Rogue One – Zwischen Kriegsfilm und Science Fiction-Abenteuer

rogueoneWas passierte eigentlich kurz vor der Raumschlacht, mit der Star Wars IV beginnt? Dieser Frage nahm sich Regisseur Gareth Edwards an und schuf dabei einen Film, der irgendwo zwischen Kriegsfilm und klassischem SF-Abenteuer anzusiedeln ist.

Und dennoch ist „Rogue One“, so der Titel des Star Wars-Interludiums, nicht zu vergleichen mit den bisherigen Filmen. Edwards verleiht der Handlung, in der es darum geht, wie eine Einheit der Rebellen die Pläne des Todessterns stielt, einen düsteren Touch, in dem Gags nichts zu suchen haben. Für diese ist allein der umprogrammierte Imperial-Droide verantwortlich. Somit wirkt das neueste Abenteuer überraschend ernst.

Und dennoch findet man eine interessante Übereinstimmung in der Machart mit dem Klassiker aus dem Jahr 1978. Hatte sich bereits George Lucas für die Raumschlachten von den Luftschlachten des Zweiten Weltkriegs beeinflussen lassen, so übernimmt Edwards aktuelle Kriegsreportagen als Basis für die gespielten Kampfhandlungen. Dies gelingt ihm sehr überzeugend und dies verleiht dem Film eben auch den oben genannten düsteren und ernsten Touch. Im Kontrast dazu wirken C-3PO und R2 D2, die in einer Einstellung kurz am rechten Bildrand zu sehen sind. Denn hier schimmert der klassische Star Wars-Charakter durch, in dem mit viel Witz das Böse bekämpft wurde.

Bevor ich „Rogue One“ gesehen habe, mochte ich Regisseur Gareth Edwards eigentlich nicht. Er kam mir stets vor wie jemand, der nicht weiß, was er will. Auf diese Weise wirkt sein Debut „Monsters“ und nicht weniger sein zu ernst geratener „Godzilla“. „Rogue One“ steht jedoch im vollen Gegensatz dazu. Denn hier wird offensichtlich, dass Edwards wusste, was er wollte. Recht gewitzt ist hierbei gleich am Anfang die Einstellung, in der er Mads Mikkelsen als Galen Erso nochmals wie Michael Kohlhaas erscheinen lässt – und es gibt ja auch charakterlich eine Übereinstimmung, denn beide Figuren, die Mikkelsen darstellt, wollen sich rächen. Ebenfalls hervorragend ist, wie es Edwards gelingt, den Stil des Films im Laufe des Finales immer mehr dem Stil des ersten Star Wars-Abenteuers anzugleichen. Es bleibt zwar bei der Ernsthaftigkeit, und wenn Darth Vader sein Lichtschwert schwingt, so wirkt dies überaus brutal, doch in Sachen Beleuchtung, Kulissen bis hin natürlich zu den Kostümen, gleitet „Rogue One“ elegant über in den Beginn von „Star Wars IV“.

Obwohl die Figuren nicht die Klasse besitzen, wie diejenigen der Star Wars-Filme von George Lucas, so geben sie dann doch ein recht interessantes Team ab, wobei vor allem der Jedi Chirrut Imwe überzeugt, der rotz seiner Blindheit hervorragend kämpfen kann. Was ich schade fand, ist, dass dieses weiße Pelzmonster, das in zwei Einstellungen im Hintergrund zu sehen ist, nicht mit von der Partie war. Wahrscheinlich aber hätte die Figur für mehr Humor gesorgt und den wollte Edwards ja größtenteils vermeiden.

Doch unabhägig vom persönlichen Monstergeschmack: „Rogue One“ ist großartige Unterhaltung, vermeidet Längen und bringt Action mit einer spannenden Handlung in Verbindung. Nicht zu vergessen die Optik des Ganzen, denn diese ist ungeheuer gut.