The 80s: Die Abenteuer des Baron Münchhausen (1988)

Terry Gilliams 11. Spielfim zählt heute zu den größten Flops der Filmgeschichte. Eigentlich hätte alles anders kommen können, doch geriet Gilliams Film mitten hinein in studiointerne Konflikte der Columbia Pictures, was dazu führte, dass von dem Film lediglich 117 Kopien in den USA in Umlauf gebracht wurden, was natürlich nicht gerade dazu beitrug, dass der Film die Kosten von über 40 Millionen Dollar wieder einfahren konnte.

Der neue Chef von Columbia wollte mit den Vereinbarungen, die sein Vorgänger getroffen hatte, nichts mehr zu tun haben. Auf diese Weise blieben Gilliam und der deutsche Produzent Thomas Schühly sich praktisch selbst überlassen. Das Resultat war das oben erwähnte finanzielle Desaster. Selbst die überaus positiven Kritiken konnten diesen Tatbestand nicht mehr umkehren.

In „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ geht es darum, dass Münchhausen zusammen mit seinen Freunden Bertold, Adolphus, Albrecht und Gustavus eine Stadt vor den Türken retten muss, die die Stadt belagern. Doch sind Münchhausens Freunde in alle Winde zerstreut. Zunächst muss er sein „Team“ wieder zusammensuchen, bevor er gegen die Belagerer etwas unternehmen kann, und erlebt dabei jede Menge skurriler Abenteuer.

Der Film basiert lose auf den Lügengeschichten des Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen (1720 – 1797), die vor allem von den deutschen Dichtern Rudolf Erich Raspe (1736 – 1794) und Gottfried August Bürger (1747 – 1794) in Buchform 1786 bzw. 1788 veröffentlicht wurden. Doch durch die Rahmenhandlung verbindet Gilliam die einzelnen Episoden zu einer einzigen Geschichte, die in optischer Hinsicht den Zuschauer regelrecht erschlägt.

„Baron Münchhausen“ ist, wenn man es auf den Punkt bringen möchte, ein riesengroßes Kunstwerk. Die gewaltigen, bis ins kleinste Detail gestalteten Kulissen bringen einen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dieses bildgewaltige Abenteuer ist fast schon zu viel für das Auge, und zum Glück kann man den Film immer wieder anhalten, um den detailverliebten Einfallsreichtum zu genießen.

Gut, anfangs braucht der Film ein wenig zu lange, bis er in die Gänge kommt, doch sobald es so richtig losgeht, kennt Terry Gilliam kein Halten mehr. Er wirft mit den Ideen nur so um sich, wobei er sich klarerweise an den Gemälden und Zeichnungen des 18. Jahrhunderts orientiert, und sorgt auf diese Weise dafür, dass „Baron Münchhausen“ keine Sekunde langweilig wird. Hier und da blitzt noch der typische Monthy Python-Humor auf, in der Höhle des Gottes Vulkan wird der Film zu einer bissigen Satire auf die Waffenlobby – doch immer steht die Kunst im Vordergrund.

Als Second Director fungierte übrigens Michele Soavi, der später mit seinen beiden Horrorfilmen „The Church“ (1989) und „DellAmore, DellaMorte“ (1994) zwei Klassiker des euoropäischen Horrorfilms schuf.

Terry Gilliam gehört zu den wirklich großen Filmautoren, den man in einem Atemzug mit Federico Fellini nennen kann. Und wer „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ tatsächlich noch nicht gesehen hat, sollte dies so schnell wie möglich nachholen.

Die Abenteuer des Baron Münchhausen. Regie: Terry Gilliam, Drehbuch: Terry Gilliam, Charles McKewon, Produktion: Thomas Schühly, Darsteller: John Neville, Eric Idle, Sarah Polley, Oliver Reed, Uma Thurman, Robin Williams, Jonathan Pryce. Engand/Deutschland 1988, 126 Min. 

 

6 Jahre FILM und BUCH: Die 6 größten Flops der Filmgeschichte

Und schon wieder gibt es etwas zu feiern: Unseren Blog gibt es nun schon seit sechs Jahren! Alles hat ja eigentlich mit unserem PDF-Magazin begonnen. Da wir damals keine Ahnung hatten, wo man dieses unterbringen könnte, sind wir schließlich auf die Idee eines eigenen Blogs gekommen, von dem man das kostenlose eMagazin herunterladen kann.

Aus einem Magazin wurden dann 11 und drei Sonderausgaben. Und auf dem Blog befinden sich inzwischen über 580 Beiträge. Wenn das kein Grund ist, mal wieder bei uns herumzustöbern. Und von den Amateuren, die sich das neue EU-Datenschutzgesetz ausgedacht haben, lassen wir uns sowieso nicht ins Bockshorn jagen – vor allem, da nicht einmal die Behörden wissen, was sie mit diesem Sch… anfangen sollen.

Doch genug geärgert: 6 Jahre FILM und BUCH bedeuten 6 Jahre Ruhm und Ehre – oder waren es nach der neuen deutschen Rechtschreibung Rum und Ähre? :D  – Jedenfalls haben wir hier für euch die sechs größten Flops der Filmgeschichte:

Platz 1: „Der 13. Krieger“ (1999) gilt bis heute als der größte Flop der Filmgeschichte. Die Adaption eines Romans von Michael Crichton wollte niemand sehen. Eigentlich schade, denn der Film ist ein netter Abenteuerfilm nach klassischem Muster. Schuld an der Misere war, dass das Testpublikum mit keiner Version des Films zufrieden war, weswegen „Der 13. Krieger“ mehrmals umgeschnitten wurde und sogar mehrere Szenen nachgedreht wurden. Letztendlich versuchte Crichton das Desaster noch abzuwenden, indem er selbst die Regie übernahm, doch auch das half nichts mehr.

Auf Platz 2 der Rangliste der größten Flops der Filmgeschichte befindet sich „47 Ronin“ (2013), die freie visuelle Umsetzung eines historischen Ereignisses – also nach dem 13. Krieger, schaffen es auch keine 47 weiteren Kämpfer. Der Film ist eigentlich ganz nett, doch die schlechten Kritiken und dazu noch das geringe Interesse an der Handlung machte den Produzenten einen Strich durch die Rechnung. Schade für Regisseur Carl Rinsch, der damit sein Debut ablieferte und mitten ins Fettnäpfchen trat. Nach diesem Desaster war für ihn Schluss mit lustig, und er bekam 2015 nur nur noch mehr Gelder für einen Kurzfilm.

Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ (1988) nehmen Platz 3 der größten Flops der Filmgeschichte ein. Eigentlich müsste man sagen, dass dies kaum verwunderlich ist, kreiert Terry Gilliam zwar stets interessante und originelle Filme, doch bringt er den Produzenten so gut wie nie Geld ein. So eben auch bei „Münchhausen“, der voller Effekte und Spielereien steckt, sich gegen Ende hin jedoch zu sehr in die Länge zieht. Dennoch waren die Kritiker von dem Film begeistert, nicht aber das Publikum, dass mit den Münchhausiaden nichts anfangen konnte. Ein weiterer Grund lag im Streit zwischen Gilliam und dem Produzenten David Puttnam, der dazu führte, dass „Münchhausen“ in den USA in nur wenigen Lichtspieltheatern gezeigt wurde.

Auf Platz 4 steht die Komödie „Pluto Nash – Im Kampf gegen die Mondmafia“ (2002), die jedoch niemand witzig fand. Die Produktion zog sich über zwei Jahre hin, da das Drehbuch x-mal um- und schließlich neu geschrieben wurde. Schon allein das verhieß nichts Gutes, und als dann noch die Kritiker den Film nicht nur unwitzig, sondern einfach nur dämlich fanden, war damit das Urteil über John Underwoods Film gesprochen. Nicht einmal Eddy Murphy-Fans können diesem Machwerk etwas abgewinnen. Letztendlich schaffte es „Pluto Nash“ dennoch zu einer gewissen Ehre: nämlich zu den 100 schlechtesten Filmen der Filmgeschichte zu zählen.

Auf Platz 5 befindet sich der Animationsfilm „Die Abenteuer von Rocky und Bullwinkle“ (2000), eigentlich kein reiner Animationsfilm, sondern mit sog. Live Action durchsetzt. Auch diesen Film, der auf einer in den USA bekannten TV-Serie basiert, fand niemand witzig oder interessant, was dazu führte, dass er gerade einmal die Hälfte seiner Produktionskosten einbrachte. In Deutschland kam der Film nicht einmal in die Kinos, sondern wurde gleich auf DVD veröffentlicht.

Und schließlich Platz 6: „Alamo“ (2004), ein Film, der sich mit der Schlacht um Fort Alamo befasst. Produziert wurde „Alamo“ von George Lucas‘ Mann für alle Fälle Ron Howard. Doch das Problem des Films war, dass er sich zwar sehr genau an die historischen Fakten hielt, es jedoch nicht schaffte, Spannung oder irgendeine Form von Dramatik zu erzeugen. Auf diese Weise fließt der Film träge dahin, an die Version mit John Wayne aus dem Jahr 1960 reicht „Alamo“ schon gar nicht heran. Auf diese Weise gelang es auch „Alamo“ nicht, die Produktionskosten zu tilgen. In Deutschland kam der Film ebenfalls nicht in die Kinos.

Und das waren sie, die sechs größten Flops der Filmgeschichte zum sechsjährigen Jubiläum von FILM und BUCH. :)

 

 

The Zero Theorem – Terry Gilliams Rückkehr in die Dystopie

zero theoremTerry Gilliam bleibt seinem Hang zum Skurrilen treu. Nach dem Beinahe-Fiasko um „Dr. Parnassus“, setzt Gilliam in „The Zero Theorem“ einmal mehr auf ein dystopisches Zukunftsszenario, das entfernt an seinen Film „Brazil“ erinnert.

Es geht um den Computerexperten Qohen Leth, der sehnsüchtig auf einen Anruf wartet, der ihm den Sinn des Lebens mitteilen soll. Aus diesem Grund möchte er nicht mehr in die Firma kommen, sondern von zuhause aus arbeiten. Dieser Wunsch wird ihm gewährt, allerdings unter der Bedingung, dass er versuchen soll, das Zero Theorem zu knacken.

Die neueste Produktion von Terry Gilliam erhielt erst grünes Licht, nachdem Christoph Waltz für die Rolle des psychisch labilen Qohen Leth engagiert werden konnte. Waltz’ Zusage erweist sich für den Film als echter Glücksfall. Die überaus schwierige Rolle stellt der österreichische Mime mit einer überragenden Kunst dar, welche zugleich verhindert, dass die düstere Grundstimmung der Geschichte als zu trostlos empfunden wird.

Terry Gilliam geht es um die Suche nach dem Sinn im Leben bzw. um den Verlust dieses Sinns in der Postmoderne. Um dies zu unterstreichen, zeichnet er eine zukünftige Gesellschaft, in der Oberflächlichkeit das Maß aller Dinge ist. Er betrachtet somit das menschliche Dasein aus dem Blickwinkel der völligen Sinnlosigkeit. Egal ob im Privatleben oder am Arbeitsplatz, alles erscheint chaotisch und im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos. Nicht zuletzt deswegen erhofft Qohen sehnlich den Anruf, der ihm diesen verloren gegangenen Sinn vermittelt. Trotz dieser Thematik verliert sich der Film in keinem philosophischen Ernst. Neben Waltz’ Schauspielkunst, ist es die typische Verspieltheit Gilliams, die sich in den Kulissen, Kostümen und den skurrilen Nebenfiguren offenbart und dem Thema dadurch einen ironischen Unterton verleiht. – Zum großen Glück entsagt sich Terry Gilliam in „The Zero Theorem“ mal wieder dem Mainstream. Es tut gut, zu wissen, dass es in der Zeit der Remakes und Seuqels/Prequels noch so etwas wie Filmkunst gibt. Und Terry Gilliam gehört ohne Abstriche zu den Großen dieser Kunst.

Titel: The Zero Theorem, Regie: Terry Gilliam, Drehbuch: Pat Rushin, Produktion: Nicolas Charlier, Dean Zanuck, Darsteller: Christoph Waltz, Melanie Thierry, David Thewlis, Matt Damon, Tilda Swinton, Peter Stormare, England/Rumänien/Frankreich 2013, Laufzeit: 107 Min.