FuBs Klassikbox: Convoy (1978)

Zwei Trucker nehmen Sheriff Lyle in die Mangel; „Convoy“ (1978); © Weltkino

Regisseur Sam Packinpah war bereits durch seine Drogen- und Alkoholsucht ziemlich angeschlagen, als er mit den Dreharbeiten von „Convoy“ begann. Er brauchte unbedingt einen Kassenschlager, da seine vorangegangenen Filme gefloppt waren. Also wandte er sich dem Genre zu, in dem er sich am besten auskannte, dem Western, nur dass er statt Cowboys auf Pferden Trucker in ihren riesigen Lastwagen auf der Leinwand erscheinen ließ.

Es geht um den Truckfahrer Rubber Duck, der von dem paranoiden Sheriff Lyle jedes Mal verfolgt wird, wenn Rubber Duck durch Arizona fährt. Dieses Mal geht Lyle zuweit, als er den schwarzen Fernfahrer Spider Mike wegen Vagabundierens ins Gefängnis stecken möchte. Angeführt von Rubber Duck schließen sich immer mehr Trucker dem Konvoi an, um gegen die Willkür der Polizei anzukämpfen. Die Polizei aber lässt nicht locker und der Konflikt eskaliert.

Der erhoffte Erfolg stellte sich, trotz zahlreicher schlechter Kritiken, tatsächlich ein. Mit Produktionskosten von 12 Millionen Dollar zählte „Convoy“ damals zu den teuersten Filmen. An den Kinokassen spielte er das Vierfache ein. Dennoch wurde Packinpah nachträglich von dem Projekt ausgeschlossen und verlor auch sämtliche Rechte daran.

Der Grund lag in der ersten Schnittfassung von über 200 Minuten. Die Produktionsfirma war damit alles andere als einverstanden und engagierte einen neuen Cutter, der den Film auf knapp 100 Minuten kürzen sollte. Packinpah fand die geschnittene Fassung schrecklich. Die meisten Kritiker mochten „Convoy“ ebenfalls nicht, da sie mit dem Film nichts anzufangen wussten. Heute sieht dies ganz anders aus. „Convoy“ zählt inzwischen zu den Filmklassikern.

Rubber Duck (Chris Kristofferson) und Melissa (Ali MacGraw); „Convoy“ (1978); © Weltkino

Er ist eine großartige Mischung aus Drama, Actionfilm und Satire, wobei sich die satirischen Elemente auf die Regierung und die Polizei beziehen. Während der Senator von Arizona den Konvoi für Wählerstimmen nutzen möchte, verhält sich die Polizei wie ein Haufen debiler Rassisten. Die Actionsequenzen sind großartig in Szene gesetzt: ob nun ein Truck auf einer Kreuzung umkippt, ob zwei Trucks ein Polizeiauto in die Mangel nehmen oder ob sie eine Kleinstadt zertrümmern, was Packinpah zeigt, ist erstklassiges Actionkino.

Dabei bleibt der Film keineswegs oberflächlich, sondern zeigt anhand des Konflikts, dass es in den USA in Sachen Freiheit und Selbstverwirklichung nicht weit her ist. Die Ideale werden von Regierung und Behörden im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten, nur um ihre Macht zu zeigen. Willkür und Bestechlichkeit ist bei den Beamten an der Tagesordnung. Packinpah stülpt den USA sozusagen das Image eines Entwicklungslandes über. Eine solche Kritik wünscht man sich auch in heutigen Großproduktionen, doch leben wir nun mal in einer Zeit, in der sich niemand mehr etwas traut und alles nur noch auf Kommerz abzielt. Doch eigentlich war es früher nicht anders. Denn auch dieser Kritikpunkt findet sich in „Convoy“ wieder, indem die Medien den Kampf der Trucker gegen den Staat sofort zu Geld machen wollen. Im Grunde genommen hat sich eigentlich gar nichts geändert.