J-Pop: Tokyo Ska Paradise Orchestra – Zwischen Jazz, Funk und allem anderen

Tokyo Ska Paradise Orchestra „Pride of Lions“; © Epic Records

Bereits seit 1989 touren die Mitglieder des Tokyo Ska Paradise Orchestras durch Japan. Seit 2000 ist die Band auch in den USA und Europa bekannt, wo ihre Fangemeinde stetig wächst.

Gegründet hat das Orchestra der Drummer Asa Chang, der um sich herum bekannte Musiker aus der Underground-Szene versammelte. Damals war der Ska-Stil in Japan mehr als nur ungewöhnlich, auch wenn Japan als eines der Jazz-Länder gilt. Was Ska mit Jazz zu tun hat? Für T.S.P.O. eine ganze Menge. Hinzu kommen Pop, Rock und alle möglichen andere Musikrichtungen.

War die Band zunächst nur im Indie-Bereich bekannt, so stießen ihre durcheinander wirbelnden Performances Ende der 90er Jahre auf das Interesse des Labels Epic Records, das auch bekannte Gruppen wie die Girlrock-Band Scandal unter Vertrag hat. Ihr Stil hat sich dadurch zum Glück nicht geändert. Noch immer sind ihre meist als reine Instrumentals konzipierten Stücke verspielt-verrückte Kompositionen, die mit einem solchen Ideenreichtum und einer solchen Vielfalt daher kommen, dass man zunächst einmal von dieser wild-originellen Instrumentalitis regelrecht erschlagen wird.

Tokyo Ska Paradise Orchestra „Pride of Lions“; © Epic Records

Dadurch werden die einzelnen Stücke nie langweilig, im Gegenteil, bei jedem neuen Anhören entdeckt man weitere Klangebenen, weitere eingewebte musikalische Gags, dass jeder Song und jedes Instrumental zu einem wahren akkustischen Abenteuer wird. Interessanterweise ist es ausgerechnet ihre Zusammenarbeit mit der Indie-Band Asian Kung-Fu Generation, die nicht ganz überzeugen will. Der melancholisch-rockige Stil von Generation passt dann doch nicht ganz in die vergnügliche Musikwelt von T.S.P.O. – Weitaus spannender wäre in dieser Hinsicht sicherlich eine Zusammenarbeit mit der Girl-Punkrock Band Band-Maid.

Im März diesen Jahres hat das Tokyo Ska Paradise Orchestra mit „Glorious“ sein 24. Album veröffentlicht. Im Sommer und Herbst tourt die Band durch Süd- und Nordamerika. Vielleicht machen sie ja auch einmal wieder in Deutschland halt.

J-Pop: „Honey“ – Das achte Album der Girl Rock-Band Scandal

Ende vergangenen Jahres erregte die nun schon seit 11 Jahren bestehende Band Scandal Aufsehen durch ihr Video „Koisuru Universe“ (Universe of Love), in dem es um sexuelle Erregung und eine lesbische Beziehung geht – insgesamt also recht ungewöhnlich für eine Band, die sich bis dahin emanzipiert gab und in keinem ihrer Clips sexualisiert wurde.

Daher durfte man gespannt sein, wie sich die Band in visueller Hinsicht weiter entwickeln würde, was durch den oben genannten Clip eher schwierig war. Die Lösung fand sich dann in einem neuen Musikvideo, das lediglich eine Perfomance der Gruppe zeigt. Es handelt sich dabei um „Platform Syndrome“, einen Song, der zugleich das neue Album „Honey“ eröffnet.

Seit Herbst vergangenen Jahres wurde dafür kräftig die Werbetrommel gerührt. Und das Ergebnis? „Honey“ ist eines der besten Rock-Alben geworden, die es in letzter Zeit gab, unabhängig ob aus Japan, den USA oder sonst woher. Hatten die ersten CDs der nur aus Frauen bestehenden Gruppe auf eine sympathische Art und Weise eher konzeptlos gewirkt, also so, als hätten sie einfach mal ein paar Songs zusammengestellt, ohne sich groß Gedanken um die Platzierung auf dem jeweiligen Album zu machen, so ist „Honey“ in dieser Hinsicht völlig anders.

Gleich mit „Platform Syndrome“ liefert die Band einen schnellen, rockigen Einstieg, gefolgt von weiteren Songs, die zwischen Punkrock, Alternative und ein wenig Pop liegen. In der Mitte des Albums werden die Songs etwas ruhiger, bevor es gegen Ende nochmals so richtig zur Sache geht. Dabei erinnert der Song „Short Short“ dann doch ein wenig zu sehr an „Love me do“ aus dem vorangegangenen Album „Yellow“, doch ansonsten lässt sich das Album immer wieder anhören, ohne dass auf irgendeine Weise Langeweile entstehen würde.

Mit „When I open a Window“ (Mado wo Aketara) liefert die Bassistin Tomomi Ogawa ein erstklassiges. leicht jazziges Stück ab, ebenfalls ein Ohrwurm ist „Midnight City“, das eigentlich den typischen Scandal-Rock beinhaltet, im Refrain aber auf gewitzte Weise in einen 70er Jahre-Disco-Stil umschwenkt.

Einen kleinen Abstrich gibt es bei den Texten, die dieses Mal fast ausschließlich von der Drummerin Rina Suzuki stammen und in Sachen Poetik nicht die Klasse erreichen wie diejenigen von Tomomi Ogawa, die bis dahin die meisten Texte verfasst hat. Insgesamt aber ist „Honey“ ein richtig tolles Rockalbum, das von Anfang bis Ende Spaß macht.