What keeps you alive – Horror in Zeiten des Genderwahns

Wehe man ärgert sich heutzutage über jemanden, schon wird man verdächtigt Rassist, Sexist oder alles zusammen zu sein. Angefacht durch die metoo-Debatte erzeugt dies einen pseudmoralischen Selbstläufer, der nicht zu stoppen und von Narzisten, die anderen ihre Meinung wenn nötig auch per Anwalt aufdrücken wollen, missbraucht wird.

Was es also braucht, ist eine Antwort auf das, was zurzeit falsch läuft. Und in diesem Sinne kommt der kleine, aber feine Horrorfilm „What keeps you alive“ genau richtig. Die kanadische Produktion stammt von Regisseur Colin Minhian, der sich davor einen Namen durch den SF-Horrorfilm „Extraterrestial“ gemacht hat. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Brittany Allen, die nicht nur die Hautprolle spielt, sondern auch die Musik komponiert hat, entwickelte er die Mischung aus Psycho-Thriller und Gender-Horror, die es in sich hat.

Erzählt wird die Geschichte des gleichgeschlechtlichen Paares Jules und Jackie, die ihren ersten Hochzeitstag feiern wollen. Dazu fahren sie in ein abgelgenes Haus, in dem Jackie als Kind gewohnt hat. Nach und nach aber erfährt Jules, dass Jackie völlig anders ist, als sie sich ausgibt: sie ist eine gefährliche Psychopathin, die ihre Lebensgefährtinnen ermordet, um an deren Geld zu kommen …

Damit ist keineswegs der Plot verraten, denn all das erfährt man schon gleich am Anfang. Was folgt ist dermaßen spannend inszeniert und derart gut gefilmt, dass man buchstäblich den Atem anhält. Auch als gewiefter Horrorfan saß ich wie gebannt da und zitterte, da man stets auf die nächste krankhafte Gemeinheit Jackies gefasst sein muss.

Das Paar sollte zunächst von einem Mann und einer Frau gespielt werden. Doch wahrscheinlich animiert durch die derzeitge Genderdebatte, die sich nur noch um sich selbst dreht, machten Minhian und Allen daraus ein sog. Same-Sex-Couple. Kein männlicher Psychopath, sondern eben eine weibliche Psychopathin, die sich selbst für unübertroffen hält, macht Jagd auf ihre weiblichen Opfer und sorgt dabei für ein Symbol, das überfällig war: eben für den krankhaften Narzissmus, der zurzeit unschöne Blüten treibt und für teils lachhafte, teils widerliche Konflikte verantwortlich ist und nichts mehr mit dem eigentlichen metoo-Anliegen zu tun hat.

Minhian reichen dafür gerade mal zwei hervorragende Schauspielerinnen, die den gesamten Film mit ihrer Aura ausfüllen. Kurz: ein toller Film, der in jeder Hinsicht überzeugt.

What keeps you alive. Regie u. Drehbuch: Colin Minhian, Produktion: Kurtis David Harder, Darsteller: Brittany Allen, Hannah Emily Anderson. Kanada 2018, 98 Min.

 

 

The Flesh and Blood Show: Der Versuch eines Horrorfilms

fleshandbloodshow„The Flesh & Blood Show“ gehört im gewissen Sinne zur englischen Post-Hammer-Ära, in der die englischen Produktionen versuchten, an den sozialkritischen US-Horrorfilmen der 70er Jahre anzuknüpfen. Regie führte Peter Walker, der davor im Erotik-Genre tätig gewesen war. Dies liefert eine Erklärung dafür, weswegen sich jede der Protagonistinnen mindestens einmal naggisch macht. Seine späteren Filme „Haus der Peitschen“ und „Frightmare“ sind in Deutschland leider noch immer beschlagnahmt.

Peter Walkers erster Horrorfilm handelt von einer Gruppe junger Schauspieler, die in einem alten Theater, das in einem Küstenort liegt, ein Stück proben. Doch kaum sind sie dort angekommen, als einer nach dem anderen von einem Psychopathen ermordet wird …

Aus einem filmhistorischen Gesichtspunkt ist dieser Film sicherlich interessant, da er, wie gesagt, ein Beispiel für den 70er Jahre-Horrorfilm aus England ist, der ja größten Teils ohne die Produktionen der Hammer-Studios auskommen musste. Die sozialkritischen Grundtöne, die vor allem den Werte- und Generationenkonflikt in den Mittelpunkt stellen, kennzeichnen Walkers Erstling ebenfalls als Kind seiner Zeit. Die offene und freie Lebenseinstellung der Schauspieler, die man als eine Art Symbol für die Hippie-Bewegung nehmen könnte, steht die strenge, konservative Moral- und Wertevorstellung der älteren Generation gegenüber. Dies schafft natürlich einen Nährboden für Konflikte, da weder die Hippies die Älteren verstehen wollen noch umgekehrt. Trotzdem „The Flesh & Blood Show“ gerne als Horrorfilm bezeichnet wird, so ist der Film doch eher Krimi bzw. Psycho-Thriller und liegt irgendwo zwischen Agatha Christie, Edgar Wallace und Robert Bloch. In diese Richtung funktioniert Walkers Film allerdings recht gut, kreiert er doch eine bedrohliche und durchaus beklemmende Grundatmosphäre, die zu mehreren spannenden Szenen führt. Das eigentliche Grauen oder besser der eigentliche Schrecken vollzieht sich jedoch nur in teils sehr vagen Andeutungen, sodass der Film speziell in diesen Szenen schwächelt. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass das Ende eher enttäuscht, als provoziert.

The Flesh & Blood Show – Im Rampenlicht des Bösen (OT: Originaltitel: The Flesh & Blood Show), Regie u. Produktion: Peter Walker, Drehbuch: Alfred Shaughnessy, Darsteller: Ray Brooks, Jenny Hanley, Luan Peters, Patrick Barr. England 1972, 92 Min.