Koreanische Thriller 2013 – Teil Zwei

Im ersten Halbjahr präsentierte Koreas Filmindustrie eine Reihe hervorragender Thriller. Mit Ausnahme des Mystery-Thrillers „A Puppet“ und des Action-Films „Running Man“ waren alle Produktionen sehr gut in Szene gesetzt und lieferten knisternde Spannung und großartige Unterhaltung. Die Übersicht über das erste Halbjahr finden Sie hier: Koreanische Thriller 2013 – Teil Eins.

Wie sah nun das zweite Halbjahr aus? Dieses wartete u. a. mit zwei großartigen Überraschungen auf. Der Erfolg der Low-Budget-Produktionen „The Terror Live“ und „Hide and Seek“ erstaunte sogar Koreas Filmemacher. „The Flu“ dagegen konnte nich überzeugen. Mit „The Spy“ lieferte CJ Entertainment eine gut besetzte, aber dennoch eher durchschnittliche Action-Komödie ab. Doch nun zu den Filmen im Einzelnen:

hide and seek
Hide and Seek

Hide and Seek basiert auf einer wahren Begebenheit. Regisseur und Drehbuchautor Huh Jung schuf daraus einen erstklassigen Thriller, der unter die Haut geht. Der Film handelt von Sung-Soo, einem erfolgreichen Geschäftsmann, der eines Tages erfährt, dass sein Bruder spurlos verschwunden ist. Dieser wohnte in einem heruntergekommenen Wohnhaus und kurz vor seinem Verschwinden kam es in dem Wohnhaus zu einem brutal Mord. Während Sung-Soo versucht, das Rätsel um seinen Bruder zu lösen, kommt es zu eigenartigen Zwischenfällen. Es scheint, als würde sein Bruder mit ihm ein bösrtigen Spiel treiben. Hinzu kommt die ehemalige Nachbarin seines Bruders, die aus unerklärlichen Gründen Angst vor Sung-Soo hat.

Huh Jung liefert einen Thriller der Extraklasse ab. Son Hyun-Joo, der normalerweise als Seriendarsteller im Fernsehen zu sehen ist, zeigt, dass er auch fähig ist, auf der Leinwand zu agieren. Er überzeugt vollkommen als Geschäftsmann mit Schuldkomplex. Die Handlung verläuft zunächst wie ein Mystery-Thriller, um sich nach mehreren überraschenden Wendungen in einen extrem harten Psychothriller zu verwandeln. Huh Jung gelingt es, dem Zuschauer den Atem zu rauben. Die Wendungen und Zwischenfälle sind derart gut in Szene gesetzt, dass man nicht anders kann, als zu behaupten, dass „Hide and Seek“  einer der besten Thriller der letzten Jahre ist. Von uns erhählt der Film eine glatte Eins. Es bleibt zu hoffen, dass der Film auch einem deutschen Publikum präsentiert werden kann, denn Huh Jungs Thriller hat einen internationalen erfolg verdient.

the flu
The Flu

The Flu sollte eigentlich bereits vor ein paar Jahren in die Kinos kommen, doch wurde sein Release immer wieder verschoben. Wahrscheinlich durch den Erfolg des Seuchen-Thrillers „Deranged“ kam man zu dem Schluss, ihn nun doch herauszubringen. „The Flu“ handelt davon dass eine Gruppe illegaler Einwanderer aus Südostasien einen Grippevirus einschleppen, der sich innerhalb kürzester Zeit im ganzen Land ausbreitet.

Wieso der Film die ganze Zeit über zurückgehalten wurde, ergibt sich bei der Sichtung selbst. Man hätte viel aus dem Film machen können, doch Regisseur und Drehbuchautor Kim Sung-Su zeigt, dass er keine Ahnung hatte, wie er den Stoff umsetzen sollte. Dies fängt schon am Anfang des Films an, in dem Rettungshelfer eine Frau retten, die mit ihrem Auto in eine ungesicherte Kanalbaustelle gestürzt ist. Diese Szene ist vollkommen uninteressant gedreht, sodass man bereits in den ersten Minuten keine Lust hat, den restlichen Film zu sehen. Das Gefühl, dass „The Flu“ ein absoluter Rohrkrepierer ist, erweist sich über die restliche Laufzeit als richtig. Der Film kommt nie in die Gänge, schafft es nicht, interessant zu werden, und schon gar nicht, Spannung aufzubauen. Unser Urteil ist, dass „The Flu“ zusammen mit „A Puppet“ zu den schlechtesten Filmen zählt, die Koreas Filmindustrie  in letzter Zeit herausgebracht hat.

the terror live
The Terror Live

The Terror Live zählt, wie oben bereits angedeutet, zu der zweiten großen Überraschung des diesjährigen Filmjahrs. Regie und Drehbuch stammen von Kim Byung-Woo. Wie bei „Hide and Seek“, so handelt es sich auch hier um eine Low-Budget-Produktion, die nur in dem Senderaum eines Radiosenders spielt. Der ehemalige Starreporter Yoon Yong-Hwa ist durch einen unschönen Zwischenfall vom Fernsehen zum Radio verbannt worden. Gerade als er seine Sendung beginnt, kommt es auf der nahe gelegenen Brücke zu einem Terroranschlag. Yoon setzt nun alles daran, um live über das Geschehen zu berichten.

Der Film ist eine Mischung aus Kammerspiel und Mockumentary. Er ist einerseits Thriller, andererseits eine bitterböse Satire auf die Sensationssucht der Medien und zugleich auf Koreas derzeitige Politik. Der Reporter geht in seiner Live-Sendung soweit, sich selbst als Opfer zu präsentieren, nur um sich die Einschaltquoten zu sichern. Parallel dazu zeigen sich die Politiker, die mit dem Terrorristen verhandeln sollen, als völlig desinteressiert. Ihnen ist das Schicksal einzelner Personen vollkommen egal, obwohl sie genau das Gegenteil in den Medien von sich geben. Regisseur Kim Byung-Woo wird in seiner Kritik sehr direkt. Um dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, ließ er sich für den Schluss etwas wirklich Interessantes einfallen. Wir wollen hier nicht zu viel verraten, aber so viel Engangement in Sachen Kritik würde man sich auch von deutschen Filmemachern wünschen. Obwohl das Kammerspiel in dem Thriller überwiegt, setzt er auch auf gute Spezialeffekte, welche sich auf die Zerstörung der Brücke beziehen und auf nachfolgende Anschläge, die u. a. mit der gekonnten Pointe des Films in Verbindung stehen. Ein sehr guter und sehr engagierter Film, dem wir ebenfalls eine glatte Eins verpassen.

the spy
The Spy

The Spy ist eine Mischung aus Action- und Agentenfilm und typisch koreanischer Komödie. Er handelt von dem Agenten Chul-Soo, dessen Frau Young-Hee glaubt, er sei ein einfacher Büroangestellter. Chul-Soo muss diesen Glauben aufrecht erhalten. Doch als er wegen eines mysteriösen Waffengeschäfts nach Bangkok muss, wo sich seine Frau (von Beruf Stewardess)  ebenfalls gerade aufhält, kommt es zu Verwicklungen und nicht wenigen gefährlichen Situationen. Denn Young-Hee ist dem gut aussehenden Terroristen Ryan auf den Leim gegangen, der einen Anschlag in Busan plant.

Nun, der Film bietet eigentlich nichts großartig Neues. Daher bewegt sich die Komödie ständig etwas oberhalb des Durchschnitts. Regisseur Lee Seung-Jun gelingt es zwar auf witzige und durchaus unterhaltsame Weise, die Ehekrise des Agenten mit dem Spionageaspekten zu verbinden, doch lässt er dabei einfach viel zu viele Personen auftreten. Es wimmelt hierbei nur so vor Agenten, die zum großen Teil auch völlig überflüssig agieren. Manchmal scheint es, dass die Produzenten nur eine Möglichkeit gesucht haben, um ein paar Comedy-Stars zu integrieren, in der Hoffnung, dadurch mehr Leute ins Kino zu locken. Daniel Henney ist nach seiner Nebenrolle in „X-Man: Wolverine“ mal wieder als Bösewicht zu sehen. Als Ehepaar agieren Sol Kyung-Gu und Moon So-Ri, beides Stars des koreanischen Films.  Die Story an sich ist rasant erzählt und liefert auch mehrere gelungene Gags. Doch im Groben und Ganzen fehlt der Produktion das nötige Etwas, um sie wirklich in Erinnerung zu behalten.