Genesis 2.0 – Ein Dokumantarfilm, so spannend wie ein SF-Thriller

Man könnte sagen: Die Zukunft ist jetzt. Denn das, was die beiden Filmemacher Christian Frei und Maxim Arbugaev in ihrem neuen Dokumentarfilm zeigen, ist fast schon so erschreckend wie ein SF-Öko-Thriller. Doch alles das, was in „Genesis 2.0“ vorkommt, ist (leider) Realität.

Es scheint sich zunächst um zwei völlig verschiedene Themen zu handeln, mit denen sich Frei und Arbugaev in ihrem Film beschäftigen. Da sind zum einen die Sammler von Mammutstoßszähnen auf einer Insel vor Sibirien, die das Elfenbein an chinesische Geschäftsleute verkaufen. Zum anderen sind da Genforscher, die neue Tierarten züchten und mit den Genen herumexperimentieren, als wäre es nichts anderes als eine bloße Spielerei.

Die Verbindung zwischen beiden Welten findet sich darin, dass bei einer Expedition nach Sibirien ein tiefgefrorenes Mammut entdeckt wurde, dessen Körper sogar noch flüssiges Blut beinhaltete. Dies bescherte den Chefs der Genlabors in Südkorea und China Dollarzeichen in die Augen, könnten sie doch aus dem Blut intakte Zellen extrahieren, um daraus ein Mammut neu zu schaffen.

Der Film zeigt (indirekt) die völlige Verantwortungslosigkeit, mit der nicht nur die oben erwähnten Genlabors arbeiten, sondern auch bestimmte Forscher in den USA vorgehen, um Kasse zu machen. Schlimm hierbei ist, dass selbst die Studenten sich keine moralischen Grenzen setzen, sondern Gene mischen wie es ihnen Spaß macht.

Der Film ist dabei so spannend wie ein SF-Thriller, garniert mit einer unglaublich tollen Optik, wobei man sich stets vergegenwärtigen muss, dass dies alles Realität ist. Vor allem chinesische Forschungsinstitutionen zeigen sich hierbei in einer Rolle aus Habgier und dem Wunsch absoluter Kontrolle. Als ein schwedischer Wissenschaftler die Pressesprecherin der chinesischen Genfirma auf die ethische Problematik des Vorgehens anspricht, ist ihre Antwort ein eisiger Blick.

„Genesis 2.0“ ist verstörend und erschreckend, zugleich aber faszinierend und packend. Es ist ein Film, der hoffentlich zu vielen Diskussionen anregt. Die Zukunft wird er leider nicht verändern. Diese liegt in den Händen geldgeiler Wissenschaftler und anderer Akteure, für die Moral keine Rolle spielt.

Genesis 2.0. Regie: Christian Frei und Maxim Arbugaev. Schweiz 2018. 112 Min.

Winna – Weg der Seelen (2015)

Mit über 14000 Zuschauern zählt „Winna – Weg der Seelen“ zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen aus der Schweiz. Im Jahr 2015 erreichte er Platz 15 der Kinocharts. Erstaunlich, wenn man berücksichtigt, um was es darin geht: um Geister- bzw. Aberglaube im Oberwallis.

Dennoch scheint die Regisseurin Fabienne Mathier damit einen Nerv getroffen zu haben. Der Erfolg des Films spricht jedenfalls für sich. Und, um es gleich vorwegzunehmen, der Erfolg ist mehr als nur berechtigt. Denn interessanter und faszinierender kann ein Dokumentarfilm kaum sein.

Fabienne Mathier interviewte alte Leute, die noch die Legenden und Berichte über den Gratzug kennen: Arme Seelen, die auf einem bestimmten Weg durch die Alpen wandern. Manche wollen diesen Gespenstermarsch mit eigenen Augen gesehen haben. Andere zeigen den Weg, den die Armen Seelen nehmen, auf einer Karte.

Parallel zu diesem allgemeinen Geisterglauben sprach die Regisseurin auch mit Menschen, die behaupten, selbst Geister gesehen zu haben oder sogar mit Geistern in Kontakt zu stehen. Eine ältere Frau ist fest davon überzeugt, mit ihrem verstorbenen Ehemann in Kontakt zu stehen,  eine andere Bewohnerin eines Dorfes im Oberwallis glaubt, dass ihr verstorbener Sohn immer wieder die Lampe im Wohnzimmer ein- und ausschaltet. Dann erzählt eine alleinstehende Frau von einem Poltergeist, der sie seit zehn Jahren plagt, und eine Art Schamanin oder Medium berichtet davon, wie sie den Geistern hilft, ins Licht zu finden.

Fabienne Mathier geht völlig objektiv an das Thema heran. Sie lässt die Menschen erzählen, ohne ihre Berichte oder ihre Überzeugungen zu kommentieren. Und genau dieser Punkt macht den Film zu etwas Besonderem. Hier werden nicht Leute vorgeführt, sondern ihre Wünsche, Hoffnungen und ihre Erfahrungen ernst genommen. Kein Parapsychologe, der seinen Senf dazu gibt, sondern es bleibt dem Zuschauer überlassen, was er davon hält.

Dieser Aspekt offenbart sich auch in der Schülerin Sarina, die Informationen über diese alten Legenden und Berichte einholen soll. Sie nimmt das, was sie erzählt bekommt, ernst, macht sich nicht über die Leute lustig, sondern ist interessiert an den teils unheimlichen Geschehnissen, die sich früher einmal ereignet haben sollen.

Zusammen mit Dorfbewohnern sucht sie ein Beinhaus auf, geht die Wege entlang, an denen sich der Gratzug gezeigt haben soll. Immer wieder gelingen Fabienne Mathier dabei grandiose Aufnahmen der Berglandschaft und der eingeschneiten Dörfer.

„Winna – Der Weg der Seelen“ ist ein einzigartiger, ein wunderbarer Dokumentarfilm, der auch nach mehrmaligem Ansehen nichts von seiner Faszination verliert.

Winna – Der Weg der Seelen. Regie u. Produktion: Fabienne Mathier. Schweiz 2015, 83 Min.

Die Klunkerecke: Cargo – Der erste SF-Film aus der Schweiz

Die Eidgenossen haben sich in Sachen Film bisher eher zurückgehalten. Umso erstaunlicher war es daher, dass im Jahr 2009 wie aus dem Nichts eine teure SF-Produktion auf den Markt kam. Man könnte dies als die positive Konsequenz der Krise in Hollywood bezeichnen, da sich seit Ende der 90er verstärkt kleinere Filmländer an größere Produktionen trauten, weil diese aufgrund der Krise besser wahrgenommen wurden.

Natürlich kamen die Schweizer Filmemacher nicht von heute auf morgen auf die Idee, einen solch groß angelegten Film zu drehen. Anscheinend sollen Planung und Produktion insgesamt neun Jahre gedauert haben. Und hat sich der Aufwand gelohnt? – Die Antwort lautet: Durchaus.

Der Film spielt im Jahr 2270. Die Erde ist unbewohnbar geworden. Aus diesem Grund leben die Menschen im All und versuchen, einen Platz auf einem Frachter zu ergattern, der sie auf andere bewohnbare Planeten bringt. Auch die junge Ärztin Laura möchte endlich wieder richtigen Boden unter den Füßen spüren. Daher heuert sie auf dem Frachter Kassandra an, dessen Ziel die entfernt liegende Station 42 ist. Doch mitten auf dem Flug dorthin ereignen sich sonderbare Dinge an Bord. Nach und nach gerät die Situation außer Kontrolle. Die Frage, die Laura versucht zu beantworten, lautet: Welche Fracht befindet sich wirklich an Bord?

Welche Fracht transportiert das Raumschiff „Kassandra“ tatsächlich? – „Cargo“ (2009); Copyright: Ascot Elite

„Cargo“ geizt zwar in Sachen Tempo, sodass die ein oder andere Szene etwas zu lange ausgefallen ist, doch insgesamt haben wir hier einen ordentlichen SF-Film mit recht guten Effekten und spannender Handlung. Die Vorbilder für „Cargo“ liegen auf der Hand: „Event Horizon“, „Sunshine“, „Alien“. Gelegentlich wird einer dieser Filme zitiert. Doch zum Glück versuchen die beiden Regisseure Ivan Engler und Ralph Etter nicht, ihre Vorbilder zu kopieren. Sie schaffen einen eigenen, vielleicht auch teilweise eigenwilligen Film, der stark atmosphärisch wirkt und diese düstere, beklemmende Aura bis zum Schluss mitnimmt.

Der Aufbau der Spannung sowie die Schaffung einer zunehmenden, nicht zu definierenden Bedrohung erinnert ein bisschen an den österreichischen Horrorfilm „Hotel“. Wer glaubt, SF sei nur auf Action aus, wird hier eines Besseren belehrt. Engler und Etter liefern einen tiefgründigen Film ab, der durch gelungene Einfälle überzeugt.

Cargo – Da draußen bist du allein, Regie: Ivan Engler, Ralph Etter, Drehbuch: Arnold H. Bucher, Ivan Engler, Patrik Steinmann, Johnny Hartmann, Thilo Roscheisen Produktion: Marcel Wolfisberg, Darsteller: Anna Katharina Schwabroh, Martin Rapold, Regula Grauwiller, Claude-Oliver Rudolph, Yangzom Brauen. Schweiz 2009, 110 Min