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Posts Tagged ‘Beat Generation’

Jack Kerouac (1922 – 1969) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation. Mit seinem Roman „On the Road“ verfasste er einen seiner größten Erfolge und wurde zum gefeierten literarischen Star. Die Geschichte von Jack Duluoz und seines Freundes Cody, die quer durch die USA reisen, sich um nichts großartig kümmern, sondern im Grunde genommen eine Dauerparty feiern, schrieb Kerouac zwar bereits 1951, wurde aber erst 1957 veröffentlicht.

Der Ruhm aber fraß Kerouac regelrecht auf. Drogen und Alkohol trieben ihn in eine Krise, hinzu kam die ständige Belestigung von Fans, die sogar in sein Haus eindrangen, um mit ihm eine Party zu feiern.

Um diese Phase seines Lebens zu verarbeiten, verfasste Jack Kerouac 1961 den Roman „Big Sur“, wie „On the Road“ ein autobiographisch geprägter Roman, in dem Jack Duluoz, der inzwischen ein gefeierter Autor ist, vor seinen Fans in eine Ferienhütte flieht. Völlig abgeschieden von der Öffentlichkeit verbringt er dort drei Wochen, bevor er wieder zurück nach San Francisco kehrt.

Eigentlich hofft Jack, sich in der Einsamkeit von dem ganzen Rummel um seine Person erholen zu können. Nachdem er jedoch wieder bei seinen Freunden ist und er erneut mit dem Trinken beginnt, kommt es zum psychischen Zusammenbruch …

Jack Kerouac (1956)

Wenn man will, könnte man „Big Sur“ als die direkte Fortsetzung von „On the Road“ betrachten. Während der erste Roman allerdings von einer nicht versiegenden Lebensfreude und einem wahren Lebensrausch erfüllt ist, so schleichen sich in „Big Sur“ mehr und mehr düstere Töne ein. Wie auch „On the Road“, so verfasste Kerouac „Big Sur“ ebenfalls in einem rasenden Schreibstil, nur dass er dieses Mal sein Alter Ego Jack Duluoz in einen psychischen Abgrund reißt.

Jack kann einfach nicht mehr aufhören mit dem Trinken. Er nimmt keine Nahrung mehr auf, sondern frönt ständig nur dem Alkohol. Wenn kein Wein oder Schnaps in der Nähe ist, beginnen bei ihm sofort die Entzugserscheinungen. Jack Kerouac blickt in „Big Sur“ hinter die Fassade seines eigenen Ruhms, beschreibt beinahe minutiös seinen psychsichen Verfall. Der Roman treibt den Leser genauso mit sich wie „On the Road“, doch herrschen in der Quasi-Fortsetzung eher finstere Farben, eine unheimliche Ernücherung macht sich breit, der Figur Jack wird auf einmal klar, dass er nie an die Konsequenzen seines Dauer-Spaßes gedacht hat.

„Big Sur“ ist ein düsterer Sprachrausch. Jack Kerouacs atemloser Schreibstil lässt den Leser in geradezu rasendem Tempo durch die Geschichte gleiten, die tragisch, aber nicht ohne Witz, auf eine unaufhaltbare Katastrophe zusteuert. Es macht den Eindruck, als würde Jack mit hundertachtzig Sachen auf eine Mauer zu rasen. Ein toller Roman, der noch lange in einem nachhallt.

Jack Kerouac. Big Sur – Die Zerstörung. Festa Verlag 2017, 320 Seiten, 16,80 Euro, ISBN: 978-3-86552-504-8

 

 

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