J-Pop: Scandals neues Album „Kiss from the Darkness“

„Kiss from the Darkness“ ist das erste Album, das die Girl-Rock-Band Scandal in ihrem eigenen Label Her veröffentlicht haben. Eigentlich sollte im September die Welttournee starten, doch wurde aus bekannten Gründen daraus leider nichts. Nun ist der Start der Tournee auf nächsten September verschoben. Ebenfalls nicht gut lief es mit dem hauseigenen Modelabel der Band. Das Geschäft in Tokio musste vor wenigen Wochen schließen.

Dennoch weiß sich die Band zu helfen. Mehrere Konzerte als Live-Streams haben die vier jungen Damen gegeben, von denen das letzte demnächst als DVD veröffentlicht wird. Doch zurück zur CD. Mit „Kiss from the Darkness“ kehren Scandal zu ihren rockigen Ursprüngen zurück (die Band feierte kürzlich ihr 14-jähriges Bestehen). Songs über Liebe und Vergänglichkeit dominieren, doch singen sie zugleich über Neuanfang und Selbstbestimmung. Massgebend hierbei ist der Song „Masterpiece“, der sich als Aushängeschild des neuen Labels versteht.

Szene aus dem Videoclip „Mabataki“; © Her

Waren die Texte beim letzten Album vor allem von der Drummerin Rina Suzuki verfasst, so waren bei „Kiss from the Darkness“ alle Mitglieder auf gleiche Weise beteiligt. Dabei beweist die Bassistin Tomomi Ogawa, dass sie noch immer die poetischsten Texte der vier verfasst. Der Titel des Songs „Laundry, Laundry“ ist zwar Geschmackssache, doch verbirgt sich dahinter ein wundervoller melancholischer Text über das Leben. „Mabataki“, der einzige Popsong auf dem Album, steht dem in nichts nach: ein wundervolles Lied über vergangene Liebe. – Tomomi Ogawas Song „Living in the City“ ist leider nicht auf dem Album enthalten, sondern nur als Single erschienen.

Mit „Kiss from the Darkness“ zeigen die vier Musikerinnern, dass sie zurecht zu den erfolgreichsten Bands Japans gehören. Durch und durch kräftige und selbstbewusste Musik, die man immer wieder gerne hört.

J-Pop: Scandals A.M.D.K.J. – Ein Song, dessen Kritik genau ins Schwarze trifft

Scandal „A.M.D.K.J.“; © Mazri/Her

Kaum ist das Jahr ein paar Tage alt, meldet sich die japanische Band Scandal mit einem neuen Song zurück, einem Song, der es in sich hat. Denn hier üben die vier Musikerinnen Kritik am derzeitigen Zustand der Gesellschaft – und diese Kritik war längst überfällig und trifft daher genau ins Schwarze.

Der ominöse Titel des Songs A.M.D.K.J. bezieht sich auf ein in Japan beliebtes Losverfahren mit dem Namen Amidakuji. Es ist ein Spiel, bei dem niemand voraussagen kann, wer als erstes gewinnt. Amidakuji nehmen Scandal als Symbol für die düstere Gegenwart, in der es scheint, dass nur noch jeder gegen jeden kämpft, in der es kein Miteinander mehr gibt, sondern nur noch Egoismus und sich daher jeder selbst am nächsten ist.

Scandal „A.M.D.K.J.“; © Mazri/Her

Die Drummerin Rina Suzuki, die den Text verfasst hat, findet für unsere Zeit eine großartige, bildhafte Sprache und bringt zugleich die Kritik genau auf den Punkt. Die Leute, denen nichts besseres einfällt als Hasskommentare zu schreiben, bezeichnet sie als verlorene Möchtegernkritiker zweiter Klasse. Der zunehmende Egoismus lässt die Gesellschaft zu einem trostlosen Ort werden, aus dem man nur noch fliehen möchte. Und sie geht sogar soweit, dass sie sagt: die Welt, wie sie jetzt ist, ekelt sie nur noch an.

Wow, kann man da nur sagen. Endlich bringt jemand das, was schief läuft, in einem Song zum Ausdruck. Sie fordert die Leute dazu auf, endlich umzudenken. Doch sieht sie selber ein, dass dies leider nur Wunschdenken ist. Denn was bleibt, ist die Angst vor einer noch schlimmeren Zukunft.

Grandios, was die Band da geschaffen hat. Genau so muss Sozialkritik sein. Doch wie Rina Suzuki selbst schreibt, ist eine Änderung des derzeitigen Zustands kaum in Sicht. Auf jeden Fall beweisen Scandal damit, dass sie zurecht zu den besten Rockbands Japans zählen.

J-Pop: Scandal – Die Musikvideos sind wieder da

Scandal „Haruka“; © Epic Records/Her

Große Aufregung herrschte vergangenes Jahr, als von einem Tag auf den anderen beinahe alle Musikvideos der japanischen All-Girl-Rockband Scandal von sämtlichen Plattformen verschwanden. Unter den Fans ging die Angst um, dass sich die Band auflösen könnte. Doch die Wirklichkeit sah ganz anders aus.

Wie wir bereits in früheren Artikeln berichtet haben, löste sich die Band nicht auf, sondern erfand sich neu. Und dies, indem die vier Musikerinnen ein eigenes Label mit dem Namen Her gründeten, welches Anfang dieses Jahres mit dem Song „Masterpiece“ an den Start ging. Neben Musik vertreiben die vier jungen Damen nun auch eine eigene Modekollektion.

Scandal „Pin Heel Surfer“; © Epic Records/Her

In verschiedenen Interviews, die Leadsängerin Haruna Ono, Bassistin Tomomi Ogawa, Drummerin Rina Suzuki und Gitarristin Mami Sazasaki in diesem Jahr gegeben haben, erklärten sie, dass sie ihr letztes Album „Honey“ als Abschluss ihrer bisherigen Karriere betrachten und mit ihrem Label Her weg vom Mainstream zurück zur Indie-Musik kehren wollen, was bedeutet, dass sie von nun alle Songs selbst schreiben – bis dahin wurden ihnen hin und wieder bestimmte Songs von der Plattenfirma aufgedrückt.

Scandal „Harukaze“; © Epic Records/Her

Interessant hierbei ist ein neues Interview, das die Band vor wenigen Wochen gab, in dem sie etwas offener über den plötzlichen Wechsel erzählen: demnach soll Epic Records ihnen „empfohlen“ haben, sich selbständig zu machen. Dieses „empfohlen“ klingt unserer Meinung danach, da alle Musikerinnen inzwischen das 30. Lebensjahr erreicht haben und die Produktionsfirma sie daher nicht weiter unterstützen wollte – was ja vor mehreren Jahren z.B. bei der Kult-Band Vu-Den geschehen war, dort wurde die Band trotz großen Erfolgs aufgelöst, da alle drei Mitglieder 20 geworden waren.

Natürlich ist das bisher Spekulation und ein konkrete Antwort wird man in nächster Zeit garantiert nicht erhalten, dennoch ist in Japan dieses Auflösungsbestreben aufgrund eines bestimmten Alters der Protagonistinnen nichts Ungewöhnliches.

Scandal „Shouju S“; © Epic Records/Her

Mit diesem Wechsel von Epic zum eigenen Label Her erfolgte das oben bereits erwähnte Verschwinden der Videoclips und der Songs aus dem Internet. Nur in Japan selbst waren sämtliche Videos und Songs noch aufrufbar. Inzwischen scheint sich das Hickhack im Hinblick auf die Rechte der Clips und Songs gelöst zu haben. Denn seit heute sind sämtliche Videos auf den offiziellen Youtube-Kanal von Scandal „zurückgekehrt“.

Scandal „Love me do“; © Epic Records/Her

Schön ist, dass dabei auch das bis dahin schwer zu findende Video zum Song „Haruka“ mitveröffentlicht wurde, ebenso die mit narrativen Elementen versehene Version von „Harukaze“ (eine kürzere Version zeigt lediglich die Performance). „Stamp!“ ist ebenfalls dabei, genauso wie „Pin Heel Surfer“. Schade dagegen ist, dass von „Love me do“ lediglich die Kurzversion veröffentlicht wurde, d.h. lediglich ein etwas mehr als einminütiger Ausschnitt.

Auf jeden Fall hat das Warten für die Fans ein Ende. Kürzlich verkündete die Drummerin Rina Suzuki, dass sie einen neuen Song geschrieben haben und diesen auf den jährlichen Sommerkonzerten in Japan zum ersten Mal spielen werden. Man darf gespannt sein, ob es dazu ebenfalls bald ein Video geben wird.

J-Pop: Scandal – Alles neu macht der März

Scandal (Tomomi Ogawa, Haruna Ono, Rina Suzuki, Mami Saszaki) bei Billboard Live Osaka 2017; © Billboard Live Osaka

Und es gibt wieder Neuigkeiten der japanischen Girl-Rockband Scandal. Wie in unserem letzten Beitrag Ende Dezember erwähnt, hat sich die Band von Epic/Sony verabschiedet und ihr eigenes Label namens Her gegründet. Ende März wird nun die erste Single mit dem Titel „Masterpiece“ in diesem Label erscheinen. Ein Videoclip dazu wurde ebenfalls gedreht und steht praktisch in den Startlöchern.

Der Titel „Masterpiece“ klingt dabei beinahe wie eine Kampfansage. Denn das Problem, das Scandal zurzeit hat, hängt damit zusammen, dass Epic/Sony die Rechte der früheren Songs und Videos besitzt und sie anscheinend auch weiter besitzen wird. Auf jeden Fall bleiben die meisten Songs und Videos auf diversen Plattformen verschwunden bzw. sind nur in Japan aufrufbar.

Eigentlich ein schlechter Start für eine Band, die sich gerade neu erfindet, indem sie zurück in den Indie-Bereich kehrt, wo ja der musikalische Ursprung der Band liegt. „Masterpiece“ ist ein lautes, rockiges Stück, in dem es, so könnte man es durchaus deuten, um den Streit zwischen Epic und Scandal geht. „Ich habe diese vielen Tage überstanden“, lautet z.B. eine Zeile, während es in einer anderen heißt: „Ich habe endlich meinen Weg gefunden.“ Damit betonen sie zugleich ihren Neustart oder besser ihren neuen Aufbruch als vollkommen unabhängige Künstlerinnen.

Live dürfen Scandal ihre alten Songs noch spielen, wobei sie höchstwahrscheinlich jeweils Abgaben an ihre alte Plattenfirma zahlen müssen. Alles in allem nicht wirklich toll. Dennoch geben die vier jungen Frauen alles und man darf gespannt sein, wann und ob eine neue CD geplant ist und vor allem, ob diese nur, aufgrund des neuen Labels, in Japan bzw. im asiatischen Raum erscheinen wird oder ob sie auch ihren Weg nach Europa finden wird. Es bleibt also spannend.

J-Pop: Scandal – Das Rätsel um die gelöschten Musikvideos ist gelöst

Scandal (Tomomi Ogawa, Haruna Ono, Rina Suzuki, Mami Sasazaki) vor ihrem Konzert zum 11-jährigen Jubiläum bei Billboard Live Osaka im Jahr 2017

Mitte diesen Jahres machte die japanische Girl-Rockband Scandal zusätzlich auf sich aufmerksam, da auf einmal sämtliche Musikvideos auf Youtube und anderen Plattformen sowie sämtliche Songs bei diversen Streamingdiensten gelöscht wurden. Schnell waren Gerüchte im Umlauf, dass sich die Band trennen würde, was sicherlich ein großer Verlust für die Musikwelt gewesen wäre.

Nun gaben die Bandmitglieder bei ihrem Weihnachtskonzert am 24.12. bekannt, dass sie ein eigenes Label gegründet haben. Von nun an würden sie ihre sämtlichen Alben und Songs selbst vertreiben. Der Name des Labels lautet Her und geht Anfang kommenden Jahres an den Start.

Ein mutiger Schritt für die vier jungen Musikerinnen, die sich damit quasi aus dem Mainstream wieder verabschieden und zurück zu ihrem Urpsrung kehren. Denn hatten Scandal als Indie-Band begonnen, bevor sie von Epic/Sony unter Vertrag genommen wurden, so kehren sie nun in die Indie-Szene zurück. Das bedeutet, dass höchstwahrscheinlich auch die Musikvideos nach und nach wieder auf Youtube erscheinen werden.

So wie es aussieht, ging diesem Schritt ein langwieriger Rechtestreit voraus, schrieben an manchen Songs doch mehrere Personen, hinzu kommen eben auch die Videoclips, bei denen wiederum die Rechte bei Regisseur, Plattenfirma usw. liegen. Inzwischen scheint ein Großteil davon geregelt zu sein.

Allerdings werden sich Haruna Ono, Tomomi Ogawa, Mami Sasazaki und Rina Suzuki im Laufe der Zeit nicht nur auf den Vertrieb ihrer eigenen Werke konzentrieren, sondern nach und nach auch andere Indie-Bands unter Vertrag nehmen. Wie gesagt, ein überaus mutiger Schritt.

J-Pop: Niemand weiß was oder Das Kuriosum um Scandal weitet sich aus

Scandal „Platform Syndrome“; © Epic Records

In dem vorangegangenen J-Pop-Beitrag haben wir über das Verschwinden der Videoclips der Girl-Rockband Scandal berichtet. Was sich zunächst nur auf Youtube und auf Musikvideos bezogen hat, hat nun ein weitaus größeres Ausmaß angenommen.

Wie das internationale Scandal-Fanforum mitteilt, sind nun auch alle Songs der Band von sämtlichen Streaming-Diensten gelöscht worden. Dieser radikale Löschvorgang betrifft nur Scandal und ist wahrscheinlich einzigartig in der bisherigen Geschichte des J-Pop. Im Gegensatz dazu werden die CDs weiterhin international verkauft.

Ironisch könnte man natürlich sagen, hier möchte wohl jemand kein Geld mehr verdienen. Aber die Sache ist doch recht eigenartig. Vor allem, da bisher weder seitens des Managements noch seitens der Band irgendwelche Statements gemacht wurden. Für uns von FuB schaut dies jedoch nach einem ziemlich heftigen Rechtsstreit aus, der da hinter den Kulissen im Gange ist.

Auf jeden Fall trifft dies die Band auf unschöne Weise, da sie kurz vor ihren Tourneen durch Asien und die USA stehen. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Fall weiterentwickelt und ob demnächst doch Informationen über die Ursachen der Löschvorgänge bekannt gegeben werden.

 

J-Pop: Keine Videoclips mehr – Die Girl-Rockband Scandal verschreckt ihre Fans

Scandal „Platform Syndrome“; © Epic Records

Eine ziemlich seltsame Sache vollzog sich in den vergangenen Tagen bei der japanischen Girl-Rockband Scandal. Denn auf einmal wurden bis auf zwei Videoclips alle anderen Videos für das Ausland gesperrt. Weder auf der Homepage der Band noch auf ihrer Facebook-Seite gibt es einen Kommentar dazu. Die Fans macht dies jedenfall ratlos.

Was der Grund für diese Aktion auch immer sein mag, die Sperrung ereignet sich im wohl schlechtesten Augenblick. Im Sommer beginnt die Asien-Tour und im Herbst startet die Tour der Band durch die USA. Eventuell treten sie auch mal wieder in Europa auf.

Möglich wäre es, dass es bei den Videos um irgendwelche Rechtsstreitigkeiten geht. Betroffen sind interessanterweise nur die Clips, die sich auf der offiziellen Youtube-Seite der Band befinden. Clips, die von Fans hochgeladen wurden, können weiterhin gesichtet werden.

Überhaupt tut sich die Band schwer, wenn es um Gerüchte oder – wie gerade jetzt – um Ereignisse geht, welche durchaus einer Erklärung ihren Fans gegenüber bedurften. Nur immer auf die neuesten Konzerte und diverse Merchandizingprodukte hinzuweisen wirkt dann doch zu oberflächlich und fast schon lieblos. Wobei die Bandmitglieder selbst wahrscheinlich nichts dafür können, sondern eher das Management, dem wohl Geld wichtiger ist als eine funktionierende Kommunikation mit den Fans und eine Einbeziehung der Fans.

So wurde bis heute nicht auf die Gerüchte eingegangen, die besagen, dass es innerhalb der Band Streitigkeiten gebe und die Bassistin Tomomi Ogawa vor habe, aus der Band auszusteigen. Mindestens auf eine solche Gerüchtewelle hätte das Management (evtl. mit einem Dementi) reagieren müssen. Denn bei dem Auftritt der Band bei der Japan Jam 2018 merkte man eindeutig, dass es zwischen den Mitgliedern etwas kriselt. Und nun eben die Sache mit der Sperrung der Videoclips. Dem Image der Band tut das sicherlich nicht gut, denn ihre Fans werden schlicht und ergreifend alleine gelassen.

J-Pop: Skandal um Scandal? – Die Gerüchteküche brodelt mal wieder

Die Band Scandal vor ihrem Auftritt „Storytellers“ in Osaka; © Epic Records

Seit ein paar Tagen gehen im Internet Gerüchte um, dass die japanische Girl-Rock-Band Scandal bald eine Bassistin weniger haben wird. Denn angeblich möchte sich Tomomi Ogawa von der Band trennen. Diese Behauptung basiert auf verschiedenen TV- und Web-Auftritten der Band, in denen Tomomi stets wirkt, als sei sie mit den Gedanken woanders. Auch erscheint ihr Mitwirken an eben jenen Interviews eher halbherzig, ja geradezu lustlos.

Seitens der Plattenfirma oder der Band selbst gibt es allerdings keine Kommentare dazu. Beide reagierten nicht einmal dann, als ein Fan eine Anmerkung über diese Gerüchte auf der Facebook-Seite der Band hinterließ.

Was uns selbst aufgefallen ist, hängt damit zusammen, dass die Bassistin seit ihrem „Heimspiel“ bei dem Storytellers-Konzert in Osaka (der Heimatstadt der Bandmitglieder) Ende Oktober 2017 eher zurückhaltend und irgendwie distanziert wirkt. Dieses Verhalten steigerte sich von da an von Auftritt zu Auftritt.

Unserer Meinung nach aber liegt hier mal wieder ein Konzept der Marketingabteilung zugrunde. Nachdem man mit dem Kuss zwischen Tomomi und Mami in dem Video „A Universe of Love“ Gerüchte darüber ausgelöst hat, ob beide ein Paar seien, und die Band damit werbetechnisch mitten ins Rampenlicht buchsiert hatte, versucht man es nun mit einer anderen Form. Und dabei sind Trennungsgerüchte immer hilfreich.

Denn erst im Februar erschien die neue CD „Honey“ auf dem Markt und in den kommenden Monaten ist eine Tour durch Asien geplant. Auch wenn Scandal eine der erfolgreichsten Rockbands Japans ist, so ist die Konkurrenz dennoch enorm. Also müssen sich die Marketingleute immer wieder neue Tricks überlegen, damit die Band im Gespräch bleibt. Hierbei muss man den Strategen wirklich gratulieren, denn die Idee einer subtilen Art der Körpersprache ging an den Fans nicht spurlos vorbei, sondern zeigte Wirkung. Kurz: keine Trennung, sondern alles nur Show.

J-Pop: „Honey“ – Das achte Album der Girl Rock-Band Scandal

Ende vergangenen Jahres erregte die nun schon seit 11 Jahren bestehende Band Scandal Aufsehen durch ihr Video „Koisuru Universe“ (Universe of Love), in dem es um sexuelle Erregung und eine lesbische Beziehung geht – insgesamt also recht ungewöhnlich für eine Band, die sich bis dahin emanzipiert gab und in keinem ihrer Clips sexualisiert wurde.

Daher durfte man gespannt sein, wie sich die Band in visueller Hinsicht weiter entwickeln würde, was durch den oben genannten Clip eher schwierig war. Die Lösung fand sich dann in einem neuen Musikvideo, das lediglich eine Perfomance der Gruppe zeigt. Es handelt sich dabei um „Platform Syndrome“, einen Song, der zugleich das neue Album „Honey“ eröffnet.

Seit Herbst vergangenen Jahres wurde dafür kräftig die Werbetrommel gerührt. Und das Ergebnis? „Honey“ ist eines der besten Rock-Alben geworden, die es in letzter Zeit gab, unabhängig ob aus Japan, den USA oder sonst woher. Hatten die ersten CDs der nur aus Frauen bestehenden Gruppe auf eine sympathische Art und Weise eher konzeptlos gewirkt, also so, als hätten sie einfach mal ein paar Songs zusammengestellt, ohne sich groß Gedanken um die Platzierung auf dem jeweiligen Album zu machen, so ist „Honey“ in dieser Hinsicht völlig anders.

Gleich mit „Platform Syndrome“ liefert die Band einen schnellen, rockigen Einstieg, gefolgt von weiteren Songs, die zwischen Punkrock, Alternative und ein wenig Pop liegen. In der Mitte des Albums werden die Songs etwas ruhiger, bevor es gegen Ende nochmals so richtig zur Sache geht. Dabei erinnert der Song „Short Short“ dann doch ein wenig zu sehr an „Love me do“ aus dem vorangegangenen Album „Yellow“, doch ansonsten lässt sich das Album immer wieder anhören, ohne dass auf irgendeine Weise Langeweile entstehen würde.

Mit „When I open a Window“ (Mado wo Aketara) liefert die Bassistin Tomomi Ogawa ein erstklassiges. leicht jazziges Stück ab, ebenfalls ein Ohrwurm ist „Midnight City“, das eigentlich den typischen Scandal-Rock beinhaltet, im Refrain aber auf gewitzte Weise in einen 70er Jahre-Disco-Stil umschwenkt.

Einen kleinen Abstrich gibt es bei den Texten, die dieses Mal fast ausschließlich von der Drummerin Rina Suzuki stammen und in Sachen Poetik nicht die Klasse erreichen wie diejenigen von Tomomi Ogawa, die bis dahin die meisten Texte verfasst hat. Insgesamt aber ist „Honey“ ein richtig tolles Rockalbum, das von Anfang bis Ende Spaß macht.

 

 

J-Pop: Ein Kuss erregt die Gemüter

Kussszene aus dem Video „Universe in Love“ der japanischen Band Scandal; Copyright: Epic Records

Die japanische Rockband Scandal probt den Skandal. Oder vielleicht ist es dann doch eher ein Skandälchen? Wenn überhaupt. Auf jeden Fall hat das neue Video seinen Zweck erfüllt und das Netz ist heftig am Diskutieren. Das Marketingkonzept ging voll und ganz auf.

Aber um was geht es konkret? Der neueste Clip der ausschließlich aus Frauen bestehenden Band wurde zu dem Song „Koisuru Universe“ konzipiert. Die englische Übersetzung des Titels lautet „Universe in Love“ und ist für sich genommen ein überaus gelungenes, extrem rockiges Liebeslied. Doch leider wird der Song als solcher kaum wahrgenommen, sondern eben nur das Video.

Der Grund ist, dass die Szenenfolge des Clips in einem Kuss zwischen der Bassistin Tomomi und der Gitarristin Mami kumuliert. Und schon klatschen alle erstaunt die Hände zusammen. Doch genau das wollten die Macher sicherlich bezwecken. Interessant ist, dass es sich hierbei um eine erste Erotisierung der Band handelt, die bisher als überaus emanzipiert beworben wurde.

Die Kussszene ist aufgesplittet in zwei getrennte Teile; Copyright: Epic Records

Bei der Kussszene machten die Produzenten sich die Gerüchte zunutzte, die behaupteten, dass Tomomi lesbisch sei. Und natürlich lauteten manche der Reaktionen, dass sie dies schon längst gewusst hätten. Leider machten sich auch in diesem Fall diejenigen bemerkbar, deren Weltbild kurz vor ihrer eigenen Nasenspitze endet, was zu einer Vielzahl widerlicher Kommentare führte. Aber J-Pop-Fans, die gegen Homosexualität sind? Ein interessantes Paradoxon, da sehr viele Konzepte japanischer (und auch koreanischer Gruppen) homoerotische Aspekte beinhalten.

Doch zurück zum Video, das wir uns natürlich eingehend angesehen haben. Gut, der Fokus liegt auf der Kussszene, die recht schön und interessant umgesetzt wurde. Doch interessant ist auch das Video als Ganzes. Denn dieses ist geradezu vollgestopft mit freudianisch anmutenden Symbolen der Erotik, angefangen von Selbstbefriedigung bis hin zu einem sog. „Three Some“.  Der Titel „Universe of Love“ wird visuell umgesetzt in der Darstellung von unterschiedlichen Formen der sexuellen Lust. Dies aber auf eine solch versteckte, fast schon brav erscheinende Weise, dass man sich den Clip mehrmals ansehen muss, um alle Symbole zu decodieren. – Am längsten benötigten wir, um die Szene mit dem Telefon zu kapieren :D .

Einerseits macht dies das Video genial, andererseits aber passt es nicht in das eigentliche Konzept der Band, über das wir bereits in einem früheren Artikel gesprochen haben. Aber wie dem auch sei, die Marketingaktion, wie oben bereits erwähnt, hat genau ins Schwarze getroffen. Etwas, was sich jede Werbeagentur erhofft. Man darf daher gespannt sein, wie sich die nächsten Clips entwickeln werden.