Die Klunkerecke: King Kong (1976)

Schau mir in die Augen, Kleines. – King Kong (1976); Copyright: StudioCanal

43 Jahre nach dem Sensationserfolg „King Kong“, der Hauptdarstellerin Fay Wray zur ersten Screamqueen der Filmgeschichte machte, wurde der Riesenaffe erneut auf die Zuschauer losgelassen. Dies in dem gleichnamigen Remake von Regisseur John Guillermin.

Nominiert war „King Kong“ für die beste Kamera und den besten Ton. Statt eines Stop-Motion-Monsters, trampelt hier ein Darsteller im Affenkostüm durch die Lande, was aber keineswegs albern aussieht, sondern durchaus Wirkung erzielt. Vor allem beeindruckend ist die Mimik der Affenmaske. Für diese Kreation war der Make-Up-Künstler Carlo Rambaldi verantwortlich, der 1982 auch E.T. erschaffen hatte.

Im Groben und Ganzen erzählt das Remake dieselbe Geschichte wie das Original, wobei es Guillermin jedoch gelingt, die Handlung einwandfrei in die 70er Jahre rüberzubringen. So wird aus dem reinen Monsterfilm ein typischer Vertreter des 70er Jahre-Öko-Horror-Genres. Ein Ölkonzern vermutet auf einer abgelegenen Insel reiche Ölvorkommen. Mit an Bord allerdings schmuggelt sich auch der Anthropologe Jack Prescott, der den Gerüchten um eine seltsame Affenart nachgehen möchte.

Eines Tages erhält das Schiff ein SOS-Notsignal, kann dessen Ursprung allerdings nicht ausfindig machen. Schließlich aber macht die Besatzung ein Schlauchboot aus, das auf dem Meer treibt. An Bord befindet sich die Schauspielerin Dwan, gespielt von Jessica Lange, die hier ihr Debut gab. Gemeinsam erreichen sie schließlich die Insel und treffen auch auf den Monsteraffen …

Im Gegensatz zu dem Originalfilm hinterfragt das Remake das Verhalten der weißen Eindringlinge und wird dadurch zu einem Beitrag des postmodernen Kinos mit postkolonialer Gesellschaftskritik. Die Gier nach Reichtum steht dem Bewahren der Natur und dem Verstehen fremder Kulturen gegenüber. Während Fred Wilson, der das Öl für seine Firma gewinnen möchte, für seinen Profit über Leichen geht, warnt Prescott davor, etwas an dem Sozialgefüge und der Natur zu verändern.

John Prescott (Jeff Bridges) und Dwan (Jessica Lange); King Kong (1976); Copyright: StudioCanal

Die Konsequenz ist für alle Beteiligten katastrophal. Auf diese Weise wird der Film in seinem Finale zu einer vehementen Medienkritik, die für unsere Zeit heute genauso gilt wie für damals. Dwans Verzweiflung wird für alle anderen zur Sensation und damit auch wieder zur reinen Geldmacherei. In diesem Sinne vermittelt „King Kong“ das Bild einer dekadenten, ich-bezogenen Gesellschaft, die nicht mehr auf Werte und Moral achtet. Wie gesagt, das alles trifft nicht weniger auch unsere Epoche mitten ins Schwarze.

Besonders die erste Hälfte des Remakes ist grandios gefilmt, die Story, da sie sehr gut in die damalige Zeit umgesetzt wurde, hervorragend. Die zweite Hälfte jedoch zieht sich ein wenig. Schuld daran ist vor allem, dass Guillermin auf all die Dinos verzichtet, die das Original so aufregend gemacht haben. In dem Remake kommt lediglich eine popelige Riesenschlange vor. Dennoch macht „King Kong“ aus dem Jahr 1976 Spaß und ist letztendlich ebenfalls zu einem Klassiker des Monsterfilms geworden. An das Original reicht er natürlich nicht heran, für sich genommen aber ist Guillermins Version wirklich toll.

1986 versuchte sich der Regisseur mit „King Kong lebt“ an eine Fortsetzung, scheiterte dabei allerdings auf ganzer Linie. Der Film floppte total und das zurecht. Denn die Spezialeffekte und auch die Handlung sind dermaßen schlecht, dass man nicht mal mehr darüber lachen kann.

King Kong. Regie: John Guillermin, Drehbuch: Lorenzo Semple, Produktion: Dino de Laurentis, Darsteller: Jeff Bridges, Jessica Lange, Charles Grodin. USA 1976, 129 Min.

„Ich fand Sinclair Lewis einfach unattraktiv“ – Fay Wray und die Schriftsteller

Fay Wray

Obwohl Fay Wray in über 70 Filmen mitspielte, wurde nur ein einziger davon weltberühmt: King Kong. Hollywood versuchte, sie zusammen mit Gary Cooper als Traumpaar zu vermarkten, aber das misslang. Überhaupt konnte Fay Wray mit ihren Schauspielerkollegen nichts anfangen. In einem ihrer letzten Interviews bemerkte sie, dass diese zwar alle wirklich gut aussahen, sie aber mit ihnen über nichts reden konnte. Dabei meinte sie vor allem intellektuelle Gespräche und nicht belangloses Geschwafel über Autos oder Golf.

Sinclair Lewis

Schon immer hatte es sie daher zu Drehbuchautoren und Schriftstellern hingezogen und immer wieder besuchte sie die Intellektuellenzirkel in New York, wo sie viele Bewunderer hatte und für nicht wenige als Muse galt. Besonders hatte es Sinclair Lewis (1885 – 1951) erwischt. Er hatte sich Hals über Kopf in Fay verliebt. Er schrieb ihr fast täglich Briefe und Gedichte, die sie alle unbewantwortet ließ. Dennoch hielt ihn dies nicht davon ab, es weiter zu versuchen. In ihrer Autobiographie verriet sie, dass sie all seine Briefe und Gedichte aufgehoben habe. Und sie erwähnte auch, weswegen sie mit dem späteren Literaturnobelpreisträger keine Beziehung hatte eingehen wollen: „Ich fand Sinclair Lewis einfach unattraktiv.“

Zusammen schrieben sie das Theaterstück Angela is twentytwo (1938), das zwar von Kritikern verrissen, aber vom Publikum geliebt und 1944 sogar verfilmt wurde. Ich persönlich glaube, dass Sinclair Lewis ihr insgeheim ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Dies in seinem Roman Babbitt. Und zwar in der Figur Tanis Judique, einer Intellektuellen, in die sich Babbitt verliebt und mit der in der New Yorker Boheme verkehrt.

John Monk Saunders

Vielleicht aber hielt sich Fay auch daher von ihm fern, da sie bereits von seinen Alkoholproblemen ahnte. In dieser Hinsicht hatte sie mit ihrem ersten Ehemann, dem Drehbuchautor John Monk Saunders (1897 – 1940) ebenfalls kein Glück. Ja, das Ende ihrer Ehe wurde zu einer wahren Katastrophe, vergleichbar mit einer Szene aus einem Thriller.

Saunders war ein viel beschäftigter Mann, der neben Drehbüchern auch Theaterstücke und Romane schrieb und hin und wieder auch als Regisseur tätig war. Fay Wray und John Saunders heirateten 1928, die Ehe hielt 12 Jahre. So lange, bis Saunders ihr, während sie schlief, einen Drogencocktail spritzte, das Haus und die Möbel verkaufte, ihr ganzes Geld (500 000 Dollar) mitnahm und schließlich mit ihrer gemeinsamen Tochter floh. Saunders war schwerst alkoholabhängig und brachte sich 1940, ein Jahr nach der Scheidung, um.

Clifford Odets

Clifford Odets (1906 – 1963) spielte ebenfalls eine wichtige Rolle in Fays Leben. Er war einer der bekanntesten Stückeschreiber der 30er Jahre, der als einer der ersten den Straßenslang auf die Bühne brachte (im Kino sollte dies erst 1971 durch den Film Shaft passieren). Auch schrieb er das Drehbuch zu dem Noir-Klassiker Dein Leben in meiner Hand (1957). Zwar heirateten sie nicht, doch lebten sie in einer offenen Beziehung zusammen. Es lag an Odets selbst, dass es zu keiner Heirat kam. Fay Wray erzählte später, dass er befürchtete, sich nicht mehr voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren zu können. Dennoch blieben beide für mehrere Jahre zusammen. Für Fay schien Odets der Mann gewesen zu sein, nur so ist ihre Beziehung mit ihm zu erklären, die trotz seiner Lebenseinstellung so lange hielt.

John Riskin

Fay Wray schrieb in ihrer Autobiographie, dass Clifford Odets ihr späteres Leben stark geprägt habe. Von da an nahm sie die Dinge anders wahr als zuvor. Sie heiratete 1942 den Drehbuchautor und Schriftsteller John Riskin (1897 – 1955), der mehrere Oscarnominierung erhielt und schließlich für die Komödie Es geschah in einer Nacht (1934) den Oscar gewann. Riskin verdankte seine Erfolge vor allem der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Frank Capra, der zu den bekanntesten Filmemachern jener zählt gehörte. Riskin starb 1955 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Fay Wray

1988 verfasste Fay Wray im Alter von 81 Jahren ihre Autobiographie On The Other Hand: A Life Story – ohne Zuhilfenahme eines Ghostwriters. Im Scherz sagte sie immer wieder, dass es in ihrem Leben eigentlich nur einen einzigen Mann gab: King Kong. „Ich bewundere dich: Du hast nur einen Film gemacht und bist damit bis heute weltberühmt. Ich habe 70 Filme gemacht, von denen nur ein einziger bis heute bekannt ist.“ Fay Wray starb 2004 im Alter von 96 Jahren.

Einmal schreien bitte: Fay Wray – Die erste Scream Queen der Filmgeschichte

Fay Wray (1907 – 2004)

Das Horrorgenre begleitet die Geschichte des Films seit dessen Anfängen. Schon immer liebten es die Zuschauer, sich zu gruseln. Was zunächst auf Jahrmärkten und in kleinen, provisorischen Vorführungssälen begann, entwickelte sich zu einem echten Kassenmagnet in den Kinopalästen der 20er und 30er Jahre. Diese Zeit wird als die goldene Ära Hollywoods bezeichnet, da in dieser Zeitspanne nicht nur ästhetisch hochwertige Filme entstanden,  sondern Hollywood weltweit den Markt beherrschte. Vor allem Deutschland, wo es im Vergleich zum übrigen Europa die meisten Kinos gab, war der Absatzmarkt für Hollywood schlechthin.

In dieser Phase des Golden Hollywood entwickelte sich auch das, was wir heute als Starphänomen bezeichnen. Beim Anblick Rudolph Valentinos, dem damals schönsten Mann der Welt, konnte es schon passieren, dass die eine oder andere Frau vor Entzückung in Ohnmacht fiel. Ähnliches wird von Bela Lugosi berichtet, dessen ungarischer Akzent bei manchen Frauen zu einem Orgasmus geführt haben soll.

Aber das nur so nebenbei. Während Valentino nie in einem Horrorfilm mitwirkte, war Lugosi in den 30er Jahren der Horrorstar schlechthin, neben Lon Chaney, dem Mann mit den tausend Masken, der seine Filmfratzen stets selbst entwarf – so u. a. die berühmte Maske des Phantoms der Oper aus dem gleichnamigen Film (1925), die längst Bestandteil der Popkultur geworden ist.

Neben den Monstern waren es die Schauspielerinnen, die in der Rangliste der wichtigen Figuren eines Horrorfilms auf Platz zwei kamen. Wichtig vor allem: sie mussten hübsch sein. Und im Tonfilm kam dann noch ein Aspekt hinzu: sie mussten ordentlichen schreien können. Und eine Schauspielerin, die sowohl außerordentlich hübsch war und dazu noch außerordentlich schreien konnte, war Fay Wray (1907 – 2004).

Horrorfilmmarketing der 30er Jahre

Um das Publikum zahlreich in die Kinosäle zu locken, entwickelten die Studios damals fantasiereiche Konzepte, die von Anfang an vermitteln sollten, wie gruselig der Streifen ist, der gerade im Kino lief. So wurde z.B. ein Krankenwagen vor dem Eingang geparkt, mit dem Hinweis, dass Zuschauer, die während des Films in Ohnmacht fallen, schnell in die nächste Klinik gebracht werden können. Eine ähnliche Strategie beinhaltete vermeintliche Krankenschwestern, die im Foyer warteten, um, wie es auf den Plakaten hieß, den Leuten, die durch den Film psychische oder körperliche Probleme davontragen würden, erste Hilfe zu leisten. Ein weiterer beliebter Einfall der Studios war die Aushändigung eines Gutscheins für eine kostenlose Beerdigung, falls man vor Schreck während des Films sterben sollte.

All dies sollte, wie oben bereits bemerkt, die Zuschauer auf ein wahrhaft unheimliches Filmerlebnis einstimmen. Doch war das noch nicht alles. Denn die Leute der Marketingabteilungen engagierten Frauen (sog. Scream Girls), die sich in die Kinosäle setzten und bei bestimmten Szenen laut kreischen sollten. – Der berühmte Trash- und Horrorfilmproduzent William Castle sollte diese Konzepte vor allem in den 50er Jahren weiterentwickeln. Hierbei liefert der Film Matineé, der lose auf der Biographie Castles beruht, einen witzigen Einblick in die damalige Kinowelt.

Fay Wray

Kurz und gut, in dieser Phase wurde Fay Wray zum Star – zum ersten weiblichen Horrorfilmstar. Während ihre Kolleginnen – ähnlich wie heute – das Mitwirken in einem Horrorfilm als eine Art Sprungbrett für eine spätere Karriere betrachteten, so spielte Wray eine Zeit lang hauptsächlich in Horrorfilmen mit. Und wer jetzt noch immer nicht weiß, wer diese Dame war, der wird bestimmt hellhörig, wenn ich den Titel King Kong erwähne.

Fay Wray (1930), wenige Jahre vor ihrem Ruhm als Scream Queen

Geboren am 15. September 1907, spielte sie in den 20er Jahren vor allem Nebenrollen in Western und Dramen, wobei sie jedoch – trotz ihrer Attraktivität – kaum auffiel. Erst Regisseur Erich von Strohheim engagierte sie für die Hauptrolle in seinem Film Der Hochzeitsmarsch (1928). Die Etablierung als Star jedoch scheiterte. Doch dann machte sie die Rolle der Tochter des verrückten Wissenschaftlers Xavier in Doctor X  schlagartig bekannt. Durch die darin häufig vorkommenden Scream Scenes wurde ihr die Bezeichnung Scream Queen verliehen. Was folgte, waren eine Reihe weiterer Horrorfilme, in denen Fay Wray mitwirkte und durch welche sie zu einer Ikone des Horrorfilmgenres wurde.

Fay Wray gehörte zu den Intellektuellen Hollywoods und war bekannt mit diversen bekannten Schriftstellern und Künstlern. Zusammen mit dem berühmten Autor Sinclair Lewis verfasste sie das Theaterstück Angela is Twenty-Two, das 1935 uraufgeführt wurde. Doch was waren das für Filme, in denen sie mitwirkte?

Doctor X

Begonnen hatte alles ein Jahr vor dem Erscheinen des Monsteraffen, genauer gesagt im Jahr 1932, mit dem ersten Kannibalenfilm der Filmgeschichte. Bei der Diskussion über Kannibalismus im Horrorfilm wird gerne übersehen, dass dieses Phänomen nicht erst seit den 70er und 80er Jahren auf der Leinwand in Erscheinung tritt, sondern bereits Anfang der 30er Jahre eine kleine, aber feine Zuwendung erfuhr. Gemeint ist der Klassiker Doctor X.

Michael Curtiz, der später mit Casablanca Weltruhm erlangen sollte, führte bei diesem exzellenten Film Regie. Die Handlung dreht sich um eine Reihe seltsamer Frauenmorde, die jeweils bei Vollmond begangen werden. Der Reporter Lee Taylor möchte hinter das Geheimnis des Mörders kommen, der den Wunden zufolge, welche die Opfer aufweisen, einen Hang zum Kannibalismus aufweist. Die Spur führt in ein Forschungsinstitut, das von einem gewissen Dr. Xavier geleitet wird. Das Besondere daran, er und seine Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Erforschung des Kannibalismus. Hierbei tritt vor allem Dr. Wells in den Focus, der eine Methode entwickelt hat, um Fleisch künstlich herzustellen. Eine weitere Eigenart der Institutsmitarbeiter ist, dass alle nach einem Schiffsunglück gemeinsam auf einem Boot umher getrieben sein sollen, wobei das Gerücht kursiert, sie hätten dabei einen ihrer Kameraden verspeist.

Der unheimliche Mörder geht um; „Doctor X“ (1932); © Universal

Doctor X gehört zu den ersten Farbfilmen jener Zeit und war an den damaligen Kinokassen ein großer Erfolg. Einer der Höhepunkte des Films, in welchem Dr. Xavier mithilfe einer neuartigen Apparatur den wahren Mörder ausfindig machen möchte, ist in Form eines Bühnenspiels gehalten. Michael Curtiz gelang ein schneller, witziger und überaus spannender Film, der später auch im Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show Erwähnung fand. Für Curtiz geht es in dem Film ganz klar darum, den Zuschauer zu erschrecken, auch wenn auf einer zweiten Ebene die Thematik dazu dient, das selbstsüchtige Verhalten von Wissenschaftlern zu kritisieren.

Joan Xavier (Fay Wray) wird von dem Mörder heimgesucht; „Doctor X“ (1932); © Universal

Im Gegensatz zu heutigen Produktionen geht er zwar nicht ans Eingemachte, dafür aber gelingt es ihm, schön-schaurige Bilder zu entwerfen, die es in sich haben. So u. a. die Szene, in welcher der Mörder sein Gesicht mit künstlichem Fleisch beschmiert. Überhaupt kann die Idee eines kannibalisch veranlagten Serienmörders im Hollywood-Kino der 30er Jahre als außergewöhnlich eingestuft werden. Die Thematik erscheint im Vergleich zu den damaligen Horrorfilmen geradezu provokativ. Dennoch beurteilte die Kritik den Streifen wohlmeinend. Mittlerweile zählt Doctor X zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

Und nicht unerwähnt bleiben darf natürlich Fay Wray, die darin Joan Xavier spielt, die Tochter des Forschers Dr. Xavier, die zusammen mit dem eher trotteligen Journalisten versucht, hinter das Geheimnis der Morde zu kommen. Interessant ist, dass es sich bei der Figur nicht um eine Frau handelt, die ständig von einem Mann gerettet werden muss, sondern um eine durchaus emanzipierte Frau, über die zwar ihr Vater „herrscht“, die aber versucht, von dessen Einfluss loszukommen. Mit dieser Rolle symbolisiert sie den Konflikt zwischen Emanzipation und Patriarchat in einer Zeit, in der durch die Frauenbewegung mehr und mehr Frauen Bürojobs übernahmen – es war das Erscheinen der sog. Office Girls, die (zumindest bis zu ihrer Heirat) einer regulären Arbeit nachgingen und dabei versuchten, ein eigenes Leben auf die Beine zu stellen.

The most dangerous Game/Graf Zaroff – Genie des Bösen (1932)

Der riesige Erfolg von Doctor X führte natürlich zu weiteren Horrorfilmen ähnlicher Machart. Noch im selben Jahr wurde der Film The most dangerous Game produziert, in dem es eine Gruppe Schiffbrüchiger auf eine einsame Insel verschlägt, auf der ein psychopathisch veranlagter Graf residiert, der Jagden veranstaltet, bei denen nicht Tiere, sondern Menschen das Ziel sind.

Wiederum war Fay Wray mit von der Partie, die darin Eve spielt, die es zusammen mit ihrem Bruder Robert auf die Insel verschlagen hat. Gedreht wurde der Film in Farbe, was damals ein Mann namens Ray Harrishausen übernahm, der in den 50er Jahren als Special Effect-Künstler Filmgeschichte schreiben sollte.

Der Schriftsteller Bob Rainsford (Joel McCrea) und Eve Trowbridge (Fay Wray) auf der Flucht; „The most dangerous Game“ (1932); © Universal

Die Rolle der Eve ist weniger emanzipiert als die der Joan aus Doctor X, doch geht es auch weniger um die Figuren als um die Darstellung des krankhaften Hobbys des Grafen in all seinen Facetten. So sieht man in einer Szene die Köpfe der bisher bei der Jagd „erlegten“ Menschen wie Trophäen arrangiert. Das Spiel wird dermaßen erbarmungslos umgesetzt, dass es einem auch heute noch kalt über den Rücken läuft.

The most dangerous Game, der in Deutschland unter dem Titel Graf Zaroff – Genie des Bösen lief, gilt bis heute als ein wegweisender Film, der einige spätere filmische wie literarische Werke beeinflusst hat (Running Man wäre ein solcher Fall) und mehrfach neu verfilmt wurde.

Wer an Insel und Dschungel denkt, denkt zugleich an King Kong. Und in der Tat, der Film wurde parallel zu The most dangerous Game gedreht, wobei Teile der Kulissen wieder verwendet wurden.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (1933)

Noch vor dem Riesenaffen kam ein weiterer Horrorklassiker in die Kinos: Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts. Auch dieser Film wurde in Farbe gedreht, doch aufgrund einer falschen Handhabe während der Restaurierung gingen die Farben beinahe vollständig verloren. Der Film galt als verschollen, wurde dann aber Ende der 60er Jahre im Haus eines Produzenten entdeckt. Zum Glück, denn dieser Horrorfilm gehört ebenfalls zu den besten, die jemals gedreht wurden.

In diesem Film spielte Fay Wray Charlotte Duncan, die Freundin einer Reporterin, die zusammen in eine Wohnung leben. Ihre Freundin geht einer Reihe sonderbarer Morde nach (Doctor X lässt grüßen), die angeblich im Zusammenhang mit einem ominösen Wachsfigurenmuseum stehen sollen. Als Charlotte das Museum besucht, ist der Besitzer Ivan Igor von ihrer Erscheinung so fasziniert, dass er sie als Vorbild für sein Meisterwerk, der Figur von Marie Antoinette, nimmt. Mit unangenehmen Folgen …

Fay Wray als Charlotte Duncan in einer ihrer berühmten Scream Scenes; „The Mystery of the Wax Museum“ (1933); © Universal

Im Remake aus dem Jahr 1953 spielte Vince Price den Besitzer des Wachsfigurenkabinetts – in Farbe und in 3D, um die Zuschauer von ihren TV-Geräten zurück in die Kinosäle zu locken, die damals starke Rückgänge bei den Besucherzahlen zu vermelden hatten. 1933 besaß das Kino noch das Monopol auf die bewegten Bilder und so strömten die Besucher auch in diesen Film, was ihn letztendlich zu einem weiteren Kassenschlager werden ließ.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts ist ein schneller, spannender Film, voller witziger Dialoge und vieler unheimlicher Momente, der bis heute nichts von seinem großartigen Unterhaltungswert verloren hat. Dem Remake von 1953 folgten zwei weitere Neuverfilmungen aus den 90er Jahren und aus den 00ern, die jedoch nicht einmal ansatzweise an die Großartigkeit des Originals oder dessen genialen Remake aus den 50ern herankommen.

King Kong (1933)

Dieser Film war sowohl Höhepunkt als auch Endpunkt von Fay Wrays Horrorfilmkarriere und ihrer Karriere als Scream Queen. Es ist offensichtlich, dass Wray ihre Darstellung in dem Klassiker der Monsterfilme nicht mehr hätte toppen können. Einzigartig und bis heute unerreicht spielt sie Ann Darrow, ein Opfer der Weltwirtschaftskrise, die durch Zufall einem Filmregisseur begegnet, der in ihr die ideale Besetzung für dessen Meiserstück sein soll: ein Film mit einem echten Ungeheuer.

King Kong wurde schlagartig zum erfolgreichsten Film der 30er Jahre. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion) und trotz Wirtschaftskrise, spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war King Kong einfach riesig.

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten den Film als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden – die Szenen mit Fay Wray in zerrissenem Kleid und Spitzen-BH könnten genauso gut aus unserer Zeit stammen. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Ich glaube, das ist der Beginn einer langen Freundschaft :) . – Fay Wray als Ann Darrow in einer der vielen berühmten Szenen des Films; „King Kong“ (1933); © Universal

Von da an lief King Kong in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake aus dem Jahr 2005 wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

King Kong war keineswegs der erste Dino-Action-Film der Filmgeschichte. Diese Ehre kommt dem Stummfilm The lost World zugute, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Arthur Conan Doyle aus dem Jahr 1925. Dasselbe Special-Effect-Team sollte acht Jahre später den Ungeheuern in Coopers Film Leben einhauchen, was dazu führte, dass King Kong um ein paar tausend Dollar günstiger wurde als The lost World, da man die Dinofiguren aus dem Stummfilm nochmals verwertete.

Durch King Kong wurde Fay Wray endgültig zur Ikone des Horrorfilms. Ihre Bezeichnung als Scream Queen macht der Film in einem witzigen Selbstbezug alle Ehre, indem der Regisseur an Bord der Schiffes mit  ihr den richtigen Schrei übt.

Und danach?

Fay Wray selbst spielte danach nicht mehr in Horrorfilmen mit, sondern verlegte sich auf Komödien, bevor sie ab Mitte der 50er Jahre in verschiedenen TV-Produktionen mitspielte. Ihr Vermächtnis bleibt in Form des Begriffs Scream Queen weiterhin bestehen, mit dem immer wieder kreischende Horrorfilm-Darstellerinnen gekürt werden. Eine der bekanntesten ist Jamie Lee Curtis, die seit ihrem Debut in Halloween (1978) bis Ende der 90er Jahre immer wieder in Horrorfilmen zu sehen war. Nachdem sich Fay Wray Ende der 60er komplett ins Privatleben zurückgezogen hatte, wollte Peter Jackson sie nochmals für eine kleine Rolle in seinem King Kong-Remake engagieren. Doch Fay Wray starb kurz davor am 8. August 2004 im Alter von 97 Jahren.

FuBs Double Feature (1930 – 1940): King Kong (1933) und Dick und Doof im Wilden Westen (1937)

Die 30er Jahre gehörten zu den goldenen Jahren Hollywoods. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Weltwirtschaftskrise bot das Kino den Menschen für kurze Zeit Ablenkung von ihren Sorgen. Vor allem Hollywood baute seinen internationalen Einfluss aus. Als wichtigstes Publikum außerhalb der USA galten die deutschen Kinobesucher. In dieser Zeit setzte sich der Tonfilm vollends durch. Die Universal Studios begannen mit den Produktionen ihrer legendären Monsterfilme. Aber auch der Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ (1930) sorgte national wie international für Furore. Im Bereich der Komödie waren es Stan Laurel und Oliver Hardy, die die Kinosäle füllten, nicht weniger wie die Marx Brothers mit ihren legendären Filmen.

Doch der wohl erfolgreichste Film der 30er war „King Kong„. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion), wurde „King Kong“ auf Anhieb ein Erfolg. Und trotz Wirtschaftskrise spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war „King Kong“ einfach riesig.

King Kong macht Ernst; „King Kong“ (1933); Copyright: Studio Canal

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten „King Kong“ als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Von da an lief „King Kong“ in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version von „King Kong“ eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

 

Mit Way out West, der in Deutschland unter den Titeln „Zwei ritten nach Texas“ und „Dick und Doof im Wilden Westen“ bekannt ist, produzierten Stan Laurel und Oliver Hardy ihren bekanntesten Film, der zugleich ihr eigener Lieblingsfilm war.

Die Komödie, die als Parodie auf das Westerngenre gedacht war, steckt voller Highlights. Es ist mühselig, alle Höhepunkte des Films aufzuzählen, denn sonst müsste man den kompletten Film nacherzählen. Es geht jedoch darum, dass Stan und Ollie nach Brushwood Gulch fahren, um Mary Roberts, die in einer Bar arbeitet, eine Erbschaftsurkunde zu übergeben. Ihr Vater hat ihr eine Goldmine vermacht. Doch als die Besitzer des Lokals Lola Marcel und Mickey Finn dies mitbekommt, gibt sich Lola als Mary aus und zwingt Mary, die Urkunde auf sie zu übertragen. Als Stan und Ollie dies mitbekommen, setzen sie alles daran, um das Testament zurückzubekommen.

Ob es nun die Szene ist, in der Ollie in den See plumpst, während Stan einfach hindurchstapft, als wäre es eine Pfütze, ob es das peinliche Gespräch zwischen Ollie und einer Mitreisenden ist, ob es Stans bekannte Gesangseinlage an der Theke ist, ob es Lolas Kitzelattacke auf Stan ist, ob … Ganz egal, der Film steckt voller Witz, voller Gags und ist im Grunde genommen eine geniale Aneinanderreihung von komödiantischen Höhepunkten, deren Timing perfekt funktioniert. Obwohl alle Filme des Komikerduos sehenswert sind, zeigt „Way out West“ ihr Können in der wohl ausgeprägtesten Form. Der Film war 1938 für einen Oskar für die beste Filmmusik nominiert.