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Posts Tagged ‘japanische Filme’

Nachdem es die beiden US-amerikanischen Versionen des japanischen Übermonsters aus den Jahren 1998 und 2014 nicht wirklich gepackt haben, nahmen die legendären Toho Studios das Zepter wieder selbst in die Hand – und dies, obwohl man mit „Godzilla – Final Wars“ (2004) eigentlich einen Schlusspunkt hatte setzen wollen.

Aus diesem Grund nannte man den Film dann auch „Shin Godzilla“, was so viel wie „Neuer Godzilla“ bedeutet. Die Ankündigung, dass die japanischen Filmemacher das internationale Lieblingsmonster wieder zurück auf die Leinwand bringen wollen, glich einem echten Paukenschlag. Dementsprechend war „gespannt sein“ ein zu gelinder Ausdruck. Und schließlich war es soweit, als im Juli vergangenen Jahres Godzilla wieder sein berühmtes Brüllen in den japanischen Kinosälen von sich geben durfte.

Das Ergebnis: „Shin Godzilla“ wurde schlagartig zu einem der erfolgreichsten japapanischen Filme, einem Budget von umgerechnet 15 Millionen Dollar steht ein nationales Einspielergebnis von umgerechnet 77 Millionen Dollar gegenüber. Klar, dass man bereits an einem zweiten Film arbeitet.

Doch wie ist der neue Godzilla zu bewerten? Um es gleich als erstes zu erwähnen: „Shin Godzilla“ ist um ein Vielfaches besser als die beiden US-Versionen. Die Effekte sind zwar nicht ganz so großartig, dennoch hervorragend und verbunden mit einer überaus genialen Optik. Die beiden Regisseure Hideaki Anno und Shinji Higuchi gelang es einwandfrei, das Monster in die Gegenwart einzubetten.

Halb Politiksatire, halb bildgewaltige Monsterfaszination erzählen sie die Geschichte um das Ungeheuer aus dem Meer neu, indem eines Tages ein seltsames Phänomen vor der Küste Japans beobachtet wird. Während sich die sog. Experten in den verschiedenen politischen Gremien darüber streiten, ob es sich um ein Unterwasservulkan oder um eine andere natürliche Ursache handelt, kommt in kurzen und extrem lauten Zwischenszenen die eigentliche Ursache ins Bild: ein riesiges Monster, das auf Tokio zusteuert.

Es ist sehr interessant, die Idee zu verfolgen, wie die Politik auf solch ein Ereignis reagieren würde. Beeinflusst durch das Versagen der Behörden und das Aufdecken von Korruption in Sachen Fukushima, begleichen die beiden Regisseure auf filmische Art und Weise die Rechnung, indem sie das Verhalten typischer Beamter und Politiker, die auch in der größten Katastrophe auf Wählerfang sind, durch den Kakao ziehen.

Gut, das ständige Hin- und Herschneiden zwischen den einzelnen Gremien und Ministerien ist gelegentlich zu viel und die Dialoge manchmal zu lang, ein bisschen weniger Beratung und ein bisschen mehr Action hätte dem Film gut getan, doch wird dadurch der Film überraschenderweise nicht langweilig. Eine besondere Schärfe nimmt die Satire dann an, wenn die USA ohne Wenn und Aber eine Atombombe über Tokio abwerfen wollen, um Godzilla zu stoppen – unterstützt durch den UN-Sicherheitsrat.

Währenddessen versuchen die Wissenschaftler hinter das Geheimnis der Existenz Godzillas zu kommen, und auch hier punktet der Film auf ganzer Linie, wird doch das Wesen mit allen möglichen eingewebten Querverweisen auf die früheren Filme hin untersucht. Man könnte schon fast sagen, dass die naturwissenschaftliche Untersuchung im Grunde genommen eine Art medienwissenschaftliche Untersuchung des Phänomens Godzilla darstellt, natürlich alles untermalt mit einer gewissen Selbstironie.

Auch ansonsten gelingt es Anno und Higuchi, das Original von 1954 elegant in unsere Gegenwart rüberzuverfrachten. So fahren wieder die Panzer auf dieselbe Weise auf wie in den früheren Filmen und Helikopter und Kampfjets sausen durch die Luft – dieses Mal jedoch nicht als handgefertigte Modelle, sondern in der CGI-Variante.

Godzilla selbst ist dank der hervorragenden Optik, die zwischen erzählender Kamera und Quasi-Handy-Aufnahmen hin- und herpendelt, einfach nur riesig, ein wahrer Koloss, der Tokio einmal mehr zu Kleinholz verarbeitet. Sogar auf die Originalmusik aus den 50er Jahren hat man nicht vergessen. Kurz: Eine liebevollere Verneigung vor dem König der Monster gibt es nicht.

Shin Godzilla. Regie: Hideaki Anno, Shinji Higuchi, Drehbuch: Hideaki Anno, Produktion: Minami Ichikawa, Darsteller: Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara. Japan 2016, 116 Min.

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Bereits mit seinem Mysterythriller „Cure“ stieß Regisseur und Drehbuchautor Kiyoshi Kurosawa nicht nur in Japan auf großes Interesse. Weitere Filme wie „Pulse“ oder „Loft“, die sich ebenfalls dem Horrorgenre verschrieben haben, folgten. Mit „Real“ wechselte Kurosawa 2013 das Genre, indem er einen Film schuf, der irgendwo zwischen Science Fiction und Liebesdrama angesiedelt ist.

Es geht darin um Koichi, dessen Freundin seit einem Selbstmordversuch im Koma liegt. Um sie aus dem Koma zu holen, wird ein neuartiger Versuch gewagt. Koichi soll mithilfe einer Maschine in das Bewusstsein Atsumis eintauchen, um auf diese Weise mit ihr in Kontakt zu treten. Die Behandlung aber hat einen Nebeneffekt: Koichi kann bald zwischen Realität und Wahn nicht mehr unterscheiden …

Die Adaption eines bekannten japanischen SF-Romans mit dem Titel „A Perfect Day for a Plesiosaur“ (verfasst von Rokuro Inui) erscheint zunächst als ein ruhiger und melancholischer Film über Liebe, Schuld und Vergänglichkeit. Doch nach und nach schleichen sich sonderbare und bizarre Erscheinungen in die elegant anmutenden Bilder, die den Film bestimmen. Während Koichi und Atsumi sich über ihre Beziehung unterhalten, liegt auf einmal direkt neben Koichi eine verunstaltete Leiche am Boden. Menschen erscheinen wie unheimliche Traumgebilde, die Ärztin und Leiterin des medizinischen Projekts bezeichnet diese als „philosophische Zombies“.

Dr. Ahiara (Miki Nakatani) bereitet Koichi (Takeru Satoh) auf den Bewusstseinstransfer vor; Copyright: Toho Inc.

Die Kritiker mochten „Real“ dennoch nicht. In Deutschland ist der Film so gut wie unbekannt. Eigentlich schade, denn Kurosawas SF-Drama ist alles andere als langweilig. Im Gegensatz zum zwei Jahre später produzierten „Inception“, versucht Kurosawa den Film nicht durch Action in die Länge zu ziehen. Für ihn steht die Entwicklung der Handlung im Vordergrund. Dafür lässt sich der Regisseur Zeit, doch die zwei Stunden, die der Film dauert, vergehen beinahe wie im Flug.

Dies liegt nicht nur daran, dass die Ästhetik des Films den Zuschauer in ihren Bann zieht, sondern auch in den unerwarteten Wendungen, welche „Real“ eine zusätzliche Spannung und Dichte verleihen. Es geht um die Frage, was Wirklichkeit überhaupt ist und ob man diese mit all seinen Sinnen erfassen kann. Wenn auf einmal Dinge geschehen, die nicht dem Alltagswissen entsprechen, bedeutet dies, dass diese nicht wirklich, sondern Wahnvostellungen sind?

Kurosawa wird, trotz des schwierigen Themas, nie philosophisch. Es geht ihm vielmehr um das Schicksal der einzelnen Figuren, deren Ängste und Probleme. Dies führt dazu, dass der Regisseur es auch nicht an Sozialkritik mangeln lässt. Hierbei steht vor allem der japanische Arbeitsalltag im Zentrum der Kritik, wenn Menschen wegen Überarbeitung sterben oder Selbstmord begehen.

„Real“ wird dadurch zu einem durchaus nachdenklichen Film, mit dem man sich nach der Sichtung noch lange beschäftigt. So eindrücklich sind die Bilder und Situationen, die uns Kurosawa präsentiert.

 

 

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Im Jahr 2008 brachten die Toho-Studios mit der Manga-Verfilmung „20th Century Boys“ den bisher teuersten japanischen Film in die Kinos. Die Investition aber hat sich anscheinend gelohnt, denn die Comic-Adaption wurde zugleich zu einem der erfolgreichsten japanischen Filme der letzten zehn Jahre.

Die Geschichte ist wie folgt: 1969 gründet Kenji zusammen mit seinen Freunden eine Jugendbande. In einem geheimen Lager gehen sie ihrer Comicbegeisterung nach. Sie beschließen, ein eigenes Comic zu zeichnen, in dem sie als Helden die Welt vor einer gigantischen Bedrohung retten. Das Buch nennen sie „Buch der Prophezeiungen“. Dreißig Jahre später kommt es zu einer sonderbaren Situation. Denn auf einmal treten genau die Ereignisse und Zwischenfälle auf, die sie in ihrem Comic skizziert haben. Ein mysteriöser Kult breitet sich schnell in Japan aus. Der Name des Anführers lautet einfach nur „Freund“. Seltsamerweise verwendet der Kult dieselben Symbole, die auch die Jugendbande verwendet hat. Kenji führt daher seine Freunde von damals wieder zusammen, um gegen diesen ominösen Kult anzutreten.

Der Roboter greift Tokio an; „20th Century Boys“ (2008); Copyright: Toho

Obwohl sich die Gruppe selbst als „20th Century Boys“ bezeichnet, ist jeder Einzelne von ihnen alles andere als heldenhaft. Aus den Kindern von damals sind Durchschnittsmenschen geworden, die völlig normalen Berufen nachgehen. Nur langsam erinnern sie sich an ihre Kindheit und daran, was sie damals unternommen haben. Als es offensichtlich wird, dass jemand die Ideen ihres geheimen Comics von damals verwendet und sogar ihr Geheimsymbol benutzt, schließt sie das erneut zu einer Gruppe zusammen, da sie glauben, dass nur sie die Bedrohung beseitigen können. Zugleich zeigt der Film, wie machtlos sie gegenüber dieser plötzlichen globalen Bedrohung sind. Terroranschläge werden verübt, künstliche Viren als biologische Waffen eingesetzt und schließlich kreuzt sogar ein Riesenroboter auf, der Tokio vernichten will.

Regisseur Yukihiko Tsutsumi erzählt diese Geschichte über Freundschaft sehr feinfühlig, zugleich aber auch mit einiger Ironie und etwas Humor. Gleichzeitig verarbeitet er darin Ängste gegenüber religiösem Fundamentalismus und einer Zunahme faschistischer Gruppierungen, die dem Film zusätzlich eine aktuelle Thematik verleihen. Alles zusammen verwebt Tsutsumi in eine Rahmenhandlung, in der sich in einem zum Faschismus zurückgekehrten Japan zwei Gefangene unterhalten. Dadurch erhält der Film zuweilen einen recht düsteren und pessimistischen Unterton. „20th Century Boys“ ist sozusagen ein etwas anderer Superheldenfilm.

Die einzig maskierte Figur ist „Der Freund“, der erst Japan und anschließend die übrige Welt unter seine Herrschaft bringen will. Dabei kreist die Geschichte stets um das Geheimnis der Identität dieser Figur. Ist es ein früherer Freund der Gruppe oder einfach irgendeine Person, die dahinter steckt? Auch wenn die Action in diesem Film eher knapp bemessen ist, so wird der Film mit seinen über zwei Stunden Spieldauer nie langweilig. Tsutsumi kreiert gekonnt eine zunehmende Spannung, die ihren Höhepunkt in dem Angriff des Roboters erreicht. „20th Century Boys“ macht dies zu einem sehr interessanten Beitrag zur Superhelden-Manie.

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ikuDie taiwanesische Videokünstlerin Shi Lea Cheang kreierte mit ihrer ersten Filmproduktion eine Mischung aus Sex- und SF-Film. Vielleicht passt die Bezeichnung surrealer Softporno etwas besser. Dass, wie hin und wieder behauptet wird, „I.K.U.“ der Blade Runner unter den Sexfilmen sein soll, ist allerdings stark übertrieben.

Dieser Meinung resultiert wahrscheinlich daraus, da „I.K.U.“ immer wieder Dialoge aus dem SF-Klassiker zitiert. Mehr aber hat der Film nicht damit zu tun. „I.K.U.“ handelt von dem Cyborg Reiko, deren Job darin besteht, Daten für eine Orgasmus-Datenbank zu sammeln. Dadurch will der Konzern Genom Corporation virtuelle Sexerlebnisse vermarkten. In einem Nachtclub steckt sich Reiko mit dem Virus Tokyo Rose an, was dazu führt, dass beinahe alle Daten verloren gehen. Also muss Reiko mit ihrer Tätigkeit nochmals von vorne beginnen.

Auch wenn der Film angeblich diese Story haben soll, bekommt der Zuschauer davon nicht wirklich etwas mit. Denn eigentlich ist „I.K.U.“ nichts anderes als eine Aneinanderreihung diverser Sexszenen, ohne dass eine nachvollziehbare Geschichte damit verbunden wäre. Zwar wird durch Zwischeneinblendungen erklärt, wo sich Reiko gerade aufhält, doch das vermittelt auch nicht gerade einen Sinn. Die einzelnen Sexepisoden sind surreal inszeniert und sehr schnell geschnitten. In dieser Hinsicht wirkt „I.K.U.“ fast schon eher wie eine Andernanderreihung verschiedener Videoinstallationen, was keineswegs verwunderlich erscheint, kreiert Cheang doch vor allem Kunstwerke dieser Art. Untermalt wird das Ganze mit Ravemusik. Auch wenn Farbgebung, Beleuchtung und Set-Design durchaus interessant sind, die Optik geradezu stylisch daherkommt und es dem Film keineswegs an Humor oder besser an Witz fehlt, erscheint „I.K.U.“ jedoch nicht wirklich als der der große Wurf.

I.K.U. Regie u. Drehbuch: Shu Lea Cheang, Produktion: Takashi Asai, Darsteller: Ayumu Tokito, Maria Yumeno, Yumeka Sasaki, Miho Ariga, Myu Asou, Musik: Hoppy Kamiyama, The Saboten, Japan 2000, 74 Min.

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kunoichiWenn man sich einen japanischen Schwertkampffilm ansieht, in dem Frauen Blitze aus ihren Brüsten schießen lassen – und auch aus Stellen, die unterhalb der Gürtellinie liegen – , so weiß man, dass man hier einen etwas anderen Genrefilm vor sich hat.

Regisseur Hitoshi Ozawa schuf mit der zweiteiligen Roman- bzw. Manga-Adaption „Kunoichi“ einen Fantasyfilm, der sich selbst nicht ganz so ernst nimmt und daher mit einigen originellen Ideen daherkommt. Ninja-Trick Busenwelle sowie Ninja-Trick Talecho lassen die Bösen durch die Bank weg explodieren und das Blut spritzt in hohen Fontänen. Die Low-Budget-Produktion „Kunoichi“ zeigt also, wie man Liebhaber von Trash-Filmen bei Laune hält, denn unterhaltsamer und sehenswerter kann ein Film kaum sein.

Die Handlung in Kürze: Der dekadente Shogun zieht mit einer Herrschar dämonischer Halbwesen durch die Lande und foltert und missbraucht mit Vorliebe junge Frauen. Als er ein Nonnenkloster überfällt, beschließen die sieben überlebenden Schwestern, sich an dem Shogun zu rächen. Mithilfe eines Schwertmeisters machen sie sich auf, den Shogun zu erledigen …

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Kisagai (Yuko Moriyama) in der Klemme. „Kunoichi“ (1996). Copyright: Toei Company

Regisseur Ozawa gelingt in seinem Zweiteiler eine Mischung aus Splatter-, Sexploitation- und Schwertkampffilm, wobei er zwischen den Extremen Kitsch und Ästhetik ohne Wenn und Aber hin- und herpendelt. Dadurch wird „Kunoichi“ den durchgeknallten Werken von Regisseur Takeshi Miike nicht unähnlich. Trash vermischt sich ohne weiteres mit gespenstischer Gruselästhetik. Ruhige Aufnahmen wechseln abrupt mit rasanten Schnitten. Im selben Maß wechselt ebenfalls die Musik von traditionell zu Hardrock, ohne Übergänge zu beachten.

Bei so vielen Ninja-Frauen in Miniröckchen und Lederstiefeln ist es nicht verwunderlich, dass Regisseur Ozawa auch gleich selbst mitspielen wollte. Aus diesem Grunde sind wahrscheinlich auch die Handlungsstränge gelegentlich etwas durcheinander geraten und manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Doch das durchgeknallte Spektakel besitzt gerade darin seinen Reiz, indem Ozawa in der Wirrnis eine Ästhtetik findet, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Das lässt „Kunoichi“ beinahe als modernen Klassiker erscheinen.

Kunoichi 1: Lady Ninja/Kunoichi 2: Blutige Rache (OT: Kunoichi ninpô chô Yagyà gaiden: Edobana jigoku-hen), Regie & Drehbuch: Hitoshi Ozawa, Darsteller: Yuko Moriyama, Hitoshi Ozawa, Momoka Saeki, Kaoru Okawa, Fuyu Ohba, Japan 1998, 74 Min. & 82 Min.

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Kinoplakat „Underwater Love“

Pink Movies sind japanische Schmuddelfilme, die teilweise sozialkritisch, teilweise ironisch in Szene gesetzt werden. Sie bilden ein eigenes Genre, das man irgendwo zwischen Softporno, Trash und Kunstfilm ansiedeln kann. Das Budget ist stets sehr gering, sodass eigenwillige Wege gefunden werden, um Geschichten zu erzählen. Im Fall von „Underwater Love“ geschieht dies in Form eines Musicals.

Es geht um Asuka, die in einer Fischfabrik arbeitet und kurz davor steht, den Firmenchef zu heiraten. Doch eines Tages begegnet sie einem Kappa, einem japanischen Fabelwesen, das irgendwie eine Mischung aus Mensch und Schildkröte darstellt. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Kappa Asukas Jugendliebe Aoki ist, der vor über 17 Jahren ertrunken ist. Aoki ist gekommen, um Asuka zu retten, denn sie hat nur noch kurze Zeit zu leben. Allerdings ist da auch der Todesgott, der dies verhindern möchte.

Das Schöne an diesem Film ist, dass man ihm ansieht, dass hier weder nach rechts noch nach links geschaut wurde, um zu sehen, was andere Filmemacher so treiben. Man hatte eine Idee und diese wurde ohne Wenn und Aber umgesetzt. Ob dies ein Publikum interessierte, scheint völlig egal gewesen zu sein. Und genau dieses Eigenwillige und diese Schaffensfreiheit ist es, was diesen Film fast schon kultig macht. Eine solche spezielle Kombination gab es davor nicht, und die Verbindung zwischen Sex, Musical und Trash verspricht genau das, was man sich von einem solchen Projekt erwartet: völlig schräg zu sein. Die Melodien von Stereo Total untermalen dabei die amateurhaft in Szene gesetzten Tanzeinlagen vortrefflich. Man sieht, dass es den Leuten einfach nur Spaß gemacht hat, an dem Projekt teilzunehmen. Mit viel Ironie und Humor wird hier eine zarte Liebesgeschichte erzählt, die wunderbar naiv und einfach völlig plemplem ist. Der bekannte Kameramann Christopher Doyle liefert für dieses Fantasy-Liebes-Sex-Ding wunderbare Aufnahmen, welche die Figuren und ihre Handlungen sehr einfühlsam erscheinen lassen.

„Underwater Love“ ist modernes, japanisches Trash-Kino vom feinsten. Aufgrund seiner Ungezwungenheit und seiner Spielfreude bietet dieser Film eine ungeheure Frische, die man in vielen anderen Produktionen zurzeit völlig vermisst.

Underwater Love – A Pink Musical (OT: Onna no kappa), Regie: Shinji Imaoka, Drehbuch: Shinji Imaoka, Fumio Moriya, Produktion: Stephan Holl, Darsteller: Sawa Masaki, Yoshiro Umezawa, Ai Norita, Mutsuo Yoshioka; Musik: Stereo Total, Japan/Deutschland 2011, 84 Min.

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warningfromspace1Nach dem internationalen Erfolg von „Godzilla“ (1954), musste unbedingt ein neuer Film her, der auf diesem Erfolg aufspringen konnte. Die Fortsetzung des Monsterfilms „Godzilla kehrt zurück“ (1955) floppte an den internationalen Kinokassen. Also suchte man nach einem anderen Konzept.

Godzilla wurde zunächst einmal zu den Akten gelegt. Stattdessen versuchte man, sich an den SF-Filmen Hollywoods zu orientieren und schuf daher einen Film, in dem die Menschheit in den Kontakt zu Außerirdischen tritt. Der Titel des Films lautete „Warning from Space“ und kam 1956 in die Kinos.

Es geht darin um seesternartige Außerirdische, die die Menschheit vor einer Katastrophe warnen wollen. Ein Planet (Planet R) nähert sich der Erde. Es droht ein Zusammenstoß, der unweigerlich zur Vernichtung unserer Welt führt. Während die Wissenschaftler zum einen versuchen, hinter das Geheimnis der Außerirdischen zu kommen, versuchen sie andererseits, etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen.

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Die Aliens in ihrer Raumstation. Über die Kostüme lässt sich natürlich streiten. „Warning from Space“ (1956).

Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, drehte Regisseur Koji Shima den Film in Farbe. Es handelte sich dabei um den ersten japanischen SF-Film in Farbe. Koji Shima reizte dabei das Farbspektrum regelrecht aus. Zunächst ist man etwas enttäuscht. Gleich die erste Einstellung, welche die Außerirdischen in ihrer Raumstation zeigen, bietet lediglich sonderbare Grautöne. Nur das Auge eines der sprechenden Seesterne blinkt in einem intensiven Blau. Doch nach einem harten Schnitt auf einen Regenschirm, der für ein paar Sekunden das komplette Bild ausfüllt, ist man positiv überrascht. Nicht nur aufgrund der Farbe. Denn die Einstellung leitet eine Szene ein, die an einem regnerischen Abend auf einem Bahnhof spielt, auf dem sich ein Reporter mit einem Wissenschaftler trifft. Dies wirkt überaus modern und so gar nicht aus dem Jahr 1956. In der Tat, was die Optik des Films betrifft, ist dieser seiner Zeit weit voraus. Ganz toll sind die Sequenzen, in denen Menschen in Tokio in den Himmel sehen, um nach den UFOs Ausschau zu halten. Wie gesagt, wirken diese nicht wie aus den 50er Jahren, sondern könnten genauso gut heute gedreht worden sein.

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Prof. Isobe spricht vor den Reportern über die drohende Gefahr.

Man hat gelegentlich den Eindruck, dass Koji Shima bei Orson Welles abgeguckt hat. Zwar wurde auch damals die Optik des Film gewürdigt, doch was die Handlung betrifft, so war man sich einig, dass „Warning from Space“ nicht viel hergibt. Und da hatten die Kritiker durchaus recht. Im Hinblick auf die Story wirkt der Film unglaublich naiv. Somit kommt es auch zu Szenen, die, trotz der genialen Optik, irgendwie dämlich wirken. So z.B. eine Szene, in der einer der Wissenschaftler mit einem in eine Frau transformierten Außerirdischen Tennis spielt. Bei jedem Schlag springt die Frau fast zwei Meter in die Höhe. Ob die Szene damals ernst gemeint war oder Shima diese mit einem Augenzwinkern bedacht hatte, bleibt unklar.

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„Keep watching the Sky!“ Hier ein Beispiel für die teils hervorragende Optik des Films. „Warning from Space“ (1956).

Auch ergeben sich mehrere Ungereimtheiten. Die vermeintliche Frau soll in dem Film eine bekannte Sängerin sein, welche die Aliens kopiert haben. Seltsam ist, dass die Wissenschaftler und Reporter sich über das Aussehen der Frau gar nicht wundern und diese nicht als eben jene Sängerin erkennen, im Gegensatz zu einer Gruppe Schülerinnen, die sie sofort kreischend umringen. Völlig überflüssig ist das plötzliche Auftreten eines Gangsters, der von einem der Wissenschaftler namens Isobe die Formel haben möchte, mit der man eine Bombe bauen kann, die um ein Vielfaches stärker als eine Atombombe ist. Isobe wird entführt. Doch auf seinem Finger trägt er einen Ring der Außerirdischen, mit dem eben jene Außerirdischen ihn jerderzeit lokalisieren können. Doch, und hier macht sich wieder die Unlogik der Story bemerkbar, als erstes kommen die als Menschen transformierten Aliens in das Forschungsinstitut und fragen, ob Isobe hier sei, worauf seine Kollegen meinen, dass sie ihn seit Tagen nicht gesehen hätten. Darauf erwidert die Alien-Frau, dass Isobe eben jenen Ring habe und sie ihn deswegen schnell finden könnten.

Auch „Warning from Space“ blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Anfang der 60er Jahre wurde er erneut aufgeführt. Erst bei seinem zweiten Anlauf wurde er auch in den USA gezeigt. Wie bereits erwähnt, ist der Film rein optisch durchaus bemerkenswert. Trotz seiner teils verpatzten Handlung ging „Warning from Space“ als erster SF-Farbfilm in die japanische Filmgeschichte ein. Wieso aber die Außerirdischen ausgerechnet wie Seesterne aussehen, bleibt eine andere Frage.

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