The 80s: Alien Nation – Space Cop L.A. 1991 (1988)

James Caan und Mandy Patinkin als Matthew Sykes und Sam Francisco; „Alien Nation“ (1988), © 20th Century Fox

Aufgrund seiner Thematik könnte Alien Nation genauso gut aus diesem Jahrzehnt stammen. Es geht um Immigration und Integration mit allen denkbaren Konsequenzen.

Alien Nation, der in Deutschland den Zusatztitel Space Cop L.A. 1991 erhielt, spielt in eben diesem Jahr. 1988 landete in den USA ein UFO, bei dessen Besatzung es sich um geflohene Sklaven handelte. Da die Außerirdischen, die als Slags bezeichnet werden, menschenähnlich sind, wurde versucht, diese in die Gesellschaft zu integrieren, was teilweise tatsächlich funktioniert hat. Teilweise aber auch nicht.

Als bei einem Einsatz zwei Slags einen Laden überfallen, wird der Partner von Matthew Sykes getötet. Gemeinsam mit einem Slag namens Sam Francisco versucht er, das Verbrechen aufzuklären und kommt dabei einem noch größeren Verbrechen auf die Spur …

Faszinierend an Graham Bakers SF-Cop-Thriller ist die Darstellung der Gesellschaft, in der Menschen und Slags versuchen müssen, miteinander zu leben. Dies gelingt nicht immer. Es gibt diejenigen Slags, die sich in die menschliche Gesellschaft integrieren und diejenigen, die in einer Art Parallelgesellschaft leben und sich kein bisschen integrieren wollen. Heutzutage wirkt der Film ungewollt, als wollte uns Baker ein Spiegelbild in Sachen Flüchtlingskrise vorhalten. Dem ist natürlich nicht so. Man könnte daher sagen, dass der Film vom gesellschaftlichen Wandel eingeholt wurde und er dadurch lediglich so wirkt.

Der Film selbst ist von Anfang an spannend inszeniert, obwohl er in seinen Thriller-Elementen nicht wirklich Neuland schafft. Würde der Aspekt mit den Außerirdischen wegfallen, so hätten wir einen durchschnittlichen Krimi vor uns. So aber besitzt Alien Nation durchaus etwas Originelles. Dies hängt auch damit zusammen, dass Baker versucht, so realistisch wie möglich das Zusammenleben zwischen Menschen und Slags zu skizzieren. Leider aber bleibt es dabei mehr oder weniger beim Skizzenhaften. In diesem Sinne geht der Film kaum in die Tiefe, doch das, was er zeigt, wirkt keineswegs an den Haaren herbeigezogen.

Denn diese Gefahr hätte durchaus bestanden. Um dem entgegenzuwirken, wollten die Macher von Anfang an, dass die Slags nicht wie irgendwelche Monster ausschauen, sondern ihr Äußeres mehr oder weniger menschlich wirkt. Dies alles wird von hervorragenden Schauspielern unterstützt: so spiel James Caan den abgebrannten Cop Matthew Sykes, der mehrfach ausgezeichnete Mandy Patinkin mimt seinen Partner Sam Francisco.

Obwohl der Film damals eher negative Kritiken auslöste, lief er recht erfolgreich in den Kinos. So erfolgreich, dass 1989 daraus eine TV-Serie wurde.

Alien Nation – Space Cop L.A. 1991 (OT: Alien Nation). Regie: Graham Baker, Drehbuch: Rockne S. O’Bannon, Produktion: Gale Anne Hurd, Darsteller: James Caan, Mandy Patinkin, Terence Stamp. USA 1988, 85 Min.

Fahrenheit 451 oder eine Neuverfilmung, die Angst vor zu harscher Kritik hat

Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Papier Feuer fängt. Ray Bradburys Klassiker über eine Welt, in der Bücher und daher auch das Lesen verboten sind, wirkt heute aktueller als zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung im Jahr 1953. Daher war es kein Wunder, dass sich ein Regisseur erneut an den Stoff wagte – die Erstverfilmung von Francois Truffaut stammt aus dem Jahr 1966. Das Resultat aber fällt mau aus.

Der mehrfach für den Goldenen Löwen nominierte Regisseur Ramin Bahrani arbeitete bereits seit 2016 an dem Drehbuch der Neuadaption von Bradburys SF-Roman „Fahrenheit 451“. Nachdem der Film 2018 beim Filmfestival in Cannes seine Premiere feierte, wurde er danach auf DVD vermarktet.

Man hatte viel erwartet. Vielleicht ein wenig zu viel. Denn das, was Bahrani abliefert, ist ganz und gar lauwarm. Michael Shannon mimt mal wieder den Bösewicht und wie immer geht er hervorragend in dieser Rolle auf. Auch Michael B. Jordan, der den Film mitproduzierte, wirkt in seiner Rolle ganz passabel. Das Problem des Films liegt daher ganz woanders. Nämlich darin, dass sich Ramin Bahrani nicht traut, eine vehemente Kritik an der heutigen Gesellschaft und der Zunahme an totalitären Staaten zu schaffen.

Nein, er reißt die jeweiligen Themen wie Fake News, Trumpismus, zunehmenden Lesefrust und die Zunahme der staatlichen Kontrolle nur vorsichtig an. Die Folge ist natürlich, dass der Film in seiner Gesellschaftskritik so harmlos ist wie ein Katzenbaby. Auch der Versuch, Bradburys Roman in unsere Zeit zu verfrachten, gelingt daher nicht wirklich. In Ansätzen nicht schlecht, weiß Bahrani dennoch nicht, wie er sich verhalten soll. In wenigen Szenen geht er direkt auf die Vorlage ein, nur um sich danach jeweils wieder schnell zu entfernen, so als fürchtete er sich davor, sich die Finger zu verbrennen.

Schade, denn einen Film, der die Kritik an unserer Gesellschaft direkt auf den Punkt bringt, hätte es gebraucht. Doch so kommt lediglich heraus, dass die USA seit Trump einem zunehmden Idiotismus anheimfallen, während es in Kanada zum Glück noch immer gebildete Leute gibt. Nun ja, für diese ironische und satirisch zugespitzte Schlussfolgerung hätte es diesen Film nicht gebraucht.