Der Teufel von Uri – Ein Krimi aus der Schweiz

Man könnte sagen, das grundlegende Thema des Romans „Der Teufel von Uri“ ist die Midlifecrisis. Es geht darin um die Erfolgsautorin Sophie Mars, die unter einer Schreibblockade leidet. Doch ist es nicht allein das, denn irgendwie hat sie genug von dem ganzen Literaturzirkus und sucht nach einer Möglichkeit, sich auf eine andere Weise selbst zu verwirklichen.

Die bekannte Schweizer Autorin Silvia Götschi macht aus diesem Grundthema etwa kein Psychodrama, sondern einen interessanten und durchaus spannenden Kriminalroman, der jedoch viel mehr ist, als bloß ein Krimi. Es geht auch um eine harsche Kritik am derzeitigen Literaturbetrieb, dem es nur mehr um das schnelle Geld geht. Teils satirisch, teils ernst durchleuchtet Götschi den aktuellen Literaturkapitalismus und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Eingebettet ist dies in einen mysteriösen Kriminalfall, bei dem es um drei verschwundene Frauen aus Andermatt geht. Obwohl die Fälle bereits Jahre zurückliegen, wurden sie von der Polizei bisher nicht aufgeklärt. Durch Zufall gerät Sophie mitten hinein in dieses Geheimnis, als eine ihr unbekannte Frau sie verzweifelt darum bittet, nach ihrer Schwester Damaris zu suchen.

Zunächst eher widerwillig und eher darauf bedacht, Stoff für einen neuen Roman zu finden, um dadurch möglicherweise ihre Schreibblockade zu überwinden, lässt sich Sophie darauf ein. Die Spur führt sie in ihre eigene Vergangenheit und schon bald scheint es so, als werde sie von einem Unbekannten verfolgt.

Vielleicht beginnt das erste Kapitel ein wenig unbeholfen, als darin der Konflikt zwischen dem Verlegerehepaar um Sophie Mars geschildert wird. Es wäre sicherlich besser gewesen, diesen aus der Sicht Sophies zu schildern und dann das zweite Kapitel als Anfang zu nehmen. Denn schon da zeigt sich Silvia Götschis eigentliches Können: nicht nur unterhaltsam und spannend zu schreiben, sondern auch interessante Charaktere zu entwerfen.

Tatsächlich steigert sich die Spannung von Kapitel zu Kapitel, wobei es der Autorin gelingt, den Leser dazu zu bringen, fiebernd mitzurätseln, wer es auf Sophie Mars abgesehen hat. Und da gibt es doch so manchen Verdächtigen. Gut gelingt es Silvia Götschi dabei auch, die Geschehnisse mit einer alten Legende zu verknüpfen, in der es um den Teufel geht, der an Neumond die Gegend um Andermatt heimsucht. „Der Teufel von Uri“ liefert in dieser Hinsicht ein dichtes Lesevergnügen, das neugierig macht auf die anderen Bücher der Autorin.

Silvia Götschi. Der Teufel von Uri. Emons Verlag 2017, 268 Seiten, 11,90 Euro, ISBN: 978-3-7408-0179-3

 

Die Klunkerecke: Cargo – Der erste SF-Film aus der Schweiz

Die Eidgenossen haben sich in Sachen Film bisher eher zurückgehalten. Umso erstaunlicher war es daher, dass im Jahr 2009 wie aus dem Nichts eine teure SF-Produktion auf den Markt kam. Man könnte dies als die positive Konsequenz der Krise in Hollywood bezeichnen, da sich seit Ende der 90er verstärkt kleinere Filmländer an größere Produktionen trauten, weil diese aufgrund der Krise besser wahrgenommen wurden.

Natürlich kamen die Schweizer Filmemacher nicht von heute auf morgen auf die Idee, einen solch groß angelegten Film zu drehen. Anscheinend sollen Planung und Produktion insgesamt neun Jahre gedauert haben. Und hat sich der Aufwand gelohnt? – Die Antwort lautet: Durchaus.

Der Film spielt im Jahr 2270. Die Erde ist unbewohnbar geworden. Aus diesem Grund leben die Menschen im All und versuchen, einen Platz auf einem Frachter zu ergattern, der sie auf andere bewohnbare Planeten bringt. Auch die junge Ärztin Laura möchte endlich wieder richtigen Boden unter den Füßen spüren. Daher heuert sie auf dem Frachter Kassandra an, dessen Ziel die entfernt liegende Station 42 ist. Doch mitten auf dem Flug dorthin ereignen sich sonderbare Dinge an Bord. Nach und nach gerät die Situation außer Kontrolle. Die Frage, die Laura versucht zu beantworten, lautet: Welche Fracht befindet sich wirklich an Bord?

Welche Fracht transportiert das Raumschiff „Kassandra“ tatsächlich? – „Cargo“ (2009); Copyright: Ascot Elite

„Cargo“ geizt zwar in Sachen Tempo, sodass die ein oder andere Szene etwas zu lange ausgefallen ist, doch insgesamt haben wir hier einen ordentlichen SF-Film mit recht guten Effekten und spannender Handlung. Die Vorbilder für „Cargo“ liegen auf der Hand: „Event Horizon“, „Sunshine“, „Alien“. Gelegentlich wird einer dieser Filme zitiert. Doch zum Glück versuchen die beiden Regisseure Ivan Engler und Ralph Etter nicht, ihre Vorbilder zu kopieren. Sie schaffen einen eigenen, vielleicht auch teilweise eigenwilligen Film, der stark atmosphärisch wirkt und diese düstere, beklemmende Aura bis zum Schluss mitnimmt.

Der Aufbau der Spannung sowie die Schaffung einer zunehmenden, nicht zu definierenden Bedrohung erinnert ein bisschen an den österreichischen Horrorfilm „Hotel“. Wer glaubt, SF sei nur auf Action aus, wird hier eines Besseren belehrt. Engler und Etter liefern einen tiefgründigen Film ab, der durch gelungene Einfälle überzeugt.

Cargo – Da draußen bist du allein, Regie: Ivan Engler, Ralph Etter, Drehbuch: Arnold H. Bucher, Ivan Engler, Patrik Steinmann, Johnny Hartmann, Thilo Roscheisen Produktion: Marcel Wolfisberg, Darsteller: Anna Katharina Schwabroh, Martin Rapold, Regula Grauwiller, Claude-Oliver Rudolph, Yangzom Brauen. Schweiz 2009, 110 Min