„Netzwerk“- Ein SF-Thriller von Robert Charles Wilson

Wenn man sich die Kritiken im Netz über „Netzwerk“ durchliest, so scheint es, dass Robert Charles Wilsons SF-Roman schlicht und ergreifend langweilig sei. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. „Netzwerk“ ist faszinierend und spannend von der ersten Seite an und noch dazu unglaublich gut geschrieben. Es geht um Adam Fisk, der eines Tages beschließt, sich einen teleodynmanischen Test zu unterziehen, um zu schauen, ob er mit seinen sozialen Eigenschaften einer bestimmten Affinität angehört. Diese Affinitäten sind soziale Gebilde, die aus Menschen mit übereinstimmenden Handlungsmustern bestehen.

Die Mitglieder einer Affinität unterstützen sich gegenseitig, was dazu führt, dass sie sich z.B. auch gegenseitig bei der Jobsuche helfen und sich gegenseitig finanziell absichern. Für Außenstehende besitzen diese neuartigen Gruppierungen daher eine Art Sektencharakter. Für einige Zeit läuft für Fisk alles gut. Doch nach und nach kommt die durch die Affinitäten geschaffene heile Welt ins Schwanken. Denn zwischen den Gruppen entsteht mehr und mehr ein Kampf um die Vorherrschaft.

Wie bereits erwähnt ist „Netzwerk“ von Anfang an faszinierend und spannend. Dies liegt daran, dass Wilson wie immer minutiös auf die sozialen Auswirkungen eingeht. Hier in diesem Fall beschreibt er eine Gesellschaft, die versucht, sich durch koordinierte Verhaltensmuster zu optimieren, um auf diese Weise Konflikte zu beseitigen und Wohlstand zu schaffen. Aber das Projekt ist durch Machtbesessenheit und Neid in Gefahr, was gerade die Aspekte auslöst, die man durch diese gesellschaftliche Innovation beseitigen wollte.

Wilsons Ideen erscheinen durchaus logisch und sind im Grunde genommen eine gedankliche Weiterentwicklung heutiger gesellschaftlicher Netzwerke. Auch das spezielle Merkmal, Leute radikal auszuschließen, die nicht zu einem Netzwerk gehören, berücksichtigt Wilson. Er veranschaulicht dies am Neid der Leute, die durch die Tests durchgefallen sind oder diesen Gruppen von Anfang an misstrauisch gegenüberstehen.

Nach seinem kongenialen Roman „Spin“ hat Wilson in der Tat ein paar Romane geschaffen, durch die man sich eher quälen musste. „Netzwerk“ jedoch zeigt den Autor wieder in Höchstform. Wer unter Science Fiction nur technische Innovationen und dergleichen versteht, wird sicherlich enttäuscht sein, denn darum geht es Wilson gar nicht. Was er mit „Netzwerk“ abgeliefert hat, ist eine spannende und faszinierende Mischung aus gesellschaftlicher Analyse und Thriller. Und innerhalb dieses Rahmens macht Wilson all das richtig, was Dave Eggers mit seinem Langweiler „The Circle“ falsch gemacht hat. Kurz: wirklich lesenswert.

FuBs Fundgrube: SOS die Erde erkaltet

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Cover der Ausgabe im Verlag Gebrüder Weisse von 1952

Emdond Hamilton, der vor allem durch seine „Sternenkönige“- und „Captain Future“-Romane bekannt wurde, verfasste Anfang der 50er Jahre einen Roman über eine Gesellschaft, die sich nach einem Atomkrieg zurechtfinden muss. Dabei beschränkt sich Hamilton auf die Geschehnisse in einer amerikanischen Kleinstadt.

Direkt über der Stadt Middletown kommt es zur Explosion einer atomaren Superbombe. Für den Bruchteil einer Sekunde verändert sich dadurch das Raum-Zeit-Gefüge und schleudert die Stadt in eine Millionen Jahre entfernte Zukunft. Als die Bewohner wieder zu sich kommen, erkennen sie nach und nach, dass um die Stadt herum so gut wie nichts mehr existiert. Zugleich macht sich eine weitere Gefahr bemerkbar. Denn die Erde erkaltet zunehmend. Die Bewohner von Middletown müssen schnell eine Lösung finden, um nicht zu erfrieren. Da findet ein Expeditionstrupp in einiger Entfernung die Reste einer mit Glas überdachten Stadt…

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Cover der Originalausgabe von 1951

„SOS die Erde erkaltet“ erschien 1951 unter dem Titel „City at World’s End“ und bereits ein Jahr darauf in dem bekannten Leihbuch-Verlag Gebrüder Weisse. Spätere Taschenbuchausgaben erschienen Anfang der 70er Jahre in der Reihe TERRA-Taschenbücher im Pabel-Verlag.

In seinem Roman vermischt Hamilton den atomaren Schrecken mit der Schilderung einer Art außerirdischen Invasion. Denn nach und nach kommen die Bewohner zu der Erkenntnis, dass jene seltsame Stadt nicht von Menschenhand gebaut worden sein kann. Sie versuchen hinter das Geheimnis der bizarren Apparaturen zu kommen, um dadurch eine Möglichkeit zu erhalten, in die neue Stadt umzusiedeln. Hamilton schildert dies recht einfühlsam und spannend und nimmt dabei teilweise das amerikanische Kleinstadtleben aufs Korn. Der Roman ist in dieser Hinsicht völlig anders als Hamiltons diverse Sternenabenteuer, die bekanntlich George Lucas als Vorbild für seine „Star Wars“-Filme dienten. Dennoch ist „SOS die Erde erkaltet“ nicht weniger faszinierend.