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Posts Tagged ‘Vampirfilme’

Über mehrere Jahrzehnte hinweg produzierten die Hammer Studios einen Horrorfilm nach dem anderen, bis sie Mitte des 70er Jahre von der Entwicklung des modernen amerikanischen Horrorfilms überholt wurden. Meistens wurden in den Drehbüchern die Themen der Gothic-Novels sowie der viktorianischen Schauergeschichten verarbeitet, sodass sich viele Filme um Vampire, Spukhäuser und Hexen drehten. Aber auch SF-Thriller wie „XX-Unbekannt“ oder die „Quatermass“-Filme entstanden im und um das legendäre Hammerstudio. Die düsteren, liebevoll bis ins Detail gestalteten Kulissen trugen dabei zu dem besonderen Stil dieser Filme wesentlich bei. Die beiden Horror-Ikonen Christopher Lee und Peter Cushing starteten bei Hammer ihre Karrieren.

Als einer der vielen Hausregisseure der Hammer Studios galt Terence Fisher, dessen Dracula-Verfilmung bis heute als eine der besten Adaptionen des gleichnamigen Romans von Bram Stoker gilt. Für seine Stoffe suchte sich Fisher am liebsten Ideen von Robert Louis Stevenson, Mary Shelley oder eben Stoker aus. Mit dem Film „Dracula und seine Bräute“ (The Brides of Dracula) aus dem Jahr 1960 schuf er den ersten Vampirfilm, der mit dem Titel gebenden Held rein gar nichts zu tun hat.

Noch ahnt Marianne (Yvonne Monlaur) nicht, wer da neben ihr steht; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Die Geschichte spielt in Transsylvanien am Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Lehrerin Marianne befreit den Baron Meinster aus seiner Gefangenschaft, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm um einen bösartigen Vampir handelt. Kaum entkommen, fällt er auch schon über ein Mädchenpensionat her, in dem Marianne ihre neue Stelle antritt. Zum Glück aber befindet sich der berühmte Vampirjäger Dr. Van Helsing in der Nähe. Mit Kruzifix, Weihwasser und Holzpflock versucht er, das Treiben des blutgierigen Grafen zu stoppen.

„Dracula und seine Bräute“ ist der einzige Film, in dem ein blonder Vampir sein Unwesen treibt. Der unbekannte Schauspieler David Peel verleiht diesem Untoten einen wirklich teuflischen Charakter, der an Intensität seinesgleichen sucht. Leider sollte dies Peels einzige Vampirrade sein. Kurz darauf zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sein Geld als Immobilienmakler zu verdienen. Das schöne Opfer spielt Yvonne Monlaur, die ein Jahr zuvor durch den damaligen Skandalfilm „Der rote Schatten“ (1959) bekannt wurde.

Graf Meinster (David Peel) bei der Arbeit; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Fishers zweiter Vampirfilm („Dracula“ entstand wenige Jahre zuvor) glänzt durch eine aufregende Handlung, Witz und natürlich – wie bereits erwähnt – jene Hammer-typischen Kulissen, von denen diesmal die alte Windmühle, in welcher der Showdown stattfindet, wundervoll in Szene gesetzt wurde. Das Design diente später Tim Burton als Vorbild für „Sleepy Hollow“, sozusagen seine Hommage an die Zeit der Hammer Studios.

Im Gegensatz zu den Horrorfilmen der American International Pictures, die Vincent Price unter Vertrag hatten und bis Ende der 60er kaum Blut und nur wenig nackte Haut zeigen durften, fielen die Hammerfilme in der Regel drastischer und sinnlicher aus. Besonders bei „Dracula und seine Bräute“ wagten sich Terence Fisher unf Drehbuchautor Jimmy Sangster über die Grenze des Moralischen hinaus. So kommt es in einer zentralen Szene zu einer Art Inzest, indem Graf Meinster seiner eigenen Mutter das Blut aussaugt. Eine Szene, die bis heute innerhalb des Vampirgenres einzigartig sein dürfte.

Dracula und seine Bräute (OT: The Brides of Dracula), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Peter Bryan, Edward Percy, Jimmy Sangster, Produktion: Amthony Hinds, Darsteller: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel. England 1960, 82 Min.

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gruftderfrauenNeben den Hammer-Studios gab  es in den 60er Jahren noch andere Produktionsfirmen in England, die im Fahrwasser des Erfolgs der beliebten Gothic-Horrorfilme ihre Produktionen auf den Markt zu brachten. Eine dieser Firmen hieß Planet Films, die immer wieder versuchte, auf den „Hammer-Zug“ aufzuspringen. Doch fehlten den Filmen dieser Firma eindeutig der Witz, der Charme und die Leidenschaft, so dass sie nicht aus dem Schatten von Hammer herausragten.

Ein Beispiel hierfür ist „Die Gruft der toten Frauen“, eine recht klassische Gruselgeschichte, die mehr schlecht als recht die damalige Okkultismuswelle aufgreift. Es geht darin um den Schriftsteller Paul Baxter, der zusammen mit seinen beiden Schwestern Urlaub in der Bretagne macht. Bei einem Abendspaziergang werden alle drei von einer alten Zigeunerin gewarnt, da der Fürst der Finsternis hier sein Unwesen treiben soll. Unsere Rationalisten sehen das locker, doch müssen sie kurz danach einsehen, dass sie falsch lagen. Denn Baxters Schwestern werden tot aufgefunden. Da die Polizei ratlos ist, nimmt Baxter die Suche nach dem Mörder selbst in die Hand und kommt so einem Vampir auf die Spur, der vorhat, die Welt zu beherrschen …

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Ein kleines Ritual für zwischendurch; „Die Gruft der toten Frauen“ (1968); Copyright: e-m-s

Im Gegensatz zu den Hammerfilmen, möchte Regisseur Lance Comfort dadurch an Originalität gewinnen, indem er seinen Film in der Gegenwart spielen lässt. So gelingt es ihm tatsächlich, die damalige okkulte Modeerscheinung interessant und nicht ohne Witz einzufangen. Hätte sich der Film komplett in diesem Milieu der Anhänger von Esoterik und Okkultem abgespielt, so wäre ihm sicherlich eine moderne Mischung aus Krimi und Phantastik gelungen.

Leider aber biegt Comfort die Handlung zurück in die klassische und bereits zigmal durchgekaute Vampir-schleicht-durch-die-Nacht-Variante, was eindeutig die Schwäche dieses Filmes ausmacht. Denn die Szenen, in denen der Vampir und seine Gemeinschaft in Aktion treten, erscheinen hier banal und reichen keineswegs an die großartigen Vampirszenarien der Hammer-Produktionen heran. Dadurch ergibt sich ein in Ansätzen gut gemachter Prototyp des Mystery-Thillers, der jedoch beim Abdriften ins Übernatürliche schwächelt.

Die Gruft der toten Frauen (OT: Devils of Darkness), Regie: Lance Comfort, Drehbuch: Lyn Fairhurst, Produktion: Tom Blakeley, Darsteller: William Sylvester, Hubert Noel, Carol Gray, Diana Decker, Tracy Reed. England 1968, 82 Min.

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goke2Fast 20 Jahre vor Tobe Hoopers „Lifeforce“ gelangte schon einmal ein außerirdischer Vampir auf die Erde und zwar in Hajime Satos Film „Goke“. Hajime Sato (1929-1995) war im Trash-Genre beheimatet, wobei „Goke – Vampir aus dem Weltall“ sein bekanntestes Werk darstellt.

„Goke“ hat so ziemlich alles, was ein guter Trash-Film braucht: einen heldenhaften Flugzeugpiloten, einen fiesen Politiker, einen Gangster und einen Außerirdischen. Der Film beginnt damit, dass immer mehr Vögel grundlos gegen die Fenster des Flugzeugs knallen. Kurz darauf erscheint der Himmel blutrot. Im selben Moment erhält der Pilot von der Flugsicherung eine Warnung, dass sich eine Bombe an Bord befindet. Das Gepäck wird durchsucht, der Terrorist gibt sich zu erkennen. Mit vorgehaltener Waffe will er eine Kursänderung erzwingen, doch da kollidiert das Flugzeug beinahe mit einem UFO. Es kommt zur Bruchlandung. In unmittelbarer Nähe befindet sich das unbekannte Flugobjekt. Als der Gangster dieses betritt, wird er von einem Alienparasiten befallen und mutiert dadurch zu einem willenlosen Blutsauger, der Passagiere und Crew an den Kragen will …

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Der außerirdische Vampir (Hideo Ko) macht sich an sein nächstes Opfer (Kathy Horan) ran.

Schon die Handlung beweist, dass hier Trash-Freunde voll auf ihre Kosten kommen. Dennoch ist Satos Film keineswegs eine bloße Aneinanderreihung skurriler Begebenheiten. Sato will eindeutig mehr und seinem Werk eine gewisse Tiefe verleihen. Auf diese Weise überrascht der Film durch seine harsche Kritik an Politik und einer Mahnung über die Sinnlosigkeit des Krieges. Diese Aspekte versinnbildlichen sich in der Figur des Politikers, dessen Charakter überaus unsympathisch, man möchte schon fast sagen widerlich erscheint. Im Gegensatz dazu sind die übrigen Figuren, der Gangster eingeschlossen, Sowohl-als-auch-Charaktere. Nicht weniger erstaunlich ist auch das Ende des Films, das einen regelrecht endzeitlichen Charakter besitzt, das „Goke“ schließlich zu einem überaus düsteren Film werden lässt.

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Gangster Hirofumi (Hideo Ko) Geht auf das UFO zu. Ein Beispiel für die teils intensive Farbgebung des Films.

Bis dahin jedoch wechselt der Parasit öfters seinen Wirt, sodass die Spannung, ähnlich wie in anderen Filmen, die das „Bodysnatcher“-Thema aufgreifen, durch die allgegenwärtige Bedrohung und die daraus resultierende paranoide Angst stets aufrecht erhalten bleibt.

Noch ein Wort zum Vergleich mit Mario Bava: Dieser kam wahrscheinlich durch die Betonung der intensiven Farbgebung zustande. Bava liebte starke, leuchtende Farben, die seine Filme stellenweise wie Gemälde erscheinen lassen. Ähnliches findet man bei „Goke“. Auch hier strahlen die Farben und geben dem Film damit einen bis ins Surreale reichenden Charakter.

Goke – Vampir aus dem Weltall (OT: Kyuketsuki Gokemidoro), Regie: Hajime Sato, Drehbuch: Kyuzo Kobayashi, Susumu Takahisa, Kathy Horan, Produktion: Takashi Inomata, Darsteller: Hideo Ko, Teru Yushida, Tomomi Sato, Japan 1968, 81 Min

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sundownEs gibt Vampirfilme und es gibt Vampirfilme. Anthony Hickox drehte mit „Sundown“ eindeutig einen überaus originellen Vampirfilm, der zugleich Western, Action, Splatter und Satire ist. Die Geschichte spielt in der Wüstenstadt Purgatory, die von dem Fürsten Graf Mardulak beherrscht wird. Hier leben die letzten Vampire zurückgezogen und ernähren sich von Kunstblut. Einer Gruppe Blutsauger möchte jedoch wieder den alten Zustand herstellen und giert nach echtem Menschenblut. Daraus entwickelt sich schließlich ein Konflikt, der mit Eichenholz geladenen Pistolen und Armbrüsten ausgefochten wird. Mitten drin eine vierköpfige Familie, die zunächst glaubt, dass die Bewohner dieser Kleinstadt nicht alle Tassen im Schrank haben.

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Robert van Helsing (Bruce Campbell) wird gebissen. „Sundown“ (1989).

Wie bereits in „Waxwork“, zeichnet sich Anthony Hickox auch in „Sundown“ als Meister der Groteske aus. Der Film ist gefüllt mit skurrilen Ideen, witzigen Charakteren und jeder Menge Action. Eigentlich besteht beinahe die Hälfte des Films aus einem einzigen Herumgeballere. Und da es sich hierbei ja auch um einen Western handelt, kommt es beim Finale auch zum Duell zwischen dem Guten und dem Bösewicht.

Um sich den Anschein einer normalen Stadt zu bewahren, wagen sich die Vampire auch bei Tageslicht hinaus. Allerdings nicht ohne sich zuvor mit Sonnencreme einzuschmieren. Daraus ergibt sich natürlich eine Reihe nicht enden wollender Gags sowie allerhand Situationskomik. Anthony Hickox versteht es, den Witz und die Ironie, die die Story beherrschen, gekonnt auszureizen. Zugleich gelingen ihm dabei Szenen, die sich stark an den Filmen der Hammer-Productions orientieren, und zeigen, dass Hickox sein Handwerk versteht. Es ist wahrlich ein großes Glück, dass Anthony Hickox überhaupt jemanden gefunden hat, der sein Vorhaben finanzierte. Denn so gelang eine wahre Genreperle, die ihresgleichen sucht.

Sundown – Rückzug der Vampire (OT: Sundown – The Vampire in Retreat), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Jefferson Richard, Darsteller: David Carradine, Bruce Campbell, Morgan Brittany, Jim Metzler, Maxwell Caulfield. USA 1989, 104 Min.

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nachtdervampireAb den 60er Jahren begann sich auch in Spanien eine eigene Horrorindustrie zu gründen, die den italienischen Trash-Granaten in nichts nachstanden. Mit Filmen wie „Die Nacht der reitenden Leichen“ oder „Die Nacht der grausamen Leichen“ wurden Klassiker des europäischen Horrorkinos geschaffen. Zu diesen Ikonen des B-Movies zählt auch die tragische Figur des Waldemar Daninsky, eines Mannes, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt. Diese Figur bescherte dem Schauspieler Paul Naschy einen bis heute bestehenden Kultstatus innerhalb des Horrorgenres.

„Nacht der Vampire“ (der damalige deutsche Untertitel lautete: „Eine Orgie des Horrors“) erzählt von zwei Studentinnen, die an einer Arbeit über Vampirismus und Satanismus arbeiten. Während ihrer Recherchen besuchen sie einen abgelegenen Ort, an dem im Mittelalter eine wahnsinnige Gräfin brutale Menschenopfer dargebracht haben soll. Natürlich geht das Auto der beiden Studentinnen kaputt, worauf ein Mann (natürlich Daninsky) ihnen anbietet, in seinem Haus zu übernachten. Doch schon recht bald müssen beide erfahren, dass dieser Ort auch heute nicht ganz geheuer ist, sondern von Vampiren und eben Werwolf Daninsky heimgesucht wird. Noch dazu erwacht die wahnsinnige Blutgräfin zu neuem Leben und hofft durch ein weiteres Opfer in der Walpurgisnacht Satan zur Weltherrschaft zu verhelfen.

Regisseur Leon Klimovsky gelang es, die Trash-Rakete mit einer geradezu wundervollen Geisterästhetik auszufüllen. Zum einen warf er so ziemlich alles in einen Topf, was einen klassischen Gruselschocker ausmacht: ein einsam gelegenes Haus, eine verfallene Ruine, eine eingesperrte Wahnsinnige, Vampire, einen Werwolf und sogar einen Zombie-Mönch, der aber mit dem übrigen Film rein gar nichts zu tun hat, sondern nur als kleiner Gag am Rande verstanden werden soll. Zum anderen verblüfft der Film durch eine überaus gekonnte Darstellung unheimlicher Begebenheiten, die auch heute noch einen nicht zu verachtenden Gruselcharakter besitzen. Das Erscheinen der Vampire in wehenden Gewändern sowie die dabei verwendete Zeitlupe verleihen dem Film eine Ästhetik, die Jahre später unter anderem in „A Chinese Ghoststory“ wieder verwendet werden sollte.

Leider ist die Wandlung von Waldemar Daninsky in einen Werwolf eindeutig der Schwachpunkt des Films. Auch das Aussehen des Daninsky-Werwolfs hat eigentlich nichts Gruseliges an sich, sondern erinnert irgendwie an Michael J. Fox als Teenwolf. Andererseits macht dies natürlich auch den Charme alter B-Movies aus. Sieht man davon ab, so ist „Nacht der Vampire“ ein toller Beitrag des europäischen Horrorkinos.

Nach der Vampire – Eine Orgie des Horrors (OT: La Noche de Walpurgis), Regie: Leon Klimovsky, Drehbuch: Paul Naschy (als Jacinto Molina), Hans Munkel, Produktion: Salvadore Romero, Darsteller: Paul Naschy, Gaby Fuchs, Barbara Capell, Patty Shepard, Spanien/Deutschland 1971, 85 Min.

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lustschlossEin Mann begegnet in der Nacht einer schönen Frau. Schnell stellt sich heraus, dass sie auf der Flucht ist vor Leuten mit sonderbaren Tiermasken.- So beginnt einer der wohl faszinierendsten Filme des Meisters Jean Rollin (1938-2010), der bekannt war für seine surrealen Werke.

Die Spur des Geheimnisses um die Frau führt Pierre zu einem abgelegenen Haus, in dem sich allabendlich Leute aus ganz Paris treffen. Hinein aber kommt nur, wer eine Einladungskarte vorweisen kann. Pierre verschafft sich diese auf unrühmliche Weise. Und statt der erhofften Antwort auf seine unausgesprochene Frage, stößt er auf weitere Rätsel.

„La Vampire Nue“ aus dem Jahr 1970 ist ein filmisches Kunstwerk. Rollin pfeift auf den Mainstream, er pfeift auf die bisherigen Darstellungen von Vampiren im Kino. Vielmehr schafft er seine eigene Welt voller Sinnlichkeit, Rätsel und theatralischen Toden.

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Die Frau auf der Flucht vor den Maskenleuten.

Jean Rollin war stets bekannt für seine fast schon statischen Kameraeinstellungen. Doch schuf er damit alles andere als Langeweile. Seine Bildkompositionen sind geradezu exquisit, vermitteln Schönheit, Unheimliches und Mysteriöses in einem. In dem Prolog des Films, in dem Pierre – untermalt von psychedelischer Musik – zum ersten Mal der rätselhaften Frau begegnet, treffen unterschiedliche Tempi aufeinander, die von absolutem Stillstand bis zu Szenen reichen, in denen Pierre verzweifelt vor den Maskenleuten flieht. Zwischendurch eine Verneigung vor dem Horrorkino der 30er und 40er Jahre, in dem lang gezogene Schatten über kahle Hausfassaden schleichen.

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Der Anführer der Maskenleute.

In Deutschland erhielt der Film, der übrigens Rollins erster Farbfilm war, den schön trashigen Titel „Das Lustschloss der grausamen Vampire“. Ähnlich wie Mario Bava bewies Rollin, dass Trash eine besondere Form der Kunst darstellt. Sei es die spezielle Farbgebung, die kunstvollen Einstellungen oder die teils natürlichen Kulissen, Jean Rollin bringt den Zuschauer dazu, in eine Art Trance zu verfallen, in einen Rausch, in dem er sich den traumartigen Bildern vollkommen hingibt.

Das Interessante ist, dass der Film aufgrund seiner teils langsamen Einstellungen keinesfalls langweilig oder öde wird. Rollin gelingt es, genau dadurch eine intensive Dichte und Spannung aufzubauen. Der Schluss des Films ist ein Sinnbild für die sozialen Bewegungen der damaligen Zeit. Hier konfrontiert er kapitalistische Geldgier mit einer alternativen Lebenswelt.

Jean Rollin schrieb und drehte bis zu seinem Todesjahr 2010 weitere Filme. Zwischendurch musste er sich mit Auftragsarbeiten im Softpornobereich über Wasser halten. „La Vampire Nue“ ist und bleibt einer seiner besten Filme.

Bei den Szenenfotos handelt es sich um Screenshots, die dazu dienen, den Inhalt des Textes zu veranschaulichen. Copyright by X Gabu.

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In keinem anderen Genre sind Frauen von so zentraler Bedeutung wie im Trash. Oder anders ausgedrückt: Trash ohne Frauen funktioniert einfach nicht. Von Gender-Kritikern immer wieder gerne als sexistisch verurteilt, ist die Darstellung der Frau in diesen Filmen alles andere als das. Natürlich spielt Erotik eine wesentliche Rolle. Doch bereits der französische Filmessayist André Bazin meinte, dass Film und Erotik zusammengehören, und damit meinte er nicht allein das Trash-Genre.

So ist es kein Wunder, dass im Laufe der Geschichte des Trash manche Schauspielerinnen zu wahren Ikonen empor gehoben wurden. Ob Barbara Steele, Daliah Lavi oder Maria Rohm, sie alle werden bis heute von Fans des Genres geliebt und verehrt.

99womenDie ehemalige Burgschauspielerin Maria Rohm debutierte in dem Krimi „Blonde Fracht für Sansibar“ (1965). Bekannter dürfte sie Trash-Fans aber durch ihre Auftritte in den Fu Man Chu-Filmen sein. Mit dem Trash-Spezialisten Harry Allan Towers verheiratet, erhielt sie immer wieder kleinere Rollen in seinen Filmen, so u. a. auch in der Agatha Christie-Verfilmung „Ein Unbekannter rechnet ab“ (1974), in dem sie neben Stars wie Gert Fröbe, Oliver Reed und Elke Sommer zu sehen ist. Auch Jess Franco engagierte sie für ein paar seiner Filme, wie etwa „Der Hexentöter von Blackmoor“ (mit Christopher Lee in einer seiner „härtesten Rollen“; 1969) oder dem Skandalfilm „99 Women“ (1968), einem sog. „Knastjulenfilm“, der damals nur in geschnittener Fassung gezeigt werden durfte. Stets sinnlich und irgendwie geheimnisvoll, spezialisierte sie sich auf zwielichtige Rollen, also alles andere als eine typische Scream-Queen.

shirleyeatonShirley Eaton, mit der Maria Rohm in „Die sieben Männer der Sumuru“ (1969) zu sehen war, wurde durch ihre Rolle der vergoldeten Jill Masterton in dem James Bond-Film „Goldfinger“ (1964) weltberühmt. Doch war dies dann auch schon ihr einziger Auftritt im Mainstream-Kino. Neben Komödien wie „Endstation Harem“ (1954) oder der „Ist ja irre“-Serie, spielte sie später vor allem in klassischen Trash-Streifen mit. Wie Maria Rohm, tauchte sie ebenfalls in den Fu Man Chu-Filmen auf. Interessanterweise spielte sie in der Agatha Christie-Adaption „Das Geheimnis im blauen Schloss“ (1965) mit, die sich wie auch „Ein Unbekannter rechnet ab“ auf den Roman „Zehn kleine Negerlein“ bezieht und von Maria Rohms Ehemann Harry Allan Towers ebenfalls produziert wurde. Besonders erwähnt werden muss ihre Rolle als Sumuru in „Sumuru – Tocher des Satans“ (1967), in dem sie eine Art weiblichen Fu Man Chu spielt, gerne die Peitsche schwingt und als einziges Mal in schwarzen Haaren zu sehen ist. Aber auch „Unter Wasser rund um die Welt“ (1966), in dem sie die verführerische Meeresforscherin Magaret Hanfort spielt, ist immer wieder sehenswert.

daliahlaviDaliah Lavi ist Trash-Fans hauptsächlich durch den Film „Der Dämon und die Jungfrau“ (1963) bekannt. Regie führte Mario Bava. Ihre Rolle als Frau, die ihre SM-Leidenschaft mit dem geheimnisvollen Curt („Mylord, Curt ist wieder da!“) teilt (gespielt von Christopher Lee), gehört mit Sicherheit zu den sinnlichsten Figuren, die jemals auf der Leinwand zu sehen waren. Auch heute hat der Film nichts von seiner düsteren Erotik eingebüßt. Davor spielte sie in Harald Reinls „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“ (1961) mit. Komödienfans dürfte ihr Auftritt in „Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen“ (1966) erfreuen. Während sie ihre Filmkarriere an den Nagel hängte, ist sie bis heute als Sängerin tätig.

meikokajiAuch Japan hat eine Trash-Queen. Es handelt sich um die Schauspielerin und Sängerin Meiko Kaji. Bekannt wurde sie durch diverse Schmuddelfilme aus den 70er Jahren. Doch ihren Kultstatus erreichte sie allein durch ihre Rolle der sich rächenden Sasori. Die „Sasori“-Reihe, die Anfang der 70er Jahre produziert wurde, wird fälschlicherweise immer in das Genre Frauenknastfilm eingeteilt. Tatsächlich handelt es sich um eine Manga-Adaption. Auch die Umsetzung sprengt bei weitem den Rahmen des üblichen Knastjulen-Geschmuddel. „Sasori“ ist eine Mischung aus Action, Horror und Erotikfilm, mit einem starken Hang zum Surrealen. Bis heute gibt Meiko den Titelsong der Serie zum besten. Eine weitere Rolle, die ihr quasi auf den Leib geschrieben war, bezog sich auf die der Lady Snowblood, die sich quasi als feudale Version von Sasori durch die japanische Meiji-Ära (1868-1912) kämpft und parallel zur Sasori-Reihe produziert wurde. Heute tritt sie nur noch gelegentlich in TV-Serien auf.

barbarasteeleBarbara Steele ist eine wahre Königin des Trash. Sie selbst möchte nie als Trash-Star bezeichnet werden. Dennoch lieben sie ihre Fans gerade wegen ihrer düsteren und unheimlichen Rollen, die sie in den 60er Jahren inne hatte. Hier besonders zu erwähnen ist ihre Darstellung der sinnlich-bösartigen Vampirgräfin in Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (1960). Die Szene, in der sie vom Henker eine mit Dornen versehene Maske auf das Gesicht geschlagen bekommt, schmerzt Zuschauer bis heute. Neben Vincent Price spielte sie 1961 in der Edgar Allan Poe-Verfilmung „Die Grube und das Pendel“ mit. Ihre Rolle der sonderbaren Margaret Hitchcock in dem italienischen Horrorklassiker „The Ghost“ (1963) darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Der Film ist in deutschen Landen längst vergessen. Zu Unrecht, denn die freie Emile Zola-Adaption ist unglaublich spannend und in einer hervorragenden Optik in Szene gesetzt. Wie auch Meiko Kaji, so tritt Barbara Steele heute ab und zu in TV-Filmen und Serien auf.

 

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