Heimliche, unheimliche und offensichtliche Invasionen – Trash der 50er Teil 1

Die 1950er Jahre gelten innerhalb der USA schlechthin als das Jahrzehnt der Paranoia. Keine andere Nation fürchtete sich zu jener Zeit mehr vor einer kommunistischen Unterwanderung als die Vereinigten Staaten. Natürlich machte sich dies auch in den damaligen Filmproduktionen bemerkbar. Besonders zeigte sich dies in den sog. B-Pictures, SF- und Horrorfilmen, die mit sehr geringem Budget produziert wurden. In keinem anderen Genre wird die Angst vor einer sowjetischen Invasion so stark wie hier reflektiert. Der Kampf zwischen zwei Ideologien wurde auf eine symbolische Ebene gehoben. Als USA diente in den meisten Fällen eine Kleinstadt, als Sowjetunion außerirdische Invasoren. Natürlich gibt es hierbei auch Ausnahmen. Gelgentlich dient Chicago oder sogar Washington als Landeplatz Unbekannter Flugobjekte. Der Schlusssatz von The Thing lautet daher nicht ohne Grund: „Keep watching the skys!“

Neben den bekannten „Invasoren“ wie  dem Ding aus einer anderen Welt oder den angreifenden fliegenden Unterassen, welche Washington dem Erdboden gleich machen, gab es noch eine Menge an Filmen, welche im Schatten dieser Klassiker stehen.

Target Earth (1954)

So z.B. Target Earth (1954), in dem Chicago vollständig evakuiert wurde. Der Grund: eine Invasion von der Venus. Ein paar Einwohner sind bei der Evakuierung übergangen worden und irren nun durch eine menschenleere Stadt, stets in Gefahr, den außerirdischen Robotern in die Hände zu fallen. Der Film greift die Idee des „last man“ auf. Zudem beeinflusste er die englische Produktion „The Earth dies screaming“ (1965). Die Optik des Films wirkt noch immer recht originell, sodass manche Szenen genauso gut aus heutigen SF-Filmen stammen könnten. Auch musikalisch beeinflusste Target Earth spätere Produktionen. So gehört das militärische Trommeln zum Repertoire jedes späteren SF-Blockbusters.

The astounding She Monster (1957)

The astounding She Monster (1957) ist eine Low-Budget-Produktion, welche als eine Art Prototyp zu Species (1995) gelten kann. Zwar geht es nicht darum, den Fortpflanzungstrieb des Monsters zu befriedigen, doch die außerirdische Besucherin schleicht sich in bizarr-sinnlichen Bewegungen durch die Landschaft. Interessant hierbei ist, dass dieser Film ein Crossover zwischen Krimi, Thriller und SF darstellt. She Monster beginnt damit, dass eine Gruppe Gangster die Frau eines reichen Mannes entführt. Bei ihrer Flucht vor der Polizei gelangen sie zur Hüte eines Geologen, der kurz zuvor beobachtet hat, wie im Wald ein seltsames Objekt gelandet ist. Im Laufe der Handlung werden die Gangster von der außerirdischen Frau, welche sich in dem Objekt befunden hat, nach und nach dezimiert.

The Brain from Planet Arous (1957)

The Brain from Planet Arous (1957) ist nicht gerade das, was man als spektakulär bezeichnet, doch John Agar-Fans dürften diesen Film lieben. Es geht um ein außerirdisches Gehirn namens Gor, das die Erde in seine Gewalt bringen möchte. Zum Glück aber ist auch noch ein gutes Gehirn namens Vol auf der Erde gelandet, welches den Verbrecher zur Strecke bringen soll.  – Protagonist und Antagonist kommen aus einer fernen Zukunft oder einer anderen Galaxis zu uns, um ihren Konflikt weiter auszutragen. Ein Thema, das bis heute immer wieder aufgegriffen wird. Die bekanntesten „Wiederverwerter“ sind Terminator (1984) und Highlander (1986).

Invisible Invaders (1959)

Invisible Invaders (1959) – wieder mit John Agar – ist eine Art Vorläufer von Romeros Night of the living Dead (1969). Kürzlich Verstorbene werden von außeriridischen Baktieren befallen und wandeln von da an als Zombies durch die Gegend. Exakt dieselbe Grundidee findet sich in George R. Romeros Klassiker wieder. Zwischen beiden Filmen liegen ca. zehn Jahre. Hierbei zeigt sich einmal mehr, dass neue Ideen nicht „vom Himmel“ fallen, sondern sie Teil einer narrativen Entwicklung sind. Allerdings müssen beide Filme verschieden analysiert und bewertet werden, da sie innerhalb zweier unterschiedlicher soziokultureller Rahmenbedingungen entstanden sind.

The atomic Submarine (1959)

The Atomic Submarine (1959) bildet den Schluss unserer kurzen Darstellung. Der Film handelt von seltsamen Vorkommnissen im Nordpolarmeer. Schiffe und U-Boote verschwinden auf seltsame Weise und werden zerstört aufgefunden. Das Atom-U-Boot Tigershark wird bemannt und in Richtung Nordpol geschickt, wo die Mannschaft nach den Gründen für die mysteriösen Zwischenfälle suchen soll. Der Film ist, trotz seines geringen Budgets, recht gut in Szene gesetzt und hat so gut wie nichts von seiner Spannung verloren. Der Nordpol dient, wie auch in The Thing, nicht ohne Grund als Schauplatz, spielte die Arktis während des Kalten Krieges doch eine wichtige strategische Rolle. Bei der Rezeption dieses Films kommt man nicht um die Vermutung, dass Atomic Submarine bis zu einem gewissen Grad Filme wie Alien (1979) und Event Horizon (1998) beeinflusst haben könnte.