The 80s: White Dog -Erst verboten, dann gerühmt

whitedogKaum ein anderer Film erregte Anfang der 80er Jahre so viel Aufsehen wie „White Dog“ von Regisseur Samuel Fuller. Der Film geriet bereits kurz nach seiner Fertigstellung ins Kreuzfeuer der Kritik und zwar auf eine solche Weise, dass Paramount den Film in den USA nicht veröffentlichte. Obwohl nur wenige Filmkritiker das Werk überhaupt sichten konnten, transformierte sich die negative Kritik über diesen Film in eine Art Selbstläufer, was soviel heißt wie, dass vor allem Leute den Film kritisierten, die ihn überhaupt nicht gesehen hatten.

„White Dog“ bezeichnet in den USA einen Hund, der von Weißen abgerichtet wurde, um Schwarze anzugreifen und zu töten. Dabei handelt es sich leider um keine urbane Legende, sondern um rassistische Realität. In dem Film läuft der jungen Schauspielerin Julie ein solcher Hund direkt vors Auto. Sie bringt den Hund zum Tierarzt, der sich um die Verletzungen kümmert, und adoptiert ihn schließlich, ohne zu ahnen, was für ein Monster sie sich ins Haus geholt hat. Als sie schließlich selbst merkt, dass etwas mit dem Hund nicht stimmt, bringt sie ihn zu einem Tiertrainer. Dort arbeitet auch Keys, ein Schwarzer, der bereits einmal vergeblich versucht hat, einen White Dog „umzuerziehen“. Nun möchte es Keys noch einmal versuchen …

Die Filmhistorikerin und Bürgerrechtlerin Robin Coleman berichtet in ihrem überaus lesenswerten Buch „Horror Noir“, dass Paramount eigentlich so etwas wie Spielbergs „Weißer Hai“ haben wollte, nur mit einem anderen Tier. Aber außer dem Adjektiv „White“ im Titel gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen dem ersten Blockbuster der Filmgeschichte und der von Samuel Fuller kreierten Parabel. Verärgert darüber, habe sich Paramount nicht weiter um den Film gekümmert. Als aber dann der Aufruhr um den Film immer größer wurde, zog die Produktionsfirma den Film zurück. Zwar wurde er in Europa gezeigt*, wo er u. a. in Cannes positive Kritiken erntete, doch in den USA wurde er erst im Jahr 2008 veröffentlicht.

Die Leute, die den Film in den USA so heftig kritisierten, waren – wie man sich denken kann – Weiße. Sie sahen in dem Film eine verzerrte Darstellung der Realität und vermuteten, dass sich die Bürgerrechtsorganisation NAACP dahinter verberge. Man warf dadurch dem Film einen Rassismus gegen Weiße vor, was aber völliger Quatsch ist.

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Keys beim Versuch, den Hund zu bändigen. „Whiter Dog“ (1982), Copyright: Paramount Pictures.

Obwohl der Film als Tierhorror bezeichnet wird, handelt es sich eigentlich nicht um einen Horrorfilm, sondern – wie oben bereits erwähnt – eher um eine Parabel, die sich mit dem Rassismus in den USA beschäftigt. Fast schon verbissen, versucht der Tiertrainer Keys, den Hund davon abzubringen, auf Schwarze loszugehen. Diese Szenen nehmen den Hauptteil des Films ein. Das Problem: der Hund verändert sich nicht, bricht einmal sogar aus und fällt einen Mann an, der gerade aus der Kirche kommt. Die kurze Sequenz davor, in der der Weiße Hund durch das Schwarzenviertel läuft, wobei er vereinsamte Straßen überquert, sich durch puren Zufall Kinder gerade ins Haus begeben, knapp bevor der Hund sie sieht, ist inzwischen zwar unglaublich berühmt geworden, führte aber dennoch nicht dazu, dass dem Film das Siegel eines B-Movies abgenommen wurde.

Der Grund ist, dass sich Samuel Fuller bei der Inszenierung an den Blacksploitationfilmen der 70er Jahre orientiert. Dies betont Fuller zusätzlich dadurch, indem er Trash-Ikone Paul Winfield als Keys auftreten lässt. Winfield spielt in diesem Film einfach nur überragend, sodass alle anderen Darsteller ihm nicht das Wasser reichen können, obwohl sie natürlich auch ihre Arbeit gut machen. Doch Winfield überzeugt in seiner Rolle über alle Maßen, sein Kampf mit dem Hund ist zugleich der symbolische Versuch, gegen Rassismus und Hetze anzukämpfen. Dies macht „White Dog“ zu einem Film, der einen nachdenklich stimmt und der dadurch noch lange im Gedächtnis bleibt.

* In Deutschland wurde der Film allerdings um fünf Minuten gekürzt und teilweise falsch synchronisiert, um dadurch die eigentliche Thematik des Films nicht deutlich werden zu lassen.

White Dog (Die weiße Bestie/Der weiße Hund von Beverlyhills), Regie: Samuel Fuller, Drehbuch: Samuel Fuller, Curtis Hanson, Produktion: Jon Davison, Darsteller: Kristy McNichol, Paul Winfield, Burl Ives, Jameson Parker. USA 1982, 90 Min.