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Posts Tagged ‘Sandalenfilme’

Odysseus gehört zu den bekanntesten Figuren der Weltliteratur. Die vielen Abenteuer, die der tollkühne Held erlebt, und die vielen Monster, denen er begegnet, war und ist ein gefundenes Fressen für die Filmindustrie. Die bekannteste Verfilmung von Homers Versepos lieferte Mario Camerini im Jahr 1954, wobei als Zweitregisseur kein Geringerer als Mario Bava agierte.

Ihm sind die Szenen zu verdanken, in der Odysseus von Kassandra verflucht wird, sowie die Szenen in der Höhle der Circe. Bereits hier macht sich Bavas wundervolles Spiel mit den Farben bemerkbar, das er in seinen Horrorfilmen aus den 60er Jahren weiterführen und geradezu vollenden sollte.

Der Film ist ein Klassiker aus den Schmieden der italienischen Filmstudios. Die Szenen, in denen Odysseus den Zyklopen Polyphem übers Ohr haut, sind genauso legendär wie die stürmische und abenteuerlustige Darstellung des Helden durch Kirk Douglas.

Circe (Silvana Mangano) im für Mario Bava typischen grünen Licht; „Die Fahrten des Odysseus“ (1954); Copyright: e-m-s

Dieser packt die Figur im Zentrum ihrer Aussage an. So sehen wir einen Menschen, der die antiken Glaubensvorstellungen hinterfragt, der beginnt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und nicht von den Göttern steuern zu lassen. Er möchte ausprobieren und herausfordern. Seine Abenteuerlust ist zugleich die Lust am Entdecken. Daraus, dass er mehr sieht als die anderen und hinter die „Fassade“ der antiken Glaubenswelt blickt, ergibt sich seine Tollkühnheit und seine Fähigkeit zur List.

Polyphem wird so zu seinem ersten Opfer, die Sirenen können ihn nicht zu sich ziehen, und auch Circe kann seinem ständigen Hinterfragen nicht mehr Paroli bieten. Als Odysseus am Ende alle Männer niedermetzelt, die um seine Frau buhlen, bricht jedoch wiederum sein archaisches Temperament hervor – ein Symbol dafür, dass Moderne und Barbarei trotz allem eng verzahnt sind.
„Die Fahrten des Odysseus“ ist und bleibt einer der unterhaltsamsten Abenteuerfilme. Auch wenn man die Dialoge bereits auswendig kennt, so sind das Spiel Kirk Douglas‘ sowie die faszinierenden Farben und Spezialeffekte immer wieder einen Blick wert.

Die Fahrten des Odysseus (OT: Ulysses), Regie: Mario Camerini, Mario Bava, Produktion: Dino de Laurentis, Carlo Ponti, Darsteller: Kirk Douglas, Silvana Mangano, Anthony Quinn, Rossana Podesta. USA/Italien 1954, Laufzeit: 98 Min.

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rhodosDer Koloss von Rhodos zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Angeblich soll er eine Art Leuchtturm in Gestalt einer gewaltigen Götterstatue gewesen sein, die den Eingang zum Hafen von Rhodos bewachte. Bis heute rätseln Historiker und Archäologen darüber, ob es dieses gigantische Bauwerk tatsächlich gegeben hat. Des Weiteren stellen sich Experten die Frage, wie diese monumentale Statue aufgrund ihres tonnenschweren Gewichtes überhaupt stehen konnte. Sollte es den Koloss von Rhodos wirklich gegeben haben, so lautet die einhellige Meinung, setzt dies ein ungeheures Maß an Know-how in Konstruktion und Materialverwertung voraus.

Unbeeindruckt von all diesen historischen Spekulationen und bauphysikalischen Rätseln, drehte der berühmte Regisseur Sergio Leone Anfang der 60er Jahre einen Film, der genau dieses Weltwunder zum Thema hat. Die Produzenten verlangten von ihm einen der damals in Mode gewesenen Sandalenfilme, in denen eingeölte Muskelmänner Römer verhauten. Leone aber widersetzte sich diesen Vorgaben und drehte einen Film, der das Wort monumental wirklich beanspruchen kann.

Die Handlung ist recht schnell erzählt: Der griechische General Darios erholt sich in Rhodos für ein paar Tage von seinen Kampfstrapazen. Er ist Ehrengast des Tyrannen Xerxes. Das ruhige, angenehme Leben ist allerdings nur von kurzer Dauer, da Darios unvermittelt in einen Aufstand verwickelt wird, durch welchen Xerxes gestürzt werden soll. Intrigen und offene Konflikte durchziehen die gesamte Geschichte und kumulieren gegen Ende in einem gigantischen Spektakel, in dem Kämpfe, Erdbeben und weitere Naturgewalten sich zu einem einzigen Strudel der Ereignisse vermischen.

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Die Riesenstatue in Sergio Leones Erstlingswerk aus dem Jahr 1961; Copyright: e-m-s

Darios besitzt nicht die Charakterzüge eines Herkules, der etwas naiv, aber stets hilfsbereit die Unterdrückten von ihren Unterdrückern befreit. Im Gegenteil, er ist am politischen Leben stark interessiert und bildet sich darüber seine eigenen Meinung, die er gerne mit einer Prise Ironie verkündet, wie zum Beispiel: „Deine Insel des Friedens ist etwas turbulent“ oder: „Für eine Insel des Friedens sind zwei Morde am Tag ein bisschen viel“ oder: „Wenn das hier eine Insel des Friedens ist, dann ziehe ich den Krieg aber vor!“

Sergio Leones Erstling kennt in der Tat keine einzige friedliche Minute. Über 130 Minuten lang wird Darios gejagt, kommt es zu Kämpfen oder zu gemeinen Morden. Die letzte halbe Stunde gehört dabei zu den fulminantesten Actionszenen, die bis heute gedreht wurden: Noch während der Kampf zwischen den Truppen Xerxes‘ und den Aufständischen tobt, bricht ein gewaltiges Erdbeben los, bei dem die gesamte Stadt zerstört wird. Straßen reißen auf, Gebäude stürzen ein, die Menschen fliehen in Panik. Der Kampf erreicht im schwankenden Koloss seinen Höhepunkt, bevor dieser schließlich – wie es in antiken Überlieferungen berichtet wird – ebenfalls zusammenbricht.

Der Film besticht jedoch nicht allein durch seine witzige Ironie und seine turbulente Action, sondern auch durch seinen deftigen, teils schwarzen Humor und seine Selbstironie, die beinahe den gesamten Film durchzieht.

Der Koloss von Rhodos (OT: Il colosso di Rodi), Regie: Sergio Leone, Drehbuch: Luciano Chitarini, Ennio De Concini, Produktion: Michele Scaglione, Darsteller: Rory Calhoun, Lera Massari, Gerges Marchal, Italien/Spanien/Frankreich 1961, 137 Min.

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