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Posts Tagged ‘Superheldenfilme’

Japan hatte sich ab Beginn des neuen Jahrtausends vor allem auf den Export von Horrorfilmen verlegt. J-Horror war in aller Munde. Neben den Animes gehörte dieses Genre zu den wichtigsten Einnahmequellen der japanischen Filmindustrie. Dabei gerieten jedoch Produktionen aus anderen Genres eher ins Hintertreffen. Umso schöner war es daher, als es 2008 dann doch ein recht außergewöhnliches japanisches Fantasy-Action-Spektakel bis nach Deutschland geschafft hatte: „K-20 – Die Legende der Schwarzen Maske“.

Die Geschichte spielt in einer Alternativwelt, in welcher der Zweite Weltkrieg nie stattgefunden hat. Es ist das Jahr 1949. Die Gesellschaft ist gespalten in Arm und Reich. Ein mysteriöser Krimineller, der unter dem Namen „Das Phantom mit den 20 Masken“ bekannt ist, versucht, gegen die Regierung anzukämpfen. Eine Verwechslung führt dazu, dass der Zirkusakrobat Heikichi für K-20 gehalten und von der Militärpolizei verhaftet wird. Nach einer spektakulären Flucht, kennt Heikichi nur ein Ziel: er möchte sich an dem echten K-20 rächen. Dadurch wird er allerdings ungewollt zum Helden. Denn K-20 hat vor, Teslas Erfindung zur drahtlosen Energieübertragung für die Zerstörung der Welt zu verwenden. Heikichi muss dieses Vorhaben stoppen.

Wer ist nun eigentlich der Schurke? „K-20 – Die Legende der schwarzen Maske“ (2008); © Sunfilm Entertainment

Mit einer Dauer von über zwei Stunden wird „K-20“ keine Minute langweilig. Dafür sorgen nicht nur die wunderbaren Stadtkulissen und Spezialeffekte, sondern ebenso die durchaus interessante Handlung. Einmal mehr wird Japan als faschistischer Staat dargestellt („20th Century Boys“ lässt grüßen), Weltsprache ist Deutsch. Die Gesellschaft befindet sich noch immer im tiefsten Feudalismus, obwohl die Technik große Fortschritte macht. Und einmal mehr wird auf den Physiker Nikolas Tesla (1856-1943) Bezug genommen, dessen Namen seit dem Film „Prestige“ in der Phantastikwelt immer wieder gerne herangezogen wird.

Doch die Ideen passen zusammen und liefern einen wunderbaren Hintergrund für die Geschichte eines Mannes, der sich nach und nach zu einem Superhelden entwickelt. Überwiegend konzentriert sich dann auch Regisseurin Shimako Sato auf Action, Spezialeffekte und Witz, sodass der Film zu einem wahren Symbol für Kurzweiligkeit wird.

Einmal grimmig dreinschauen, bitte. „K-20 – Die Legende der schwarzen Maske“ (2008); © Sunfilm Entertainment

Shimako Sato beurteilte ihren Film selbst als bloße Unterhaltung im Sinne von „Indiana Jones“. Diese Anspielung fällt auf jeden Fall in der Musik auf, die sich stark an dem Erfolgsfilm orientiert. In der Ästhetik finden sich allerdings eher die Düsternis von „V wie Vendetta“ und die Dramaturgie von „Batman“ wieder. Sato verhindert es jedoch, diese Vorbilder zu kopieren, sondern entwickelt aus diesen beiden Stilen einen ganz eigenen, der einerseits typisch japanisch, andererseits auf klassische Weise westlich orientiert ist. Dadurch gelang ihr einer der wohl besten japanischen Actionfilme.

Titel: K-20 – Die Legende der Schwarzen Maske (OT: K-20 – Kaijin niju menso den), Regie u. Drehbuch: Shimako Sato, Produktion: Shuji Abe, Seiji Okuda, Darsteller: Takeshi Kaneshiro, Takako Matsu, Toru Nakamura, Kanata Honga, Yuki Imai. Japan 2008, 142 Min.

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Im Jahr 2008 brachten die Toho-Studios mit der Manga-Verfilmung „20th Century Boys“ den bisher teuersten japanischen Film in die Kinos. Die Investition aber hat sich anscheinend gelohnt, denn die Comic-Adaption wurde zugleich zu einem der erfolgreichsten japanischen Filme der letzten zehn Jahre.

Die Geschichte ist wie folgt: 1969 gründet Kenji zusammen mit seinen Freunden eine Jugendbande. In einem geheimen Lager gehen sie ihrer Comicbegeisterung nach. Sie beschließen, ein eigenes Comic zu zeichnen, in dem sie als Helden die Welt vor einer gigantischen Bedrohung retten. Das Buch nennen sie „Buch der Prophezeiungen“. Dreißig Jahre später kommt es zu einer sonderbaren Situation. Denn auf einmal treten genau die Ereignisse und Zwischenfälle auf, die sie in ihrem Comic skizziert haben. Ein mysteriöser Kult breitet sich schnell in Japan aus. Der Name des Anführers lautet einfach nur „Freund“. Seltsamerweise verwendet der Kult dieselben Symbole, die auch die Jugendbande verwendet hat. Kenji führt daher seine Freunde von damals wieder zusammen, um gegen diesen ominösen Kult anzutreten.

Der Roboter greift Tokio an; „20th Century Boys“ (2008); Copyright: Toho

Obwohl sich die Gruppe selbst als „20th Century Boys“ bezeichnet, ist jeder Einzelne von ihnen alles andere als heldenhaft. Aus den Kindern von damals sind Durchschnittsmenschen geworden, die völlig normalen Berufen nachgehen. Nur langsam erinnern sie sich an ihre Kindheit und daran, was sie damals unternommen haben. Als es offensichtlich wird, dass jemand die Ideen ihres geheimen Comics von damals verwendet und sogar ihr Geheimsymbol benutzt, schließt sie das erneut zu einer Gruppe zusammen, da sie glauben, dass nur sie die Bedrohung beseitigen können. Zugleich zeigt der Film, wie machtlos sie gegenüber dieser plötzlichen globalen Bedrohung sind. Terroranschläge werden verübt, künstliche Viren als biologische Waffen eingesetzt und schließlich kreuzt sogar ein Riesenroboter auf, der Tokio vernichten will.

Regisseur Yukihiko Tsutsumi erzählt diese Geschichte über Freundschaft sehr feinfühlig, zugleich aber auch mit einiger Ironie und etwas Humor. Gleichzeitig verarbeitet er darin Ängste gegenüber religiösem Fundamentalismus und einer Zunahme faschistischer Gruppierungen, die dem Film zusätzlich eine aktuelle Thematik verleihen. Alles zusammen verwebt Tsutsumi in eine Rahmenhandlung, in der sich in einem zum Faschismus zurückgekehrten Japan zwei Gefangene unterhalten. Dadurch erhält der Film zuweilen einen recht düsteren und pessimistischen Unterton. „20th Century Boys“ ist sozusagen ein etwas anderer Superheldenfilm.

Die einzig maskierte Figur ist „Der Freund“, der erst Japan und anschließend die übrige Welt unter seine Herrschaft bringen will. Dabei kreist die Geschichte stets um das Geheimnis der Identität dieser Figur. Ist es ein früherer Freund der Gruppe oder einfach irgendeine Person, die dahinter steckt? Auch wenn die Action in diesem Film eher knapp bemessen ist, so wird der Film mit seinen über zwei Stunden Spieldauer nie langweilig. Tsutsumi kreiert gekonnt eine zunehmende Spannung, die ihren Höhepunkt in dem Angriff des Roboters erreicht. „20th Century Boys“ macht dies zu einem sehr interessanten Beitrag zur Superhelden-Manie.

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thesilencedSommer. Für Südkoreas Filmindustrie bedeutet dies, dass nun wieder die Horrorfilmsaison beginnt. Den Anfang machte im Juni die Produktion „The Silenced“. Der Film spielt im Jahr 1938, während der japanischen Besetzung Koreas. Die Schülerin Joo-Ran kommt in ein abgelegenes Internat, in dem gebrechliche und kranke Mädchen gesund gepflegt werden, um sie später nach Tokyo zu bringen. Aus unerklärlichen Gründen verschwinden immer wieder Mädchen spurlos. Joo-Ran versucht zusammen mit ihrer Freundin, das Geheimnis des Internats zu lösen.

Der Titel der Rezension verrät es bereits. Am Anfang des Films hofft man, dass K-Horror endlich zu seinen alten Stärken zurückgekehrt ist. Doch ab der zweiten Hälfte des Films wird diese Hoffnung langsam, aber kontinuierlich wieder abgebaut.

Der Film beginnt hervorragend. Die Kamera nähert sich dem mitten im Wald liegenden Internat, parallel dazu fährt ein Auto eine gewundene Straße entlang. Überragend sind hierbei die satten Farben und die unheimliche Atmosphäre im klassischen Stil. Tatsächlich wirkt „The Silenced“ über weite Strecken ungewöhnlich europäisch. Die sorgfältige, teils elegante Kameraführung lässt auf einen angenehmen Grusel schließen. Die Szenen werden von einer Musik untermalt, die ansatzweise an Philip Glass erinnert. Kurz, es könnte sich um einen Topfilm handeln.

Als Zuschauer wird man in den kommenden Minuten auch nicht enttäuscht. Die ungewöhnliche und rätselhafte Atmosphäre, die in dem Internat herrscht, wird durch ein gelungenes Spiel aus Licht und Schatten sowie düsteren Farben unterstrichen. Regisseur Lee Hae-Young, der zuvor nur durch Durchschnittskomödien aufgefallen ist, lässt es sich nicht nehmen, sein Werk mit Zitaten aus der Hochzeit des K-Horror zu schmücken. All dies macht den Film durchweg interessant und unterhaltsam. Die Ästhetik, die sich teils an „A Tale of two Sisters“ orientiert, scheint deutlich zu machen, dass Koreas Filmemacher wissen, was sie in den vergangenen Jahren falsch gemacht haben. Sprich, Lee Hae-Young möchte dort neu beginnen, wo die Blüte des K-Horror verwelkt ist. Und es gelingt ihm.

thesilenced1Doch als Zuschauer hat man mal wieder die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Es wäre zu schön gewesen, wenn es sich tatsächlich um einen erstklassigen Horrorstreifen gehandelt hätte. Denn ab der Hälfte wechselt Lee abrupt das Fach. Die geniale Horrorästhetik dient nur noch als Rahmen für eine völlig andere Geschichte. Man findet sich auf einmal in einer Art Superheldenfilm a la „Unbreakable“ wieder. Die Kunst, die Lee Hae-Young hierbei vollführt, hängt damit zusammen, dass er tatsächlich die durchweg elegante Optik am Leben erhält. Die Geschichte selbst aber offenbart dadurch mehrere Logikfehler oder besser, Lee hatte anscheinend keine Lust, die unheimlichen Zwischenfälle im Finale zu erklären. Dann hätte es durchaus eine gewisse Abrundung gegeben. So aber hat man in der einen Hälfte einen gut gemachten Gruselfilm, in der zweiten ein SF-Comic-Drama, das Horrorfans enttäuscht. Die Reaktionen der Zuschauer in Korea (der Film schaffte es auf Anhieb auf Platz drei der Kinocharts) zeigt, dass der Handlungswechsel durchaus überrascht hat. Das hat er, aber leider nicht im positiven Sinne.

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