The 80s: Die phantastische Reise ins Jenseits (1988)

ladyinwhiteEs gibt viele Beispiele in der Geschichte des Films, die zeigen, dass Qualität nicht unbedingt mit Erfolg einhergeht. Eines davon ist „Lady in White“ aus dem Jahr 1988, der in Deutschland den esoterisch-angehauchten Verleihtitel „Die phantastische Reise ins Jenseits“ aufgedrückt bekam. Der Film spielte gerade einmal ein Viertel seiner Produktionskosten ein. Auch heute noch ist der Film relativ unbekannt, zählt in den USA aber als eine Art geheimer Klassiker des 80er Jahre Horrorfilms.

Regisseur Frank LaLoggia erzählt darin die Geschichte des Jungen Frankie, der in den 60er Jahren in der Kleinstadt Willowpoint lebt. An Halloween wird er Opfer eines gemeinen Streichs, sodass er, unbemerkt von allen anderen, in der Schule eingeschlossen wird. Dort wird er in der Nacht Zeuge einer unheimlichen Erscheinung: ein geisterhaftes Mädchen erscheint, das von einem Unsichtbaren ermordet und weggetragen wird. Der Unbekannte verliert dabei seinen Ring. Kurz nach diesem gespenstischen Zwischenfall kehrt der Mörder unerwartet zurück, um den Ring zu holen. Dabei entdeckt er Frankie und erwürgt ihn. Der Junge ist allerdings nur bewusstlos. Nachdem sich Frankie von dem Mordversuch erholt hat, versucht er, das Rätsel des Zwischenfalls zu lösen.

ladyinwhite1
Frankie (Lukas Haas) auf dem Weg zur Schule.

„Lady in White“ ist eine Mischung aus Kinder-, Mystery- und Horrorfilm, der ganz ohne Blut auskommt. Vielmehr setzt LaLoggia voll und ganz auf Atmosphäre. Er vermischt den Stil klassischer Gespenstergeschichten mit dem Stil moderner Horrorstorys. Das Resultat ist ein Film, der spanned und stellenweise auch unheimlich ist, nie aber über die Stränge schlägt. Geschickt fedelt LaLoggia die damaligen sozialen und politischen Konflikte in die rätselhafte Story mit ein. Denn als erstes wird der schwarze Hausmeister der Schule verdächtigt, der Mörder an dem Mädchen zu sein. Was Frankie nicht ahnt, ist, dass sich der Mörder stets in seiner Nähe befindet und eigentlich nur darauf wartet, ein weiteres Mal zuzuschlagen.

LaLoggia, der auch das Drehbuch schrieb, orientierte sich bei seiner Arbeit an einer amerikanischen Legende über die Weiße Frau, die dazu verdammt ist, auf ewig nach ihrer verschwundenen Tochter zu suchen. So ist es nicht verwunderlich, dass LaLoggia auch ein wenig Folklore mit in die Geschichte einbaut. Manchmal scheint es daher beinahe so, als sei der Film von unterschiedlichen Stilen des Unheimlichen fast schon überfrachtet. Irgendwie wollte der Regisseur alles Mögliche in einen Topf schmeißen. Interessanterweise aber entsteht dadurch keineswegs irgendein Kuddelmuddel. LaLoggia versteht es, den Zuschauer von Anfang an zu packen und die Story nicht nur unterhaltsam, sondern auch durchgehend spannend zu erzählen. Dieser Aspekt wird von einer manchmal ein wenig an Steven Spielberg erinnernden Optik unterstrichen.

Frank LaLoggia gelang mit „Die phantastische Reise ins Jenseits“ ein wirklich wunderbarer Film, den man sich immer wieder mal ansehen kann, ohne dass er langweilig wird. Aber das haben Klassiker bekannterweise an sich.

Die phantastische Reise ins Jenseits (OT: Lady in White). Regie, Drehbuch u. Produktion: Frank LaLoggia, Darsteller: Lukas Haas, Len Cariou, Alex Rocco, Katherine Helmond, Jason Presson. USA 1988, 112 Min.

 

Starfire – Irgendwie gut und doch vergessen

starfireJa, es gibt Filme, die kurz das Licht der Öffentlichkeit erblicken, bevor sie völlig in Vergessenheit geraten. Dieses Schicksal erleidete u. a. der japanisch-amerikanische SF-Film „Starfire“ aus dem Jahr 1990. Die Produktionskosten betrugen etwa 50 Millionen Dollar, dennoch lief der Film nur in Japan und in Deutschland in den Kinos. In den USA kam er ohne Umwege in die Regale der Videotheken.

Schuld daran war wohl ein Streit zwischen Regisseur Richard C. Sarafian und den japanischen Produzenten, denn diese wollten eine andere Schnittfassung haben als Sarafian. Als Konsequenz wollte Sarafian nicht mehr als Regisseur im Vorspann genannt werden, sodass stattdessen der in solchen Fällen übliche Name Alan Smithee steht.

Aufgrund dieses Streits könnte man meinen, dass der Film alles andere als gelungen ist. Doch eigentlich ist das genaue Gegenteil der Fall. Gut, die Story gibt sich überaus verworren, doch ist letztendlich in sich stimmig. Es geht darum, dass eine enorme Sonneneruption die Erde bedroht. Um die Eruption in eine andere Richtung zu lenken, soll eine Antimateriebombe in die Sonne geworfen werden. Alles leichter gesagt als getan, denn ein Konzern möchte die Aktion verhindern, um dadurch noch mehr Geld schäffeln zu können, und schickt daher einen Saboteur ins Raumschiff …

Mit Schauspielern wie Charlton Heston und Jack Palance hoffte man, doch irgendwie international Aufsehen erregen zu können. Aber, wie bereits bemerkt, klappte alles nicht so wie es sich die Produzenten vorgestellt hatten. Doch eigentlich ist das schade, denn der Film strotzt nur so vor Ideen, die jede für sich wieder einen eigenen Film ergeben würden. Dabei bedient man sich natürlich hin und wieder bei anderen Filmen, sodass man in „Starfire“ von „Blade Runner“ bis zu „Mad Max“ irgendwie alles wiederfindet. Allerdings formt „Starfire“ die Ideen so um, dass sie dann doch wieder originell wirken und dem Film einen eigenwilligen Charme verleihen. Recht nett ist hierbei das „Soylent Green“-Zitat, indem in einer Szene relativ am Anfang Charlton Heston in der Menge tobt und die Leute vor einer schrecklichen Gefahr warnt. Diese kurze Szene ist wirklich nur als Gag am Rande zu verstehen, denn Heston spielt eigentlich eine der Hauptrollen im Film, nämlich den Vater des Kommandanten des Raumschiffs, das zur Sonne fliegen soll.

Der Film ist von Anfang bis Schluss nur eines: extrem hektisch und aufregend. Sarafian hielt sich wohl an die Grundregel von Roger Corman, die besagt, dass in jeder Szene etwas passieren muss. Und genau das setzt „Starfire“ gekonnt um: fast jede Szene ist gewürzt mit Action, hinzu kommen eine Menge an Spezialeffekten, die, dank der Mitarbeit von Syd Mead, hervorragend sind. Nebenbei bemerkt ist auch das Design der Raumschiffe erstklassig. Kurzum: Der Film lässt einen nicht mehr los.

Es ist wirklich schade, dass „Starfire“ ziemlich in Vergessenheit geriet. Dies machte sich fast 20 Jahre später Regisseur Danny Boyle zunutze und drehte mit „Sunshine“ (2007) einen Film mit fast identischer Handlung. Im Grunde genommen ziemlich frech, doch da die Kritiker „Starfire“ nicht mehr im Gedächtnis hatten, wies niemand auf diesen Umstand hin.

Starfire (Alternativtitel: Solar Crisis), Regie: Richard C. Sarafian, Drehbuch: Takeshi Kawata, Joe Gannon, Cri´span Bolt, Produktion: Richard Edlund, Takeshi Kawata, Darsteller: Tim Matheson, Charlton Heston, Peter Boyle, Jack Palance, Annabel Schofield, USA/Japan 1990, 107 Min.