FuBs Fundgrube: „Wenn du wüsstest“ von Peter Straub

Cover der deutschen Übersetzung im dtv-Verlag

Zwei Jahre vor seinem internationalen Durchbruch mit seinem Roman „Geisterstunde“ (Ghost Story; 1979), verfasste der US-amerikanische Horrorautor Peter Straub den Mystery-Thriller „Wenn du wüsstest“ (If you could see me now; 1977). Wenn man seinen berühmten Roman „Geisterstunde“ kennt, so kommt einem „Wenn du wüsstest“ wie eine Art Vorarbeit zu dem großartigen Horrorroman vor.

Es geht um den Dozenten Miles Teagarden, der zurück in seinen Geburtsort Arden kommt, in der Hoffnung, dort die Ruhe für seine Doktorarbeit zu finden. Aber noch ein zweiter Grund hat ihn dazu bewegt, zurückzukehren: er und seine Cousine Alison haben sich vor genau 20 Jahren geschworen, sich hier wieder zu treffen. In Arden jedoch kommt es seit wenigen Tagen zu einer unheimlichen Mordserie an Schülerinnen. Miles wird verdächtigt, etwas mit den Morden zu tun zu haben, da er angeblich schon einmal einen Mord begangen hat …

Cover der Originalausgabe

Peter Straubs Roman ist eine Mischung aus Krimi und unheimlichen Zwischentönen, wobei das Unheimliche eher am Rande erscheint. Viel mehr konzentriert sich Straub auf die Figuren, auf die Scheinheiligkeit der Bewohner Ardens und auf den Konflikt zwischen Miles und den Einheimischen. Der Roman wirkt dadurch sehr lebendig, die Spannung wird durch das dichte Geschehen aufrechterhalten.

Mehr Mystery als Horror vermengt Straub darin das Übernatürliche mit dem Alltäglichen, worin er durchaus ein Meister ist. Doch wie oben bereits bemerkt, zu seiner vollen Meisterschaft gelangte Straub erst durch seinen darauffolgenden Roman „Geisterstunde“. Durch seine Zusammenarbeit mit Stephen King („Der Talisman“, 1984; „Das schwarze Haus“, 2001), wurde er einem noch breiteren Publikum bekannt.

„Wenn du wüsstest“ erschien zum ersten Mal auf Deutsch 1979 im Paul Zsolnay Verlag und danach in unterschiedlichen Verlagen wie Moewig und Heyne. Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1995 und war damals im dtv-Verlag erschienen.

Peter Straub. Wenn du wüsstest. dtv 1995, 385 Seiten.

 

Monster – Der neue Horrorthriller von Carl Denning

Mit „Monster“ erscheint nun bereits der sechste Roman von Carl Denning. Mit ca. 310 Seiten ist es zudem der bisher umfangreichste Horrorthriller.

Altamont ist ein kleiner und friedlicher Ort am Rand des Grand Jardin Nationalparks in Kanada. Diese Idylle endet plötzlich, als auf einer Lichtung eine Gruppe Umweltschützer bestialisch ermordet wird. Kurz darauf findet ein Biologe die verstümmelte Leiche eines alten Einsiedlers. Was die Fälle noch unheimlicher macht, ist, dass an jedem der Tatorte ein mysteriöser Steinhaufen errichtet wurde. Und noch etwas macht den Fall äußerst bizarr: an einem der Tatorte wird der Abdruck eines riesigen Fußes entdeckt. Für Susan Gant, Chefinspektor und Leiterin der Polizeistation in Altamont, deutet zunächst alles auf die grausamen Taten eines Psychopathen hin. Doch bald kommt sie zu der Erkenntnis, dass etwas weitaus Schlimmeres sein Unwesen in den endlosen Wäldern treibt. Ein Monster geht um. Und die Zeit drängt. Denn schon fallen weitere Menschen der albtraumhaften Kreatur zum Opfer …

Von Carl Denning erschienen bereits die Horrorromane:

Blutige Schatten, Das Böse, Angst, Darkmoore und Todesstation.

Carl Dennings Horrorthriller – Nur eines ist sicher: Ihr werdet euch fürchten

Seit drei Jahren lehrt Horrorautor Carl Denning seinen Lesern das Fürchten. Bisher sind fünf Romane erschienen:

TodesstationCover11Todesstation:

Die Besatzung einer abgelegenen Forschungsstation in den Alpen macht eine seltsame Entdeckung: Bei einem Zwischenfall wird der Eingang einer Höhle freigelegt, in der sich prähistorische Felszeichnungen befinden. Manche von ihnen wirken äußerst bizarr. Die junge Archäologin Joan Jansen soll die Bilder untersuchen. Doch sie steht selbst vor einem Rätsel. Solche Bilder hat sie bisher noch nirgendwo gesehen. Die Situation wird noch merkwürdiger, als die Forscher mit unheimlichen Ereignissen konfrontiert werden, die sich von Mal zu Mal intensivieren. Als es schließlich zu einem schrecklichen Todesfall kommt, gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle …

CoverDasBoese

 

Das Böse:

Das Einsame Haus steht auf einer kleinen Insel vor der Küstenstadt Belsen. Eine 200 Meter lange Brücke verbindet die Insel mit dem Festland. Bei Flut ist das Haus vom Festland vollkommen getrennt. Seit 20 Jahren steht das Gebäude leer. Mira sieht darin einen geeigneten Ort für ihre Uni-Abschlussfeier. Zusammen mit ihren Freunden plant sie, eine Nacht dort zu verbringen. Zunächst scheint alles in Ordnung zu sein. Doch dann kommt die Flut. Und das Grauen beginnt …

CoverAngst

 

Angst:

Das alte Firmengebäude steht seit Jahren leer. Anfang der 70er Jahre drehte dort ein Mitarbeiter durch und ermordete mehrere seiner Kollegen. Der exzentrische Psychologieprofessor Jean Kalat sieht in dem Haus einen geeigneten Ort für sein Experiment. Er möchte den Gerüchten nachgehen, die besagen, dass es in dem Gebäude spukt. Zusammen mit seiner Assistentin Ellen und einer Handvoll Studenten verbringt er eine Nacht darin. – Der Aufenthalt wird zum Horrortrip.

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Blutige Schatten:

Ein Haus, in dem es tatsächlich spukt? Das Martenshaus gilt als Monster unter den Spukhäusern. Als eine Gruppe Parapsychologen den unheimlichen Gerüchten, die sich um dieses Gebäude ranken, nachgehen möchte, kommt es zur Katastrophe: Zwei Tote und eine vermisste Person. Die Polizei steht vor einem Rätsel.
Wenige Tage später sucht der bekannte Grenzwissenschaftler Frederic Tubb zusammen mit seinem Team das Haus auf, um den sonderbaren Zwischenfall zu untersuchen. Bereits in der ersten Nacht ereignen sich unerklärliche Dinge. Und schon bald wünscht sich Tubb, das Haus nie betreten zu haben…

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Darkmoore:

Darkmoore, eine Kleinstadt in Devonshire, wird von einer unheimlichen Mordserie heimgesucht. Der Schriftsteller Jeff Cooper zieht zusammen mit seiner Frau Linda in den Ort, um in dem Haus von Jeffs verstorbenen Onkel zu wohnen. Jeff hofft, dort ungestört an seinem neuen Roman arbeiten zu können. Doch kaum sind Jeff und Linda eingezogen, als sie auf Aufzeichnungen seines Onkels stoßen, in denen er darauf hinweist, dass die Morde etwas mit einem sonderbaren Wesen zu tun haben, das in den tiefen Wäldern haust, die sich um Darkmoore herum ausbreiten. Fasziniert von den Notizen seines Onkels, beginnt Jeff selbst Nachforschungen anzustellen. Während die Polizei glaubt, einem Serienmörder auf der Spur zu sein, stößt Jeff auf immer rätselhaftere Hinweise über die Natur des Mörders …

 

FuBs Fundgrube: Der Kormoran

kormoranInteressanterweise kam es Ende der 80er, Anfang der 90 Jahre auf dem deutschen Buchmarkt zu einer nicht zu verkennenden Horrorwelle. Interessant deshalb, da im selben Zeitraum die Horrorwelle im Kino abnahm. Vor allem die großen Verlage brachten eigene Horroreditionen heraus. Am schrillsten schnitt damals der Knaur Verlag ab, der mit seiner Taschenbuchreihe in Sachen Cover aus allen übrigen Titelreihen hervorstach. Die schön bunten, teils kitschigen Cover sollten wohl den Sammlerreiz beim Horrorfan auslösen. Knaur brachte Autoren heraus, die damals in Deutschland völlig unbekannt waren und versuchte diese so zu sagen über das Cover zu verkaufen. Dadurch kam der Leser z.B. in den Genuss der Action-Horror-Romane von Stephen Laws („Blutiges Fest“, „Geisterzug“) sowie der Nazi-Zombies in Robert McCammons „Tauchstation“.

Unter anderem erschien auch Stephen Gregorys Roman „Der Kormoran“, der mit dem Sommerset-Maugham-Preis ausgezeichnet wurde und aus dem Jahr 1986 stammt. Gregory ist eigentlich von Beruf Lehrer, seine Romane sind vor allem im englischsprachigen Raum bekannt. Sein Roman „Der Kormoran“ schildert die Geschichte von Ann und ihrem Mann, die zusammen mit ihrem Sohn das Haus ihres Onkels geerbt haben. Allerdings dürfen sie das Erbe nur antreten, wenn sie sich bereit erklären, sich um den Kormoran des Onkels zu kümmern. Gesagt, getan. Doch mit der Zeit entpuppt sich der Wasservogel als alles andere als putzig. Immer mehr zieht er den Sohn der beiden in seinen Bann. Auch Anns Mann John scheint sich dem seltsamen Vogel nicht mehr länger entziehen zu können. Als der Kormoran den Jungen angreift, hält es Ann nicht mehr länger aus und packt ihre Sachen. Aus dem Beisammensein mit dem Vogel, wird für John ein Kampf ums Überleben.

Gregorys Geschichte besticht eher durch seine leisen Töne und Andeutungen als durch offensichtlichen Grusel. Ähnlich wie in den Erzählungen Algernon Blackwoods entwirft Gregory eine bedrohliche Atmosphäre, die ihren Ursprung in der Natur hat. Als Stadtmenschen stehen John und Ann der freien Natur eher ratlos gegenüber, ja empfinden sie sogar als etwas Unheimliches und Bedrohliches. So hat John gleich zwei Theorien parat: es könnte zum einen sein, dass der Vogel, so wie es sein Großvater angedeutet hat, von einem bösen Geist besessen ist, oder es könnte sein, dass die abergläubischen Annahmen stimmen, nämlich, dass ein Kormoran den Tod bringt.

Gregory konzipierte seinen Roman so, dass er viele Dinge offen lässt, um dadurch der Geschichte eine dichte, ja bedrohliche Atmosphäre zu verleihen. Denn es wäre natürlich auch denkbar, dass das Tier einfach nur auf das falsche Verhalten seiner neuen Besitzer feindlich reagiert. Genau dieser Punkt macht den Roman interessant. Denn Gregory lädt den Leser dazu ein, nicht nur seiner spannenden Geschichte zu folgen, sondern auch mit zu rätseln, was die eigentliche Erklärung für das eigenartige Verhalten des Kormorans sein könnte.

1993 wurde „Der Kormoran“ unter demselben Titel von der BBC als Fernsehfilm verfilmt und gehört zu den wenigen Romanadaptionen die wirklich gut sind. Denn der Film hält sich sehr genau an Gregorys Romanvorlage, wobei es ihm auch gelingt, die bedrohliche Atmosphäre fast eins zu eins zu übertragen. Obwohl der Film überaus gute Kritiken erhalten hat, geriet er mit der Zeit in Vergessenheit. Stephen Gregory schreibt auch heute noch Horrorromane, doch fällt es ihm schwer, an seine frühen Erfolge anzuknüpfen. Dies führte dazu, dass sein letzter Roman nur noch als e-Book veröffentlicht wurde.