Horror de Luxe: Ghost Ship (2002)

„Ghost Ship“ (2002); Copyright: Warner Bros.

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön … Jedenfalls so lange, bis man auf ein unheimliches Geisterschiff stößt. Dies geschieht in dem Film „Ghost Ship“ aus dem Jahr 2002, von dem niemand so richtig weiß, ob es sich jetzt um das Remake von „Death Ship“ (1980) handelt oder nicht. Sicher ist nur, dass der Film eine weitere Produktion aus dem Hause Dark Castle ist, die versuchte, durch eine Reihe Remakes des berühmten Horrorregisseurs William Castle zu gedenken.

Regie führte Steve Beck, eigentlich ein Werbefilmer, der ein Jahr davor auch die Regie zu „13 Ghosts“ (2001) inne hatte – und dafür bereits schlechte Kritiken erhielt. Die Produzenten jedoch hielt dies nicht davon ab, ihn für ein weiteres Projekt zu engagieren, das, man höre und staune, ebenfalls schlechte Kritiken erhielt.

Aber, so schlecht ist „Ghost Ship“ eigentlich nicht. Zwar ist der Film kein bisschen gruselig, dafür aber ist er von Anfang bis Ende durchwegs unterhaltsam. Hinzu kommt eine recht gute Optik und eine schöne Mischung aus echten und CGI-Kulissen. Es geht um die Crew der Arctic Warrior, die von einem Fremden den Hinweis bekommt, dass mitten auf dem Meer ein verlassener Luxusliner treibt. Captain Murphy und sein Bergungstrupp hoffen auf einen großen Schatz. Doch als sie sich an Bord befinden, gerät ihr Aufenthalt zum Albtraum …

Um noch die Altersfreigabe „ab 16“ zu erhalten, verzichteten die Macher von „Ghost Ship“ auf allzu viel Blut. Fast im klassischen Sinn arbeitet der Film mehr mit Andeutungen als mit Splatter- oder Make-up-Effekten. Dies macht sich besonders am Anfang bemerkbar, als das berühmtberüchtigte Drahtseil durch die Passagiere fährt. Und eigentlich ist diese Hinwendung zur Andeutung auch das Besondere an „Ghost Ship“. Man versuchte, klassische Elemente mit modernen Aspekten des Horrorfilms zu verbinden, was durchaus gelang, wenn auch, wie bereits erwähnt, alles rein gar nicht gruselig vonstatten geht.

Weitaus besser als „13 Ghosts“ (das Remake des gleichnamigen Films aus den 50er Jahren), fällt der Film trotzdem weit hinter „House on Haunted Hill“ (1999) zurück. Spaß macht „Ghost Ship“ dennoch. Denn die kurzweilige Handlung tröstet angenehm über den fehlenden Gruselfaktor hinweg.

Ghost Ship. Regie: Steve Beck, Drehbuch: Mark Hanlon, John Pogue, Produktion: Joel Silver, Robert Zemeckis, Darsteller: Gabriel Byrne, Julianna Margulies, Ron Elgard, Karl Urban, Isaiah Washington. USA 2002, 87 Min.

 

The Nun oder Nicht das, was es sein könnte

Ja, da hat mal wieder ein weiteres „Conjuring“-Spin Off zugeschlagen. Dieses Mal geht es nach Rumänien in ein verlassenes Kloster. Es ist Anfang der 50er Jahre – und aus dem Radio (mitten im damaligen Ostblock) trällert amerikanische Musik. Jawoll, sagen wir da nur und der restliche Film ist eigentlich genau das, was wir uns gedacht haben: alles, außer originell.

Die Fließbandproduzenten haben gezeigt, was herauskommt, wenn man am fließenden Band produziert. „The Nun“ hätte durchaus das Zeug dazu gehabt, ein netter Gruselfilm zu werden, doch reicht die Handlung nicht einmal dazu, um damit eine Briefmarke zu füllen. Es geht um eine Geisternonne, die in einem alten Kloster ihr Unwesen treibt. Ein Exorzist, eine Nonne und ein Kanadier namens Frenchie (wie lustig) machen sich auf den Weg, um der Nonne zu zeigen wo der Ausgang ist.

Selten hat man sich bei einem Gruselfilm so gelangweilt. Immer geschieht genau das, was man erwartet. Es bleibt kein Platz für Überraschungen – wie denn auch, wenn man uninspiriert einen Film herstellt? Ja, man hat fast schon Mitleid mit Regisseur Corin Hardy, der mit „The Nun“ seinen zweiten Spielfilm vorweist. Denn wenn Hardy eines kann, dann düstere, atmosphärische Bilder kreieren, was er ja schon in „The Hallow“ unter Beweis gestellt hat. Hier bei „The Nun“ durfte er nicht ganz so wie er wollte.

Denn trotz unseres Gezeteres besitzt „The Nun“ eine wirklich gute Optik, die eben auf Hardys Handwerk verweist. All das wird jedoch durch die bereits erwähnte flache Handlung und die noch flacheren Charaktere zunichte gemacht. Mit Tiefgang hätte etwas draus werden können. So aber ist eben nichts draus geworden.

Übrigens: „The Nun“ ist kein Remake des gleichnamigen spanischen Horrorfilms aus dem Jahr 2005. Dort hieß die Geisternonne noch dazu Schwester Ursula und war ein Grund von vielen, weswegen Brian Yuznas Produktionfirma Fantastic Factory pleite ging.

The Nun. Regie: Corin Hardy, Drehbuch: Gary Dauberman, Produktion: Peter Safran, James Wan, Darsteller: Demian Bichir, Taissa Farmiga, Jonas Bloquet. USA 2018, 96 Min.

 

Horror de Luxe: Apartment 1303 (2007)

Mariko (Noriko Nakagoshi) hat einen unliebsamen Mitbewohner (Apartment 1303; © MonteCristo International)

Wie wurde nicht über diesen Film hergezogen. Dass er amateurhaft sei, dass die Schauspieler schlecht seien und so weiter und so fort. Dementsprechend skeptisch ging ich an „Apartment 1303“ heran – und war überrascht, was für ein hervorragender Film dies doch ist.

„Apartment 1303“ stammt aus der Endphase von J-Horror, sprich aus dem Jahr 2007. Natürlich existiert J-Horror weiterhin, doch ist die Glanzzeit dieses Genres, das 1998 mit „Ring“ begann, vorbei – ab 2007 dümpelte J-Horror dann auch eher vor sich hin, anstatt weitere Meisterwerke zu liefern. Wie man es sich bei dem Titel denken kann, geht es um eine unheimliche Wohnung in einem Bau namens Blue Palace. Immer wieder haben dort junge Frauen Selbstmord begangen. Als auch Marikos Schwester sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen hat, versucht sie, hinter das Geheimnis der Wohnung zu kommen.

Originalolakat von „Aparment 1303“

Der Film fasziniert von Anfang an durch seine unglaublich gute Optik. Regisseur Ataru Oikawa hat bereits in „Tomie“ (1999) gezeigt, dass ihm in Sachen Bildkomposition nicht jeder die Hand reichen kann, und genau diese Kunstfertigkeit setzt er in „Apartment 1303“ fort. Elegante Kamerafahrten, sorgfältige Einstellungen, eine wundervolle Farbgebung und nicht zuletzt ein erstklassiger Sound sorgen dafür, dass einen der Film vollkommen in seinen Bann schlägt.

Dabei kommt die Handlung unglaublich düster daher. Die Hintergrundgeschichte besitzt einerseits eine tiefe Tragik, andererseits nimmt sie Aspekte urbaner Legenden für sich in Anspruch. Die Kombination aus beidem macht die Geschichte überaus interessant. Besonders deshalb, da es Oikawa in „Apartment 1303“ um eine vehemente Gesellschaftskritik geht. Er zeigt zerstörte Familien, alkoholkranke Mütter, Misshandlung von Kindern. Alles in allem also harter Tobak, besonders für eine Gesellschaft, in der letzt genannter Punkt immer wieder unter den Teppich gekehrt wird.

Mariko (Noriko Nakagoshi) vor dem Blue Palace; (Apartment 1303; © MonteCristo Inernational)

Aus all dem schafft Oikawa ein kleines optisches Meisterwerk, in dem er auch eine leise, aber witzige Liebesgeschichte miteinwebt. Gut, bei einer Szene, in der Studenten von einer Geisterfrau heimgesucht werden, kratzt Oikawa etwas arg am Trash. Doch stört dieses kleine Zwischenspiel kaum. Anscheinend war den Produzenten der Film zu ruhig, sodass sie Oikawa drängten, ein bisschen mehr Hektik in das Ganze zu bringen.

Nein, die negativen Kritiken kann ich kein bisschen nachvollziehen. „Apartment 1303“ ist ein schöner Geisterfilm, der am Ende sogar klassische Züge annimmt, was einem noch mehr für diesen Film einnimmt. Wer sich diesen Film ansehen möchte, sollte dies übrigens im japanischen Original tun, da die deutsche Synchro den Schauspielern nicht wirklich gerecht wird. – Eine kleine, aber feine Perle des japanischen Horrorfilms.

2012 drehte übrigens Michael Taverna das gleichnamige Remake, landete damit aber nicht nur einen Flop, sondern wurde von negativen Kritiken nur so überhäuft.

Aparment 1303. Regie u. Drehbuch: Ataru Oikawa, Produktion: Chiaki Harada, Darsteller: Eriko Hatsune, Yuka Itaya, Noriko Nakagoshi, Naoko Otani, Arata Furuta. Japan 2007, 91 Min.

Die Klunkerecke: The Disappeared (2008)

Englands Sozialdramen sind bekannt für die Darstellung düsterer und ausweglos erscheinender Lebenssituationen meist arbeitsloser Menschen. Der junge Regisseur Johnny Kevorkian benutzt die daraus resultierende Beklemmung und die damit verbundene Sozialkritik, um beide mit den Aspekten eines Horrorfilms zu verbinden. Das Ergebnis ist mehr als nur gut.

Es geht um den Jugendlichen Matt, der sich seit dem spurlosen Verschwinden seines kleinen Bruders mit Schuldgefühlen plagt. Zusammen mit seinem Vater lebt er in einer tristen Londoner Arbeitersiedlung. Eines Tages vernimmt er auf einmal auf einem Videoband die Stimme seines Bruders. Kurz darauf wird er von unheimlichen Visionen heimgesucht. Während ihm sein Vater nichts davon glaubt, ist es allein seine Nachbarin Amy, die versucht, ihm zu helfen. Dabei findet Matt heraus, dass in der Gegend bereits mehrere Kinder als vermisst gemeldet wurden. Trotz des zunehmenden Konflikts mit seinem Vater, lässt Matt von seiner Suche nicht ab …

Matt erzählt Amy von seinen Visonen; „The Disappeared“ (2008); Copyright: Sunfilm Entertainment

Johnny Kevorkian gelingt es, die düstere, kalte Architektur der Wohngebäude, die kahlen, dunklen Wohnungen sowie die triste Umgebung einzubeziehen in eine unheimliche Geschichte, die aufgrund dessen eine Atmosphäre der Beklemmung entwickelt, wie sie in nur wenigen neueren Horrorfilmen zu finden ist. Die Gegend, die gekennzeichnet ist von Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit, erweist sich schließlich als ein Ort, in dem das Unheimliche und das Grauen Platz gefunden haben.

Den gesamten Film über dominiert ein gefühlloses Grau, das nicht nur das soziale Drama widerspiegelt, sondern auch die Seelenzustände der Protagonisten. Die kaputten Familienverhältnisse intensivieren sich noch dadurch, da ein Mitglied auf unerklärliche Weise verschwunden ist.

Das Unheimliche wirkt hierbei keineswegs wie aufgesetzt, sondern ist von Kevorkian ästhetisch einwandfrei in die Situation eingebunden. So gibt es im Grunde genommen kaum Schnittstellen zwischen Phantastik und Realität, dafür um so mehr Überraschungen, die erzähltechnisch sehr gelungen sind, da sie eigentlich klassisch sind. Somit wird „The Disappeared“ zu einem handwerklich äußerst geschickten Gruselfilm.

The Disappeared, Regie u. Produktion: Johnny Kevorkian, Drehbuch: Johnny Kervorkian, Neil Murphy, Darsteller: Harry Treadaway, Greg Wise, Alex Jennings, Tom Felton, Finley Robertson, Nikki Amuka-Bird, Ros Leeming, Benedict Martin. England 2008, 96 Min.

The Quiet Ones – Klassischer Grusel, aber mehr nicht

the quiet onesSeit 2007 versucht man, die Hammer Studios zu reanimieren. Bisher kamen ein paar interessante Produktionen heraus, von denen „Die Frau in Schwarz“ die bisher erfolgreichste ist. Mit „The Quiet Ones“ versucht Regisseur John Pogue, die Hammer-Ära der 70er Jahre wieder aufleben zu lassen.

Es geht um den Psychologieprofessor Joseph Coupland, der beweisen möchte, dass es das Übersinnliche nicht gibt. Um seine Theorie zu untermauern, hat er sich einer jungen Frau angenommen, die angeblich von einem bösen Geist besessen ist. Das Experiment wird an der Universität nicht gut geheißen. Kurzerhand beschließt Coupland, das Vorhaben in einem abgelegenen Haus weiterzuführen. Ihm zur Seite stehen seine beiden Mitarbeiter und ein Kameramann. Das Experiment gerät jedoch außer Kontrolle…

„The Quiet Ones“ könnte man als eine Art Hommage an die Okkult-Thriller der 70er Jahre bezeichnen. In der Tat basiert das Drehbuch auf einem Fall, der sich Mitte der 70er Jahre in Toronto zugetragen haben soll. Pogue verlegte die Handlung nach England. Der Film beginnt mitten im Geschehen. Dem Zuschauer bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den einzelnen Situationen zu folgen, die jedoch recht schnell ein klares Bild abliefern. Während der Handlung wandelt Pogue stets zwischen bloßen Andeutungen paranormaler Phänomene und eindeutigen Ereignissen. Am Anfang macht dies noch Spaß. Die Geräusche sind hervorragend und die Schockeffekte, die zum großen Teil rein akustisch inszeniert sind, haben es in sich. Ab der Hälfte des Films aber fällt Pogue nichts mehr Großartiges ein, um seine Zuschauer zu erschrecken. Die unvermeidliche Folge: die Situationen wiederholen sich und werden eher langweilig als unterhaltsam.

Dennoch ist es falsch, zu behaupten, der Film sei schlecht. Die Optik ist gut und orientiert sich – wie oben bereit erwähnt – an den Produktionen der 70er Jahre. Dies betrifft auch die Farbgebung des Films. Doch Pogue gelingt es nie, richtigen Grusel zu erzeugen. Dafür wirkt dann doch alles etwas zu flach. Die Idee, einen altmodischen Gruselfilm zu drehen, ist durchaus sympathisch. Die Umsetzung dagegen nicht wirklich gelungen.