Guilty of Romance – Eine Rezension

Guilty of Romance
Düster und spannend. Sion Sono liefert großartige Arbeit

Sion Sono gilt neben Takeshi Miike zu den Provokateuren des japanischen Kinos. Er ist gleichermaßen Künstler wie Gesellschaftskritiker. In seinen Filmen konzentriert er sich auf die düstere Seite des menschlichen Daseins und zeigt Extremsituationen, die es in sich haben. Horror-Freunden dürfte Sion Sono vor allem durch seine beiden Filme „Suicide Circle“ und „Exte“ bekannt sein. Nach diesen Werken ging Sono zum Thriller-Genre über. Dabei liebt er es, Filme zu drehen, die in der Regel über zwei Stunden dauern.

Sein neuester Film trägt den Titel „Guilty of Romance“. Die Handlung basiert auf einem wahren Kriminalfall. Es geht um eine zerstückelte Leiche und drei Frauenschicksale, welche mit dem Mordopfer verbunden sind. Die Hausfrau Izumi stimmt ihr Leben voll und ganz auf die Bedürfnisse ihres Mannes ab. Allerdings verspürt sie einen immer stärker werdenden Drang, aus diesem Leben auszubrechen. Eine Model-Agentin überredet sie, an einer Foto-Session teilzunehmen. Allerdings entpuppt sich das Shooting als Porno-Dreh. Izumi, die dadurch ihre bisher unterdrückte Lust entdeckt, stürzt sich darauf in weitere erotische Abenteuer, was sie letztendlich ins Rotlichtviertel Tokios führt. Dort trifft sie auf Mitsuko, die tagsüber als Literaturdozentin an einer renommierten Universität arbeitet, nachts jedoch als Prostituierte durch die Straßen streift. Izumi gerät dadurch immer tiefer in einen Sog aus Perversion und Brutalität. Parallel dazu erzählt der Film die Geschichte der Kommissarin Kazuko, welche versucht, den anfangs erwähnten Mord aufzuklären.

Der Film beginnt mit dem Auffinden der Leiche. Danach erzählt Sion Sono, wie es zu diesem bizarren Mord gekommen ist. Er vermischt dabei unterschiedliche Genres miteinander, was „Guilty of Romance“ einerseits zu einem Drama, andererseits zu einem Thriller über gespaltene Persönlichkeiten macht. So wechselt Sono stets zwischen ruhigen, ästhetischen Bildern und verstörenden Szenen hin und her, um gegen Ende des Films sämtliche Handlungsstränge in einer Kakophonie des Wahnsinns zusammenlaufen zu lassen. Ein Stil, ähnlich wie bei David Lynch, jedoch weitaus düsterer. Sion Sono serviert die Handlung nicht ohne Ironie und schwarzem Humor. Seine Gesellschaftskritik ist direkt, trifft z. B. die japanische Höflichkeitskultur mitten ins Herz, als er einen Dialog zwischen Mitsuko und deren Mutter zeigt, bei welchem die Gesprächspartner höflich lächeln, sich währenddessen jedoch wüst beschimpfen.

Trotz der Länge von über zweieinhalb Stunden kommt nie Langeweile auf. Bei Sion Sono ist keine Szene überflüssig, kommt es nie zu dem, was man schlechthin als Durchhänger bezeichnet. Sono erzählt spannend und dicht. Fast schon gnadenlos geht er mit seinen Figuren um. Zum Gelingen seines neuesten Werkes tragen natürlich auch die erstklassigen Schauspielerinnen bei, so u. a. Miki Mizuno, welche Fans japanischer Horrorfilme als „Slit-Mouth Woman“ bekannt sein dürfte.

„Guilty of Romance“ gehört mit Sicherheit zu Sion Sonos besten Arbeiten. Eine düstere Abhandlung über Sein und Schein.

 

Titel: Guilty of Romance,  Originaltitel: Koi no tsumi, Regie u. Drehbuch: Sion Sono, Produktion: Yoshimori Chiba, Darsteller: Miki Mizuno, Megumi Kagurazaka, Makoto Tugashi, Kazuja Kojima. Japan 2011,  Laufzeit: 139 Min. FSK: 18.