Quality TV – Aber nicht in Deutschland

quality tvEU-Kommissar Günther Oettinger hat es auf den Punkt gebracht. In seiner letzten Rede sprach er davon, dass der Schwemme von TV-Serien aus den USA endlich Paroli geboten werden muss, sprich, europäische TV-Sender sollten endlich mehr Geld in ihre Produktionen stecken.

Wie es um unsere europäischen Nachbarn bestellt ist, können wir nicht beurteilen, doch die Kritik trifft auf Deutschland zu hundert Prozent zu. In einer Zeit, in der sich die Qualität von TV-Serien derjenigen von Spielfilmen annähert bzw. so gut wie mit dieser identisch ist, bleiben unsere einheimischen TV-Sender auf ihrem (kaum vorhandenen) Niveau sitzen.

Gegen Hochglanzkrimis, aufwendigen Mystery-Serien oder Fantasyspektakel kommen „Das Traumschiff“ oder „Der Bergdoktor“ nicht an.  Selbst die harmlosen Krimiserien, die vor den jeweiligen Hauptnachrichten des ZDF oder der ARD laufen, sind im Vergleich zu den Produktionen aus den USA einfach nur läppisch.

Einmal mehr zeigt sich, dass Deutschland die Entwicklung völlig verschlafen hat. Die Beamten, die auf das Prinzip des Ewig-Gleichen bestehen, sorgen mit ihrem nicht vorhandenen Engagement dafür, dass die Veränderungen in den TV-Serien nicht Deutschland erreichen. Die damit verbundene Amerikanisierung ist kein neues Phänomen, sondern war eigentlich immer vorhanden, doch gerade in einer Phase, in der das sog. Quality-TV hoch gepriesen wird, sieht es hierzulande düster aus.

Gut, man muss keine aufgestylten, fast schon ins Sterile neigenden Darsteller präsentieren. Es geht auch im Schmuddellook. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht z.B. darum, aus einem langweiligen Popel-Krimi einen spannenden Thriller zu schaffen, der den Zuschauer nicht nur handlungsmäßig, sondern auch optisch vom Hocker haut. Dem ARD-Flaggschiff „Tatort“ gelingt dies nicht. Die Vorabberichte in Radio und Fernsehen über den jeweils neuesten Film wirken bereits völlig verkrampft, so als wüssten die Redakteure, dass man nur noch so tun kann, als habe man es mit Qualität zu tun. Nicht anders verhält es sich dann mit den Kritiken danach, die lobhudeln oder versuchen, eine Bagatelle als Skandalthema zu verkaufen.

Dass sich z.B. ARD oder ZDF einmal zusammenraufen und versuchen würden, ein aufwendiges Historienspektakel als Mehrteiler zu kreieren (wie dies z.B. in Südkorea Gang und Gäbe ist), davon kann man nur träumen. Dass sich beide Sender einmal in die Gefielde des Fantasy- oder Phantastik-Genres verirren sollten, darüber lohnt es sich nicht einmal zu reden, werden doch diese Genres in Deutschland noch immer als trivial empfunden. Und nein, „Der Bergdoktor“ oder „Notruf Hafenkante“ sind ja überhaupt nicht trivial.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Serien, die in Deutschland produziert werden, sind im Grunde genommen vollkommener Murks. Die Storys sind so konzipiert, dass Tante Trude, die sich diesen Mist ansieht, nachher nicht schlaflos im Bett liegt. Es gibt keine Qualität oder besser keine Quality. Und wenn jemand „Das Traumschiff“ als Quality TV bezeichnet, der sollte lieber einen Psychiater aufsuchen.

Deutschland hat den Wandel verschlafen und daran wird sich, trotz Oettingers Mahnung, nichts ändern. Statt Quality TV, werden wir weiterhin von langweiligen, schlecht gemachten TV-Filmen genervt werden. Und sollte sich da doch etwas tun, so kann man nur hoffen, dass dies nicht allein deswegen geschieht, um die Gebühren zu erhöhen.