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Posts Tagged ‘Teufelsfilme’

„Incarnate“ von Regisseur Brad Payton wurde bereits 2013 gedreht, doch erst 2016 veröffentlicht. Anscheinend waren die Produzenten alles andere als zufrieden mit dem Film, doch nachdem Payton mit „San Andreas“ einen Kassenschlager abgeliefert hatte, wollte man dann wohl doch auf der Welle des Erfolgs aufspringen.

Normalerweise heißt es also nichts Gutes, wenn ein Film zurückgehalten wird. Doch bei „Incarnate“ wundert man sich, dass den Film dieses Schicksal ereilt hat. Denn der Exorzismus-Film ist pure Unterhaltung und ein Fest für alle Horror-Trash-Fans.

Dr. Seth Ember besitzt eine sonderbare Gabe: er kann in das Bewusstsein seiner Mitmenschen eintauchen. Diese Fähigkeit macht er sich zunutze, um dadurch Besessene von ihren dämonischen Plagegeistern zu befreien. Eines Tages erhält er den Auftrag, einen von einem Dämon heimgesuchten Jungen zu „behandeln“. Nach dem obligatorischen Zögern, nimmt er den Auftrag an. Doch schon bald bemerkt er, dass sein Gegner nicht nur böse, sondern auch ziemlich heimtückisch ist …

Brad Paytons Exorzismus-Variante ist durchaus originell, auch wenn der Film nicht gerade das Rad neu erfindet. Ihm gelingt es aber, was so vielen Teufelsfilmen neueren Datums nicht fertig bringen: eine durchweg spannende, Action reiche und witzige Handlung zu kreieren, die nur eines will: den Zuschauer unterhalten. Und dies schafft „Incarnate“ auf allen Ebenen.

Payton drückt bei der Handlung voll aufs Tempo, wobei er von Anfang an zeigt, dass er diese mit einem gewissen Augenzwinkern vorantreibt. So beginnt der Anfang beinahe in Form eines koreanischen Horrorfilms, nur um dann den Charakter einer Quasi-Comic-Verfilmung anzunehmen. Aber auch da bleibt Payton nicht stehen, sondern füllt seinen Film mit sämtlichen Aspekten des Teufelsfilms, sodass – fast wie nebenbei – „Incarnate“ wie ein Überblick über die Figurenkonstellationen und typischen Merkmale des Exorizismus-Genres wirkt.

Gewürzt ist dieses Unterhaltsungsknallbonon mit netten, fast schon klassisch anmutenden Schockeffekten. Aber auch die Handlung selbst ist durchaus interessant, wartet Payton doch mit gewitzten Wendungen auf. Die gelungene Optik rundet das Ganze vortrefflich ab. „Incarnate“ ist somit eine überaus positive Überraschung innerhalb des Horrorgenres, ein Film, der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt, dennoch spannend ist und vor allem richtig gut unterhält.

Incarnate. Regie: Brad Payton, Drehbuch: Ronnie Christensen, Produktion: Jason Blum, Darsteller: Aaron Eckhart, Carice van Houten, Catalina Santino, Moreno, David Mazouz. USA 2013/2016, 91 Min.

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meister und margarita„Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow gilt als einer der wichtigsten Romane der Moderne. In der Sowjetunion verboten, entwickelte sich die Mischung aus Schauerroman, Liebesgeschichte, Satire und Groteske zum Kultbuch der Hippiebewegung. Sogar die Rolling Stones kamen an dem Buch nicht vorbei und verarbeiteten die Geschichte in ihrem Song „Sympathy for the Devil“.

1972 verfilmte der bekannte Regisseur Aleksandar Petrovic Bulgakows Meisterwerk mit Ugo Tognazzi und Mimsy Farmer in den Hauptrollen. Es geht um den Schriftsteller Nikolai, dessen Theaterstück über Pontius Pilatus bei den verantwortlichen Beamten zu großer Aufregung führt, da darin brisante politische Themen angesprochen werden. Kurzerhand soll das Stück verboten werden. Nikolai aber lässt nicht locker und möchte das Stück dennoch durchbringen. Als Konsequenz seiner Bemühungen wird er ins Irrenhaus gesteckt. Zugleich aber hält der Teufel persönlich mit zwei seiner Gehilfen Einzug in Moskau. Als Prof. Woland mischt er die Beamten und die Gesellschaft gehörig durcheinander.

Aleksandar Petrovic hält sich in seiner Adaption sehr genau an Bulgakows Roman. So werden die wichtigen Szenen beinahe eins zu eins wiedergegeben. Dies betrifft nicht nur die Dramaturgie, sondern auch die Kulissen, die wie aus dem Roman entsprungen zu sein scheinen. Zwar gibt es hier und da ein paar Veränderungen (aus Nikolais Kellerwohnung wird eine Wohnung im ersten Stock, aus Margarita seine Assistentin), doch stören diese weiter nicht. Zuschauer, die den Roman jedoch nicht kennen, werden beim Anschauen des Films so ihre Schwierigkeiten haben. Manche der Szenen erschließen sich einem nur, wenn man Bulgakows Roman bereits gelesen hat. Diesen wird die Adaption wahrscheinlich eher wie eine reine Groteske vorkommen. Für genauere Erklärungen war in der Produktion anscheinend kein Platz, um den Film nicht länger als die gewohnten eineinhalb Stunden werden zu lassen. Dies macht sich besonders in der Liebesgeschichte zwischen Nikolai und Margarita bemerkbar, die durch ihre Skizzenhaftigkeit im Vergleich zum Roman an Spannung verliert. Petrovic macht dieses Manko aber durch wunderbare Zwischenaufnahmen wieder wett. Untermalt von der Musik Ennio Morricones ergibt sich dadurch ein teils surreales Kunstmärchen.

Insgesamt ist es erstaunlich, dass es Aleksandar Petrovic überhaupt gelungen ist, Bulgakows vielschichtiges Werk filmisch umzusetzen. Dass seine Verfilmung überhaupt funktioniert, dazu tragen vor allem die hervorragenden Schauspieler bei, allen voran Alain Cuny, der als Prof. Woland absolut überzeugend wirkt. Der DVD-Release wird dadurch zu einer netten Wiederentdeckung.

Der Meister und Margarita, Regie: Aleksandar Petrovic, Drehbuch: Barbara Alberti, Darsteller: Ugo Tognazzi, Mimsy Farmer, Alain Cuny, Italien/Jugoslawien 1972, Laufzeit: 95 Min

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