Horror de Luxe: House on Haunted Hill (1999)

Gleich passiert was! („House on Haunted Hill“ (1999); © Warner Bros.)

Mitte der 90er Jahre kam es zu einem erneuten Aufschwung des Horrorgenres, nachdem sich dieses Ende der 80er Jahre mit Ach und Krach verabschiedet hatte. Wes Cravens „Scream“ gilt hierbei als Startpunkt der neuen Welle, die bis heute anhält, wobei man heutzutage durchaus von einer neuen neuen Horrorwelle sprechen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem sich durch „Scream“ der Slasher-Movie wieder etabliert hatte, kam es Ende der 90er Jahre zu einer Vielzahl an Geisterhausfilmen, die sich an klassischen Motiven orientierten, diese aber mit neuen Effekten verbanden. Wen wundert es da, dass zwei davon Remakes von Horrorklassikern waren.

„Das Geisterschloss“ (1999; im Original „The Haunting“) ist ein Remake des Klassikers „Bis das Blut gefriert“ (1963; im Original ebenfalls „The Haunting“). Beides sind zugleich Adaptionen von Shirley Jacksons großartigen Roman „Spuk von Hill House“. Als zweites haben wir da „House on Haunted Hill“ (1999), bei dem es sich um das Remake des gleichnamigen William Castle-Films aus dem Jahr 1959 handelt – Castles Tochter Terry Castle produzierte das Remake mit.

Um es kurz zu machen: Das Remake besitzt zwar keineswegs den Charme des Originals, kann aber als selbständiger Film durchaus punkten. Zum einen zeigt Regisseur William Malone, wie gelungen man eine Story aus den 50er Jahren in die Gegenwart übertragen kann, zum anderen liefert er – ähnlich wie William Castle – eine rasante Achterbahnfahrt ab – nicht umsonst erweist sich die Achterbahn am Anfang des Films als ein Symbol für die restliche Handlung.

In der Tat rast die Story mit einem ungeheuren Tempo voran, was natürlich dazu führt, dass die einzelnen Figuren eher blass erscheinen. Hier nochmals zur Erinnerung: In „House on Haunted Hill“ geht es um Gäste, die in ein bizarres Haus eingeladen werden, um an einer Geburtstagsparty teilzunehmen. Doch nach und nach geschehen dort unheimliche Dinge und ein Gast nach dem anderen wird Opfer eines unbekannten Täters. Alle nehmen an, dass der Täter niemand anderer als Steve Price ist, der seine Frau umbringen möchte. Anscheinend aber besitzt das Haus ein rätselhaftes Eigenleben.

Schön bei dem Remake ist, dass der Film das Jugendstildesign des Gebäudes vom Original übernimmt. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass das Haus in der William Castle-Version eine Villa ist, während es sich bei dem Gebäude im Remake um eine Art Hochhaus handelt, in der früher einmal eine Klinik für Geisteskranke untergebracht war.

Witzig ist, dass Geoffrey Rush, der Steve Price spielt, sein Aussehen dem des Regisseurs John Waters nachempfinden wollte. Daher waren er und die Crew überrascht, als es überall hieß, er sehe in dem Film wie Vincent Price aus. In der Tat muss man bei manchen Szenen zweimal hinschauen, denn die Ähnlichkeit zwischen Rush und Price ist in dem Film gelegentlich wirklich enorm.

Auf alle Fälle scheinen alle Beteiligten viel Spaß beim Dreh gehabt zu haben, was auch im fertigen Film schön rüberkommt. Die schnelle Handlung und die witzigen Dialoge liefern eine schwarzhumorige Unterhaltung, bei der neben Geoffrey Rush Famke Jansen als seine Ehefrau auftritt. Zusammen mit den Gästen, wirkt dies wie eine Horrorversion von Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“, was vielleicht so gewollt ist, auf jeden Fall aber sehr schön funktioniert.

In ein paar Einstellungen ist auch Jeoffrey Combs als wahnsinniger Psychiater zu sehen. Leider kommt seine Rolle nicht wirklich zur Geltung, sondern geht mehr oder weniger im Trubel des gesamten Films unter. Trotz der eher schlechten Kritiken von damals, ist „House on Haunted Hill“ ein wirklich nettes und witziges Horrorfilmchen, das zwar kein bisschen gruselig ist, davor aber wirklich Spaß macht.

House on Haunted Hill. Regie: William Malone, Drehbuch: Dick Beebe, Produktion: Robert Zemeckis, Joel Silver, Darsteller: Geoffrey Rush, Famke Jansen, Taye Diggs, Ali Larter, Bridgette Wilson, Peter Gallagher, Chris Kattah. USA 1999, 89 Min.

 

Horror de Luxe: Das Landhaus der toten Seelen (1976)

Der unheimliche Chauffeur (Anthony James) in „Burnt Offerings“; © NSM

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der toten Seelen“ ist hierzulande kaum bekannt. Ganz anders in den USA, wo Dan Curtis‘ Film als Klassiker des Genres bezeichnet wird.

Die Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Marasco handelt von dem Ehepaar Ben und Marian Rolf, die zusammen mit ihrem Sohn David und Tante Elizabeth den Sommer in einem abgelegenen Landhaus verbringen wollen. Die Miete für das Haus ist überraschend günstig. Die einzige Bedingung, die die Geschwister Allardyce, denen das Haus gehört, machen, lautet, dass sich die Rolfs um ihre alte Mutter kümmern müssen, die unter dem Dach eine eigene Wohnung hat.

Alles läuft hervorragend. Doch nach und nach geschehen sonderbare Dinge. Noch seltsamer ist, dass sich Mrs. Allardyce nicht zeigt und auch keinen Mucks von sich gibt. Als Ben beginnt, unter Wahnvorstellungen zu leiden, gerät die Lage mehr und mehr außer Kontrolle …

Um genau zu sein, stellt sich das Grauen, das in dem Haus herrscht, eher zwischen den Zeilen dar. Ein Grund, weswegen das Ehepaar Rolf quasi eine Paraderolle für Karen Black und Oliver Reed war. Denn hier zeigen beide ihr ganzes Können, indem sie Figuren darstellen, die nach und nach ihren Verstand verlieren. Dies geschieht langsam, beinahe unmerklich. Die Konflikte zwischen Ben und Marian nehmen zu, es scheint sich um ein Ehedrama zu handeln, doch die Ursache für die sich steigernde Wut der beiden aufeinander, hat ganz andere Ursachen.

Deutsches Kinoplakat von „Burnt Offerings“

Bette Davis als Tante Elizabeth wirkt dagegen eher blass und fast schon überflüssig. Wahrscheinlich hoffte Dan Curtiz, dadurch mehr Aufmerksamkeit erregen zu können, der Film selbst hätte jedoch auch ohne die Hollywood-Diva funktioniert. Vielleicht hätte er sogar besser funktioniert, da sich dann der Fokus ganz auf den Konflikt des Ehepaars konzentriert hätte.

Obwohl Filmkritiker mit „Burnt Offerings“ nicht viel anfangen konnten, entwickelte sich der Film nach und nach zu einem Klassiker des Geisterhausfilms. Besonders die Figur des unheimlichen Chauffeurs, dem Ben in seinen Wahnvorstellungen begegnet, entwickelte sich zu einer Art Kultfigur. Wie bereits erwähnt, nicht in Deutschland, wo der Film mehr oder weniger in Vergessenheit geriet.

Gedreht wurde der Film übrigens im und um Dunsmuir House, einem neoklassizistischem Gebäude, das immer wieder als Drehort benutzt wird, so etwa 1979 für den Horrorfilm „Phantasm“ oder 1985 für den James Bond-Streifen „Im Angesicht des Todes“.

Landhaus der toten Seelen (OT: Burnt Offerings), Regie u. Produktion: Dan Curtiz, Drehbuch: Dan Curtiz, William F. Nolan, Darsteller: Karen Black, Oliver Reed, Bette Davis, Lee Montgomery, Burgess Meredith. USA 1976,