Wahre Kriminalfälle: Frank Esches „Thüringer Mord-Pitaval Band 3“

Der Archivar und Autor Frank Esche legt nun den dritten Band seiner Reihe „Thüringer Mord-Pitaval“ im Verlag Kirchschlager vor. Band 3 umfasst die Jahre 1915 – 1960. Somit reichen die Fälle von der Weimarer Republik bis in die DDR. Das Buch beinhaltet 20 Kriminalfälle, in denen es um Mord und Raubmord geht. In einem Fall war ein Polizist Mittäter, bei einem anderen handelte es sich bei der Täterin um eine geisteskranke Frau. Bei einem weiteren Mord aus dem Jahr 1920, bei dem der Journalist Ernst Schott erschossen wurde, wurden die Ermittlungen einfach eingestellt.

Frank Esche gelingt es erneut, die Kriminalfälle so zu schildern, dass daraus gleichzeitig ein genaues Bild der jeweiligen sozialen Umstände entsteht. Dadurch bleiben seine spannenden Schilderung alles andere als oberflächlich. Denn Esche untersucht, was für ein Mensch der jeweilige Täter gewesen ist, was ihn zu der Tat getrieben hat. Daraus ergeben sich interessante Einblicke in damalige Lebensumstände und Biografien, die überaus lebendige Einblicke in den Alltag vermitteln.

Frank Esche suchte in verschiedenen Archiven nach den jeweiligen Einzelheiten der Taten und setzte sie wie ein Puzzle zusammen. Zusätzlich wertete er Gerichtsakten aus, aus denen er gelegentlich zitiert, wodurch beim Leser der Eindruck entsteht, als würde er selbst als Beobachter am Prozess teilnehmen. Zu manchen Fällen fand Frank Esche Polizeifotos und Porträtaufnahmen der Täter bzw. Opfer, die ebenfalls in dem Band enthalten sind. Erneut ist dadurch Frank Esche ein Buch gelungen, das auf einzigartige Weise alte Kriminalfälle ans Licht bringt. – Sehr zu empfehlen.

Frank Esche. Thüringer Mord-Pitaval Band 3. Verlag Kirchschlager 2021, 278 Seiten, 12,95 Euro

Blutspur durch Thüringen – 25 Jahre Verlag Kirchschlager

Wer sich für Kriminalistik und Kriminalgeschichte interessiert, ist beim Verlag Kirchschlager stets an der richtigen Adresse. Bereits seit 25 Jahren bringt der Historiker und Verleger Michael Kirchschlager Sachbücher über diese Themen heraus. Autoren der Bücher sind u. a. Kommissare und Kriminaltechniker, die über ihre Fälle und über ihre Arbeit berichten.

Zum 25-jährigen Jubiläum erschien nun der Sammelband „Blutspur durch Thüringen – Berichte, Bilder, Dokumente“, der Fälle aus dem Zeitraum von 1884 bis 2020 beinhaltet. Wie auch alle anderen Bücher des Verlags, so ist auch die Jubiläumsausgabe ungemein informativ, die einzelnen Beiträge sind sehr spannend geschrieben und beinhalten zudem eine wahre Lebendigkeit, was u. a. daran liegt, dass, wie oben bereits bemerkt, aus erster Hand berichtet wird. Es geht u. a. über Raubmord, Mord aus Liebe, um Erpressung und über einen angedrohten Amoklauf. Kommissarin Kerstin Kämmerer schildert im letztgenannten Fall sehr genau, wie die Ermittlungen abliefen, sodass der Leser einen überaus interessanten Einblick in die Polizeiarbeit erhält. Doch auch die Berichte der Kommissare Wolfgang Tanner, Lutz Harder, Frank Richter und Lothar Schirmer stehen dem in nichts nach. Lothar Schirmer berichtet dabei auf packende Weise über den Fall eines desertierten russischen Soldaten in der ehemaligen DDR, wobei er die Zusammenarbeit zwischen dem russischen Militär und der Polizei bei den Ermittlungen und der Verfolgungsjagd genauestens schildert.

In dem Sammelband vertreten ist auch Gerichtsreporterin Sieglinde Schwarzer, die gleich neun Berichte abgeliefert hat. Der Kriminalhistoriker Wolfgang Krüger schildert in seinen Beiträgen Fälle aus den Jahren 1884 bis 1941, die mit dem Tode bestraft wurden. Vom Archivar Frank Esche stammen drei Berichte aus den Jahren 1925 bis 1951, die von Giftmord, einem Fall, in dem der Angeklagte frei gesprochen wurde, und einem Mord an einer Geliebten handeln. Sowohl Woflgang Krüger als auch Frank Esche führten für ihre Beiträge aufwendige Recherchen durch, was sich auch in den Texten bemerkbar macht. Denn der Leser erfährt nicht nur, wie die jeweiligen Fälle aufgeklärt wurden, sondern auch wie die damaligen Lebensumstände waren und welche sozialen und psychologischen Aspekte zu den Taten geführt haben. Vom Verleger Michael Kirchschlager stammen zwei Beiträge über einen brutalen Mord an einem Ehemann sowie über einen Fall, in dem es um Mord und gleichzeitige Brandstiftung geht. Der erste Fall stammt aus dem Jahr 1925, der zweite aus dem Jahr 1960, wobei beide Fälle nicht nur packend geschrieben sind, sondern genauso spannende Informationen über die jeweiligen gesellschaftlichen Hintergründe bieten. Zudem beinhaltet der Band auch den Augenzeugenbericht des „Helden von Gera“, der überaus mutig drei junge Menschen vor einem schrecklichen Verbrechen geschützt hat.

„Blutspur durch Thüringen“ ist durch die Vielzahl an Beiträgen ein großartiges Sachbuch, das die Polizeiarbeit aus der Sicht unterschiedlicher Akteure betrachtet und zusätzlich einen hochinteressanten Blick auf die Historie wirft. Dadurch deckt das Buch so ziemlich jedes Thema in Sachen Kriminalistik ab und schafft einen spannenden und informationsreichen Ein- und Überblick in die Ermittlungsarbeit und in die Kriminalgeschichte. Zurecht ein Jubiläumsband.

Blutspur durch Thüringen. Berichte – Bilder – Dokumente. 1884 – 2020. Verlag Kirchschlager 2020, 274 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-88-5

 

„Ich töte, was ich liebe“ – Wahre Fälle, erzählt von einer Kommissarin

Kerstin Kämmerer ist ehemalige Erste Hauptkommissarin und berichtet in ihrem Buch „Ich töte, was ich liebe“ über einige Fälle, an deren Lösung sie mitgerarbeitet hat. Doch dabei bleibt es nicht. Denn die Autorin berichtet auch von drei Fällen, von denen sie während ihrer Schulzeit erfahren hat und die Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe betrafen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: „Ich töte, was ich liebe“ ist erstklassig. Zum einen wegen des wunderbaren Schreibstils von Kerstin Kämmerer, der einen regelrecht über die Seiten gleiten lässt. Zum anderen wegen der interessanten und spannenden Fälle, über die sie berichtet, wobei sie auch auf die biografischen Hintergründe der beteiligten Menschen eingeht. Und drittens, da es mehr als nur eine Schilderung von Ereignissen darstellt. Kerstin Kämmerer lässt den Leser direkt teilhaben an der Polizeiarbeit und schildert dabei ihre Gedanken und Gefühle, die sie während der Ermittlungen hatte, was das gesamte Buch ungemein lebendig und vielschichtig werden lässt.

Das Ergebnis ist ein überaus faszinierender Einblick in das Leben einer Kommissarin, so spannend geschrieben wie ein Krimi. Dabei schildert sie auch ihre Anfänge bei der Polizei und wie sie einen ihrer ersten Fälle löste, bei dem es um den Diebstahl einer Lichtorgel ging. Das weitere Buch ist aufgeteilt in unterschiedliche Verbrechenskategorien, die von Exhibitionismus bis zu Mord reichen und die von der Autorin jeweils mit einer Einleitung versehen sind. Überaus interessant ist dabei das Kapitel über Frauen als Täter. Kerstin Kämmerer schreibt, dass sie es in ihrer Laufbahn eher selten mit Frauen zu tun hatte, die einen Mord begangen haben. Ihre Analyse darüber ist soziologisch sehr faszinierend.

Eine wahre Gänsehaut verursacht einem das letzte Kapitel mit dem Titel „Bizarre Fügung“. Denn hier erwähnt Kerstin Kämmerer eine Reihe von Fällen, die miteinander zusammenhängen, wobei sie selbst einmal dem Täter begegnet ist.

Kurz und knapp: „Ich töte, was ich liebe“ ist ein wahres Highlight zum Thema Kriminalistik. Es ist absolut schwer, mit dem Lesen wieder aufzuhören.

Kerstin Kämmerer. „Ich töte, was ich liebe“. Eine Thüringer Kriminalistin erzählt. Verlag Kirchschlager 2019, 207 Seiten (mit Lesebändchen), 16,95 Euro.

Das Skelett am Straßenrand – Ein ehemaliger Kriminaltechniker erzählt

Der Autor Udo Brill arbeitete lange Jahre als Kriminaltechniker in Thüringen. Unter anderem leitete er auch Lehrgänge über Kriminaltechnik in Peru. Im Verlag Kirchschlager, der sich auf Kriminalgeschichte, Kriminalistik und Kriminologie spezialisiert hat, erschien nun sein Buch „Das Skelett am Straßenrand“, in dem er über diverse Fälle schreibt, an deren Aufklärung er mitgewirkt hat.

Dabei geht es um Mord, Suizid, Brandstiftung, aber auch um Fälle, bei denen zunächst nicht klar ist, ob es sich um Mord oder um einen natürlichen Tod handelt. Udo Brill gelingt es dabei, seine Erinnerungen mit einer solchen Lebendigkeit zu schildern, dass man als Leser meint, direkt am Tatort dabei zu sein. Wie nebenbei erfährt man zugleich einiges über den Berufsalltag eines Kriminaltechnikers, was die Schilderungen zusätzlich spannend und interessant macht.

Dabei wird klar, dass man als Kriminaltechniker so einiges aushalten muss, um den Beruf ausüben zu können. Udo Brill konfrontiert den Leser mit teils grauenvollen, teils tragischen Fällen, die es in sich haben. Tragisch zum Beispiel dann, wenn eine Mutter mit der Erziehung ihrer Kinder völlig überfordert ist, grauenvoll, wenn Udo Brill in drei Zentimeter hoher Fäulnisflüssigkeit steht. Ein Fall, bei dem es um die Jagd auf einen russischen Soldaten auf der Flucht geht, liest sich wie ein nervenaufreibender Thriller.

Insgesamt 30 Fälle beinhaltet das Buch, in denen sich Udo Brill nicht nur als hervorragender Kriminalist, sondern auch als hervorragender Autor erweist. Ein Buch also, das zu lesen sich mehr als nur lohnt.

Udo Brill. Das Skelett am Straßenrand. Mord- und Kriminalfälle in Eisenach und dem Wartburgkreis. Verlag Kirchschlager 2019, 180 Seiten, 10,95 Euro

Thüringer Mord-Pitaval Band 2 – Frank Esche geht vergangenen Verbrechen nach

21 Fälle beinhaltet der zweite Band des „Thüringer Mord Pitaval“, die vom Jahr 1606 bis ins Jahr 1968 reichen. Wie auch im ersten Band, so hat auch für diese Ausgabe der Diplom-Archivar Frank Esche verschiedene Archive durchforstet und sonderbare als auch schreckliche Kriminalfälle zutage befördert.

So geht es unter anderem um einen Mann, der im Jahr 1606 seine ganze Familie erschlägt, so als sei er von einer Sekunde auf die andere dem Wahnsinn verfallen. Eine hübsche Frau entpuppt sich als heimtückische Mörderin und ein Arzt verhindert quasi in letzter Minute einen Justizirrtum. Serienmörder treiben ihr Unwesen, genauso aber kommt es zu Mord aufgrund sozialer Not.

Wie auch in dem vorangegangenen Band, beschreibt Esche nicht nur außergewöhnliche Fälle, die sich über die Jahrhunderte ereignet haben, sondern sucht nach den sozialen Ursachen für die Gräueltaten. Dies macht die einzelnen Kapitel zu Fenstern in vergangene Zeiten, indem der Autor aus Gerichtsprotokollen zitiert, den jeweiligen Lebensumständen und den Biografien der Täter als auch der Opfer nachgeht, sodass man stets ein Gesamtbild der damaligen Situationen erhält.

Wie auch Band 1 des „Thüringer Mord Pitaval“ liefert Band 2 dadurch nicht allein ein spannendes und durchaus auch unheimliches Leseerlebnis, sondern zugleich überaus interessante und detaillierte Hintergründe, welche die Vergangenheit regelrecht lebendig werden lassen. Sicherlich nichts für Leser mit schwachen Nerven, nimmt einem Esche mit in die Abgründe der menschlichen Seele und der dunklen Seiten des sozialen Miteinanders.

Egal ob sich ein Fall im 17. Jahrhundert oder im 20. Jahrhundert ereignet hat, Esche schreibt über all dies auf eine Weise, als hätten sich die Fälle erst vor wenigen Tagen ereignet. Dies zeigt, dass sich die Charaktere und die Handlungsgründe der Menschen eigentlich nie geändert haben. Und genau dieser Punkt macht das Buch zusätzlich faszinierend.

Frank Esche. Thüringer Mord Pitaval Band 2. Verlag Kirchschlager 2017, 278 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-69-4

 

Historische Serienmörder Band IV

historischeserienmoederivBand eins der Reihe „Historische Serienmörder“ gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen aus dem Hause Kirchschlager. Die Reihe beschäftigt sich mit unheimlichen und außergewöhnlichen Kriminalfällen, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen.

Band IV steht in Sachen Spannung und Gänsehaut den vorangegangenen Büchern in nichts nach. Der Historiker Michael Kirchschlager entdeckte bei seinen Recherchen u. a. illustrierte Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, in denen von eigenartigen Mordfällen die Rede ist. So ging in Ferrara im Jahr 1573 ein siebzigjähriger Serienmörder um, der ahnungslosen Frauen auflauerte. 1581 suchte ein Raubmörder in der Nähe von Köln den Ort Bernkastel heim. Er selbst hauste in einer Erdhöhle im Wald, wohin er eines Tages eine Frau entführte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs ging der Raubmörder Jasper Hanebuth um und im Jahr 1780 suchte ein Serienmörder Österreich heim, der teils kannibalische Neigungen aufwies, indem er das Herz eines seiner Opfer aß, da er glaubte, dadurch unsichtbar werden zu können. Im Jahr 1811 kam es in London zu einer Reihe brutaler Raubmorde. Der Täter John Williams trieb dabei vor allem auf dem Ratcliff Highway sein Unwesen. Der Fall wird eindrücklich von dem Kriminalisten Robert Heindl (1883-1958) erzählt.  1888 schließlich ging der wohl berühmteste Serienmörder Jack the Ripper um. Hierzu fand Michael Kirchschlager einen überaus interessanten Artikel von Leopold Engelhardt, wie Heindl ebenfalls bei der Kriminalpolizei tätig gewesen (seine Lebensdaten sind allerdings nicht bekannt), in dem der Autor verschiedene Theorien analysiert, die versuchen, die wahre Identität des Täters zu ergründen.

Gerd Frank, der bereits sein sechsbändiges Werk „Totmacher“ im Verlag Kirchschlager veröffentlicht hat, befasst sich in seinem Beitrag mit den Untaten des „französischen Jack the Ripper“ Joseph Vacher, einem Herumtreiber, der zwischen den Jahren 1894 bis 1897 vor allem Hirtenjungen und Mädchen auflauerte.

Der Autor Armin Rütters berichtet von dem deutschen Serienmörder Karl Großmann, der 1921 in Berlin Frauen als Haushälterinnen anwarb, um sie in seiner Wohnung zu ermorden. Die beiden Kriminalautoren Birgit Lautenbach und Johann Ebend schließlich schildern ausführlich die sonderbare und zugleich schreckliche Biographie des Mörders Rudolf Pleil, einem sadistischen Psychopathen, der in den 1950er Jahren vor allem Leuten auflauerte, die zwischen den damals besetzten Zonen hin und her reisten.

Der Band beinhaltet nicht nur die erwähnten Beiträge, sondern ergänzt diese z.B. durch ärztliche Gutachten von damals sowie – im Falle Pleils – durch autobiographische Schriftstücke. Ebenfalls enthält das Buch zahlreiche historische Fotos zu den Fällen. Die einzelnen Beiträge sind nicht nur überaus spannend geschrieben, sondern liefern zugleich historisch intersssante Informationen. Die Autoren versuchen stets, ein Gesamtbild der jeweiligen Mörder zu liefern, indem sie deren Biographien nachgehen und dabei versuchen, Gründe für ihr anormales Verhalten zu finden. Dies macht die einzelnen Texte auch aus einer psychologischen Perspektive sehr interessant. Kurz: Mit „Historische Serienmöder Band IV“ ist dem Verlag Kirchschlager einmal mehr ein hervorragendes Werk gelungen.

Historische Serienmörder Band IV. Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Michael Kirchschlager. Verlag Kirchschlager 2017, 240 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-60-1

Schritte in der Nacht – Einer der ersten True Crime-Filme

schritteindernacht1948 kam ein Film in die Kinos, der als Prototyp für spätere True Crime-Serien gelten kann. „Schritte in der Nacht“ basiert auf einem wahren Kriminalfall und wurde an den tatsächlichen Tatorten gedreht. Es geht um das Hollywood Police Department, das den Mord an einem Polizisten aufklären muss. Der Fall jedoch entpuppt sich als äußerst kompliziert. Stets ist der Täter der Polizei einen Schritt voraus. Erst als es zu einer plötzlichen Reihe von Ladendiebstählen kommt, scheinen die Kriminalbeamten eine erste Spur zu haben.

Äußerst ungewöhnlich für die damalige Zeit ist, dass „Schritte in der Nacht“ in Form einer Reportage gedreht wurde. Aus diesem Grund gibt es unter den Polizisten auch nicht den Helden, der die Sache schließlich aufklärt. Was zählt, ist Teamwork. Und so folgt die Kamera den einzelnen Mitarbeitern bei ihrer Arbeit. Ziemlich genau zeigt der Film das Vorgehen der Fahnder und gibt detaillierte Einblicke in die Laborarbeit. Dem gegenüber steht der Täter Roy als gesellschaftlicher Außenseiter. Zum einen versucht er, nach dem Mord an dem Polizisten, seine Spur zu verwischen, zum anderen aber drängt es ihn immer erneut dazu, weitere Straftaten zu begehen. Daraus entwickelt sich eine Art Katz und Maus-Spiel, bei dem interessanterweise nur Roy als Identifikationsfigur zur Verfügung steht. Während die Mitarbeiter des Departments ausschließlich durch ihre Arbeit definiert werden, verleiht der Film dem Antagonisten eine genauere Charakterisierung. Man bekommt Einblicke in seiner Persönlichkeit und sein Privatleben, in dem vor allem sein Hund eine zentrale Rolle spielt.

Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde „Schritte in der Nacht“ damals als bester Polizeifilm ausgezeichnet. Auch jetzt noch hat der Film nichts von seiner Faszination und Spannung verloren. Sensationell ist die Verfolgung Roys durch die Kanalisation von Los Angeles. Hier bekommt der Film einen geradezu paranoiden Beigeschmack. Bis heute gibt es eine Debatte, ob Alfred L. Werker oder Anthony Mann Regie führten. Nach Thomas Willmann, scheint viel dafür zu sprechen, dass Werker beinahe den gesamten Film von Anthony Mann hatte drehen lassen. Als Indiz dafür gilt die Machart des Films, die nicht ganz den Arbeiten Werkers entspricht. Auch weisen damalige Hintergrundberichte darauf hin, dass Anthony Mann als eigentlicher Regisseur bezeichnet werden muss. Doch unabhängig von dieser Diskussion, ist und bleibt „Schritte in der Nacht“ eine hervorragende Mischung aus Thriller und Kriminalfilm.

Schritte in der Nacht (OT: He walked by Night), Regie: Alfred L. Werker, Anthony Mann, Drehbuch: Crane Wilbur, John G. Higgins, Produktion: Bryan Foy, Robert T. Kane, Darsteller: Richard Basehart, Scott Brady, Whit Bissel, Jim Cardwell, Felice Ingersol. USA 1948, 76 Min.

Totmacher 5 – Gerd Frank auf den Spuren amerikanischer Serienmörder

totmacher5Gerd Frank beschäftigt sich in Band 5 seiner auf sechs Bände angelegten Serie über historische Serienmörder mit Fällen aus den USA. Die zeitliche Spannbreite reicht dabei vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte der 1990er Jahre.

In diesem Band geben sich die wohl bekanntesten Serienmörder der Kriminalgeschichte die Klinke in die Hand. Den Anfang macht ein Bericht über Henry Howard Holmes, der in Chicago ein Hotel bauen ließ, dass nur zu einem einzigen Zweck diente: ahnunglose Gäste zu ermorden. Hierfür ließ Holmes Geheimzimmer, Falltüren und vieles mehr in das Gebäude einbauen, sodass es sich letztendlich als eine einzige Falle entpuppte.

Aber auch Namen wie Charles Starkweather, Ted Bundy, John Wayne Gacy oder Jeffrey Dahmer haben in dem Buch ihre eigenen Kapitel. Sie sind nicht nur bekannt aufgrund ihrer Untaten, sondern auch – und dies ist eine makabre Reaktion darauf – Bestandteil der Popkultur geworden. Ihre Untaten dienten als Grundlage für Thriller und Horrorromane und wurden mehrfach verfilmt. Starkweather fuhr in den 50er Jahren zusammen mit seiner Freundin durch die USA und brachte dabei willkürlich Menschen um. Bundy, Gacy und Dahmer gehören zu den brutalsten Serienmördern in den USA. Zu den Opfern Ted Bundys zählten vor allem Studentinnen, weswegen er auch als der „Campus-Mörder“ bekannt wurde. Der „Killer-Clown“ John Wayne Gacy trat bei Parteiverantsaltungen immer wieder als Clown verkleidet auf. Niemand wusste, dass er in seinem Haus homosexuelle Männer umbrachte. Jeffrey Dahmer lockte seine Opfer mit Geldversprechungen in seine Wohnung, wo er sie dann brutal ermordete.

In dem Buch ebenfalls enthalten ist der Fall um Charles Manson, der mit einer Gruppe seiner „Jünger“ das Haus der Schauspielerin Sharon Tate (Roman Polanskis damalige Ehefrau) überfiel und alle Bewohner umbrachte. Insgesamt beschäftigt sich Gerd Frank mit 19 der bekanntesten Fälle, die sich innheralb von 100 Jahren in den USA zugetragen haben. Wie immer ist Gerd Frank nicht darauf bedacht, den Voyeurismus zu bedienen. Die überaus spannenden Kapitel setzen sich sachlich mit den jeweiligen Tätern und ihren Untaten auseinander. Gerd Frank sucht nach den Ursachen, welche Ted Bundy und alle anderen Serienmörder zu den unheimlichen Bestien machten. Er geht dabei auf die Biographien der jeweiligen Mörder ein und untersucht deren Familienverhältnisse. Chronologisch verfolgt er daraufhin die jeweiligen Taten, wobei er diese stets mit der parallel verlaufenden Polizeiarbeit verknüpft.

Bereits mit den vier vorangegangenen Bänden hat Gerd Frank bewiesen, mit welchem Geschick er kriminalhistorische Begebenheiten spannend und zugleich informationsreich schildern kann. Genau diese gekonnte Mischung aus Spannung und Informationsreichtum findet der Leser auch in Band 5 „Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder“ wieder.

Gerd Frank. Totmacher 5. Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder. Kirchschlager Verlag 2015, 199 Seiten, 12,80 Euro, ISBN: 978-3-934277-57-1.

Mordfälle im Bezirk Gera 2 – Hans Thiers schildert weitere Kriminalfälle

mordfälleKriminalrat a. D. Hans Thiers ermittelte während seiner Dienstzeit in 180 Tötungsverbrechen. Bereits in seinem ersten Band „Mordfälle im Bezirk Gera“ berichtete er über Fälle, die sich zwischen den Jahren 1973 und 1990 zugetragen haben. Nun ist der zweite Band erschienen.

In „Mordfälle im Bezirk Gera II“ nimmt Hans Thiers auch Fälle mit auf, die sich vor seiner Tätigkeit bei der Kriminalpolizei zugetragen haben. So reicht die Spannweite der Berichte von 1945 bis 1990. Dieser Dokumentationsrahmen ist wichtig, da sich dadurch zugleich die historische Entwicklung im Strafgesetz der ehemaligen DDR nachvollziehen lässt.

Hans Thiers schildert, wie es in der Nachkriegszeit aufgrund von Lebensmittelmangel zu Mordverbrechen kam und welche psychosozialen Auswirkungen die Besatzungszeit mit sich brachte. Thiers geht dabei auch auf den Aspekt der Todesstrafe ein, die in der ehemaligen DDR noch bis Anfang der 70er Jahre vollstreckt wurde, bevor die Höchststrafe auf Lebenslänglich umgewandelt wurde.

Die Fälle, in denen der Autor selbst ermittelt hatte, reichen von Sexualstraftaten über Raubmord bis hin zum Muttermord. So ist von einem sonderbaren Fall die Rede, in denen das Opfer in die Brust gebissen wurde, oder von einer Frau, die ihren Mann mit einem Bolzenschußgerät umbringen wollte. Nicht selten spielte der Alkohol eine zentrale Rolle, wenn es um die Überwindung der Hemmschwelle zum Töten ging. In den Fällen, von denen Hans Thiers berichtet, entpuppen sich soziale Tragödien, wird von Menschen berichtet, die ihr Leben nicht in den Griff bekamen. Der kriminalistische Rahmen weitet sich dadurch aus, indem Hans Thiers anhand der Biographien der Mörder und Opfer nach den Ursachen für die Verbrechen sucht.

Zugleich veranschaulicht Thiers, auf welche Weise die Arbeit der Kriminalpolizei vonstatten ging und welche Einheiten in den diversen Fällen mitermittelten. Daraus ergibt sich, parallel zur spannenden Erzählweise, ein sehr genaues Bild über die Polizeiarbeit in der ehemaligen DDR und ist damit auch aus einer historischen Perspektive unglaublich interessant. Diverse Polizeifotos dokumentieren zusätzlich die verschiedenen Berichte.

Den Berichten voran steht eine historische Abhandlung über die Ursprünge der Morduntersuchungen sowie Statistiken über Tötungsverbrechen nach 1945. „Mordfälle im Bezirk Gera II“ ist somit wiederum ein höchst lesenswertes Buch aus dem Hause Kirchschlager.

Hans Thiers. Mordfälle im Bezirk Gera II. Berichte, Bilder, Dokumente. Verlag Kirchschlager 2015, 284 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-56-4.

Phantome der Unterwelt – Mord- und Kriminalfälle aus den USA

phantomederunterweltDer Verlag Kirchschlager feiert dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum. Das neueste Buch aus dem auf historische Kriminalfälle spezialisierten Verlag beschäftigt sich mit Mord- und Kriminalfällen aus den USA, die sich zwischen den Jahren 1897 und 1927 zugetragen haben.

Der Sammelband enthält insgesamt zehn außergewöhnliche Fälle. Die Bezeichnung „außergewöhnlich“ ist hierbei keineswegs übertrieben. Erzählt von den an der Aufklärung beteiligten Sheriffs und Detectives, erlebt der Leser eine erstklassige Mischung aus Gänsehaut und Spannung.

So jagt Sheriff Schelle Mathews einen wahnsinnigen Serienmörder in den tiefen Wäldern Wynoochees, Sheriff William Oeltjen hat es mit einem bizarren Fall zu tun, in dem ein Mann in einem extra dafür gemieteten Haus am Boden festgekettet wurde (um dem Mann herum fand man Skalpelle und anderes Operationsbesteck), und Sheriff Frank Ingraham macht sich auf die Suche nach einem seltsamen Mann, der zwei Familien ermordet hat.

Doch ist dies bei weitem noch nicht alles. Es wird über einen äußerst kuriosen Einbruch in ein Einfamilienhaus berichtet, über einen Bankräuber, der mit ausgefeilten Plänen zu seiner Beute kam, und auch über einen rätselhaften Mordfall in einem Militärlager, bei dem es um einen Skelettfund ging. Ein Journalisten-Duo hilft bei der Lösung eines heimtückischen Verbrechens und eine Sonnenbrille führt bei einem weiteren Fall um eine ermordete Angestellte zum unheimlichen Täter.

„Das Haus der Qualen“, so der Untertitel des Buches, verspricht puren Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite. Nicht weniger faszinierend bei all den Fällen ist das jeweilige Vorgehen der Polizei. Der Leser erhält einen Einblick in die damalige Polizeiarbeit, angefangen von der Befragung der Zeugen, über die Suche nach Fingerabdrücken bis hin zur Tatortsicherung.

„Phantome der Unterwelt: Das Haus der Qualen“ ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt. Auch der größte Krimiliebhaber wird hier starke Nerven brauchen. Zum Jubiläum des Verlags ist Michael Kirchschlager ein echter Knaller gelungen.

Michael Kirchschlager (Hrsg). Phantome der Unterwelt. Das Haus der Qualen und andere amerikanische Mord- und Kriminalfälle (1897 – 1927). 304 Seiten, 13,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-53-3.