actionfilmfan, dass es jetzt erst so richtig losgeht. Denn die beiden Handlungsstränge Waldbrand und Feuerwehrmann kämpft gegen Psychopathen (gespielt von dem auf Bösewichte abonnierten Schauspieler William Forsythe) steuern unweigerlich auf den Feuersturm zu, der dann auch das großartige Finale bildet.

Kurz und knapp: „Firestorm“ ist solide Actionunterhaltung, die immer wieder Spaß macht.

Firestorm – Brennendes Inferno (Firestorm). Regie: Dean Semler, Drehbuch: Chris Soth, Produktion: Joseph Loeb, Matthew Weisman, Darsteller: Howie Long, William Forsythe, Scott Glenn, Suzy Amis. USA 1998

Die 90er: Die Mumie (1999)

Rick O’Connell (Brendan Fraser) und Evelyn Carnahan (Rachel Weisz) in Bedrängnis; „Die Mumie“ (1999); © Universal Pictures

Auf den Erfolg von Stephen Sommers Abenteuer-Horror-Film „The Mummy“ hatte wohl niemand gewettet. Bis heute gilt er als einer der größten Überraschungshits der 90er Jahre. Bei Kosten von 80 Millionen Dollar spielte er weit über 400 Millionen Dollar ein.

Der Film ist ein Remake des Universal-Horrorklassikers „Die Mumie“ (1932) mit Boris Karloff. Während Karloff noch mit Baumwolle umwickelt wurde, damit er als Mumie durchging, besorgen dies bei Arnold Vosloo CGI-Effekte. Stephen Sommers, der Trash-Freunden durch den Film „Octalus“ bestens bekannt ist, behielt die grundlegende Handlung bei, doch statt Karl Freunds draculaartige Geschichte zu übernehmen, machte er daraus einen klassisch anmutenden Abenteuerfilm mit viel Klamauk und diversen Horrorelementen. Die Mischung passte und sorgte dafür, dass die Produzenten vor Freude in die Hände klatschten.

Es geht um den Hohepriester Imhotep und dessen heimliche Liebesbeziehung zur Mätresse des Pharaos. Als beide in flagranti erwischt werden, wird Anck-Su-Namun von den Wachen ermordet und Imhotep lebendig in einen Sarkophag eingeschlossen, nicht ohne ihn zuvor mit einem Fluch belegt zu haben. Im Jahr 1923 kommen der Abenteurer Rick O’Connell, die Ägyptologin Evelyn Carnahan sowie ihr Bruder Jonathan auf die Spur einer geheimnisvollen Grabstätte, in der ein sagenhafter Schatz vermutet wird. Bei der Suche danach erwecken sie Imhotep zum Leben, der in Evelyn seine einstige Geliebte sieht …

„Die Mumie“ ist zwar keineswegs gruselig, dafür aber sorgt Sommers, der auch das Drehbuch verfasste, für viel großangelegte Action. Der Film kennt nur wenige ruhige Momente, in den meisten Szenen wird geschrien, gerannt und gekämpft, wobei Sommers gekonnt immer wieder klassische Horrorelemente einwebt. Da in den 90er Jahren immer mehr CGI angewandt wurde, so strotzt auch „Die Mumie“ vor lauter Computereffekten, die jedoch keineswegs so aufdringlich sind wie in den beiden Fortsetzungen. Immer wieder lässt Sommers auch Puppen oder als Mumien verkleidete Stuntmen in Aktion treten, was dem Film zusätzlich seine klassisch anmutende Note verleiht.

Insgesamt ist „Die Mumie“ ein Riesenspaß. Die beiden Sequels (Sommers führte auch bei „Die Mumie kehrt zurück“ Regie) reichen allerdings an das Remake nicht mehr heran.

Die 90er: Twin Peaks – Fire walk with me (1992)

Lüften Laura Palmer (Sheryl Lee) und Specialagent Cooper (Kyle McLachlan) das Geheimnis? „Twin Peaks – Fire walk with me“ (1992); © Mk2; Arthouse

Trotz des Erfolgs der TV-Serie „Twin Peaks“ (1991 – 1992). floppte der Spielfilm, den David Lynch nachschob. Bei den damaligen Filmfestspielen in Cannes wurde „Twin Peaks – Fire walk with me“ von Kritikern ausgebuht. Aber nicht nur die schlechten Kritiken verhagelten David Lynch den gewünschten Erfolg, sondern auch die Fans der Serie, da für sie der Spielfilm nicht im Einklang mit dieser stand.

In der Tat ging bereits bei der Produktion vieles durcheinander, da manche Schauspieler der Serie nicht mitspielen wollten. Kyle McLachlan sagte zunächst ab, um später dann doch wieder zuzusagen. Das Drehbuch wurde also nochmals schnell umgeschrieben, um doch noch Platz für Specialagent Cooper zu schaffen.

„Twin Peaks – Fire walk with me“, der damals in den deutschen Kinos unter dem Titel „Twin Peaks – Der Film“ lief, ist das Prequel zur Serie, in dem erzählt wird, wie es zu dem Mord an Laura Palmer, der wohl berühmtesten Toten der Film- und TV-Geschichte, kam. Beschäftigt sich die erste halbe Stunde mit einem mysteriösen Kriminalfall, der in der Serie immer mal wieder angesprochen wurde: dem Mord an Teresa Banks, so kann der restliche Film als eine Mischung aus Drama und Mystery-Thriller bezeichnet werden. Hier geht es konkret um Laura Palmas zwielichtiges Leben, ihre Drogenabhängigkeit und ihre heimliche Tätigkeit als Prostituierte.

Zuschauer, die die Serie nicht kennen, werden die Handlung des Films wahrscheinlich nicht wirklich nachvollziehen können, zu stark konzentriert sich Lynch hier auf Aspekte der beiden vorangegangenen Staffeln. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, einen von der Serie relativ unabhängigen Film zu schaffen, so aber verliert er sich in Anspielungen, ohne dabei etwas konkret Neues zu liefern.

Waren die damaligen Kritiken durch die Bank weg vernichtend, so bewerten heutige Filmexperten „Twin Peaks – Fire walk with me“ als kleines Meisterwerk. Dies ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber was stimmt, ist, dass der Film weitaus besser ist als die damaligen Kritiker behaupteten. Vor allem das Spiel mit den subtilen, surrealen Aspekten, die auf ein kosmisches Grauen hinweisen, die aber gleichzeitig Merkmale von Laura Palmers psychischen Zustand sein könnten, ist sehr gut umgesetzt.

Auf diese Weise kann man David Lynch‘ Film auf zwei Arten sehen: als das Drama um eine junge Frau, die von ihrem Vater missbraucht wird und sich in Drogen flüchtet, oder als mysteriösen Thriller, in dem es um eine junge Frau geht, die von einem unheimlichen Dämon heimgesucht wird. Beide Ebenen verschmelzen zu einer einzigen und geben dadurch den Themen Unsicherheit, Angst und zerstörte Familienverhältnisse einen doppelten Boden.

Im Gegensatz zur USA, Deutschland (wo auch schon die Serie einen eher geringen Erfolg erzielt hatte) und anderen westlichen Ländern, geriet der Film in Japan zu einem Überraschungserfolg. „Twin Peaks“ wurde vor allem von Frauen gesehen, die von der Figur Laura Palmer bestürzt und zugleich begeistert waren, sahen sie doch darin ein Symbol für die damals aufkommende neue Emanzipationsbewegung.

Die 90er: Event Horizon (1997)

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

„Wollen sie etwas Heißes, Schwarzes in sich haben? – Wollen sie einen Schluck Kaffee?“ Spätesten bei dieser Dialogzeile ist eines klar: Man befindet sich bereits mitten in der rasanten Handlung einer der SF-Horror-Perlen der 90er Jahre. Obwohl in den 90ern die Hollywoodkrise ihren Anfang nahm, kamen dennoch eine Reihe ganz passabler Filme in die Kinos – vor allem in die kleineren Kinos, denn ein Film wie „Event Horizon“ würde heutzutage entweder gleich auf DVD erscheinen oder von Netflix gekapert werden.

Damals aber wirkten die 80er Jahre noch immer irgendwie nach und vor allem die privat betriebenen Kinos waren froh, wenn sie ihr Stammpublikum mit Filmen wie „Event Horizon“ beglücken durften. Doch leider war diesem Film damals nicht der große Erfolg beschieden. Der Film spielte nicht einmal die Hälfte der Produktionskosten ein. Für Regisseur Paul W. S. Anderson war es nach „Shopping“ (1994) und „Mortal Kombat“ (1995) der dritte Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Philip Eisner, der eigentlich Dozent für Drehbuchschreiben an verschiedenen Universitäten ist.

Die geniale Idee bei „Event Horizon“ ist zugleich ganz simpel: Eisner verlegte einfach die Aspekte des Geisterhausfilms in den Weltraum, und dies auf eine so überragende Weise, dass der Film einen immer wieder gefällt, selbst dann, wenn man sämtliche Dialoge auswendig kann. In dieser Hinsicht lässt sich auch die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen: Die Besatzung eines Rettungsschiffs erhält den Auftrag, einem Signal nachzugehen, das in der Nähe von Proxima Centauri plötzlich aufgetaucht ist. Ursprung des Signals soll die Event Horizon sein, die vor sieben Jahren dort spurlos verschwunden ist. Tatsächlich finden Captain Miller und sein Team das Schiff. Zusammen mit Dr. Weir, der das Schiff und den Antrieb entworfen hat, gehen sie an Bord …

Erst vor wenigen Tagen, als das Foto eines Schwarzen Lochs durch die Medien geisterte, twitterte Sam Neill, der Dr. Weir spielt, dass er bereits dort gewesen sei. Alle SF-Fans waren darüber hellauf begeistert, war dies doch als nette Anspielung auf „Event Horizon“ gemeint. Dass der Film damals floppte, lag wahrscheinlich auch an der recht unglücklichen Ankündigung von Paramount, dass es sich dabei um einen unheimlichen Film handele, bei dem man die Bedrohung jedoch nicht wirklich sehen würde. Man könnte sagen, dass damit das Schicksal des Films bereits besiegelt war. Denn vor allem die voreingenommenen Filmkritiker konnten mit „Event Horizon“ nicht wirklich etwas anfangen.

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

Wie gesagt, orientiert sich der Film am Geisterhausgenre, was dazu führt, dass er genauso auch funktioniert. Dementsprechend tauchen auch keine Monster auf, sondern die Besatzung des Rettungsschiffs hat es teilweise mit klassischen Spukphänomenen zu tun. Wenn dann etwas von außen gegen die Tür der Brücke der Event Horizon klopft, dann ist der Bezug noch deutlicher, handelt es sich dabei doch um ein Zitat aus dem Klassiker „Bis das Blut gefriert“ (1963).

Spannungsaufbau, Action und Dialoge erscheinen dabei wie aus dem Lehrbuch, was, wie bereits erwähnt, kein Wunder ist, gehört Philip Eisner doch zu den renommiertesten Dozenten für Drehbuchschreiben. Actionregisseur Paul W. S. Anderson tat sein Übriges und fertig war einer der unterhaltsamsten SF-Horror-Filme überhaupt – mit einem der besten Raumschiffdesgins. Der Film hat bis heute nichts von seiner Frische verloren. Die Darsteller sind voll bei der Sache und steigern sich gegenseitig richtig in ihre Rollen hinein, was dazu führt, dass ihre Lust am Spiel dem Film eine ungeheure Lebendigkeit verleiht. Kurz: „Event Horizon“ ist schlicht und ergreifend ein klasse Film.

Event Horizon. Regie: Paul W. S. Anderson, Drehbuch: Philip Eisner, Produktion: Lawrence Gordon, Darsteller: Laurence Fishburn, Sam Neill, Kathleen Quinlan, Jason Isaacs, Richard T. Jones, Sean Pertwee, Jack Noseworthy, Joely Richardson. England/USA 1997, 96 Min.

 

Die 90er: House on Haunted Hill (1999)

Gleich passiert was! („House on Haunted Hill“ (1999); © Warner Bros.)

Mitte der 90er Jahre kam es zu einem erneuten Aufschwung des Horrorgenres, nachdem sich dieses Ende der 80er Jahre mit Ach und Krach verabschiedet hatte. Wes Cravens „Scream“ gilt hierbei als Startpunkt der neuen Welle, die bis heute anhält, wobei man heutzutage durchaus von einer neuen neuen Horrorwelle sprechen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem sich durch „Scream“ der Slasher-Movie wieder etabliert hatte, kam es Ende der 90er Jahre zu einer Vielzahl an Geisterhausfilmen, die sich an klassischen Motiven orientierten, diese aber mit neuen Effekten verbanden. Wen wundert es da, dass zwei davon Remakes von Horrorklassikern waren.

„Das Geisterschloss“ (1999; im Original „The Haunting“) ist ein Remake des Klassikers „Bis das Blut gefriert“ (1963; im Original ebenfalls „The Haunting“). Beides sind zugleich Adaptionen von Shirley Jacksons großartigen Roman „Spuk von Hill House“. Als zweites haben wir da „House on Haunted Hill“ (1999), bei dem es sich um das Remake des gleichnamigen William Castle-Films aus dem Jahr 1959 handelt – Castles Tochter Terry Castle produzierte das Remake mit.

Um es kurz zu machen: Das Remake besitzt zwar keineswegs den Charme des Originals, kann aber als selbständiger Film durchaus punkten. Zum einen zeigt Regisseur William Malone, wie gelungen man eine Story aus den 50er Jahren in die Gegenwart übertragen kann, zum anderen liefert er – ähnlich wie William Castle – eine rasante Achterbahnfahrt ab – nicht umsonst erweist sich die Achterbahn am Anfang des Films als ein Symbol für die restliche Handlung.

In der Tat rast die Story mit einem ungeheuren Tempo voran, was natürlich dazu führt, dass die einzelnen Figuren eher blass erscheinen. Hier nochmals zur Erinnerung: In „House on Haunted Hill“ geht es um Gäste, die in ein bizarres Haus eingeladen werden, um an einer Geburtstagsparty teilzunehmen. Doch nach und nach geschehen dort unheimliche Dinge und ein Gast nach dem anderen wird Opfer eines unbekannten Täters. Alle nehmen an, dass der Täter niemand anderer als Steve Price ist, der seine Frau umbringen möchte. Anscheinend aber besitzt das Haus ein rätselhaftes Eigenleben.

Schön bei dem Remake ist, dass der Film das Jugendstildesign des Gebäudes vom Original übernimmt. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass das Haus in der William Castle-Version eine Villa ist, während es sich bei dem Gebäude im Remake um eine Art Hochhaus handelt, in der früher einmal eine Klinik für Geisteskranke untergebracht war.

Witzig ist, dass Geoffrey Rush, der Steve Price spielt, sein Aussehen dem des Regisseurs John Waters nachempfinden wollte. Daher waren er und die Crew überrascht, als es überall hieß, er sehe in dem Film wie Vincent Price aus. In der Tat muss man bei manchen Szenen zweimal hinschauen, denn die Ähnlichkeit zwischen Rush und Price ist in dem Film gelegentlich wirklich enorm.

Auf alle Fälle scheinen alle Beteiligten viel Spaß beim Dreh gehabt zu haben, was auch im fertigen Film schön rüberkommt. Die schnelle Handlung und die witzigen Dialoge liefern eine schwarzhumorige Unterhaltung, bei der neben Geoffrey Rush Famke Jansen als seine Ehefrau auftritt. Zusammen mit den Gästen, wirkt dies wie eine Horrorversion von Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“, was vielleicht so gewollt ist, auf jeden Fall aber sehr schön funktioniert.

In ein paar Einstellungen ist auch Jeoffrey Combs als wahnsinniger Psychiater zu sehen. Leider kommt seine Rolle nicht wirklich zur Geltung, sondern geht mehr oder weniger im Trubel des gesamten Films unter. Trotz der eher schlechten Kritiken von damals, ist „House on Haunted Hill“ ein wirklich nettes und witziges Horrorfilmchen, das zwar kein bisschen gruselig ist, davor aber wirklich Spaß macht.

House on Haunted Hill. Regie: William Malone, Drehbuch: Dick Beebe, Produktion: Robert Zemeckis, Joel Silver, Darsteller: Geoffrey Rush, Famke Jansen, Taye Diggs, Ali Larter, Bridgette Wilson, Peter Gallagher, Chris Kattah. USA 1999, 89 Min.

 

Die 90er: Leprechaun (1993)

Wer ein bisschen in den 90er Jahren herumgräbt, der wird irgendwann einmal auf das witzige Horrorfilmchen „Leprechaun“ von Regisseur Mark Jones stoßen, bei dem selbst die Produzenten sich wunderten, dass er an den Kinokassen ein so großer Erfolg wurde.

Von den Filmkritikern völlig verrissen, wurde „Leprechaun“ dennoch zu einer Art Kultfilm, der fünf weitere Filme nach sich zog, von denen jedoch alle nicht mehr der Rede wert sind. „Leprechaun“ dagegen ist eine wahre Trashperle, die von Anfang an köstlich unterhält. Es geht darin um einen Schatz, bestehend aus 100 Goldmünzen, den Dan O’Grady aus Irland nach North Dakota bringt. Dummerweise aber hat er diesen Schatz einem Leprechaun, einem Kobold, abgenommen, und dieser ist ihm bis in die USA gefolgt – mit üblen Konsequenzen für O’Grady und dessen Frau.

Ein paar Jahre später zieht Tory zusammen mit ihrem Vater in das leer stehende Haus der O’Gradys. Bei den Renovierungsarbeiten findet der Anstreicher Ozzie den Goldschatz, was dazu führt, dass von da an Tory und die Handwerker von dem Leprechaun verfolgt werden.

Viele Kritiker wunderten sich damals, dass es sich bei „Leprechaun“ tatsächlich um einen Kinofilm handelte. Denn die Produktion wirkt eher, als wäre sie allein für den Videomarkt gedreht worden. Auch unterliefen dem Regisseur allerhand Fehler, die er aber einfach beibehielt, in der Hoffnung, dass sie niemand merkt. Ein Beispiel wäre das Telefon, mit dem Tory die Polizei anruft, um kurz darauf festzustellen, dass sie niemanden anrufen können, da das Telefon kaputt sei.

Witzig auch der Kostümfehler in der Szene, in der Ozzie zusammen mit Alex einen Juwelier aufsucht, um eines der Goldstücke schätzen zu lassen. Die Hosenträger des Juweliers haben sich auf der Rückseite vom Hosenbund gelöst. Kurz darauf sind sie wieder befestigt. Unerwähnt lassen darf man auch nicht die unglaublich schlechte Montage des Films, die an manchen Stellen fast schon weh tut. All diese Merkmale lassen „Leprechaun“ daher eher in die Kategorie Trash fallen, als in die des Horrorfilms.

Doch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht natürlich der Leprechaun selbst, köstlich gespielt von Warwick Davis. Die Koboldmaske und das Kostüm sind hervorragend und stehen im vollen Gegensatz zum eigentlichen Film. Gelungen ist ebenfalls, wie Mark Jones, der u. a. auch die TV-Serie „Knight Rider“ mitproduzierte, die Legendenmerkmale des Leprechauns in die Handlung des Films eingewebt hat. So muss der Leprechaun z.B. sofort Schuhe putzen, wenn er welche sieht, was sich in einer Szene Tory und ihre Freunde zunutze machen.

Der Film spielte an den Kinokassen beinahe das Zehnfache seiner Produktionskosten ein. Bei den nachfolgenden „Leprechaun“-Filmen war Mark Jones zwar noch als Drehbuchautor und Produzent tätig, führte aber selbst nicht mehr Regie.

Leprechaun. Regie u. Drehbuch: Mark Jones, Produktion: Jeffrey B. Mallian, Darsteller: Warwick Davis, Jennifer Aniston, Ken Olandt, Mark Holton. USA 1993, 92 Min.