Die Tricks der Gauner und Ganoven – Lothar Schirmer gibt Tipps für mehr Sicherheit

Schlagt man die Zeitung auf, so scheinen in den Meldungen Betrüger Hochkonjunktur zu haben. Besonders alte Leute sind das Ziel dieser Kriminellen, die u. a. mit dem sog. Enkeltrick versuchen, ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch ist nicht nur diese Altersgruppe das Ziel der Kleinkriminellen und Banden, sondern im Grunde genommen kann dies jeden treffen.

Lothar Schirmer, Kriminalrat a. D., hat nun ein Buch darüber geschrieben, wie man sich vor solchen Betrügereien schützen kann und wie man vor allem reagieren soll, wenn man in unschönen Kontakt mit diesen Leuten kommt. Erschienen ist der Ratgeber im bekannten Kirchschlager Verlag, der sich auf Sachbücher über historische Kriminalfälle und Kriminalistik spezialisiert hat.

Schirmers Ratgeber ist hierbei keineswegs trocken oder allzu ernst, obwohl es natürlich um ein ernstes Thema geht. Seine Methode liegt darin, auf sehr unterhaltsame Weise und mit viel Humor auf die Vorgehensweise der Trickbetrüger aufmerksam zu machen. Hierfür schildert der Autor insgesamt 199 authentische Kriminalfälle, die von falschen Polizisten über die Teppichmafia bis hin zu den oben genannten Enkeltrickbetrügern reichen.

Die Fälle sind flüssig und überaus lebendig erzählt, was dem Ratgeber einen zusätzlichen hohen Unterhaltungswert verleiht. Aber viel wichtiger ist, dass Schirmer am Ende eines jeden Falls konkrete Tipps gibt, wie man in solchen unangenehmen Situationen reagieren soll. So z.B., wenn jemand einem einen günstigen „Sozialtelefonanschluss“ anbieten möchte, so sollte man schon allein wegen des ungebräuchlichen Wortes stutzig werden. Oder wenn jemand an der Tür klingelt, der angeblich ein Paket für den Nachbarn abgeben will, man dafür aber Geld bezahlen soll, so sollte man ebenfalls dem Gauner die Tür vor der Nase zuschlagen.

Jeder der 199 beschriebenen Fälle ist anders, sodass Schirmer dem Leser eine überaus große Bandbreite an Situationen beschreibt. Auf diese Weise erhält man einen genauen und vielseitigen Überblick über die Verbrechensarten, aber genauso wie man sich vor diesen schützen kann. Bebildert ist der Ratgeber übrigens mit diversen witzigen Cartoons des Zeichners Sven Kirchner. Kurz: ein lesenswertes und wirklich sinnvolles Buch. Sehr zu empfehlen!

Lothar Schirmer. Die Tricks der Gauner und Ganoven. Verlag Kirchschlager 2017, 269 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-73-1

 

 

Camera Acting – Hilfreiche Tipps für angehende Schauspieler

cameraactingNick Dong-Sik ist Schauspieler, Schauspiellehrer und Leiter der First Take Schauspielakademie. In seinem Buch „Camera Acting“ liefert er grundlegende und wichtige Tipps für junge Schauspieler. Für Nick bedeutet Schauspielen, mit dem ganzen Körper präsent zu sein. Daher geht er in verschiedenen Kapiteln sehr detailliert auf Mimik, Gestik und Körperbewegungen ein. Auch Hinweise zum Trainieren der Stimme und sprachlicher Eigenheiten fehlen nicht.

Schauspieler müssen jedoch nicht nur wissen, auf welche Weise sie eine Rolle verkörpern sollen. Das notwendige Wissen sollte auch darin bestehen, wie man ein Drehbuch liest, Szenen analysiert und letztendlich auch die jeweiligen Rollen untersucht. Mir diesem Bereich beschäftigt sich Nick gleich am Anfang seines Buches und schafft dadurch den Boden, auf dem alle nachfolgenden Hinweise aufbauen. Für viele der in dem Buch behandelten Themen gibt es hilfreiche Videobeispiele.

Junge Schauspieler müssen sich nicht nur mit ihrer jeweiligen Rolle zurechtfinden. Es geht auch darum, zu wissen, wie ein Drehtag abläuft und auf welche Dinge dabei zu achten sind. Dies behandelt Nick im letzten Teil des Buches. Hier geht er auf Regieanweisungen und ihre Bedeutungen ein, erklärt die unterschiedlichen Kameraeinstellungen und gibt Tipps, wie man die anfängliche Nervosität in den Griff bekommt. All dies macht „Camera Acting“ zu einem wertvollen Begleiter für junge Schauspieler.

Nick Dong-Sik. Camera Acting. Das Schauspiel-Training. UVK 2015, 378 Seiten, 34,99 Euro, ISBN: 978-3-86764-623-9.

 

Dok & Crowd – Wie heutzutage Dokumentarfilme finanziert werden

dokundcrowdRegisseure stehen in der Regel vor dem Problem, dass sie lange brauchen, bis sie eine Finanzierung für ihr Projekt gefunden haben. Ist dies bei Spielfilmen der Fall, dann bei Dokumentationen umso mehr. Obwohl zurzeit Dokufilme an Popularität gewinnen, stellen sie dennoch ein Nischenprodukt dar. Das heißt, von Anfang ist klar, dass der fertige Film nur von einer sehr begrenzten Anzahl Zuschauer gesehen werden wird.

Der Autor Paul Rieth berät Filmemacher bei der Finanzierung ihrer Werke. Seine Tipps und Hinweise hat er nun in dem Buch „Dok & Crowd“ zusammengefasst. Ausgehend von der klassischen Finanzierung und klassischen Distributionswegen, zeigt er auf, welche Rolle in unserer Zeit Crowdfundig spielt. Dabei geht er zum einen auf die Geschichte dieser neuen Finanzierungsmöglichkeit ein, zum anderen erklärt er recht genau, wie Crowdfunding funktioniert und zeigt Filme auf, die mithilfe dieser Methode realisiert worden sind.

Als neue Form der Distribution dient Video-on-Demand. Für Dokumentarfilmer stellt dies eine sinnvolle Ergänzug zur klassischen Distributionsform dar. Paul Rieth beschreibt die verschiedenen Anbieter, die genaue Funktionsweise von VoD und geht in einem Extrakapitel auch auf das Thema illegales Download ein.

Im letzten Teil des Buches gibt der Autor Hinweise für ein möglichst effizientes und dennoch kostengünstiges Marketing ein. Er beschreibt dabei die Möglichkeiten von Social-Media-Marketing bis hin zur Blog-Nutzung.

Alles in allem liefert „Dok & Crowd“ einen interessanten und durchaus spannenden Einblick in unterschiedliche Formen neuer Finanzierungsmöglichkeiten von Filmen. Die Informationen, die der Autor liefert, sind nicht nur nützlich für angehende Dokumentarfilmer, sondern auch lesenswert für Leute, die sich für die Filmwirtschaft generell interessieren. Also durch und durch ein gelungenes Buch.

Paul Rieth: Dok & Crowd. Dokumentarfilme finanzieren und verwerten. UVK 2015, 227 Seiten, 24,99 Euro, ISBN: 978-3-86764-520-1

Was sich bewährt hat – Interessantes über vergangene Lebenswelten

wassichbewährhatDer Buchtitel täuscht. „Was sich bewährt hat – Begegnung mit alter Lebensweisheit“ ist kein weiteres Ratgeberbuch für Leute, die sich zu gestresst vorkommen. Die Historikerin Inge Friedl liefert mit ihrem neuesten Buch detaillierte Einblicke in vergangene Lebenswelten. Die Informationen darüber sammelte sie u. a. durch das Führen von Interviews mit älteren Leuten. Dabei ging sie der Frage nach, was die heutige Zeit von der damaligen unterscheidet.

Aus den Antworten, die sie erhielt, verfasste sie ein sehr faszinierendes und zugleich überaus unterhaltsames Sachbuch, das sich mit der Welt unserer Großeltern beschäftigt. Inge Friedl hebt keineswegs den mahnenden Zeigefinger, um das soziale Handeln von heute zu kritisieren. Ihr geht es darum, einen genauen Blick in die Vergangenheit, d. h. in die Zeit bis ca. 1960 zu werfen. Im Zentrum ihres Interesses stehen dabei die Dorfgemeinschaften und das alltägliche Leben auf dem Land.

Sie beschäftigt sich u. a. mit den Aspekten der Zeit, dem Feierabend, mit dem Thema Zufriedenheit, Gemeinschaft oder auch mit dem Thema Essen. Sie zeigt auf, wie die Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihr Leben eingeteilt haben, wie die Kirchturmuhr tatsächlich das Leben bestimmt hat oder welche Rolle damals die Gemeinschaft im Leben jedes Einzelnen spielte. Auch das Essen mit den damit verbundenen Ritualen, die in heutiger Zeit mehr und mehr wegfallen, greift Inge Friedl auf. Sie behauptet nicht, dass früher alles besser gewesen sei. Ihre Untersuchung möchte vielmehr das Leben der damaligen Zeit rekonstruieren, wobei sie auch dem Leser ein paar Gedanken mit auf dem Weg gibt. Zum Beispiel dann, wenn es um das Thema Müll geht oder auch um das Thema Sterben, das in unserer Gesellschaft zu einem Tabuthema geworden ist.

Insgesamt beschäftigt sie sich mit 14 verschiedenen Merkmalen, unterscheidet diese mit den jeweiligen heutigen Zuständen und geht dann detailliert auf die damaligen Verhaltensweisen ein. Inge Friedl gelang dadurch ein witziges, teils nachdenkliches und vor allem lehrreiches Buch, das man gerne liest.