Hol’s der Teufel – Unser 666. Artikel

Den 666. Artikel auf FILM und BUCH können wir ja nicht einfach so an uns vorbeigehen lassen. Daher haben wir uns gedacht, ein wenig auf okkult zu machen und sechs Teufelsfilme bzw. Okkult-Thriller vorzustellen. Den Anfang macht …

… Geheimrat Goethe. 1960 schuf Gustav Gründgens den Theaterfilm aller Theaterfilme, indem er Goethes „Faust“ auf die Leinwand brachte. Gründgens spielte darin die Rolle des Mephisto, die er bis dahin übrigens 600mal gespielt hatte. Seine Inszenierung war so erfolgreich, dass sie nicht nur auf internationale Tournee ging, sondern eben auch auf Film gebannt und mit überaus großem Erfolg in die Kinos gebracht wurde. Den Faust mimte übrigens Will Quadflieg. „Faust“ war damals für den Oscar nominiert und gewann den Deutschen Filmpreis.

1968 adaptierte Terence Fisher Dennis Wheatleys Roman „The Devil rides out„. Das Drehbuch verfasste Richard Matheson, der normalerweise bei Roger Corman bzw. bei American International Pictures unter Vertrag stand. Wie in so vielen Filmen der Hammer Studios, so war auch hier Christopher Lee mit von der Partie – dieses Mal als Guter. Seinen Widersache verkörperte Bond-Bösewicht Charles Gray. Es geht darum, dass Nickolas, Duc de Richleau auf die Spur einer okkulten Sekte kommt, nachdem er im Haus seines verschwundenen Freundes Simon seltsame Hexensymbole entdeckt hat. Christopher Lee fand, dass „The Devil rides Out“ einer seiner besten Filme aus seiner Zeit bei Hammer war. Es ist in der Tat ein wirklich guter Film, der stellenweise ein wenig an „Night of the Demon“ (1956) erinnert.

1973 drehte William Friedkin den Horrorfilm aller Horrorfilme: „Der Exorzist„. Das Drehbuch stammte von William Peter Blatty, der bis dahin ausschließlich Komödien verfasst hatte. Mit „Der Exorzist“ traf er genau ins Schwarze. Schnell schrieb er auch noch den Roman dazu, damit es so aussah, als handele es sich bei dem Film um eine Adaption. Damals fast schon so etwas wie ein Skandalfilm, entwickelte sich „Der Exorzist“ schnell zum Kassenschlager und gilt heute als einer der Filmklassiker schlechthin. Dem Film folgten zwei Fortsetzungen, wobei „Der Exorzist 2“ zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten zählt. Blatty versuchte dann, seine Ehre zu retten, indem er 1990 „Der Exorzist 3“ drehte, der zwar floppte, dennoch qualitativ wieder hervorragend war.

1976 sprang Richard Donner auf die Okkultwelle auf, die „Der Exorzist“ losgetreten hatte, und drehte „Das Omen„, mit Gregory Peck und Lee Remick in den Hauptrollen. Das Drehbuch schrieb David Seltzer, der drei Jahre später auch das Drehbuch zu der Trash-Granate „Die Prophezeiung“ verfasste. Um den Film noch unheimlicher wirken zu lassen, wurden Gerüchte in Umlauf gebracht, dass es während der Dreharbeiten zu unerklärlichen Zwischenfällen gekommen sei. Natürlich steckte dahinter eher die Marketingabteilung und weniger ein Dämon. Der Film wurde ebenfalls ein Riesenerfolg und zählt heute nicht weniger zu den Filmklassikern. „Das Omen“ folgten eine Reihe weiterer „Omen“-Filme und 2006 auch ein Remake, das ebenfalls von David Seltzer geschrieben wurde.

1999 dachten alle, dass zur Jahrtausendwende sämtliche Computer abstürzen würden. Nicht wenige glaubten auch, dass dies das Ende der Welt bedeute. Aufgrund der drei Neuner, die man natürlich auch als drei Sechser sehen konnte, brachte dies wieder den Okkultismus zurück in die Popkultur, was zur Folge hatte, dass um diese Zeit herum mehrere Okkult-Thriller produziert wurden. Einer davon war „End of Days“ mit Arnold Schwarzenegger, der für seine Rolle als Jericho Cane prompt für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Ihm zur Seite standen Gabriel Byrne und Udo Kier. Der Film erhielt fast ausschließlich negative Kritiken und war ein eher mäßiger Erfolg an den Kinokassen. Zum Filmklassiker hat es also nicht gereicht.

2015 glaubte die koreanische Filmindustrie, sich ebenfalls am Exorzismusthema zu versuchen und somit drehte Jae-Hyun Jang „The Priests„, in dem zwei Priester versuchen, einen Dämon aus einer Frau auszutreiben. Was unheimlich wirken soll, wirkt dann doch eher banal und nicht weniger lächerlich. So richtig Spannung kommt einfach nicht auf und unheimlich wirkt der Film schon gar nicht. Eher wirkt „The Priests“ wie eine halbherzige und teils hilflose Nachahmung von Friedkins „Der Exorzist.“ Dennoch landete der Film in Südkorea auf Anhieb auf Platz eins und machte allein in diesem Land einen Umsatz von umgerechnet fast 36 Millionen Dollar. Damit zählt der Film zu den erfolgreichsten koreanischen Filmen und vor allem zu den erfolgreichsten koreanischen Horrorfilmen.

 

 

 

Incarnate

„Incarnate“ von Regisseur Brad Payton wurde bereits 2013 gedreht, doch erst 2016 veröffentlicht. Anscheinend waren die Produzenten alles andere als zufrieden mit dem Film, doch nachdem Payton mit „San Andreas“ einen Kassenschlager abgeliefert hatte, wollte man dann wohl doch auf der Welle des Erfolgs aufspringen.

Normalerweise heißt es also nichts Gutes, wenn ein Film zurückgehalten wird. Doch bei „Incarnate“ wundert man sich, dass den Film dieses Schicksal ereilt hat. Denn der Exorzismus-Film ist pure Unterhaltung und ein Fest für alle Horror-Trash-Fans.

Dr. Seth Ember besitzt eine sonderbare Gabe: er kann in das Bewusstsein seiner Mitmenschen eintauchen. Diese Fähigkeit macht er sich zunutze, um dadurch Besessene von ihren dämonischen Plagegeistern zu befreien. Eines Tages erhält er den Auftrag, einen von einem Dämon heimgesuchten Jungen zu „behandeln“. Nach dem obligatorischen Zögern, nimmt er den Auftrag an. Doch schon bald bemerkt er, dass sein Gegner nicht nur böse, sondern auch ziemlich heimtückisch ist …

Brad Paytons Exorzismus-Variante ist durchaus originell, auch wenn der Film nicht gerade das Rad neu erfindet. Ihm gelingt es aber, was so vielen Teufelsfilmen neueren Datums nicht fertig bringen: eine durchweg spannende, Action reiche und witzige Handlung zu kreieren, die nur eines will: den Zuschauer unterhalten. Und dies schafft „Incarnate“ auf allen Ebenen.

Payton drückt bei der Handlung voll aufs Tempo, wobei er von Anfang an zeigt, dass er diese mit einem gewissen Augenzwinkern vorantreibt. So beginnt der Anfang beinahe in Form eines koreanischen Horrorfilms, nur um dann den Charakter einer Quasi-Comic-Verfilmung anzunehmen. Aber auch da bleibt Payton nicht stehen, sondern füllt seinen Film mit sämtlichen Aspekten des Teufelsfilms, sodass – fast wie nebenbei – „Incarnate“ wie ein Überblick über die Figurenkonstellationen und typischen Merkmale des Exorizismus-Genres wirkt.

Gewürzt ist dieses Unterhaltsungsknallbonon mit netten, fast schon klassisch anmutenden Schockeffekten. Aber auch die Handlung selbst ist durchaus interessant, wartet Payton doch mit gewitzten Wendungen auf. Die gelungene Optik rundet das Ganze vortrefflich ab. „Incarnate“ ist somit eine überaus positive Überraschung innerhalb des Horrorgenres, ein Film, der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt, dennoch spannend ist und vor allem richtig gut unterhält.

Incarnate. Regie: Brad Payton, Drehbuch: Ronnie Christensen, Produktion: Jason Blum, Darsteller: Aaron Eckhart, Carice van Houten, Catalina Santino, Moreno, David Mazouz. USA 2013/2016, 91 Min.

Der Meister und Margarita – Aleksandar Petrovics Adaption eines Kultromans

meister und margarita„Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow gilt als einer der wichtigsten Romane der Moderne. In der Sowjetunion verboten, entwickelte sich die Mischung aus Schauerroman, Liebesgeschichte, Satire und Groteske zum Kultbuch der Hippiebewegung. Sogar die Rolling Stones kamen an dem Buch nicht vorbei und verarbeiteten die Geschichte in ihrem Song „Sympathy for the Devil“.

1972 verfilmte der bekannte Regisseur Aleksandar Petrovic Bulgakows Meisterwerk mit Ugo Tognazzi und Mimsy Farmer in den Hauptrollen. Es geht um den Schriftsteller Nikolai, dessen Theaterstück über Pontius Pilatus bei den verantwortlichen Beamten zu großer Aufregung führt, da darin brisante politische Themen angesprochen werden. Kurzerhand soll das Stück verboten werden. Nikolai aber lässt nicht locker und möchte das Stück dennoch durchbringen. Als Konsequenz seiner Bemühungen wird er ins Irrenhaus gesteckt. Zugleich aber hält der Teufel persönlich mit zwei seiner Gehilfen Einzug in Moskau. Als Prof. Woland mischt er die Beamten und die Gesellschaft gehörig durcheinander.

Aleksandar Petrovic hält sich in seiner Adaption sehr genau an Bulgakows Roman. So werden die wichtigen Szenen beinahe eins zu eins wiedergegeben. Dies betrifft nicht nur die Dramaturgie, sondern auch die Kulissen, die wie aus dem Roman entsprungen zu sein scheinen. Zwar gibt es hier und da ein paar Veränderungen (aus Nikolais Kellerwohnung wird eine Wohnung im ersten Stock, aus Margarita seine Assistentin), doch stören diese weiter nicht. Zuschauer, die den Roman jedoch nicht kennen, werden beim Anschauen des Films so ihre Schwierigkeiten haben. Manche der Szenen erschließen sich einem nur, wenn man Bulgakows Roman bereits gelesen hat. Diesen wird die Adaption wahrscheinlich eher wie eine reine Groteske vorkommen. Für genauere Erklärungen war in der Produktion anscheinend kein Platz, um den Film nicht länger als die gewohnten eineinhalb Stunden werden zu lassen. Dies macht sich besonders in der Liebesgeschichte zwischen Nikolai und Margarita bemerkbar, die durch ihre Skizzenhaftigkeit im Vergleich zum Roman an Spannung verliert. Petrovic macht dieses Manko aber durch wunderbare Zwischenaufnahmen wieder wett. Untermalt von der Musik Ennio Morricones ergibt sich dadurch ein teils surreales Kunstmärchen.

Insgesamt ist es erstaunlich, dass es Aleksandar Petrovic überhaupt gelungen ist, Bulgakows vielschichtiges Werk filmisch umzusetzen. Dass seine Verfilmung überhaupt funktioniert, dazu tragen vor allem die hervorragenden Schauspieler bei, allen voran Alain Cuny, der als Prof. Woland absolut überzeugend wirkt. Der DVD-Release wird dadurch zu einer netten Wiederentdeckung.

Der Meister und Margarita, Regie: Aleksandar Petrovic, Drehbuch: Barbara Alberti, Darsteller: Ugo Tognazzi, Mimsy Farmer, Alain Cuny, Italien/Jugoslawien 1972, Laufzeit: 95 Min