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„Der Seewolf“ war und ist der Klassiker der damaligen ZDF-Adventsvierteiler

Heute mag man es kaum glauben, doch in früheren Zeiten produzierte das ZDF hochkarätige Abenteuerfilme, die in der Regel zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurden. Das Besondere war, dass alle Filme vier Teile hatten, was letztendlich zum Namen Adventsvierteiler führte. Es handelte sich dabei um europäische Gemeinschaftsproduktionen, bei denen außer Deutschland auch noch Frankreich, Italien und Bulgarien beteilgt waren.

Begonnen hatte alles 1964 mit der Verfilmung „Robinson Crusoe“, in dem der bekannte österreichische Schauspieler und damalige Bravo-Star Robert Hoffmann die Titelrolle spielte. Es folgten beinahe jedes Jahr weitere Vierteiler, so im Jahr 1965 „Don Quijote“ und ein Jahr darauf „Die Schatzinsel“. 1967 blieb der erwartete Vierteiler aus, doch 1968 folgte „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ und 1969 „Die Lederstrumpferzählungen“.

Den Höhepunkt der Reihe erlebten die Adventsvierteiler aber mit dem absoluten Klassiker der ZDF-Produktionen, nämlich 1971 mit Jack Londons „Der Seewolf.“ Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Kapitän Wolf Larson spielte, sagte bereits während der Dreharbeiten, dass die Kartoffel sein Schicksal werden würde.

Der erste Adventsvierteiler aus dem Jahr 1964

Gemeint ist damit die wohl berühmteste Szene des deutschen TV-Films: Wolf Larson, der in der Kombüse der Ghost steht, eine rohe Kartoffel aus dem Eimer nimmt und diese vor den Augen Humphrey van Weydens (gespielt von Edward Meeks) mit seiner rechten Hand zerquetscht. Es war die Szene, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt und an die sich jeder erinnert, der damals den Film gesehen hat.

Zwar spielte Harmstorf auch noch 1976 in dem Vierteiler „Michael Strogoff“ die Titelrolle und später war er immer mal wieder in „Bud Spencer“-Filmen zu sehen, dennoch assoziierten ihn alle Zuschauer stets nur mit seiner Rolle des brutalen Wolf Larson und eben mit dieser unglaublich starken Szene.

Es folgten weitere Verfilmungen: „Cagliostro“ nach Alexandre Dumas, den das ZDF allerdings 1973 nur in drei Teilen ausstrahlte, die Jules Verne-Adaption „Zwei Jahre Ferien“ (1974), „Lockruf des Goldes“ (1975) und der bereits erwähnte „Michael Strogoff“ aus dem Jahr 1976. 1978 landete das ZDF mit der Stevenson-Adaption „Die Abenteuer des David Balfour“ einen erneuten Hit, dieses Mal auch in Sachen Musik. Denn die Titelmelodie wurde so bekannt, dass sie als Schallplatte veröffentlicht wurde. 1979 folgte eine weitere Jules Verne-Verfilmung mit dem Titel „Matthias Sandorf“.

Einer der letzten Vierteiler aus dem Jahr 1981

Danach näherte sich das Konzept der Adventsvierteiler so langsam dem Ende. Der Grund war, dass die Produzenten keine geeigneten Vorlagen mehr fanden, die man als Vierteiler hätte verfilmen können. So griff man 1980 zu William Godwins Klassiker „Caleb Williams“, der in Deutschland damals völlig unbekannt war, was sich dann durch die TV-Verfilmung schlagartig änderte. William Godwin war übrigens der Vater von „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

Es folgten noch „Wettlauf nach Bombay“ (1981), „Der schwarze Bumerang“ (1982) und schließlich „Der Mann vom Suez“ (1983), wobei „Der schwarze Bumerang“ der einzige Vierteiler ist, der nicht auf einem Roman basiert. Danach folgten keine weiteren Vierteiler mehr. Es wurden zwar immer mal wieder Abenteuerfilme als Mehrteiler produziert, wobei „Das Geheimnis der Sahara“ (1987) am erfolgreichsten war und in einer umgeschnittenen Fassung sogar in die Kinos kam, doch mit den einzigartigen Adventsvierteilern war es aus.

Den Versuch eines Mehrteilers übernahm 2016/2017 RTL mit den Winnetou-Filmen, die durchaus ihren Reiz hatten und in die richtige Richtung wiesen, allerdings immer weniger Zuschauer bekamen. Daher ist die Frage groß, ob der Sender ein solches Projekt nochmals wiederholen wird. Das ZDF jedenfalls garantiert nicht, denn was dort heutzutage so produziert wird, darüber sollte man größtenteils lieber schweigen.

 

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quality tvEU-Kommissar Günther Oettinger hat es auf den Punkt gebracht. In seiner letzten Rede sprach er davon, dass der Schwemme von TV-Serien aus den USA endlich Paroli geboten werden muss, sprich, europäische TV-Sender sollten endlich mehr Geld in ihre Produktionen stecken.

Wie es um unsere europäischen Nachbarn bestellt ist, können wir nicht beurteilen, doch die Kritik trifft auf Deutschland zu hundert Prozent zu. In einer Zeit, in der sich die Qualität von TV-Serien derjenigen von Spielfilmen annähert bzw. so gut wie mit dieser identisch ist, bleiben unsere einheimischen TV-Sender auf ihrem (kaum vorhandenen) Niveau sitzen.

Gegen Hochglanzkrimis, aufwendigen Mystery-Serien oder Fantasyspektakel kommen „Das Traumschiff“ oder „Der Bergdoktor“ nicht an.  Selbst die harmlosen Krimiserien, die vor den jeweiligen Hauptnachrichten des ZDF oder der ARD laufen, sind im Vergleich zu den Produktionen aus den USA einfach nur läppisch.

Einmal mehr zeigt sich, dass Deutschland die Entwicklung völlig verschlafen hat. Die Beamten, die auf das Prinzip des Ewig-Gleichen bestehen, sorgen mit ihrem nicht vorhandenen Engagement dafür, dass die Veränderungen in den TV-Serien nicht Deutschland erreichen. Die damit verbundene Amerikanisierung ist kein neues Phänomen, sondern war eigentlich immer vorhanden, doch gerade in einer Phase, in der das sog. Quality-TV hoch gepriesen wird, sieht es hierzulande düster aus.

Gut, man muss keine aufgestylten, fast schon ins Sterile neigenden Darsteller präsentieren. Es geht auch im Schmuddellook. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht z.B. darum, aus einem langweiligen Popel-Krimi einen spannenden Thriller zu schaffen, der den Zuschauer nicht nur handlungsmäßig, sondern auch optisch vom Hocker haut. Dem ARD-Flaggschiff „Tatort“ gelingt dies nicht. Die Vorabberichte in Radio und Fernsehen über den jeweils neuesten Film wirken bereits völlig verkrampft, so als wüssten die Redakteure, dass man nur noch so tun kann, als habe man es mit Qualität zu tun. Nicht anders verhält es sich dann mit den Kritiken danach, die lobhudeln oder versuchen, eine Bagatelle als Skandalthema zu verkaufen.

Dass sich z.B. ARD oder ZDF einmal zusammenraufen und versuchen würden, ein aufwendiges Historienspektakel als Mehrteiler zu kreieren (wie dies z.B. in Südkorea Gang und Gäbe ist), davon kann man nur träumen. Dass sich beide Sender einmal in die Gefielde des Fantasy- oder Phantastik-Genres verirren sollten, darüber lohnt es sich nicht einmal zu reden, werden doch diese Genres in Deutschland noch immer als trivial empfunden. Und nein, „Der Bergdoktor“ oder „Notruf Hafenkante“ sind ja überhaupt nicht trivial.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Serien, die in Deutschland produziert werden, sind im Grunde genommen vollkommener Murks. Die Storys sind so konzipiert, dass Tante Trude, die sich diesen Mist ansieht, nachher nicht schlaflos im Bett liegt. Es gibt keine Qualität oder besser keine Quality. Und wenn jemand „Das Traumschiff“ als Quality TV bezeichnet, der sollte lieber einen Psychiater aufsuchen.

Deutschland hat den Wandel verschlafen und daran wird sich, trotz Oettingers Mahnung, nichts ändern. Statt Quality TV, werden wir weiterhin von langweiligen, schlecht gemachten TV-Filmen genervt werden. Und sollte sich da doch etwas tun, so kann man nur hoffen, dass dies nicht allein deswegen geschieht, um die Gebühren zu erhöhen.

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