J-Pop: Wagakki Band – Zwischen Tradition und Moderne

Shamisen-Spielerin Beni Ninagawa; © Avex Trax

Während es in Sachen K-Pop nichts Neues zu berichten gibt, da sich dieses Format alles andere als weiter entwickelt, so gibt es im Gegensatz dazu aus Japan recht erfreuliche Neuigkeiten. Denn dort tut sich zurzeit eine spannende Vielfalt auf, in der die 2012 gegründete Wagakki Band mit Sicherheit das interessanteste Beispiel darstellt.

Sängerin Yuuko Suzuhana, die die Wagakki Band gegründet hat; © Avex Trax

Wagakki bedeutet so viel wie traditionelle Musikinstrumente. Und der Name ist auch Programm bei der achtköpfigen Gruppe. Das Besondere der Wagakki Band ist, dass hier eine kunstvolle Symbiose zwischen Tradition und Moderne geknüpft wird. Denn neben den traditionellen Musikinstrumenten wie Shakuhatchi (Flöte), Koto (Zitter) oder Taiko (Trommel) gibt es noch elektrische Gitarre, Schlagzeug und Bass. Und die Stücke, die die Band zum Besten gibt, haben es in sich, denn sie sind eine unglaubliche Mischung aus Rock und Elementen des Jazz, verbunden eben mit traditionellen japanischen Klängen.

Alle acht Mitglieder der Wagakki Band; © Avex Trax

Auf diese Weise wird so ziemlich jedes Stück zu einer akkustischen Wucht, die den Hörer regelrecht gegen die Wand klatscht. Klassische Melodien werden in einem rasanten Tempo gespielt, während die Shamisen-Spielerin Beni Ninagawa ihrer Laute Klänge entlockt, so als spiele sie auf einer E-Gitarre.

Diese außergewöhnliche Mischung liegt in den Biografien der einzelnen Mitglieder begründet, vor allem bei der Sängerin Yuuko Suzuhana, die die Band gegründet hat. Schon als Kind lernte sie das Spielen sowohl von westlichen als auch von japanische Instrumenten, was letztendlich zu der Idee führte, einen Stil zu gründen, der beide Elemente beinhaltete. Bei der Komposition der einzelnen Stücke, ist jedes Bandmitglied involviert, sodass jeder Song eine Gemeinschaftsarbeit darstellt.

Die Mischung aus Tradition und Moderne ist Programm; © Avex Trax

Bekannt wurde die Band durch ihre Videoclips, die sie seit 2012 auf Youtube veröffentlichte. Innerhalb von nur vier Tagen wurde ihre Debut-Single „Tengaku“ über 200.000 mal angesehen. Ihr Song „Senbonzakura“ wurde mehr als 50 Millionen mal angeklickt. Dennoch beschränken sich die stets ausverkauften Konzerte hauptsächlich auf Japan. Bisher trat die Band lediglich in den USA und ein weiteres Mal in Frankreich auf.

Inzwischen hat die Band drei Alben veröffentlicht und plant eine Tour durch Asien. Bis die Band auch mal nach Deutschland kommen wird, wird es sicherlich noch einige Zeit dauern.

 

 

FuBs Jukebox: Exotica – Zwischen Lounge, Jazz und Experimental

Cover des Albums „Primitiva“ aus dem Jahr 1958; © Liberty Records

Wenn man böse sein möchte, so könnte man Lounge Music als eine Art Fahrstuhlmusik bezeichnen. Es ist Musik, die nichts besonderes möchte, als einen klanglichen Hintergrund zu bilden für was auch immer. So auch in den 50er Jahren. Der Komponist und Pianist Martin Denny bezeichnete seine Musik selbst als „Fensterverzierung“.

Doch dann kam wie eigentlich immer alles anders, und eben dieser Martin Denny entwickelte einen Stil, der als Exotica bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um Easy Listening und leichte Jazzmusik, die mit Tierlauten untermalt oder in denen traditionelle Instrumente aus Asien, Afrika oder auch aus Südamerika verwendet werden. Gleich seine erste LP aus dem Jahr 1955, der er den Titel Exotica gab, machte diese oben genannten Arrangements zum Programm.

Der Erfolg war riesig, doch so richtig los ging es eigentlich mit seiner LP Primitiva aus dem Jahr 1958. Gleich das erste Stück „Train to Burma“ haut einen regelrecht um, die Tierlaute sind allesamt von den Musikern selbst nachgeahmt, hinzu kommen rasante Percussion-Klänge und eine Melodie, die mehr als nur einprägend ist. Man kommt sich vor, als haben Jim Knopf und sein Freund Lukas Crystal Meth eingeworfen.

Die ganze LP besteht aus ähnlichen Stücken, manche kitschig, manche jazzig und manche irgendwo dazwischen. „Llama Serenade“ wäre ein solches Dazwischen. Beginnt das Stück mit traditionellen tibetischen Klängen, so wandelt es sich in der Mitte um in eine heiße Drum-Session, um zum Schluss wieder in einer Art Weltmusik-Stil zurückzukehren. – Nicht weniger beeindruckend ist übrigens das Cover des Albums mit Fotomodell Sandra Warner, die hier im Stil von Acquanetta in dem Film Jungle Woman (1944) posiert.

Exotica als Musikstil war immer irgendwie dabei, manchmal erfolgreicher, manchmal beinahe am Verschwinden. In den 80er Jahren hatte diese Jazz-Lounge-Easy Listening-World Music-Mischung ein kurzes Rivival, bevor sie dann doch irgendwie verschwand.

Cover des Kult-Albums des Easy Listening-Orchesters 101 Strings aus dem Jahr 1969; © Scamp Records

Einen weiteren Höhepunkt erlebte Exotica davor aber noch. Und zwar Ende der 60er Jahre, als das Orchester 101 Strings ein Album mit dem Titel Astro Sounds from beyond the Year 2000 herausbrachte. Das Orchester hatte sich eigentlich auf Easy Listening à la Bert Kaempfert oder James Last spezialisiert, im Jahr 1969 aber brachten die Musiker die bürgerlichen Stuben außer Rand und Band.

Denn das Album hatte nichts mehr mit braver Hintergrundmusik zu tun, sondern war eine Mischung aus Rock, Easy Listening und Psychedelic. Man könnte auch sagen, 101 Strings flippten hier völlig aus. Stücke wie „Flameout“, „Disappointed love with a desensitized robot“ oder „Where were you in 1982?“ erweisen sich im Grunde genommen als Wegbereiter der Filmmusik der späteren Schmuddelfilm-Ära.

Ein absolutes Unikum ist hierbei das Stück „Instant Nirvana“, das auf der LP leider nicht enthalten ist, sondern extra veröffentlicht wurde. Rockiger Psychedelic-Sound mischt sich hier mit dem Stöhnen einer Frau, die gerade ihren Höhepunkt erreicht. Astro Sound from beyond the Year 2000 gilt als absoluter Klassiker der Exotica-Welle. Das Album wurde erst kürzlich wieder neu veröffentlicht – ebenso wie Primitiva von Martin Denny.