Blade of the Immortal (2017)

Takashi Miike, der Workaholic unter den Regisseuren, hat es also tatsächlich geschafft: 2017 drehte er seinen 100. Film. Mit „Blade of the Immortal“ legt er eine Manga-Adaption vor, die wahrscheinlich mit dem größten Body Count in die japanische Filmgeschichte eingehen wird.

Es geht um den unsterblichen  Schwertkämpfer Manji, der einem kleinen Mädchen zur Seite steht, um an ihrer Stelle den Mord an ihren Eltern zu rächen. Tatsächlich gibt es nicht mehr zu der Handlung zu sagen. Und das braucht es auch nicht, denn Miikes 100. Film ist ein furioses Action-Schwertkampf-Spektakel, in dem nur so die Körperteile durch die Luft fliegen und das Kunstblut in alle Ecken spritzt.

Takashi Miike, der in seinen Filmen nie zimperlich ist, befindet sich hier somit voll in seinem Element, beinahe scheint es so, als habe er sich damit selbst ein Geschenk machen wollen. Dabei erweist sich der japanische Regisseur einmal mehr als Meister der Optik, als ein Filmästhet, der weiter seinem Motto treu bleibt, dass er seine Filme so drehe wie er möchte, da sie sich sowieso niemand ansehe. Während andere Regisseure früher oder später in eine Routine verfallen, so erlebt man in Miikes Filmen stets aufs Neue eine nicht zu bremsende Kreativität, eine hundertprozentige Leidenschaft am Filmemachen.

So eben auch in „Blade of the Immortal“, der mit seinen über zwei Stunden vielleicht ein wenig kürzer hätte ausfallen können, der aber dennoch von Anfang an überzeugt. Auch wenn sich der Film auf eine fast pausenlose Aneinanderreihung von Schwertkämpfen orientiert, so kommt dabei keineswegs Langeweile auf, denn Miike setzt jedes Mal eins oben drauf und verbindet das Ganze zusätzlich noch mit einer angenehmen Portion Ironie und schwarzem Humor. Dies macht „Blade of the Immortal“ zu einem gelungenen 100. Film eines echten Ausnahmetalents.

Blade of the Immortal (OT: Mugen no junin). Regie: Takeshi Miike, Drehbuch: Tetsuya Oishi, Produktion: Misako Salka, Jeremy Thomas, Darsteller: Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sota Fukushi, Hayato Ichihara. Japan 2017, 140 Min.

Yakuza Apocalypse – Takashi Miikes Rückkehr zu seinen Anfängen

yakuzaapocalypseTakashi Miike zählt neben Sion Sono zu den derzeit kreativsten Regisseuren Japans. International wurde Miike durch seinen J-Horror-Beitrag „Audition“ (1999) bekannt. Seine Filme sind nie wirklich einem einzigen Genre zuzuordnen, sondern stets eine Mischung unterschiedlicher Stile.

Mit seiner neuesten Produktion kehrt Miike quasi zu seinen Anfängen zurück, als er einen Film nach dem anderen raus haute und dabei vor allem den Direct to Video-Markt bediente. In der Tat fühlt man sich bei „Yakuza Apocalypse“ ansatzweise an „Full Metal Yakuza“ (1997) erinnert, wobei sich Miike in seinem neuen Film wenig provokativ gibt, wie etwa in seinen früheren Werken, die gelegentlich in manchen Szenen ins Pornografische hinüber gleiten (wie etwa in der bizarren Satire „Vistor Q“ aus dem Jahr 2001). Nein, Miike verhält sich in seinem neuesten Streich relativ brav, präsentiert aber dennoch einen Film, der völlig plemplem ist und wie eine Achterbahnfahrt kurioser Ideen wirkt.

Es geht um einen Yakuza, der von einem anderen Yakuza gebissen wurde und sich daraufhin in einen Vampir verwandelt. Gejagt von einem Priester und dessen Begleiter, einem Kung Fu-Meister, sorgt dies auch bei den übrigen Yakuza-Clans für Aufregung. Schon bald ist die halbe Tokioter Unterwelt auf den Beinen, um gegen den Yakuza-Vampir anzutreten.

Bemerkenswert an Miikes neuem Film ist die Farbgebung, denn wenn man von einem Film behaupten kann, dass er regelrecht bunt ist, dann von diesem. Miike deckt so ziemlich das gesamte Farbspektrum ab, das von düster-schmutzig bis zu grell und bonbonfarben reicht. Hinzu kommt jede Menge Martial Arts-Action, die hier gekonnt in Szene gesetzt ist, und natürlich eine irrwitzige Story, die genauso sinnlos ist wie sie Spaß macht. Miike scheint sich hier an eines seiner früheren Zitate zu erinnern, als er einmal sagte, er drehe Filme so wie er möchte, da sie sich sowieso niemand anschauen würde. Genau dieser Satz trifft auf „Yakuza Apocalypse“ zu, denn Miike gibt sich mal wieder recht eigenwillig, die Produzenten haben ihm zum Glück freie Hand gelassen, und dennoch zeigt er, was für ein genialer Filmemacher er ist.

Gut, mit 120 Minuten ist die Trash-Granate etwas zu lang geraten (90 Minuten hätten dem Film eindeutig besser getan), doch wollte sich Miike anscheinend einmal wieder so richtig austoben, nachdem er sich ja eine zeitlang brav an die Vorgaben der jeweiligen Produzenten gehalten hatte. Wer also einmal wieder ein richtiges Trash-Feuerwerk sehen will, ist bei Miikes neuem Streifen gut aufgehoben.

Yakuza Apocalypse, Regie: Takashi Miike, Drehbuch: Yoshitaka Yamaguchi, Produktion: Yoshiori Chiba, Darsteller: Hayato Ichihara, Yayan Ruhian, Riko Narumi, Japan 2015, Laufzeit: 120 Min.

„Lesson of the Evil“ – Der japanische Regisseur Takashi Miike ist zurück

lesson of evilNeben Sion Sono, gehört Takashi Miike zu den bekanntesten Horror- und Thrillerregisseuren aus Japan. International bekannt wurde Miike durch den mehrfach ausgezeichneten Horrorfilm „Audition“ (1999), der – neben „Ring“ (1998) – das Genre J-Horror einläutete. Das Besondere an dem Regisseur ist, dass er sich nicht an bestimmte Stile festlegen lässt. Er beherrscht die vollendete Ästhetik (z.B. in „Audition“), ist sich aber auch nicht zu schade, billige Trashfilme zu kreieren (z.B. „Full Metal Yakuza“; 1997). Dann gibt es noch jede Menge Filme, die sich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen befinden, wie etwa die Satire „Vistor Q“ (2001). Zudem ist Takashi Miike das, was man schlichtweg als Workoholic bezeichnet. Pro Jahr bringt er es auf zwei bis drei Filme.

Mit „Lesson of the Evil“ kehrt Miike nun nach langen Jahren wieder zurück zum Horrorgenre. Es geht um den Lehrer Hasumi, der bei allen Schülern und Lehrern beliebt ist. Sein Unterricht ist legendär, der Schuldirektor hört auf seine Meinung. Was jedoch niemand weiß: Hasumi ist ein Psychopath. Wo er auftaucht, kommt es zu ungeklärten Todesfällen. Hasumi besitzt jedoch die Fähigkeit, die Morde als Unfälle oder Selbstmorde wirken zu lassen. Als eine Gruppe Schüler beginnt, ihm auf die Spur zu kommen, löst dies eine Katastrophe aus.

Miikes neuer Horrorfilm besteht aus drei Hauptkomponenten: Satire, Zitierfreude und knallhartem Thriller. Er macht sich lustig über das japanische Schulsystem und hinterfragt dabei den eigentlichen Sinn der Lehrmethoden, welche nicht wenige Schüler letztendlich in den Selbstmord treiben. Diese Satire würzt Miike mit diversen Thrillerelementen. Vom klassischen Hitchcock über Brian de Plama bis zu David Cronenberg finden sich zahlreiche Elemente, welche auf die Werke anderer Regisseure verweisen. Drittens macht Miike in der letzten Stunde Halt im 80er Jahre Horrorfilm, indem er die Geschichte herumreißt in eine Blutorgie der absolut radikalsten Art. Ist man als Zuschauer in der ersten Stunde angenehm überrascht über den fast schon charmanten schwarzen Humor und die satirischen Elemente, so bleibt einem in der zweiten Hälfte des Films im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache weg. Miike zeigt ein menschliches Monster im Blutrausch in einer (fast) noch nie da gewesenen Weise. Diese Orgie verbindet er mit den kranken Visionen und Halluzinationen Hasumis. Untermalt wird dies mit den Klängen von Frank Sinatras Version von „Jack the Knife“.

Nicht wenige Kritiker fühlten sich anscheinend speziell wegen der zweiten Hälfte geradezu abgestoßen von „Lesson of the Evil“. Nun, der Film verlangt Durchhaltevermögen. Als abstoßend würde ich ihn jedoch nicht bezeichnen. Gerade in dieser zweiten Hälfte beweist Miike erneut seine Stärke als Regisseur. Er schafft albtraumhafte Bilder, welche die absolute Gefühllosigkeit des Täters visualisieren. Kein Actiongeballer wie in US-Filmen, sondern hier wird reiner Schrecken kreiert. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Denn Miike zeigt in dieser Sequenz das Böse in Reinform – ohne schwarzen Humor, ohne Satire. Das macht „Lesson of the Evil“ zu einem guten Horrorfilm und hebt J-Horror auf eine neue Ebene.