Korea goes Hollywood – Südkoreas Filmindustrie beweist ihr Können nun auch international

Seit 2013 tut sich etwas im Hollywood- und dem europäischen Kino. Für Mainstream-Seher scheinen koreanische Regisseure und Schauspieler quasi wie aus dem Nichts auf der internationalen Kinobühne zu erscheinen. Das kommt jedoch nicht von ungefähr. Seit Jahren beweist das südkoreanische Kino, dass es den Produktionen Hollywoods nicht nur gleichwertig, sondern in Sachen Story und Anspruch weit überlegen ist. Seit ca. 2010 deutlich erkennbar, entwickelte sich ein südkoreanischer Film Noir, parallel dazu ein südkoreanisches Cinema du Look.

Es scheint so, als hätten koreanische Filmemacher die Lehrbücher für Regisseure auf ihre eigenen Bedingungen umgeschrieben. Das Ergebnis ist eine Reihe hochgradiger Produktionen, die international Aufsehen erregen und speziell in Südkorea Hollywood den Umsatz vermiesen. 60% aller 2013 in Südkorea gezeigten Filme waren einheimische Produktionen. Hollywood und europäische Filme mussten sich mit den restlichen 40% begnügen.

Dass südkoreanische Regisseure wahre Könner sind, haben nun auch die Produzenten Hollywoods erkannt. 2013 verpflichtete man dort gleich zwei koreanische Regisseure. Zum einen Park Chan Wook für den Thriller „Stoker“, zum anderen Kim Jee Woon für den Actionfilm „Last Stand“, in dem Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle spielte.

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„Stoker“ (2013). Regie führte der Koreaner Park Chan Wook.

„Stoker“ wurde von den Brüdern Ridley und Tony Scott produziert. Der Film orientiert sich stark an den Werken Hitchcocks, Drehbuchautor Wentworth Miller bestätigte diesen Einfluss in einem Interview. Es geht um einen geheimnisvollen Onkel, der das Leben einer Familie in einen Albtraum verwandelt. Trotz guter Kritiken, spielte „Stoker“ nicht ganz seine Produktionskosten ein. Dies führte in den koreanischen Medien zur Befürchtung, dass auch Bong Joon-Hos Film „Snowpiercer“ die Kosten nicht einspielen würde. Sogar in den Hauptnachrichten wurde über dieses Thema berichtet.

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„Snowpiercer“ (2013). Eine Comic-Adaption des koreanischen Regisseurs Bong Joon-Ho

Koreas Sorge jedoch erwies sich als grundlos. „Snowpiercer“ hat schon jetzt das Doppelte seiner Kosten wieder eingespielt. Die französisch-koreanische Co-Produktion erhielt nicht nur ausnahmslos positive Kritiken, sondern gilt schon jetzt als einer der intelligentesten und anspruchsvollsten SF-Filme, die je gedreht wurden.

Speziell das Wort Anspruch bereitet Hollywoodproduzenten Kopfschmerzen. Da sie das Publikum für blöde halten, gilt die Regel, Filme einfach und eben ohne Anspruch zu gestalten. Die Konsequenz: eine Flut völlig oberflächlicher Action- und Superheldenfilme. Auf jeden Fall forderte Bob Weinstein, der für „Snowpiercer“ den Vertrieb für die USA übernahm, eine Kürzung von mehr als 20 Minuten. Bong Joon-Ho weigerte sich, diese Cuts durchzuführen, was zur Folge hatte, dass Weinstein den Film nur in Programmkinos laufen ließ.

Neben koreanischen Regisseuren, treten nun auch nach und nach koreanische Schauspieler ins internationale Rampenlicht. In „Snowpiercer“ traten Song Kang Ho und Go Ah Sung auf. Song dürfte Horrorfans vor allem durch den koreanischen Film „Thirst“ bekannt sein. Die Schauspielern Go Ah Sung wurde durch den Monsterfilm „The Host“ bekannt.

Inzwischen hat auch Koreas berühmtester Schauspieler Choi Min Sik die internationale Bühne betreten. Der durch Filme wie „Old Boy“ und „I saw the Devil“ auch außerhalb Südkoreas bekannt gewordene Schauspieler, übernahm in Luc Bessons neuestem Film „Lucy“, der sich noch in der Post-Produktionsphase befindet, die Rolle des Bösewichts.

Mit Sicherheit werden dies nicht die einzigen Ausflüge koreanischer Filmemacher und Schauspieler nach Hollywood bzw. nach Europa gewesen sein. Viel eher dürfte man in dieser Hinsicht von einem gelungenen Anfang sprechen.