Die zehnte Muse – Phantastisches aus dem Schwarzwald

Mit „Die zehnte Muse“ legt der Autor und Übersetzer Alexander Pechmann nun bereits seinen dritten Roman vor. Es geht um die Geschichten zweier Männer, die auf eine mysteriöse Art und Weise miteinander verbunden sind.

Zum einen ist da Algernon Blackwood, der als 16-jähriger Junge nach Königsfeld im Schwarzwald kommt, um dort das Internat zu besuchen. Zum anderen um den Maler Paul Severin, dessen Schicksal ihn von Karlsruhe bis nach Paris bringt. Beide haben dieselbe rätselhafte Frau namens Talitha getroffen, die ihr Leben für immer prägen sollte. Und dennoch: konnte es sich tatsächlich um dieselbe Person gehandelt haben?

Wie auch bei seinen beiden vorangegangenen Romanen „Sieben Lichter“ und „Die Nebelkrähe“ überzeugt „Die zehnte Muse“ schon allein durch die sorgfältig recherchierten Hintergründe. Pechmann verbindet in der Geschichte die Biografie des berühmten Horrorautors Algernon Blackwoods (1869 – 1951), der für längere Zeit tatsächlich in Königsfeld gelebt hat, mit den unheimlichen Legenden des Schwarzwaldes. Das Ergebnis lässt sich mehr als nur sehen. Das Buchcover ist Programm: denn „Die zehnte Muse“ ist ein recht düsterer und nicht weniger geheimnisvoller Roman, bei dem der Leser wie bei einem Krimi stets am miträtseln ist, was nun die Lösung des Mysteriums ist.

Die Verbindung der sonderbaren Erlebnisse von Blackwood und Severin verweben sich zu einem dichten Ganzen, in dem das Tragische zugleich einen mysteriösen Schatten wirft und das Unheimliche sich wie ein kalter Hauch über die einzelnen Zeilen legt. Wie immer besticht der Autor durch einen erstklassigen Schreibstil, der einen von Anfang an durch das Buch gleiten lässt. Kurz: ein genauso faszinierender wie düster-geheimnisvoller Roman.

Alexander Pechmann. Die zehnte Muse. Steidl Verlag 2020, 175 Seiten, 18,00 Euro, ISBN: 978-3-95829-715-9

Herr Felde und der Wert der Dinge – Filmrezension

herr felde1Herr Felde betreibt ein kleines Schuhreparaturgeschäft in Villingen im Schwarzwald. Doch kommen zu ihm keineswegs nur Leute, die ihre alten Schuhe ausgebessert haben wollen. Herr Felde repariert und flickt Dinge aller Art. Er ist eine Art Alleskönner, was seine Kunden zu schätzen wissen.

Der Dokumentarfilm „Herr Felde und der Wert der Dinge“ zeigt im Stil des Direct Cinema den Alltag Herrn Feldes in seinem Laden. Die Kunden, die zu ihm kommen, stammen aus den unterschiedlichsten Milieus und Kulturen. Der kleine Laden wird dadurch zu einem Mikrokosmos, in dem Herr Felde das Zentrum bildet. Regisseur Klaus Peter Karger, der bereits mit seinem Dokumentarfilm über das Schwenninger Moos viele Zuschauer gewinnen konnte, konnte mit seinem Film über Herrn Felde einen noch größeren Erfolg verbuchen. Die Dokumentation ist sehr liebevoll und durchaus witzig umgesetzt, was nichtzuletzt an dem Hauptprotagonisten selbst liegt. Herr Felde ist kein gebürtiger Villinger, sondern stammt eigentlich aus Kirgisien. In den 90er Jahren kam er nach Deutschland, wo er schließlich im Schwarzwald seinen kleinen Laden eröffnete. Der Film erzählt daher auch Herrn Feldes Biographie und liefert nebenbei Informationen über das Leben der Russlanddeutschen.

Was etwas stört, sind die Off-Kommentare des Regisseurs. Doch gibt es davon zum Glück sehr wenig. Besser wäre es jedenfalls gewesen, den Film ganz ohne die Erklärungen auskommen zu lassen und die Bilder für sich sprechen zu lassen. Schon allein dadurch ergeben sich verschiedene Sichtweisen. Zum einen zeigt Klaus Peter Karger den Alltag in dem Laden und damit den Mikrokosmos, der sich um Herrn Felde zusammenfügt. Zum anderen zeigt der Film ein Bild von Russlanddeutschen, das frei ist von jeglichen Vorurteilen. Und drittens präsentiert der Regisseur mit seinen Protagonisten einen Menschen, der der Wegwerfgesellschaft entgegensteht. Herr Felde macht darauf aufmerksam, dass auch kaputte Dinge noch immer einen Wert besitzen. Und diesen versucht er, durch seine Arbeit zu erhalten.  – Eine sehr sehenswerte Dokumentation.

Herr Felde und der Wert der Dinge. Deutschland 2011. 55 Min. Karger Film Kultur und Video