K-Pop 2014 oder Mit Erotik zum Abschwung?

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Hook des Clips „Marionette“ der Gruppe Stellar.

Über koreanische Boy-Groups braucht man nicht sonderlich viel zu erzählen. Die Konzepte der jeweiligen Gruppen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Auch 2014 änderte sich dies nicht. Im Gegensatz dazu legten die Produktionsfirmen den (vor allem visuellen) Fokus auf ihre Girl-Groups.

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Gekonnter Hüftschwung im Dance-Shot von „Marionette“.

Das Motto, unter dem die Konzepte weiter entwickelt wurde, lautete: Provokation. Und am leichtesten geht dies durch die Zunahme von erotischen Aspekten in den Videoclips. So überraschte die Formation Stellar, die bis dahin als eine der schlechtesten K-Pop-Groups überhaupt galt, mit dem Clip „Marionette“. Ziemlich freizügige Kostüme und eine Nahaufnahme des weit ausgeschnittenen Dekoltees einer der Sängerinnen, sorgten dafür, dass das Video erst zu später Stunde ausgestrahlt werden durfte. Besonders dieses Jahr legten es die Musikkonzerne darauf an, Clips nur für Erwachsene zu drehen, in der Hoffnung, dadurch den gewünschten Medienrummel zu verursachen. Bei „Marionette“ klappte dies auf jeden Fall. Da die Konkurrenz zwischen den Firmen und den einzelnen Gruppen immer intensiver wird, bleibt den Machern gar nichts mehr anderes übrig, als mit Erotik zu trumpfen. Andere Gruppen müssen unweigerlich nachziehen.

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Dance-Shot in dem Clip „Mask“ der Gruppe Stellar.

Doch schon der Nachfolge-Clip mit dem Titel „Mask“ fiel weit hinter „Marionette“ zurück. Auf antik gestylte Kostüme und eine lesbisch angehauchte Choreographie sollten für eine gewisse Dekadenz sorgen. Aber der erhoffte Knall verhallte ungehört. Die Dance-Shots haben zwar durchaus Stil, doch das angedeutete Busenstreicheln hilft nicht einmal, um einen Möchtegern-Skandal auszulösen. Besonders, da speziell diese einstudierte Handbewegung mittlerweile zum Standardprogramm verschiedener Girl-Groups gehört.

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Eine Szene aus dem Style-Film der Gruppe Rainbow-Blaxx.

Die Produzenten der neu gegründeten Girl-Group „Rainbow Blaxx“ gingen sogar soweit, eine Art Softerotikkurzfilm zu drehen, der wenige Wochen vor dem Videorelease ausgestrahlt wurde (wir berichteten darüber). Das als „Style-Film“ bekannt gewordene Filmchen erwies sich als äußerst medienwirksam. Es gab kaum ein Magazin, in dem nicht darüber berichtet wurde. Das Video, das daraufhin veröffentlicht wurde, wirkte dagegen eher harmlos, obwohl es gut gemacht war.

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4L beim Po-Wackeln. Die Dance-Shots wirken teilweise unfreiwillig komisch.

Schließlich war es die Gruppe 4L (Four Ladies), welche mit ihrem Clip „Move“ für ein negatives Echo im Internet sorgten. Durch Nahaufnahmen der Leistengegenden und angedeutete Selbstbefriedigung erhoffte man sich anscheinend einen Knüller. Doch die Sängerinnen wurden mit übelsten Schimpfwörtern angegriffen. 4L war bewusst als Erotik-Formation ins Leben gerufen worden. Während die narrativen Elemente, die einen lesbischen Liebesakt andeuten, gekonnt umgesetzt waren, wirkten die angeblich erotischen Dance-Shots doch eher unfreiwillig komisch. Die Produzenten meinten damals, das Video „Move“ sei erst der Anfang. Doch nach den schlimmen Reaktionen, die dadurch ausgelöst wurden, dürfte es fraglich sein, ob das Konzept weiter aufrecht erhalten werden kann.

Und wie wird all das weitergehen? K-Pop ist noch immer einer der erfolgreichsten Musikstile, welcher derzeit auf dem internationalen Markt zu finden ist. Dennoch haben es die koreanischen Produktionsfirmen schwer, an den früheren Erfolgen anzuknüpfen. Unserer Meinung nach drücken die Erotik-Konzepte eher eine Einfallslosigkeit aus. Der anfänglichen Kreativität, welche K-Pop so populär gemacht hat, geht langsam die Luft aus. Es werden höchstwahrscheinlich weitere, vielleicht sogar intensivere Erotik-Konzepte entwickelt werden, um mit der sog. Dampfhammermethode die erhoffte Aufmerksamkeit zu erlangen. Was wie ein derzeitiger Trend wirkt, könnte auch der Anfang einer Krise sein.

 

 

 

K-Pop: Rainbow Blaxx und die möglichen Folgen

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Der sog. „Style Film“ brachte der neuen Formation Rainbow Blaxx sofort große Aufmerksamkeit.

Bereits in früheren Artikeln haben wir die zunehmende Sexualisierung koreanischer Girl Groups erwähnt. Diese Form der Marketingstrategie ist eine schlichte Folge des internationalen Erfolgs von K-Pop. Doch die Konkurrenz zwischen den einzelnen Gruppen ist hart. Es muss nach Möglichkeiten gesucht werden, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Die einfachste Lösung verspricht in dieser Hinsicht, die Erotik in den Videoclips zu steigern. Das Duo Sistar 19 machte es vor, wenn auch noch relativ harmlos. Es folgten Nine Muses mit ausgefeilteren Projekten (wie etwa den Clips zu „Wild“ und „Glue“). Im Sommer 2013 wurde in den Videos die Bikinisaison strategisch verwertet, so z.B. bei der Gruppe Rania in dem Clip „Up“ und bei dem alles andere als gelungenen Clip „Bikini“ von Kim So-Ri. Ende 2013 übernahm auch die ansonsten eher emanzipiert konzipierte Gruppe Miss A in dem Clip „Hush“ deutlichere erotische Konzepte. Eine überaus langweilige, weil fast schon lächerliche Erotisierung wurde in dem Video „Miniskirt“ der Gruppe AOA angewandt. Im Gegensatz dazu konnte die Formation Dal Shabet mit dem Clip „B. B. B.“ die Qualität wieder etwas steigern.

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Rainbow Blaxx „Style Film“

Einen Höhepunkt der Erotikwelle in koreanischen Musikvideos wurde Mitte Januar 2014 mit der Gruppe Rainbow Blaxx erreicht. Die neu ins Leben gerufene Formation machte nicht allein durch ihr Video „Cha-Cha“ Furore. Vor der Veröffentlichung des Clips und des Minialbums wurde ein ca. drei minütiger Clip gedreht, der unter dem Namen Style Film schlagartigen Medienrummel auslöste. Hinzu kamen eine Reihe von Fotos, die in Presse und Internet veröffentlicht wurden.

Der sog. Style Film präsentiert die drei Gruppenmitglieder in Art eines Lingerie-Clips. Die Sexualisierung der Sängerinnen war für koreanische TV-Verhältnisse doch ziemlich gewagt, sodass der Clip erst ab 19 freigegeben wurde. Anscheinend gibt es auch eine geschnittene Version, die eine Altersfreigabe ab 15 erhalten hat. Untermalt von Lounge-Musik präsentieren sich die Mitglieder in verschiedenen Posen. Das Spiel zwischen Licht und Schatten besitzt dabei durchaus Niveau, insgesamt aber reicht der Kurzfilm nicht über die Qualität eines gewöhnlichen Fotoshootings hinaus. Die Posen wirken gelegentlich wenig natürlich, sondern zu sehr konstruiert.  Zudem haben sich zwei kleine Fehler in den Clip eingeschlichen. So ist in zwei Szenen, die vor einem Spiegel spielen, der Kameramann zu sehen. Unserer Meinung nach handelt es sich hierbei nicht um Absicht, da der Mann nicht zur Bildkomposition passt. Wie dem auch sei, der Clip erregte enormes Aufsehen, da hier zum ersten Mal in der Geschichte des K-Pop ein  Softerotikvideo gedreht wurde. Die Reaktion schwankt zwischen Empörung und Begeisterung. Auf jeden Fall hat dieses Marketingkonzept eine Schwelle überschritten, da hier Verspieltheit durch eine direkte Aussage ersetzt wurde.

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Rainbow Blaxx „Style Film“

Das Video „Cha-Cha“ setzt interessanterweise das in dem Style Film präsentierte Konzept eher unwesentlich fort. Natürlich sind auch in dem Musikvideo die Sängerinnen stark sexualisiert, doch spielt sich alles innerhalb eines surrealen Rahmens ab, der die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf die Story lenkt und weniger auf die Sängerinnen. Der Clip erzählt von drei jungen Frauen, die von einer Art Hexe mit Kuchen und anderen Süßigkeiten gefüttert werden. Als Folge erbrechen die Frauen Diamanten, welche die Hexe hortet. Das Video ist sowohl surreal als auch grotesk und erinnert im Grunde genommen an die deutschsprachige Phantastik der Jahrhundertwende. Dort gibt es z. B. eine Geschichte, die davon handelt, dass ein Mann ständig Diamanten erbricht. Wem das zu weit hergeholt erscheint, dem sei gesagt, dass in Südkorea die klassische deutschsprachige Phantastik nicht unbekannt ist. Gleichzeitig entlarvt der Clip die männlichen Zuschauer als Spanner. Dadurch setzt er das eigene Projekt sowie die Reaktion darauf in ein ironisches Licht. Teile des Clips dienen klarerweise dem Eye Catching, immerhin geht es letztendlich darum, ein Produkt zu vermarkten. Doch genau diese Methode und die dadurch angezogenen Rezipienten werden mithilfe dieser Darstellungsweise, die hinein ins Groteske reicht, durch den Kakao gezogen.

Die Qualität des Videos reicht von „durchschnittlich“ bis „gut“. Die Danceshots sind nicht unbedingt einfallsreich, sondern gleichen sämtlichen anderen Videoclips. Die narrativen Elemente allerdings sind gut in Szene gesetzt.

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In dem Clip „Cha-Cha“ der Gruppe Rainbow Blaxx werden junge Frauen mit Kuchen gefüttert, um darauf Diamanten zu erbrechen.

Wie bereits erwähnt, hat das Konzept der Gruppe eine bestimmte Grenze überschritten. Die Frage, die man sich stellen kann, lautet, wie die weitere Entwicklung des K-Pop aussehen wird. Zwar gibt es noch immer Gruppen wie z.B. Crayon Pop, die weiterhin auf Verspieltheit setzen. Die Mehrheit aber tendiert zu der oben erwähnten Erotisierung und Sexualisierung. Da in dieser Hinsicht aufgrund des Style Films eine neue Vorgabe gemacht wurde, dürfte es nicht lange dauern, bis auch andere Gruppen nachziehen werden. Innerhalb des dadurch entstehenden Wettbewerbs werden sich klarerweise die erotischen Aspekte erneut verstärken. Viele Fans, die von der Verspieltheit des K-Pop fasziniert waren und sind, wird dies sicherlich nicht gefallen. Die Frage ist, wie weit die Musikproduzenten dieses Spiel treiben werden. Sicher ist nur, dass man nicht lange auf den „Style Film“ einer anderen Gruppe warten muss.

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Das Video entlarvt zugleich auf ironische Weise die Reaktion des männlichen Publikums.