Posts Tagged ‘Trash der 60er’

US-Filmplakat von „La Residencia“

Ende der 60er Jahre wollte die spanische Filmindustrie hoch hinaus. Mit dem Horrorstreifen „La Residencia“ verfolgte man den Plan, auf dem internationalen Filmmarkt für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bis dahin waren spanische Filme vor allem für das einheimische Publikum produziert worden. Mit „La Residencia“ sollte sich dies ändern.

Aus diesem Grunde ließ man sich für die Produktion auch Zeit. Beinahe sechs Monate dauerten die Dreharbeiten. Und der Erfolg? Während man in Europa und in Südamerika durchaus positive Resultate erzielen konnte, wurde der Film in den USA, wo er – wie jeder europäische Horrorfilm – von American International Pictures vertrieben wurde, ein Flop.

In Deutschland lief „La Residencia“ unter dem Titel „Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat“ und war dadurch vor allem an die Bahnhofskinos gekettet. Der englische Verleihtitel lautet „The House that screamed“. Bis heute gilt der von Narciso Ibáñez Serrador gedrehte Film als ein Meilenstein in der Geschichte des spanischen Films. Davor hatte Serrador nur für das Fernsehen gearbeitet.

„La Residencia“ spielt im 19. Jahrhundert. Die 19jährige Teresa kommt in ein abgelegenes Mädchenpensionat und muss bald feststellten, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Bisher sind drei junge Frauen spurlos verschwunden. Das Pensionat wird von der sadistischen Señora Fourneau geleitet, die zusammen mit ihrem Sohn in dem Haus wohnt. Als es Teresa in dem Heim nicht mehr länger aushält, versucht sie zu fliehen …

Serradors Film beeinflusste viele spätere Horrorfilme, so u. a. auch Dario Argentos „Suspiria“ (1978). Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der die Mädchen Tanzunterricht haben. Argento übernahm diese Szene beinahe eins zu eins, sodass man sich in der Rolle der Señora Fourneau (gespielt von Lilli Palma) nur Alida Valli vorstellen muss, um auf Argentos Meisterwerk zu kommen. Aber auch die spezielle Optik, die „La Residencia“ aufweist, findet sich in „Suspiria“ wieder.

Italienisches Filmplakat

Nicht zuletzt beeinflusste der spanische Film auch die koreanische Horrorfilm-Reihe „Yeogogoedam dubeonchae iyagi“ (Geistergeschichten aus der Schule), von der leider nur „Memento Mori“ (1999) und „Wishing Stairs“ (2003) in Deutschland erschienen sind. Vor allem im ersten Film dieser außergewöhnlichen Filmreihe „Whispering Corridors“ (1998) macht sich der Einfluss bemerkbar. Die beiden letzten Filme lauten „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009).

In „La Residencia“ wollte man alles richtig machen. Stimmte bei einer Szene auch nur eine Kleinigkeit nicht, so wurde sie komplett neu gedreht. Dabei beherrscht vor allem die deutsche Schauspielerin Lilli Palmer die Szenerie. Sie geht vollkommen in ihrer Rolle auf und sorgt dabei für eine gehörige Portion Beklemmung, welche den gesamten Film durchzieht. Doch war Regisseur Serrador im Ganzen seiner Zeit voraus. Als Beispiel seien hier die Death Scenes genannt, in denen Serrador eine radikale Zeitlupe verwendet, die er bis zum Stillstand der Bilder vorantreibt. In einem anderen Zusammenhang verwendete Peter Fonda diese Technik 1971 für seinen Western „Der lange Ritt“.

„La Residencia“ vermischt dabei unterschiedliche Stile des Trash-Films. Vom Gothic-Horror mit vielen unheimlichen Momenten ausgehend, gelingt es ihm mühelos in das Sexploitation-Genre überzugehen, wenn Señora Fourneau eine der jungen Frauen von drei anderen Schülerinnen auspeitschen lässt. Auf dieser Ebene nimmt der Film bereits alles vorweg, was dann in der berühmten Schmuddelfilm-Ära auf der Leinwand erscheinen sollte.

Damit das Projekt auch gelingen konnte, wurde es teilweise von der spanischen Regierung mitfinanziert. Die Ironie dabei: der Film kritisiert indirekt Francos Regime, was anscheinend von den Geldgebern nicht bemerkt wurde. Doch unabhängig davon ist „La Residencia“ einer der Horrorfilme, die man gesehen haben muss.

Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat (La Residencia). Regie u. Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador, Produktion: Arturo Gonzales, Darsteller: Lilli Palmer, Cristina Galbo, John Moulder-Brown, Mary Maude, Candida Losada. Spanien 1969, 104 Min.

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diemonsterdie„Can you stand PURE TERROR?“ war auf dem damaligen Kinoplakat zu dem Film „Die, Monster, Die!“ zu lesen, der in Deutschland unter dem Titel „Das Grauen von Schloss Witley“ in die Kinos kam. Das Drehbuch basiert auf der Erzählung „Die Farbe auf dem All“ von H. P. Lovecraft. Obwohl auch dieser Film von American International Pictures stammt, wirkt hier nicht Stammschauspieler Vincent Price mit. Stattdessen ließ die Produktionsfirma einen weiteren Star des Horrorgenres auf die Zuschauer los. Es handelte sich dabei um keinen Geringeren als Boris Karloff, der als wahnsinniger Wissenschaftler für Furore sorgen sollte.

Der Film erzählt von Stephen, der seine Verlobte Susan auf Schloss Witley besucht. Kaum ist er dort, als Susans Mutter beide drängt, das Schloss sofort zu verlassen. Doch Stephen möchte unbedingt hinter das Geheimnis des Schlosses kommen, in dem Susans Vater unheimliche Experimente durchführt. Schließlich treten sie dem „puren Terror“ von Angesicht zu Angesicht gegenüber …

„Die, Monster, Die!“ ist zwar ein gelungener Trash-Horror aus dem Hause AIP, besitzt aber zugleich nicht die Qualität und den Charme der Vincent-Price-Filme, auch wenn SF- und Horrorautor Jerry Sohl das Drehbuch verfasste. In David Hallers Film stehen Alleskönner Stephen und seine stets kreischende Verlobte einem müde erscheinenden Boris Karloff gegenüber. Was man dem Film aber dennoch zugute halten muss, ist, dass es ihm gelingt, den Zuschauer immer wieder zu überraschen.

Ebenso interessant ist, dass „Die, Monster, Die!“ gezielt auf Schockeffekte setzt. Im Kino verfehlten diese sicherlich nicht ihre Wirkung. Es handelt sich dabei um den Einsatz von nervenaufreibender Stille, der unerwartet ein lautes Geräusch folgt, um dadurch das Publikum aus den Kinositzen fahren zu lassen. Gerne wird diese Methode auch in heutigen Filmen eingesetzt wird. So wirken die Schockeffekte, mit denen „Das Grauen von Schloss Witley“ gewürzt ist, auch heute noch, was den Unterhaltungsgrad des Films noch erhöht.

Mit dem Werk Lovecrafts hat der Film natürlich kaum noch etwas zu tun. Als klassischer Horrorfilm aber ist er immer wieder sehenswert.

Das Grauen auf Schloss Witley (OT: Die, Monster, Die!), Regie: Daniel Haller, Drehbuch: Jerry Sohl, Produktion: Pat Green, Darsteller: Boris Karloff, Nick Adams, Susan Farmer, Freda Jackson, Paul Farrell, Terence de Marney. USA 1965, 75 Min.

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triffids41962 verfilmte der aus Ungarn stammende Regisseur Steve Sekely John Wyndhams SF-Klassiker „Day of the Triffids“ (1951). Neben „The Midwich Cuckoos“ (der deutsche Titel lautete: „Es geschah am Tage X“), der unter dem Titel „Dorf der Verdammten“ verfilmt wurde, ist „Die Triffids“ Wyndhams bekanntester Roman.

Die Verfilmung nahm sich ziemlich viele Freiheiten heraus, übernahm aber zumindest die Grundhandlung des Romans. Es geht um eine fremdartige Pflanzenart, die während eines Meteorschauers monströse Eigenschaften annimmt. Die Pflanzen werden nicht nur groß, sondern können sich von einem Ort zum anderen Bewegen. Zudem haben sie Hunger auf Menschenfleisch. Während es sich im Roman um eine Art von genveränderten Pflanzen handelt, die durch den Meteorschauer zu einer Bedrohung werden, bleibt die Herkunft der Pflanzen im Film offen. Das Licht, das während des Meteorschauers am Himmel zu sehen ist, reizt die Augen der Menschen so stark, dass die meisten erblinden und dadurch zu einer leichten Beute für die Pflanzen werden. Der Seefahrer Bill Mason liegt während des Zwischenfalls mit verbundenen Augen im Krankenhaus. Er ist einer der wenigen, die noch sehen können. Zusammen mit einer Schülerin streift er durch eine zerstörte Welt in der Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem die Zivilisation noch nicht zusammengebrochen ist.

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Die Katastrophe beginnt mit seltsamen Lichtern am nächtlichen Himmel. „The Day of the Triffids“ (1962)

Wie bereits der Roman, so wurde auch der Film zu einem Klassiker des Genres. Sekely gelingen von Anfang an tolle Aufnahmen, die mit den Lichterscheinungen am Himmel beginnen und sich bei der Darstellung des zunehmenden Verfalls der Gesellschaft fortsetzen. Dabei weist er darauf hin, wie schnell es zu einem Zusammenbruch der Zivilisation kommen kann. Im wahrsten Sinne des Wortes verändert sich die Gesellschaft über Nacht. Ist zunächst noch alles in Ordnung, so herrscht wenige Stunden später das komplette Chaos. Tote und Verletzte liegen in den Straßen, Blinde taumeln durch die Stadt, die vergeblich nach Hilfe suchen. Es kommt zu mehreren Unfällen (u.a. kracht ein Zug in den Bahnhof), die dazu führen, dass es zu Großbränden kommt, die niemand löschen kann.

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Bill Mason (Howard Keel) geht durch das zerstörte London. „The Day of the Triffids“ (1962)

„The Day of the Triffids“ ist voller Dramatik, Action und Spannung. Wie auch schon Wyndham, so entwirft Sekely ein eher negatives Menschenbild, in dem der Zusammebruch der Gesellschaft zum gleichzeitigen Zusammenbruch der moralischen Werte führt. Jeder ist nur noch sich selbst am nächsten. Egoismus und die Angst vor dem Anderen treten mehr und mehr zum Vorschein. Die Menschen, die noch sehen können, versuchen, sich mehr schlecht als recht zu organisieren. Als Bill Mason und die Schülerin Susan in Frankreich ankommen, wo sie auf eine Gruppe Sehenden treffen, kommt es zu einem weiteren Zwischenfall: ausgebrochene Straftäter dringen in das Gebäude, in dem die Gruppe lebt, ein und übernehmen die Kontrolle. Hier kommt es zu einem der vielen Höhepunkte des Films. Denn während des Kampfs zwischen Bill und den Kriminellen, greifen die Monsterpflanzen das Haus an.

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Wissenschaftlerin Karen Goodwin (Janette Scott) wird von einer der Monsterpflanzen attackiert. „The Day of the Triffids“ (1962)

Parallel zur Haupthandlung verläuft ein zweiter Erzählstrang, in dem es um ein Wissenschaftlerehepaar geht, das auf einem abgelegenen Leuchtturm wohnt, um dort ihren Forschungen nachzugehen. Während der Mann Alkoholiker ist, ist die Frau voller Tatendrang. Als auch sie von den Pflanzenmonstern angegriffen werden, versuchen sie, ein Mittel gegen die Ungeheuer zu finden. Merkwürdigerweise stehen diese Ereignisse mehr oder weniger für sich, d.h. es kommt zu keiner Verbindung zwischen den Figuren aus dem Leuchtturm und den Hauptfiguren. Dennoch ist auch die parallel verlaufende Handlung sehr dicht und spannend in Szene gesetzt. Im Grunde genommen hätte man daraus einen eigenen Film machen können. Janette Scott, die die Wissenschaftlerin spielt und ein Jahr darauf in dem Klassiker der Hammer-Studios „Paranoiac“ mitspielte, wurde in den 70ern im Opener-Song der „Rocky Horror Picture Show“ erwähnt.

„The Day of the Triffids“ lief in Deutschland unter dem Titel „Blumen des Schreckens“. 2009 verfilmte die BBC den Roman erneut, allerdings in Form einer TV-Mini-Serie. Der Film „28 Days later“ (2002) bedient sich frech der Ausgangssituation von den „Triffids“.

Die Blumen des Schreckens (OT: The Day of the Triffids). Regie: Steve Sekely, Drehbuch u. Produktion: Philip Yordan, Darsteller: Howard Keel, Nicole Maurey, Janette Scott, Kieron Moore, Janina Faye. England 1963, 90 Min.

 

 

 

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carnivalofsoulsHerk Harvey (1926-1996) war eigentlich Regisseur von Schulfilmen. Nur ein einziges Mal machte er etwas anderes, indem er einen Horrorfilm drehte.

„Carnival of Souls“ (1962) lautete der Titel, doch leider fiel er beim damaligen Publikum völlig durch. Angeblich betrugen die Produktionskosten 17.000 Dollar. Die Kosten konnten so niedrig gehalten werden, da Harvey zum einen auf seine Gage verzichtete und zum anderen hauptsächlich Laiendarsteller engegagiert wurden. Wieso Herk Harvey jedoch überhaupt auf die Idee gekommen war, plötzlich aus seiner beruflichen Routine auszubrechen und einen Spielfilm zu drehen, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Anekdote lautet, dass er beim Besuch Salt Lake Citys von der dortigen Atmosphäre so sehr eingenommen gewesen sei, dass er diese in Form eines Films festhalten wollte. Wie dem auch sei, das Resultat war ein Klassiker der Filmgeschichte.

carnivalofsouls1Es geht darin um die Organistin Mary Henry, die nach einem Autounfall (der Wagen stürzt von einer Brücke in den Fluß), als einzige Überlebende durch die USA fährt, um eine Stelle in einer Kirche in Utah anzunehmen. Allerdings wird sie seit dem Unfall von einem mysteriösen Mann (gespielt übrigens von Herk Harvey selbst) verfolgt. Und hin und wieder scheint es so, als würde sie in eine andere Dimension hinübergleiten.

carnivalofsouls2Mit „Carnival of Souls“, der erst vom ZDF Anfang der 90er synchronisiert wurde und den deutschen Titel „Tanz der toten Seelen“ erhielt, vermischte Harvey geschickt Ansätze des zu ende gehenden Paranoiakinos mit expressionistischen Elementen und dem aufkommenden Psycho-Horror. Der Film ist von Anfang bis zum Schluss nur von einem Gefühl geprägt: der Angst. Diese resultiert zum einen daraus, da sich Mary in ihrer Umwelt nicht mehr zurecht findet, zum anderen in ihrer Furcht vor dem mysteriösen Mann. Alle Personen in dem Film erscheinen irgendwie zwielichtig. Der Psychiater, die Vermieterin und John Linden, Marys aufdringlicher und alkoholsüchtiger Nachbar, sowieso. Die Figuren unterstreichen die Unsicherheit Marys, geben dem Film eine geradezu postmoderne Note, die von den Psycho-Filmen der 60er Jahre ins Spiel gebracht und später von den „Protestfilmen“ (wie z.B. „Texas Chainsaw Massacre“) der 70er Jahre intensiviert wurde. Die Angst kommt nicht mehr – wie in den 50ern  – von außen und bezieht sich auf eine kommunistische Unterwanderung,  sondern entsteht innerhalb der Gesellschaft und macht auf die sozialen Probleme und die negativen Aspekte des sozialen Wandels aufmerksam. Herk Harvey dürfte sich in diesem Sinne in seinem Film mit dem Aspekt der Individualisierung und der parallel dazu verlaufenden Vereinsamung beschäftigt haben.

carnivalofsouls3Aber was ist mit Mary Henry nun wirklich los? Weswegen verfolgt sie der unheimliche Mann und weswegen reagiert niemand, als sie aus dem verunglückten Auto steigt? Herk Harvey gibt hier dem Zuschauer ein kunstvolles Rätsel auf. Es gibt die unterschiedlichsten Lösungsversuche. Letztendlich aber bleibt es jedem selbst überlassen, wie er den Film deutet.

„Carnival of Souls“ ist inzwischen ein Klassiker des Horrorfilms und längst zum Kultfilm avanciert. Viele Regisseure (z.B. David Lynch oder auch George R. Romero) wurden von Harveys Meisterwerk beeinflusst. Der mysteriöse Mann ist mittlerweile Bestandteil der Popkultur geworden und wird immer wieder zitiert, ob in Spielfilmen oder in Musikvideos. Es ist schade, dass Herk Harvey keinen weiteren Spielfilm mehr drehte oder drehen wollte. Vielleicht hatte ihn der Misserfolg an den Kinoskassen davor abgeschreckt.

 

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