Die glorreichen Sieben (2016)

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind … Natürlich mal wieder ein Remake aus Hollywood. Aber Remake darf man ja nun nicht mehr sagen, sondern entweder Neuinterpretation oder Version von Regisseur XY. 2016 erwischte es unter anderem den Klassiker „Die glorreichen Sieben“ aus dem Jahr 1960. Regie führte damals John Sturges – und ja, auch dieser Film war schon ein Remake. Und zwar von Kurosawas „Die sieben Samurai“ aus dem Jahr 1954. Eines der originellsten Remakes davon ist übrigens „Sador-Herrscher im Weltraum“ (1980) aus dem Hause Roger Corman.

2016 war es Antoine Fuqua, der sich dieses Stoffes annahm. Über die Handlung muss man nicht viel sagen, außer, dass die sieben Revolverhelden dieses Mal keine mexikanische Kleinstadt aus den Klauen einer Banditenbande retten sollen, sondern eine US-amerikanische Kleinstadt, die von einem reichen Unternehmer schikaniert wird.

Die Frage natürlich lautet, wie Fuqua den Stoff umgesetzt hat. Fuqua versucht sich zwischen den Zeilen in der Kapitalismuskritik, was mit der Figur des Bösewichts Bartholomew Bogue unterstrichen wird, der über Leichen geht, um Geld zu machen. Fuqua möchte somit weg vom glatt gebügelten und Kritik leeren Filmen zurück zum Hollywoodkino, das sich als sozialkritisch versteht. Leider aber gelingt ihm dies nur am Rande. Denn Fuquas Augenmerk konzentriert sich letztendlich auf die Action des Films, welche beinahe die Hälfte des zweistündigen Remakes einnimmt.

Dieser Fokus färbt sich dann auch negativ auf die Zusammenfindung der Figuren ab. Während sich Sturges 1960 genau dafür Zeit ließ, hakt Fuques diesen wichtigen Teil im Eiltempo ab, um möglichst schnell zum Action geladenen Spektakel des Films zu gelangen. Dies führt dazu, dass die Figuren und ihre Motivationen oberflächlich bleiben. Im Falle des Indianers Red Harvest, der von seinem Stamm verstoßen wurde, wirkt dieses Manko noch offensichtlicher als bei den anderen Figuren. Einen richtigen Grund für den Indianer, bei der Aktion mitzumachen, gibt es nicht, und nur darin den Grund zu finden, weil Goodnight (Ethan Hawke) zusammen mit ihm in eine rohe Leber beißt, wirkt geradezu holprig und unplausibel. Hinzu kommt, dass das neue Ensemble einfach nicht das Charisma der Darsteller von 1960 besitzt. Washington, Pratt, Hawke, D’Onofrio, Lee, Garcia-Rulfo und Sensmeier haben gegenüber Bronson, Buchholz, Brunner, Mc Queen, Vaughn, Dexter und Coborn einfach nicht die Klasse. Ganz schwach der koreanische Schauspieler Byung-Hun Lee, der sich in seiner Rolle nicht wirklich zurechtfindet.

Um die flache Charakterisierung seiner Helden zu überspielen, setzt Antoine Fuque dann voll und ganz auf Action. Und hier verfehlt es der Regisseur, einen eigenen Stil zu kreieren, vielmehr wirkt dieser Teil des Films wie ein Best Of des Westerngenres. Die Schießereien und die Pferdestunts kamen auf dieselbe Weise schon in diversen Filmen der 50er und 60er Jahren vor. So kommt zwar ein Hauch von Nostalgie auf, doch mehr auch nicht.

Trotz der Kritik ist das Remake keineswegs langweilig. Antoine Fuque bietet viel für das Auge, zeigt, dass er die klassische genauso wie die moderne Bildsprache beherrscht, schafft aber dennoch kein Meisterwerk, sondern eher einen unterhaltsamen Durchschnittsfilm, der aufgrund seiner handgemachten Action schön zum Anschauen ist, aber ansonsten schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwindet.

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven). Regie: Antoine Fuque, Drehbuch: Nic Pizzolatto, Richard Wenk, Produktion: Roger Birnbaum, Darsteller: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-Hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier. USA 2016, 133 Min.