Puls oder Wie man durchs Handy zum Zombie wird

cellDie Frage ist, welcher Roman oder welche Kurzgeschichte von Stephen King noch nicht verfilmt wurde. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Filmemacher mit Kings Zombie-Roman „Cell“ aus dem Jahr 2006 beschäftigten.

Eigentlich wollte Eli Roth den Stoff verfilmen, doch wurde aus dem Projekt nichts. Er erwarb zwar 2006 die Filmrechte, doch letztendlich verfilmte Tod Williams den Horrorroman dann beinahe zehn Jahre später. Mit wenig Erfolg, denn der Film floppte und wurde sofort als VOD veröffentlicht. Da half auch nicht, dass King selbst das Drehbuch verfasste. Dieses wurde später von Adam Alleca nochmals überarbeit.

Im Film wie im Buch geht es um sonderbare Signale, die von den Handys ausgehen und deren Benutzer innerhalb kurzer Zeit in tollwütige Zombies verwandeln. In all dem Chaos versucht Clay Riddell seine Frau und seinen Sohn zu finden. Dabei schließt er sich einer Gruppe weiterer Überlebender an.

Handys als Objekt des Unheimlichen sind im Horrorgenre nichts Neues. Den Anfang nahm die japanische Produktion „One missed Call“ aus dem Jahr 2003, bei dem Takeshi Miike Regie führte und das zwei Sequels und ein US-Remake erfuhr. So gesehen war Kings Idee, mal einen Horrorroman zu schreiben, in dem Handys die Ursache allen Übels sind, wenig originell.

Der Roman als auch der Film orientieren sich dabei immer wieder an früheren Endzeit- und Zombiefilmen. Interessant ist aber, dass die Handlung von „Cell“ das Zombie-Getue weiter entwickelt. So haben wir es hier nicht mit herumwatschelnden Untoten zu tun, die nur noch rein instinkthaft handeln, sondern die Zombies entwickeln im Laufe des Films eine Art kollektive Intelligenz, was dann doch recht unheimlich wirkt. Der Aspekt des Unheimlichen wird verstärkt, indem sich der Film in Sachen Gewalt eher zurückhält und mehr mit Andeutungen und Atmosphäre spielt. Wer daher einen Zombie-Splatter-Streifen erwartet, wird garantiert enttäuscht werden.

Insgesamt aber ist „Cell“ ein durchaus spannender Horrorfilm, der zwar nicht so schlecht ist wie sein Ruf, der allerdings an ein paar deutlichen Durchhängern leidet. Dennoch weiß der Film, vor allem geprägt durch das Spiel von John Cusack und Samuel L. Jackson, zu unterhalten.

 

Die Klunkerecke: Teenage Zombies oder Wie man einen Affen und vier Teens bewusstlos werden lässt

teenagezombiesDie Rolle des Mad Scientist war und ist im Normalfall Männern vorbehalten. Nicht so bei dem Trashfilm „Teenage Zombies“ aus dem Jahr 1959. Dort ist es überraschenderweise eine Frau, die die Bewohner der USA in willenlose Zombies verwandeln möchte.

Ihr Name lautet Dr. Myra und ihr Wohnort ist eine einsame Insel vor der Küste eines kleinen Ortes. Die Freunde Rag, Skip, Julie und Pam beschließen eines Tages, die Insel aufzusuchen, die als unbewohnt gilt. Überrascht stellen sie aber fest, dass es dort eine Reihe von Gebäuden gibt. Und schließlich beobachten sie eine Gruppe seltsamer Menschen, die einen Weg entlang zu einem Feld wanken. Angeführt wird diese Gruppe von einer Frau, die sich später, als die Freunde an ihre Haustür klopfen, als Dr. Myra herausstellt. Schnell werden die vier Teenager zu Gefangenen der Wissenschaftlerin, die ein Gas entwickelt hat, das jedes Wesen, das es einatmet, in einen Zombie transformiert. So einen wilden Affen, der dann am Ende des Films nochmals einen kurzen Auftritt hat, und zwischendurch auch Julie und Pam. Rag und Skip versuchen, ihre Freundinnen zu befreien und zugleich Dr. Myra das Handwerk zu legen.

teenagezombies1Bei den Dreharbeiten setzte man zum großen Teil auf natürliche bzw. echte Kulissen. So muss als Labor von Dr. Myra ein Einfamilienhaus herhalten. Wenn die Teenies das Haus von Dr. Myra betreten, so landen sie als erstes in der Küche mit Blümchentapete. Als Labor diente wahrscheinlich eine einfache Lagerhalle, möglicherweise aber auch dasselbe Haus. Am gelungensten aber ist die Polizeistation: eine Bretterwand mit einem kleinen, rechteckigen Fenster darin, hinter der ein Officer sitzt.

teenagezombies2Regisseur Jerry Warren schafft es dennoch, die Handlung interessant und irgendwie spannend zu erzählen. Dies vor allem dadurch, da Warren auf Schnelligkeit setzt. Er hält sich nicht lange bei einer einzigen Situation auf, sondern jagt von einer Sequenz zur nächsten. Höhepunkt von „Teenage Zombies“ ist eine lange Rangelei zwischen den Freunden und Dr. Myra und ihren Helfern. Gegen Ende mischt dann auch noch der Affe mit (wohl überflüssig zu erwähnen, dass es sich hierbei um einen Mann im rupfigen Affenkostüm handelt).

„Teenage Zombies“ zählt zu den 50 schlechtesten Filmen, die jemals gedreht wurden, und Regisseur Jerry Warren, der eine ganze Reihe von Low-Budget-Filmen gedreht hat, ist bis heute eigentlich nur für diesen einen Film bekannt. Dennoch ist es in der Tat bemerkenswert, dass dies der wohl einzige Film aus den 50er Jahren ist, in dem eine Frau die Rolle des „verrückten Professors“ einnimmt. In diesem Sinne ist er durchaus ein Vorläufer der darauf folgenden Emanzipationsbewegung. Die Frau in „Teenage Zombies“ möchte die Herrschaft über die amerikanische Gesellschaft erlangen. Die Männer sind ihr untergeordnet. So gesehen ist Warrens Film ein außergewöhnliches Stück Filmgeschichte.