Yakuza Apocalypse – Takashi Miikes Rückkehr zu seinen Anfängen

yakuzaapocalypseTakashi Miike zählt neben Sion Sono zu den derzeit kreativsten Regisseuren Japans. International wurde Miike durch seinen J-Horror-Beitrag „Audition“ (1999) bekannt. Seine Filme sind nie wirklich einem einzigen Genre zuzuordnen, sondern stets eine Mischung unterschiedlicher Stile.

Mit seiner neuesten Produktion kehrt Miike quasi zu seinen Anfängen zurück, als er einen Film nach dem anderen raus haute und dabei vor allem den Direct to Video-Markt bediente. In der Tat fühlt man sich bei „Yakuza Apocalypse“ ansatzweise an „Full Metal Yakuza“ (1997) erinnert, wobei sich Miike in seinem neuen Film wenig provokativ gibt, wie etwa in seinen früheren Werken, die gelegentlich in manchen Szenen ins Pornografische hinüber gleiten (wie etwa in der bizarren Satire „Vistor Q“ aus dem Jahr 2001). Nein, Miike verhält sich in seinem neuesten Streich relativ brav, präsentiert aber dennoch einen Film, der völlig plemplem ist und wie eine Achterbahnfahrt kurioser Ideen wirkt.

Es geht um einen Yakuza, der von einem anderen Yakuza gebissen wurde und sich daraufhin in einen Vampir verwandelt. Gejagt von einem Priester und dessen Begleiter, einem Kung Fu-Meister, sorgt dies auch bei den übrigen Yakuza-Clans für Aufregung. Schon bald ist die halbe Tokioter Unterwelt auf den Beinen, um gegen den Yakuza-Vampir anzutreten.

Bemerkenswert an Miikes neuem Film ist die Farbgebung, denn wenn man von einem Film behaupten kann, dass er regelrecht bunt ist, dann von diesem. Miike deckt so ziemlich das gesamte Farbspektrum ab, das von düster-schmutzig bis zu grell und bonbonfarben reicht. Hinzu kommt jede Menge Martial Arts-Action, die hier gekonnt in Szene gesetzt ist, und natürlich eine irrwitzige Story, die genauso sinnlos ist wie sie Spaß macht. Miike scheint sich hier an eines seiner früheren Zitate zu erinnern, als er einmal sagte, er drehe Filme so wie er möchte, da sie sich sowieso niemand anschauen würde. Genau dieser Satz trifft auf „Yakuza Apocalypse“ zu, denn Miike gibt sich mal wieder recht eigenwillig, die Produzenten haben ihm zum Glück freie Hand gelassen, und dennoch zeigt er, was für ein genialer Filmemacher er ist.

Gut, mit 120 Minuten ist die Trash-Granate etwas zu lang geraten (90 Minuten hätten dem Film eindeutig besser getan), doch wollte sich Miike anscheinend einmal wieder so richtig austoben, nachdem er sich ja eine zeitlang brav an die Vorgaben der jeweiligen Produzenten gehalten hatte. Wer also einmal wieder ein richtiges Trash-Feuerwerk sehen will, ist bei Miikes neuem Streifen gut aufgehoben.

Yakuza Apocalypse, Regie: Takashi Miike, Drehbuch: Yoshitaka Yamaguchi, Produktion: Yoshiori Chiba, Darsteller: Hayato Ichihara, Yayan Ruhian, Riko Narumi, Japan 2015, Laufzeit: 120 Min.

Dario Argentos Dracula oder Zurück zu den Wurzeln des europäischen Horrorfilms

dracula3dDario Argento, der nicht nur Klassiker des Horrorgenres schuf, sondern auch mit der kompliziertesten Kamerafahrt, die jemals für eine Szene entworfen wurde (für den Film „Tenebre“), in die Filmgeschichte einging, hat sich nun an einen Klassiker der Schauerliteratur herangewagt. Gemeint ist „Dracula“ von Bram Stoker.

Für seinen Film, der in 3D produziert wurde, wandelte er die Handlung um. Sie spielt nun in einem Dorf in Transsilvanien. Jonathan Harker kommt zum Grafen Dracula, um dessen Bibliothek zu katalogisieren. Seine Frau Mina zieht in Kürze nach. Doch nach und nach erweist sich der Graf und alle, die mit ihm zu tun haben, als äußerst sonderbar.

Viele, die Argento als postmodernen Ästheten kennen, haben sich sicherlich bereits vorfreudig die Hände gerieben und gehofft, ein farbenfrohes Spektakel zu erleben, das Coppolas Adaption aus den 90ern in den Schatten stellt. Doch weit gefehlt. Kein Big Budget-Euro-Kino, aber immerhin echtes europäisches Kino wird hier dem Zuschauer präsentiert. Argento kehrt quasi zurück in die 60er und 70er Jahre des europäischen Horrorkinos, in dem natürliche und echte Kulissen als schauerliche Burgen und verfluchte Orte herhalten mussten. In Gedanken laufen beim Betrachten von Argentos neuestem Streich parallel sämtliche Mario Bava-Filme ab. Sei es nun „Die Jungfrau und die Peitsche“ oder „Baron Blood“, „Die drei Gesichter der Furcht“ usw. Bava, der das europäische Trash-Kino quasi erfand, stand sicherlich (jedenfalls im Geiste) Pate beim Konzipieren des Drehbuchs. Man könnte fast sagen, Argento verneigt sich vor den Pionieren und den von sich selbst überzeugten Regisseuren des Trashfilms, welche mit ihren obskuren Ideen und ihrem Hang fürs Schmuddelige den Boden für das schufen, was danach kam. So gesehen ist Argentos Vorhaben durchaus gelungen. Zuschauer, welche die alten Trash-Filme jedoch nicht kennen, werden sich wahrscheinlich ärgern und sich fragen, was das Ganze soll.

Einen deutlichen Abzug erhält Argento für die CGI-Effekte. Diese stören nicht nur die Hinwendung zum Ursprung, sondern sind derart schlecht, dass es fast schon wehtut. Wieso Argento hier nicht einfach auf Puppeneffekte zurückgegriffen hat, bleibt rätselhaft. Diese hätten dem trashigen Ganzen noch das I-Tüpfelchen verliehen.

Dario Argentos Dracula (Dracula 3D), Regie: Dario Argento, Drehbuch: Dario Argento, Enrique Cerezo, Stefano Piani, Produktion: Enrique Cerezo, Darsteller: Thomas Kretschmann, Asia Argento, Rutger Hauer, Marta Gastini. Italien 2012. Laufzeit: 106 Min.