No Tears for the Dead – Der neue Film von Lee Jeong-Beom

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No Tears for the Dead (2014); Kinoplakat

Vor wenigen Jahren bewies Regisseur und Drehbuchautor Lee Jeong-Beom, das er ein geschicktes Händchen für düstere Actionfilme hat. Sein Werk „Man from Nowhere“ war der erfolgreichste koreanische Film des Jahres 2010. Vier Jahre später versucht er nun, eines draufzusetzen. „No Tears for the Dead“ lautet der Titel, doch der Erfolg blieb etwas hinter „Man from Nowhere“ zurück.

Es geht um den Auftragskiller Gon, der bei einer Aktion ein kleines Mädchen erschießt und seitdem unter Gewissenkonflikten leidet. Er möchte seinen Job an den Nagel hängen, doch sein Boss lässt ihn nicht so einfach gehen. Einen letzten Auftrag gilt es zu erledigen. Ziel: Mo-Gyeong, eine Investment-Bankerin und zugleich Mutter des getöteten Mädchens. Angeblich ist sie im Besitz eines USB-Sticks, auf dem sich wichtige Geheimnummern für diverse Konten auf der ganzen Welt befinden. Doch statt die Frau zu ermorden, versucht er sie zu beschützen und nimmt es dabei mit einer Menge anderer Killer auf.

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No Tears for the Dead (2014); Alternatives Plakat

Killer mit Gewissenskonflikt, das hatten wir doch schon mal. „Man from Nowhere“ präsentierte so ziemlich denselben Charakter. Im Unterschied zu seinem Vorgänger ist „No Tears for the Dead“ jedoch weitaus brutaler und actionreicher in Szene gesetzt. Ganz klar, Lee wurde ein größeres Budget anvertraut. Das erlaubte ihm auch, Actionstars aus dem Ausland zu engangieren. Unter anderem Brian Tee, der aus den „Fast and Furious“-Filmen bekannt ist. Auch was Beleuchtung, Kameraarbeit und Aufwand betrifft, ragt Lees zweiter Wurf über „Man from Nowhere“ deutlich hinaus. Hervorragend inszenierte Shoot outs, gut gemachte CGI-Explosionen – und (fast) alles in überaus düsteren, dunkelblauen Farben.

Leider ist die Schlusssequenz, in der sich Lee unerwartet auf den klassischen koreanischen Gangsterfilm bezieht, keine gelungene Abrundung des Ganzen. Im Gegenteil, hiermit kreiert Lee einen klaren Dämpfer, denn beides passt nicht zusammen. Ob dies von Lee selbst so gewollt war oder die Produzenten ihm diesen Schluss aufgezwungen haben, muss offen bleiben. Das Resultat ist jedenfalls alles andere als gelungen. Schade, wäre dieses kitschige Anhängsel nicht, so hätte Lee seinem Film mit dem eigentlichen Schluss ein Ende verpasst, dass nicht nur ästhetisch einwandfrei, sondern auch in symbolischer Hinsicht kaum zu überbieten gewesen wäre.

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In „No Tears for the Dead“ dominieren dunkelblaue Farben.

Lee Jeong-Beom kann als Auteur des modernen koreanischen Actionfilms bezeichnet werden. Mit seinem zweiten Killer-Film setzt er das Thema von „Man from Nowhere“ auf furiose Art fort. Zwischen äußerster Brutalität und bloßen Andeutungen schwankend, setzt er extreme Eckpunkte, welche das derzeitige Actionkino Südkoreas bestimmen. Man darf gespannt sein, ob Lee zu einer weiteren visuellen Steigerung fähig ist.

Zum Schluss noch ein Wort zum Titel. Die Übersetzung des Originaltitels lautet „Weinender Mann“ (d.h. der internationale Verleihtitel müsste eigentlich „Crying Man“ lauten). Da jedoch der 80er Jahre Klassiker „Crying Freeman“ von Christophe Ganz und Brian Yuzna eine in Grundzügen ähnliche Geschichte erzählt, wurde anscheinend bewusst ein anderer Titel gewählt.