Die Klunkerecke: Das Geheimnis des schreienden Schädels

skullWeil Schauspieler Alex Nicols nie die Rollen bekam, die er eigentlich spielen wollte, fasste er eines Tages den Entschluss, einen eigenen Film zu drehen. In „The screaming Skull“ (1958) spielte er den geistig zurückgebliebenen Gärtner Mickey, der sich um ein leer stehendes Anwesen kümmert.

Das Haus gehört Eric Whitlock, der zusammen mit seiner zweiten Frau Jenni darin leben möchte. Seine erste Frau Marianne starb bei einem rätselhaften Unfall. Eric hat seit dem Tod seiner ersten Frau das Haus nicht mehr betreten, doch nun möchte er die Vergangenheit vergessen und zusammen mit Jenni ein neues Leben beginnen. Doch bereits in der ersten Nacht geschehen seltsame Dinge. Jenni vernimmt seltsame Laute. Noch schlimmer wird es, als sie über Nacht in dem Haus alleine ist. Während Eric glaubt, Jenni leide unter Wahnvorstellungen, spitzt sich die Lage mehr und mehr zu.

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Regisseur Alex Nicols als Gerätner Mickey.

Die Handlung klingt nicht nur spannend, sie ist es auch. Und hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: Alex Nicols hatte für sein Debüt zwar so gut wie kein Budget zur Verfügung, doch machte er das Beste aus dem, was er hatte.

Die Aufnahmen des leer stehenden Hauses sind so gewählt, dass das Gebäude als Ganzes nie zu sehen ist. Immer bekommt der Zuschauer nur einen Teil der Fassade zu Gesicht, dabei sind die Kameraeinstellungen so gewählt, dass das Gebäude eine durchaus rätselhafte und latent unheimliche Ausstrahlung vermittelt. Das Gebäude erhält dadurch eine Art lebendigen Charakter, so als wolle es sich verstecken, als lauere es auf seine nächsten Opfer.

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Jenni am Grab von Erics erster Frau Marianne.

Interessant sind hierbei die beiden Pfauen, die durch den Garten des Hauses stolzieren und der Atmosphäre den Hauch einer klassischen Gespenstergeschichte verleihen. Man könnte meinen, dass Nicols mit seinem Film „The screaming Skull“ eine Adaption der berühmten gleichnamigen Gruselgeschichte von Marion Crawford im Sinn hatte, doch bestreitete er dies in einem Interview. Viel eher orientiert er sich, was den Spannungsaufbau und die ersten Spukerscheinungen betrifft an „Der unheimliche Gast“ (1944). Beide beginnen mit plötzlichen seltsamen Lauten, die mitten durch die Nacht hallen.

skull3Wie bereits angedeutet, machte Alex Nicols aus der Not eine Tugend. Das Geld für den Film war knapp, eine richtige Ausstattung daher zu teuer. Tatsächlich sind die Wände in dem Haus kahl, es gibt lediglich ein Bett und hin und wieder ist auch ein Stuhl zu sehen. Eric erklärt diesen Umstand Jenni, dass Marianne und er nie Wert auf irgendwelche Möbel gelegt haben, aber dass sie dies nun sicherlich ändern werden.

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Jenni hört seltsame Geräusche.

Und dann gibt es noch ein Porträt von Marianne, das einen seltsamen lebendigen Eindruck vermittelt. Jenni ist mehr und mehr davon überzeugt, dass Erics erste Frau durch das Haus spukt. Die Gruselszenen sind recht gut gemacht, vermitteln eine gewisse Dichte, sind spannend und spielen ansatzweise mit Licht und Schatten. In der Tat wurde der Film damals als absolutes Gruselereignis vermarktet. So beginnt der Film auch nicht mit dem eigentlichen Vorspann, sondern mit einem Vorwort, in dem der Erzähler den Zuschauern mitteilt, dass der Film so unheimlich ist, dass man vor Angst sterben könnte. Daher wurde ein kostenloses Begräbnis garantiert, wenn ein solcher Fall eintreten sollte.

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Auch Eric lauscht …

Diese Idee ist im Grunde genommen weniger originell, als sie zunächst wirkt. Bereits in den 30er Jahren warben Produktionsfirmen dafür, die Kosten für ein Begräbnis zu übernehmen, falls ein Zuschauer vor Angst sterben sollte.

Hauptakteur in dem Film, und hier kommen wir eindeutig zum trashigen Teil des Werks, ist ein Totenschädel, den Jenni in einem Schrank findet. Dass dieser aus Gummi ist, merkt man spätestens dann, wenn er wie ein Ball über den Boden hüpft. Im Finale schließlich schwebt ein eingeblendeter Riesentotenschädel durch den Garten, auf der Jagd nach seinen Opfern.

Gut, diese Szenen machen zwar Spaß, aber verderben gleichzeitig die klassische Gruselatmosphäre des bisherigen Films. Gut gelungen dagegen ist das Auftauchen des echten Geistes, dem Jenni unerwartet im Gewächshaus begegnet. Dieser schemenhafte Schrecken ist einfach, aber sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt.

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Look, who’s back …

„The screaming Skull“ dauert etwas mehr als eine Stunde und nutzt ingesamt jede Sekunde für den Spannungsaufbau. Die Geschichte schreitet schnell voran, Durchhänger gibt es keine, und Nicols und sein Team waren anscheinend voll bei der Sache. Diese Motivation merkt man dem Film an, sodass der Spaß des Teams auf den Zuschauer übertragen wird. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Geheimnis des schreienden Schädels“ in den Kinos, geriet aber dann schnell in Vergessenheit. In den USA dagegen ist der Film Horrorfans noch immer bekannt.