Hill House und seine Erben – Shirley Jacksons berühmter Geisterhausroman und was danach kam

HauntingOfHillHouse1959 veröffentlichte die amerikanische Thriller-Autorin Shirley Jackson ihren wohl berühmtesten Roman „The Haunting of Hill House“. Es handelt sich dabei um einen Spukhausroman, der sich jedoch nicht als schlichte Horrorgeschichte versteht, sondern viel eher als psychologischer Thriller mit paranormalen Zwischenschüben. Es geht darin um den Anthropologen Dr. Montague, der ein Experiment in einem angeblichen Spukhaus durchführen will. Die Teilnehmer sind die schüchterne Eleanor, die mit leicht telepathischen Fähigkeiten ausgestattete Theodora und der Erbe des Spukhauses Luke. Ziel des Experiments ist es, zu ergründen, ob es in Hill House, das vor 80 Jahren von dem Industriellen Hugh Crain erbaut wurde, tatsächlich spukt. Das leicht fertig ins Leben gerufene Vorhaben gerät nach und nach außer Kontrolle.

„The Haunting of Hill House“ ist wahrscheinlich der packendste und überzeugendste Spukhausroman, der jemals geschrieben wurde. Das Besondere daran ist, dass Shirley Jackson das Haus nie wirklich mit architektonischen Begriffen beschreibt, sondern dafür Adjektive wie z.B. „scheußlich“ und „aussätzig“ verwendet. Die Handlung wirkt zunächst eher skizzenhaft, bevor sie sich nach den ersten 30 Seiten zunehmend verdichtet. Shirley Jackson, die mit ihrer Kurzgeschichte „Die Lotterie“ berühmt geworden war, befindet sich hierbei auf der Höhe ihres Schaffens. Der Roman beeinflusste später Größen wie etwa Stephen King und Richard Matheson.

Bulwer-Lytton
Edward Bulwer-Lyttons „The Haunted and the Haunters“ (Das leere Haus in der Oxfordstreet) zählt zu den berühmtesten Spukhausgeschichten.

Knapp hundert Jahre vor „Spuk in Hill House“, so der Titel der 1993 im Diogenes Verlag erschienen Übersetzung, verfasste Edward Bulwer-Lytton eine recht ähnliche Geschichte. In „The Haunted and the Haunters“, die 1859 erschien und von der es unterschiedliche Fassungen und auch verschiedene Titel (wie z.B. „The House and the Brain“) existieren, geht es um eine Wette. In einem alten Haus in London soll es angeblich wirklich spuken. Kurzerhand entschließt sich der Ich-Erzähler zusammen mit seinem Diener und seinem Hund eine Nacht darin zu verbringen. Sein anfänglicher Spott gegenüber dem Geisterglauben verwandelt sich in eben dieser Nacht in reines Entsetzen.

Es scheint so, als hätte sich Shirley Jackson von dieser Geschichte, die wohl zu Bulwer-Lyttons bekanntesten Erzählungen gehört, inspirieren lassen. Die Wette wird von ihr in ein Experiment transformiert. Das Interesse am Spuk wird zu einem wissenschaftlichen Unterfangen. Es gibt kaum eine Gespenstergeschichtenanthologie, in der Bulwer-Lyttons Geschichte nicht beinhaltet ist. Shirley Jacksons Roman wurde ein Bestseller und 1963 von Robert Wise unter dem Titel „The Haunting“ verfilmt.

Thehaunting1963Der Film zählt bis heute zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden. Damals galt er als einer der unheimlichsten Filme überhaupt. Robert Wise überträgt den psychologischen Gehalt des Textes in paranoide Bilderfolgen. Der Aufbau der Spannungen und nicht zuletzt die unheimlichen Geräusche (die eigentlichen „Stars“ des Films) sind kaum zu überbieten. Während Theodora in dem Roman andeutungsweise bisexuell charakterisiert wird, erhält sie in dem Film andeutungsweise einen lesbischen Charakter.

Dieser wurde in dem Remake des Films aus dem Jahr 1999 deutlicher herausgearbeitet. Actionregisseur Jan de Bont führte Regie, was diesem Film deutlich schadete. Denn anstatt eine spannende Geschichte und hervorragenden Nervenkitzel zu präsentieren, wird ein Nacheinander an Computer generierten Special Effects geboten, die die Handlung langweilig und eintönig und nicht zuletzt lächerlich machen. Von dem Klassiker Roberts Wises ist nichts mehr übrig.

The_Haunting_film
Das Remake von Robert Wises Klassiker.

Kehren wir 20 Jahre zurück.  1971 verfasste Richard Matheson den Geisterhausroman „Hell House“. Man muss nicht lange um den heißen Brei herumreden. „Hell House“ ist das literarische Remake von Shirley Jacksons berühmten Roman. Dieses Mal ist es der Physiker Dr. Lionel Barrett, der in dem berüchtigten Belasco House ein wissenschaftliches Experiment durchführen möchte. Mit dabei sind unterschiedliche Personen, u. a. ein Mann mit außersinnlicher Wahrnehmung. Die Handlung verläuft beinahe identisch mit derjenigen von „Hill House“, jedoch versehen mit ein paar Sexszenen, die für die spätere Verfilmung gestrichen werden mussten. Der Roman für sich genommen ist durchaus spannend und interessant. Im Vergleich mit „Hill House“ allerdings eher ein Ärgernis. Zu genau ist die Übernahme von Shirley Jacksons Idee.

HellHouse The_Legend_of_Hell_House

Der spätere Film aus dem Jahr 1973 (genau 10 Jahre nach „The Haunting“) übernimmt am Anfang die geniale Optik von Robert Wise, um sie kurz darauf jedoch ad acta zu legen und einen durchschnittlichen Film zu präsentieren. Ähnlich wie später bei „Ghostbusters“ entwirft der Physiker eine Apparatur, mit der es möglich ist, Geister einzufangen.

2002 kam es zu einer weiteren „Adaption“ von Shirley Jacksons Roman. Dieses Mal von Horrormeister Stephen King. Er verfasste das Drehbuch zu einem vierteiligen TV-Film mit dem Titel „Rose Red“ (Das Haus der Verdammnis). Wer den Film nicht kennt, kann dennoch die Handlung sicherlich bereits erraten. Es geht um eine Wissenschaftlerin, die mit Leuten, die paranormale Eigenschaften aufweisen, eine Nacht in einem angeblichen Spukhaus verbringen möchte. Das Experiment gerät jedoch aufgrund des tatsächlichen Spuks außer Kontrolle.

Stephen King übernahm genauso wie Richard Matheson die Grundidee Shirley Jacksons eins zu eins, würzte sie aber mit einer leicht veränderten Hintergrundgeschichte. Der Film selbst besitzt durchaus seine positiven Seiten, auch wenn die TV-Darsteller nicht wirklich überzeugen. Allein Julian Sands weist hierbei eindeutige Pluspunkte auf. Mit einer Laufzeit von knapp vier Stunden zieht sich die Geschichte zu sehr in die Länge. Dennoch wurde der Film ein Erfolg und führte 2003 zu einem Prequel (Das Tagebuch der Ellen Rimbauer), das in seiner Dramaturgie um ein Vielfaches besser ist als die Miniserie, auch wenn diesen Film heute niemand mehr kennt.

RoseRedShirley Jackson legte mit ihrem Roman eine Art Prototyp des Geisterhausromans vor. Auch wenn ihre Geschichte von Bulwer-Lyttons Erzählung „The Haunted and the Haunters“ (Das verfluchte Haus in der Oxfordstreet) inspiriert scheint, knüpfen spätere Spukhausromane und Filme an ihrem Erfolg an.

 

Ich, der letzte Mensch – Zum Tod von Richard Matheson

Am 23. Juni 2013 starb einer der bekanntesten SF- und Horrorschriftsteller: Richard Matheson. Seine Ideen waren wegweisend für das Horror- und SF-Genre. Mit seinem Roman „I am Legend“ (1954) definierte er das Vampirgenre neu. Aus mythologisch verankerten Figuren wurden Opfer einer globalen Seuche. Dieses Konzept übertrug sich später auf die Zombie-Welle. Aber auch seine Romane „The shrinking Man“ (1956) und „Hell House“ (1971) zeigen einen innovativen Charakter.

ich bin legende
Erste (gekürzte) deutsche Veröffentlichung von „I am Legend“.

In „I am Legend“ kämpft der letzte Mensch Robert Neville gegen eine Horde Vampirwesen, die jede Nacht sein Haus angreifen. Bei diesen Kreaturen handelt es sich allerdings nicht um gewöhnliche Vampire, sondern um Überlebende einer globalen Seuche, die sich genetisch verändert haben und nun kein Sonnenlicht vertragen. Der Roman wurde mehrfach verfilmt. 1964 erfolgte die erste Adaption mit dem Titel „The last Man on Earth“. Niemand anderer als Vincent Price spielte damals die Hauptrolle. Der Film hält sich ziemlich genau an dem Roman, sodass auch die spezielle Pointe übernommen wurde. 1971 erfolgte die zweite Adaption mit Charlton Heston als Robert Neville. Hierbei haomega manndelt es sich um die bekannteste Verfilmung des Romans, auch wenn sie sich weniger an die Vorlage hält. 2007 kam es gleich zu zwei Verfilmungen. Zum einen spielte Will Smith in „I am Legend“ die Hauptfigur. Mit Sicherheit ist dieser Film im Hinblick auf den Roman alles andere als gelungen, sondern suhlt sich in Smiths Selbstinszenierung. Im selben Jahr erfolgte die Kickbox-Variante unter dem Titel „I am Omega“. Trash-Star Marc Dacascos spielte Robert Neville. Die erste Hälfte des Films hält sich brav an die Romanvorlage. Die zweite Hälfte dagegen liefert den typischen C-Picture-Charme.

„The shrinking Man“ wurde 1957 von Jack Arnold unter dem Titel „The incredible shrinking Man“ verfilmt. Es geht um Scott Carey, der bei einer Bootsfahrt in eine radioaktive Wolke gerät. Von da an beginnt er, zu incredible shrinking manschrumpfen. Was zunächst Einfluss auf sein Eheleben hat, wird schließlich zu einem immer bedrohlicheren Problem. Denn irgendwann muss Scott vor seiner eigenen Hauskatze fliehen. Während der Roman überzeugend das Gefühlsleben und die Gedanken Scotts wiedergibt, orientiert sich der Film vor allem an der Action. Resultat ist einer der berühmtesten SF-Filme der 50er Jahre. Der Kampf mit der Spinne ging in die Filmgeschichte ein.

„Hell House“ wurde 1973 als „Legend of Hell House“ verfilmt. Es geht um den Parapsychologen Lionel Barrett, der in einem angeblichen Spukhaus ein parapsychologisches Experiment durchführen möchte. Natürlich mit unheimlichen Konsequenzen. Der Roman ist mehr oder weniger ein „Remake“ von Shirley Jacksons „The Haunting of Hill House“ (1959), der 1963 als „The Haunting“ verfilmt wurde. Dennoch ist er überaus spannend umgesetzt. Im Gegensatz zu Shirley Jackson, bringt Matheson einen technischen Aspekt mit ein.

Neben Romanen und Kurzgeschichten verfasste Richard Matheson auch mehrere Drehbücher. Am bekanntesten dürften seine Drehbücher zu den Edgar Allan Poe-Filmen der 60er Jahre sein, in denen vor allem Vincent Price die Hauptrolle spielte. Am berühmtesten ist sicherlich „The Fall of the House of Usher“. Aber auch Filme wie „The Pit and the Pendulum“ (mit Barabara Steele) und „The Raven“ (mit Jack Nicholson, Peter Lorre und Boris Karloff) sind Klassiker des Horrorgenres.