The Priests – Koreas Filmindustrie macht einen auf „Exorzist“

thepriestsWer hätte das gedacht, dass Südkorea einmal einen „Exorzisten“-Film drehen würde. In der Tat scheint dieses Jahr Besessenheit im K-Horror großgeschrieben zu sein. Bereits der Film „The forbidden Cave“ befasste sich mit dieser Thematik. Während es dort aber eher um eine Mischung aus Mystik und Parapsychologie ging, setzt Jungregisseur Jang Jae-Hyun voll und ganz auf die katholische Kirche und deren Exorzismusritual.

Pater Kim befasst sich mit dem Fall eines jungen Mädchens, das seit einem Autounfall im Koma liegt. Er ist davon überzeugt, dass der Körper des Mädchens von einer bösen Macht besessen ist. Zusammen mit dem jungen Priesteranwärter Choi unternimmt er in einer Wohnung einen Exorzismus und muss dabei feststellen, dass der Dämon, der in dem Mädchen haust, alles andere als harmlos ist.

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Choi macht mit beim Exorzismus.

William Friedkins „Exorzist“ ist nicht nur die Mutter aller darauf folgenden Okkultismusfilme, sondern ein Filmklassiker schlechthin. So ist es beinahe unmöglich, das Genre des Teufelsfilms neu zu definieren. Und genau hier hapert es in Jangs erstem Film. Das Drehbuch basiert auf seinem eigenen Kurzfilm mit dem Titel „12th Assistant Deacon“. Der Film selbst beginnt sehr vielversprechend: zwei Priester rasen in einem schwarzen Auto durch die Nacht. Einer von ihnen hält etwas in seinen Händen, das in ein Tuch eingewickelt ist und merkwürdige Laute von sich gibt. Plötzlich kommt es zu einem Unfall.

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Einmal Handauflegen bitte.

Und dann? Genau dann beginnt es zu hapern. Jang fällt nichts anderes ein, als eine Art Sparflammenversion von Friedkins „Exorzist“ abzuliefern. Würde er dabei versuchen, eine beklemmende Atmosphäre zu gestalten, könnte man dafür dem Regisseur eine gute Note geben. Doch auch bei dem Versuch, die übernatürlichen Geschehnisse in einen Kontrast zum materialistischen Alltag Südkoreas zu stellen, bleibt es beim Versuch. Fast schon unbeholfen lässt Jang Krähen auf dem Dach eines Hauses in Seoul kreisen, Katzen maunzen um die Wette und computeranimierte Kakerlaken krabbeln aus den Wänden. All das bewirkt nicht, dass hier so etwas wie eine mystisch-düstere Dichte entsteht. Alles wirkt irgendwie zu banal – erst recht der CGI-Weihrauch, der fast schon unfreiwillig komisch ist. Aber auch das Kindheitserlebnis Chois, dessen Schwester von einem tobenden Hund totgebissen wurde. Die Szene ist mehr Kitsch als Drama und bewirkt alles andere als eine dämonisch angehauchte Perspektive.

Der Exorismus selbst verläuft auf sehr ähnliche Weise wie in Friedkins „Exorzist“ nur eben auf niedrigerem Niveau. Erst im Finale scheint Jang auf den Trichter gekommen zu sein und versucht, anhand von Stromausfällen, umstürzenden Strommasten und Massenkarambolagen das nachzuholen, was er im ganzen Film über vergessen hat. Tatsächlich sind die letzten zehn Minuten des Films sehr spannend umgesetzt. Wäre der gesamte Film so gewesen, dann hätte man Jang für sein Debut beglückwünschen können. So aber ist „The Priests“, der zu den erfolgreichsten Filmen zählt, die in Korea Ende des Jahres gestartet sind, ein Abklatsch US-amerikanischer Okkultismusfilme.

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