Und es hat Bumm gemacht: Greenland (2020)

Regisseur Ric Roman Waugh hat es geschafft: einen Katastrophenfilm zu inszenieren, in dem die eigentliche Katastrophe so zur Nebensache wird, dass sie beinahe gar nicht erscheint. Stattdessen gibt es den üblichen Ehekonflikt, das übliche kränkelnde Kind und die üblichen Fieslinge.

Mitten in allem steht der Bauingenieur John Garrity, der zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn ausgewählt wurde, um die Katastrophe eines Meteoriteneinschlags in einem Bunker in Grönland zu verbringen. Das bringt natürlich Neid und Missgunst mit sich, die Familie wird aufgrund der üblichen Zwischenfälle getrennt und schließlich … Ja schließlich wartet der Katastrophenfilmexperte auf den Megaeinschlag – aber dieser wird ebenfalls lediglich wie nebenher in Szene gesetzt.

Interessanterweise fanden diesen Aspekt viele Kritiker gut. Nun, es ist sozusagen eine andere Perspektive auf ein Katastrophenszenario, doch kein wirklich originelles. Der Film lehnt sich in Ansätzen an den Klassiker „Der jüngste Tag“ (1951) von Regisseur Rudoph Maté an (basierend auf dem Roman „Wenn Welten zusammenstoßen“ von Philip Wylie und Edwin Balmer), erreicht aber nicht einmal in Ansätzen dessen Qualität.

Vor allem ist die Botschaft des Films ein wenig bedenklich: kein kritisches Hinterfragen, sondern eine durch und durch unkritische, kapitalistische Sichtweise auf die Katastrophe, dass man schon fast von ideologischen Konzepten sprechen muss. In „Der jüngste Tag“ wird dieses soziale Problem teils hinterfragt und, was wichtig ist, logisch erklärt. In „Greenland“ haben wir lediglich ein plakatives Vorgehen, das von einer nicht genau definierten Elite ins Leben gerufen wurde und an das sich John Garrity und seine Familie brav hält – ein unterschwelliger Sozialdarwinismus macht sich dabei bemerkbar, der sich allein durch Bildung, Erfolg und Reichtum definiert (wobei Bildung nicht unweigerlich zu Erfolg und Reichtum führt, wie Politiker und Ökonomen gerne behaupten). Alle anderen Menschen werden dadurch indirekt als nutzlos abgestempelt.

Meine Güte, das klingt jetzt, als wäre ich zu den Verschwörungstheoretikern übergelaufen. Da sieht man mal, was ein Film mit einem alles anstellen kann :) . Hinzu kommt das Finale, das, berücksichtigt man die Zeit, die den Garritys bleibt, um nach Grönland zu kommen, völliger Blödsinn ist. Und auch Garritys Meinung, dass man unter der Brücke vor den Meteoritenbruchstücken in Sicherheit ist, entbehrt jeglicher Logik – besonders, da wegen eines Einschlags kurz zuvor eine Brücke eingestürzt ist. Nun ja, was bleibt, sind wenige, aber gut gemachte Actionszenen. Leider droht Regisseur Waugh mit einer Fortsetzung. Man darf gespannt sein, wie die oben skizzierten ideologischen Elemente weiterentwickelt werden.

Greenland. Regisseur: Ric Roman Waugh, Produktion: Gerard Butler, Drehbuch: Chris Sparling, Darsteller: Gerard Butler, Morean Baccarin, Roger Dale Floyd, Scott Glen. USA 2020

Richard Stanley zum Dritten: Die Farbe aus dem All

Die bizarre Gefahr breitet sich aus; „Die Farbe aus dem All“ (2019); © Koch Film

Bereits mit seinem ersten Film „M.A.R.K. 13“ (Hardware) aus dem Jahr 1990 schuf Regisseur Richard Stanley einen Klassiker des SF-Kinos. Zwei Jahre danach folgte der Horrorfilm „Dust Devil“, der leider sofort auf Video veröffentlich wurde. Und danach … Nun danach folgten sage und schreibe 30 Jahre Funkstille. Zwar verfasste Stanley mehrere Drehbücher oder arbeitete daran mit, doch einen weiteren Spielfilm drehte er nicht.

Erst 2019 kehrte Richard Stanley mit der freien Lovecraft-Adaption „Die Farbe aus dem All“ auf die Leinwand zurück. Dass Stanley ein hervorragender Regisseur ist, zeigte er bereits in seinem Debüt. Und wenn man sich „Die Farbe aus dem All“ ansieht, dann bestätigt sich dies. Bei Stanleys dritten Spielfilm handelt es sich allerdings nicht um die erste Verfilmung des Stoffes. Diese Ehre kommt „Die, Monster, Die!“ aus dem Jahr 1965 zu. Überaus erwähnenswert ist auch die japanische Verfilmung „Uzumaki“ von Regisseur Higuchinski aus dem Jahr 2000.

Richard Stanley geht jedoch einen völlig anderen Weg als die früheren Produktionen. Er vermischt modernen Horror mit psychedelischem Bilderrausch, um sich auf diese Weise dem „unaussprechlichem Grauen“, wie Lovecraft dies gerne bezeichnete, anzunähern. Dabei bespickt er seinen Film, zu dem er auch das Drehbuch verfasste, mit jeder Menge gewitzter Anspielungen auf andere Lovecraft-Geschichten (schon allein das dreieckige Dachfenster ist genial) sowie auf Autoren, wie z.B. Algernon Blackwood, von denen Lovecraft begeistert war.

Die Handlung besteht darin, dass eines Tages ein Meteor in den Garten der Gardners (im Grunde genommen ein witziges Wortspiel) fällt, der die Landschaft, die Tiere und schließlich auch die Menschen verändert. Von dem Meteor geht immer wieder eine surreale Farbe aus, die alles auf psychedelische Weise zum Leuchten bringt.

„Die Farbe aus dem All“ besticht nicht nur durch die bizarren Farbeffekte, sondern zugleich durch eine wunderbare Optik. Stanley bezieht sich bei den Spezialeffekten auf die 80er Jahre, nicht ohne Grund, kam es in den 80ern doch zu einer Mehrzahl von Verfilmungen von Lovecraft-Geschichten, von denen „Reanimator“ (1984) zu den bekanntesten gehört. Stanley aber übertreibt es nicht mit den Splattereffekten, sondern hält sich hierbei eher zurück, um sich verstärkt auf die bedrohliche Atmosphäre zu beziehen. Und dabei kommt er Lovecrafts grundlegender Idee, ein unfassbares Grauen zu beschreiben, ziemlich nahe.

Weswegen Nicolas Cage die Hauptrolle erhielt, ist im Grunde nicht nachzuvollziehen. Denn ausgerechnet er passt gar nicht in den Film. Sein Spiel wirkt teilweise unbeholfen, seine Figur ist am wenigsten ausgeprägt. Ein anderer Darsteller wäre hierbei sicherlich besser gewesen.

Doch unabhängig davon ist „Die Farbe aus dem All“ ein gewitzter Horrorfilm, der sehr gut unterhält. Hoffentlich dauert es nicht wieder 30 Jahre, bis Richard Stanley einen neuen Film dreht.

Die Farbe aus dem All (OT: Color out of Space). Regie u. Drehbuch: Richard Stanley, Produktion: Elijah Wood, Darsteller: Nicolas Cage, Joely Richardson, Madeleine Arthur, Brendan Meyer. USA 2019

Die 90er: Rocketeer (1991)

Bereits 1983 sollte „Rocketeer“ verfilmt werden, doch gerieten Drehbuchschreiber und Produzenten sich in die Haare, sodass das Projekt zunächst einmal auf Eis gelegt wurde. Erst 1990 griffen die Disney Studios auf die Adaption von Dave Stevens Comic zurück. Bereits ein Jahr darauf kam der Film in die Kinos. Die Kritiker waren begeistert, dennoch spielte „The Rocketeer“ gerade mal die Produktionskosten ein.

Wieso der Film ein finanzieller Misserfolg war, kann nicht so richtig beurteilt werden. Manche Filmexperten schieben es auf ein falsches Marketingkonzept. So war das ursprüngliche Kinoplakat im Art Deco-Stil gehalten und darauf lediglich die Figur des Rocketeers zu sehen. Anscheinend konnten viele Zuschauer damit nichts anfangen (böse gesagt: keine Explosionen und keine Waffen = keine Zuschauer). Erst als klar wurde, dass der Film unterzugehen drohte, gestaltete man ein neues Plakat, auf dem die Hauptdarsteller Timothy Dalton, Jennifer Connelly und Bill Campbell zu sehen waren, doch konnte diese Aktion „The Rocketeer“ nicht mehr zum Erfolg verhelfen.

Das Plakat, das keinen Erfolg brachte

Wirklich schade, denn Joe Johnstons Verfilmung des Comics steckt voller Witz und Humor und besticht zugleich durch eine rasante Handlung. Der Film spielt 1938. Durch Zufall gelangen Cliff Secord und sein Freund, der Mechaniker A. Peevy, in den Besitz des Racketenrucksacks, als zwei Gangster während der Flucht vor dem FBI das neuartige Fluggerät in einem der Flugzeuge verstecken, die von Peevy repariert werde sollen. Da Cliff und Peevy so gut wie pleite sind, beschließen sie, mit dem Rucksack ein wenig Geld zu machen, um ihn später der Polizei zu übergeben.

Doch alles kommt natürlich anders als geplant. Denn als Cliff mithilfe der Raketen einen Freund aus einem abstürzenden Flugzeug rettet, ist der Raketenmann in aller Munde. Sogleich gerät Cliff in den Fokus der Nazis. Diese entführen Cliffs Freundin Jenny Blake. Und Cliff setzt alles daran, um sie zu retten.

Das neu gestaltete Plakat

Zunächst war geplant, „The Rocketeer“ in schwarzweiß zu drehen und ihn wie eine der alten Flash Gordon-Filme aus den 30ern wirken zu lassen. Die Produzenten wollten dieses Konzept allerdings nicht mitfinanzieren, also wurde dieser Plan aufgegeben und stattdessen auf Farbe gesetzt. Und speziell die Farbe macht diesen wunderbaren, leichten und positiven Grundton des Films aus. Man gab „The Rocketeer“ eine durchweg helle Farbgebung, die selbst in den düsteren und bedrohlichen Szenen durchscheint. Hinzu kommt die schwungvolle, witzige Story, die hervorragend unterhält und mit einer großartigen Optik daherkommt. „The Rocketeer“ war für den Saturn Award und den Hugo Award nominiert, doch gewann leider nicht (beide Preise gingen damals an „Terminator 2“).

Joe Johnston, der vor allem durch „Jumanji“ (1995) und „Captain America“ (2011) bekannt ist, wurde für die Regie engagiert – zuvor hatte er bei „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989) sein Debut gegeben. Trotz des Flops gilt „The Rocketeer“ inzwischen als Klassiker der 90er Jahre und teilweise sogar als Kultfilm, zu dem es sogar noch immer die Actionfiguren zu kaufen gibt. Angestachelt durch den nachträglichen Erfolg, ist zurzeit immer wieder die Rede von einem Sequel. Allerdings soll dieses nicht fürs Kino, sondern für den Streamingdienst von Disney produziert werden.

Rocketeer – Der Raketenmann (OT: The Rocketeer); Regie: Joe Johnston, Drehbuch: Danny Bilson, Paul de Med, Produtkion: Lawrence Gordon, Darsteller: Bill Campbell, Jennifer Connelly, Timothy Dalton. USA 1991

Die 90er: Judge Dredd (1995)

Judge Dredd (Sylvester Stallone) im Einsatz; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Die Kritiken waren damals überwiegend schlecht, dennoch wurde die Comic-Verfilmung „Judge Dredd“ zu einem großen Erfolg. Eigentlich war Arnold Schwarzenegger für die Hauptrolle vorgesehen und Richard Donner hätte Regie führen sollen. Doch dann wurde Sylvester Stallone für die Rolle des Judge Dredd engagiert und Danny Cannon, der hauptsächlich im TV-Bereich tätig ist, führte Regie.

Die Handlung spielt ca. 2080, fast die ganze Erde ist verwüstet. Die Menschheit konzentriert sich auf Megastädte, die mit hohen Mauern umgeben sind. Verbrechen und Chaos haben Hochkonjunktur. Um dennoch Recht und Ordnung zu schaffen, wurde eine Eliteeinheit gegründet, die sog. Judges. Der bekannteste unter ihnen ist Judge Dredd. Doch eines Tages wird ihm ein Mord angehängt und er soll lebenslang ins Gefängnis. Als jedoch der Gefangenentransporter abstürzt, befreit sich Dredd und nimmt die Chance war, um denjenigen aufzuspüren, der ihn beseitigen wollte …

Mit jeder Menge Action ballert sich Dredd durch Megacity, nicht nur, um den Bösewicht aufzuspüren, sondern auch, um das Geheimnis seiner eigenen Herkunft zu lösen. Dies alles mit Staraufgebot. Neben Stallone sind Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Diane Lane, Armand Assante und Joan Chen mit von der Partie.

Ein bisschen warm heute; „Judge Dredd“ (1995); © Universum Film

Vor allem, und selbst damalige Kritiker konnten dem nicht widersprechen, stechen in dem Film die großartigen Kulissen in die Augen. Schön gemacht ist hierbei vor allem, dass trotz der gewaltigen Größe von Megacity es Regisseur Danny Cannon gelingt, diese klaustrophobisch anmutende, menschenüberfüllte Enge darzustellen. Nirgendwo gibt es einen freien Platz, überall drängeln sich die Bewohner, hinzu kommt die ständige Bedrohung durch Gewalt.

Schön an dem Film ist ebenfalls, dass trotz des Actionschwerpunkts das eigentliche Thema nicht aus den Augen gelassen wird. Es geht um ethische und moralische Fragen und um grundlegende Fragen im Hinblick  auf Macht und Herrschaft. Teils in Form eines politischen Dramas, teils mit viel Selbstironie und schwarzem Humor handelt der Film diese Themen ab, wobei Dredds Kollegin Judge Barbara Hershey stets die Rolle des Gewissens zukommt.

In der Neuadaption von 2012 mit dem Titel „Dredd“ wird speziell diese Thematik so gut wie gar nicht berücksichtigt, was nicht heißt, dass „Dredd“ ein schelchter Film ist. Im Gegenteil, Regisseur Pete Travis schuf damit einen düsteren und erstklassigen Actionfilm. Mit dem eher verspielten „Judge Dredd“ aus dem Jahr 1995 hat „Dredd“ in seiner Machart fast nichts mehr zu tun. John Wagner, der die Figur des Judge Dredd 1977 erfand, war von Danny Cannons Version enttäuscht. Dagegen lobte er die Neuverfilmung, die auch bei Comic-Fans besser ankam.

Nichtsdestotrotz ist „Judge Dredd“ eine wunderbare Mischung aus Action, Humor und Science Fiction. Kurz: immer wieder sehenswert.

Judge Dredd. Regie: Danny Cannon, Drehbuch: Steven E. De Souza, William Wisher, Produktion: Charles M. Lippincott, Beau E. L. Marks, Darsteller: Sylvester Stallone, Armand Assante, Diane Lane, Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Joan Chen. USA 1995

 

 

Fahrenheit 451 oder eine Neuverfilmung, die Angst vor zu harscher Kritik hat

Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Papier Feuer fängt. Ray Bradburys Klassiker über eine Welt, in der Bücher und daher auch das Lesen verboten sind, wirkt heute aktueller als zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung im Jahr 1953. Daher war es kein Wunder, dass sich ein Regisseur erneut an den Stoff wagte – die Erstverfilmung von Francois Truffaut stammt aus dem Jahr 1966. Das Resultat aber fällt mau aus.

Der mehrfach für den Goldenen Löwen nominierte Regisseur Ramin Bahrani arbeitete bereits seit 2016 an dem Drehbuch der Neuadaption von Bradburys SF-Roman „Fahrenheit 451“. Nachdem der Film 2018 beim Filmfestival in Cannes seine Premiere feierte, wurde er danach auf DVD vermarktet.

Man hatte viel erwartet. Vielleicht ein wenig zu viel. Denn das, was Bahrani abliefert, ist ganz und gar lauwarm. Michael Shannon mimt mal wieder den Bösewicht und wie immer geht er hervorragend in dieser Rolle auf. Auch Michael B. Jordan, der den Film mitproduzierte, wirkt in seiner Rolle ganz passabel. Das Problem des Films liegt daher ganz woanders. Nämlich darin, dass sich Ramin Bahrani nicht traut, eine vehemente Kritik an der heutigen Gesellschaft und der Zunahme an totalitären Staaten zu schaffen.

Nein, er reißt die jeweiligen Themen wie Fake News, Trumpismus, zunehmenden Lesefrust und die Zunahme der staatlichen Kontrolle nur vorsichtig an. Die Folge ist natürlich, dass der Film in seiner Gesellschaftskritik so harmlos ist wie ein Katzenbaby. Auch der Versuch, Bradburys Roman in unsere Zeit zu verfrachten, gelingt daher nicht wirklich. In Ansätzen nicht schlecht, weiß Bahrani dennoch nicht, wie er sich verhalten soll. In wenigen Szenen geht er direkt auf die Vorlage ein, nur um sich danach jeweils wieder schnell zu entfernen, so als fürchtete er sich davor, sich die Finger zu verbrennen.

Schade, denn einen Film, der die Kritik an unserer Gesellschaft direkt auf den Punkt bringt, hätte es gebraucht. Doch so kommt lediglich heraus, dass die USA seit Trump einem zunehmden Idiotismus anheimfallen, während es in Kanada zum Glück noch immer gebildete Leute gibt. Nun ja, für diese ironische und satirisch zugespitzte Schlussfolgerung hätte es diesen Film nicht gebraucht.

Sonderausgabe 4: Phantastische Pole

Sonderausgabe 4 ist erschienen! :) Darin beschäftigen wir uns mit phantastischen Filmen, die an Nord- und Südpol spielen. Der Download ist wie immer gratis. Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen!

Hier der Link zum Download: PhantastsichePole

Sonderausgabe 3: „Das Ding“ mal drei – Sozialer Wandel im Film

Die dritte Sonderausgabe von FILM und BUCH beschäftigt sich mit dem Thema Sozialer Wandel im Film. Am Beispiel des SF-Klassikers „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus dem Jahr 1951 und dessen beiden Remakes von 1982 und 2011 untersucht der Beitrag, auf welche Weise die Gesellschaft in den drei Filmen jeweils dargestellt wird. Wie sieht es z.B. aus mit der Rolle der Frau oder mit sozialen Ängsten? Zwischen den drei Filmen liegt jeweils eine Zeitspanne von ca. 30 Jahren. Daher erscheinen gerade „Das Ding“ und seine beiden Nachfolger überaus geeignet, um sozialen Wandel im Film zu untersuchen.

Achtung: Der Text ist urheberrechtlich geschützt und zudem mit vielen wichtigen und bekannten sozial- und kulturwissenschaftlichen Organisationen verlinkt.

Hier könnt ihr Sonderausgabe 3 gratis downloaden: Das Ding mal drei

The 80s: Quiet Earth (1986)

quietearthDurch ein irrsinniges Experiment gerät die Erde aus ihrem Raum-Zeit-Kontinuum, was zur Folge hat, dass alle Lebewesen verschwunden sind. Nur ein einziger Mensch ist noch am Leben. Er irrt durch eine leere Welt, um vielleicht doch noch auf andere Menschen zu treffen …

Im Grunde genommen gibt es nur wenige SF-Filme, die wirklich SF sind und in denen die Bezeichnung SF nicht als bloße Legitimation für Herumgeballere und Herumgejage herhalten muss. Zu diesen wenigen Perlen ist ohne weiteres Geoff Murphys „The Quiet Earth“ zu zählen. Der Stoff lehnt sich an klassische SF-Geschichten an, in denen nach einer globalen Katastrophe nur mehr ein einziger Mensch ums Überleben kämpft. Als Beispiele seien hier die Romane „Ich bin Legende“ von Richard Matheson und „Die purpurne Wolke“ von M.P. Shiel genannt.

quietearth1
Der Wissenschaftler Zac Hobson auf der Suche nach Überlebenden. „Quiet Earth“ (1986). Copyright: Sunfilm Entertainment.

In „The Quiet Earth“ wacht der Wissenschaftler Zac Hobson auf und stellt fest, dass es außer ihm keine anderen Menschen mehr gibt. Sein Erstaunen wandelt sich nach und nach in pure Verzweiflung. Schließlich flieht er in eine Art Wahnsinn. Als er durch Zufall auf eine Frau trifft, die wie er auf der Suche nach anderen Menschen ist, keimen in ihm Schuldgefühle auf, da er selbst an jenem bizarren Experiment beteiligt gewesen ist, durch das die Welt zu einem „stillen“ Planeten geworden ist. Aber auch soziobiologische Aspekte mischen sich gekonnt in die Geschichte, als beide auf einen dritten Überlebenden treffen. Von nun an spielt zwischen dem Wissenschaftler und dem anderen Mann der Kampf um die Frau zur Arterhaltung eine größere Rolle als die Suche nach einer Lösung eines noch viel schwerwiegenderen Problems: Das Raum-Zeit-Kontinuum ist durch das Experiment äußerst instabil geworden und droht jeden Augenblick zu kollabieren.

„The Quiet Earth“, der zu den erfolgreichsten Filmen aus Neuseeland zählt, ist ein SF-Film abseits des Hollywood-Klischees. Die Suche des letzten Menschen nach weiteren Überlebenden und sein Versuch, sich in dieser trostlosen Situation zurechtzufinden, sind sehr realistisch und einfühlsam erzählt. Hinzu kommt ein kongenialer Soundtrack, der das kosmische Ausmaß dieser Katastrophe unterstreicht.

The Quiet Earth, Regie: Geoff Murphy, Produktion: Sam Pillsbury, Don Reynolds, Darsteller: Bruno Lawrence, Alison Routledge, Pete Smith. Neuseeland 1986, 91 Min.

Dark City – Axel Proyas‘ Meisterwerk

darkcityManche Filme floppen an der Kinokasse, erreichen jedoch in ihrer Zweitverwertung als Video oder DVD einen geheimen Kultstatus. Dieses Schicksal teilt auch „Dark City“ des bekannten Regisseurs Alex Proyas. Proyas, der erst dieses Jahr mit „Gods of Egypt“ für Diskussionsstoff sorgte, schuf mit seinem Film über das Geheimnis einer namenlosen Stadt ein recht düsteres und fast schon eigenwilliges Werk, das mehrfach ausgezeichnet wurde.

„Dark City“ handelt von John Murdoch, der von seltsamen Fremden durch eine stets stockdunkle Stadt gejagt wird. Da er nicht schlafen kann, ist er der einzige, der mitbekommt, wie die Stadt sich über Nacht verändert, wie Personen andere Rollen zugesprochen bekommen und dass es sich bei alldem (für alle Spoiler-Hysteriker: hierbei handelt es sich nicht um einen solchen) um eine Art Experiment handelt, das von außerirdischen Intelligenzen durchgeführt wird. Murdoch versucht daher mit allen Mitteln, das Experiment zu stoppen …

Es ist daher nicht zu viel verraten, dass diese Stadt auf einer Art Meteoriten errichtet wurde. Proyas verrät dies bereits in der Anfangssequenz. Dem Zuschauer stellt sich natürlich die Frage, wie der restliche Film aufgebaut ist, wenn die eigentliche Pointe bereits zu Beginn präsentiert wird. Der Plan aber geht auf. Denn was dann folgt sind einmalige Spezialeffekte, welche die grandiosen Veränderungen der Stadt in Szene setzen. Sogar in Actionsequenzen treten die Transformationen wundervoll in Aktion.

darccity1
Punkt Mitternacht beginnt die Stadt, sich zu verändern. (Szenenfoto aus „Dark City“; Copyright: New Line Cinema).

Zudem ergibt sich die Spannung auch vielmehr daraus, ob es Murdoch gelingt, die Herrschaft der Außerirdischen über die entführten Menschen und damit das Experiment zu stoppen. Der Look der 30er passt sehr gut zu der kafkaesken Atmosphäre, da beides zu einem expressionistischen Ganzen führt. Damit verweist Proyas zugleich auf die Ursprünge des phantastischen Films.

Die Stadt selbst präsentiert sich als etwas Fremdes, Unnahbares und Unerklärliches. So erscheint die Stadt als etwas, das eine eigene Existenz besitzt, als etwas Lebendiges und keineswegs mehr als ein Konstrukt, das von Menschen oder überhaupt von intelligenten Wesen erschaffen wurde.

„Dark City“ gehört sicherlich zu den interessantesten Produktionen der 90er Jahre. Sein besonderer Stil, die gelungenen Effekte als auch die Handlung lassen den Film nicht altern, sondern liefern immer wieder einen Grund dafür, sich „Dark City“ noch einmal anzusehen.

Dark City, Regie, Drehbuch u. Produktion: Alex Proyas, Darsteller: Rufus Sewell, Kiefer Sutherland, Jennifer Connelly, William Hurt. Australien/USA 1998, 102 Min.

The 80s: Nummer 5 lebt! (1986)

nummer5Eigentlich sind ja die Roboter (fast) immer die Bösen. Man denke nur an „Terminator“, „M.A.R.K. 13“ oder „Death Machine“. John Badham geht in seiner SF-Komödie „Short Curcuit“ einen etwas anderen Weg. Denn was zunächst als böse oder besser gefährlich erscheint, ist es nicht.

Der Film erzählt die Geschichte des Roboters S.A.I.N.T. 5, der durch einen Blitzschlag plötzlich lebendig wird. Eigentlich wurde er zusammen mit vier anderen Maschinen von dem Rüstungskonzern Nova Robotics entwickelt, und zwar als Waffe für zukünftige Kriege. Doch bei der Vorstellung der neuen Entwicklung zieht ein Gewitter auf und ein Blitz trifft den Stromverteiler, an den Nummer 5 gerade angeschlossen ist. Nachdem der Roboter durch den Stromschlag ein eigenes Bewusstsein erlangt hat, verlässt er das Firmengelände. Zum Schrecken der Entwickler und Militärs, die glauben, dass Nummer 5 alles um sich herum pulverisieren wird …

„Nummer 5 lebt!“ ist eine nette und durch und durch witzige Komödie, die es schafft, schwere Fragestellungen einfach und unterhaltsam umzusetzen. Schließlich geht es um nicht weniger als um die Grundfragen unserer Existenz: Was ist Leben? Was ist Bewusstsein? Badham beschäftigt sich mit diesen Fragen innerhalb einer fast 90 Minuten dauernden Verfolgungsjagd. Denn Nummer 5 ist ständig auf der Flucht vor General Schroeder, der den Roboter ohne wenn und aber außer Gefecht setzen möchte. Während Firmenchef Marner nur Angst davor hat, Geld zu verlieren, wollen sich seine beiden Mitarbeiter Newton Crosby und Ben Jabituya davon überzeugen, dass Nummer 5 tatsächlich lebt.

Die einzelnen Situationen sprühen nur so vor lauter Sprachwitz, hierbei ist vor allem der indische Programmierer Jabituya der Renner, der sämtliche Redewendungen durcheinander bringt. Aber auch die Dialoge zwischen Schroeder und Marner haben etwas für sich, zum Klassiker wurde der Gag, wieso niemand Marner darüber informiert habe, weswegen die Hubis nun Helis heißen würden.

Schutz findet Nummer 5 eigentlich nur bei der Tierliebhaberin Stephanie Speck, die den Roboter zunächst für einen Außerirdischen hält. Hierbei macht sich der Film indirekt lustig über die damalige Esoterikwelle. Vor allem aber ist „Nummer 5“ eine Satire auf Militär und Wirtschaft, die er gehörig durch den Kakao zieht. G. W. Bailey, der vor allem durch die „Police Academy“-Filme bekannt ist,  geht regelrecht auf in der Rolle des schreiwütigen Generals, der nur ans Zerstören denkt.

„Nummer 5 lebt!“ gelingt es, tiefgründig zu sein, ohne aber schwer zu wirken. Die Leichtigkeit, mit der diese oben genannten Thematiken abgehandelt werden, ist ein wahres Kunststück und verblüfft immer wieder aufs Neue. Der Erfolg des Films führte klarerweise zu einem Sequel. Doch „Nummer 5 gibt nicht auf“ war weit weniger erfolgreich, als die Produzenten gedacht hatten. Vor wenigen Jahren kamen allerdings Gerüchte auf, dass ein Remake geplant sei. Anscheinend aber wurde die Produktion wieder auf Eis gelegt.

Nummer 5 lebt! (OT: Short Circuit), Regie: John Badham, Drehbuch: Brent Meddock, S. S. Wilson, Produktion: David Foster, Darsteller: Ally Sheedy, Steve Guttenberg, Fisher Stevens, G. W. Bailey, Austin Pendleton. USA 1986, 94 Min.