The Girl with all the Gifts (2016)

Colm McCarthy hat sich vor allem als Regisseur der „Peaky Blinders“-Serie einen Namen gemacht. Die Darstellung von düster-tragischen Handlungen und physischen wie psychischen Grausamkeiten machte ihn daher für die Adaption des Zombie-Romans von M. R. Carey, der auch selbst das Drehbuch schrieb, durchaus geeignet.

McCarthys erster Kinofilm handelt in einer post-apokalyptischen Welt, in der sich Menschen aufgrund von außergewöhnlichen Sporen in Zombies verwandeln. Während die Gesellschaften zusammengebrochen sind, versuchen die Militärs weiterhin nach einem Impfstoff zu suchen, der die Seuche eindämmt. Als Grundlage der Forschung dienen ihnen Kinder, bei denen sich der Verlauf der Seuche völlig anders verhält. Unter den „Versuchsobjekten“ ist auch das Mädchen Melanie. Als das Lager von Zombies überrannt wird, gelingt ihm zusammen mit einer Handvoll Soldaten die Flucht nach London, wo sie weiteren Gefahren ausgesetzt sind …

„The Girl with all the Gifts“ beginnt wie ein beklemmendes Kammerspiel, in dem Nahaufnahmen und enge Räume eine fast schon klaustrophobische Atmosphäre schaffen. Kinder werden behandelt wie Dinge, nur die Soldatin Helen behandelt sie wie richtige Menschen, wobei ihr besonders die begabte Melanie am Herzen liegt.

Auf diese Weise beschäftig sich die erste viertel Stunde mit dem trostlosen Alltag auf der Station. Doch dann beginnt die plötzliche Wende, als die Station von Zombies überfallen wird. Die Szene, in der in einer Totalen das gesamte Gelände gezeigt wird, vor dessen Umzäunung die Infizierten lauern, ist durchaus beeindruckend und erinnert in seiner Endgültigkeit an den Klassiker „Things to Come“ aus dem Jahr 1936, der sich in mehreren Sequenzen ebenfalls mit einer post-apokalyptischen Welt inklusive Zombies auseinandersetzt.

Überhaupt steckt „The Girls with all the Gifts“ voller Zitate, die durchaus gewitzt in die Handlung eingefügt sind. Ob es sich nun um „Blumen des Schreckens“ handelt, um die Star Trek-Folge „Miri, ein Kleinling“ oder natürlich um „Der Omegamann“, der Film webt diese Querverweise stilsicher in die eigene Geschichte ein. Die Pointe des Ganzen schließlich ist dann wiederum weniger originell. Denn genau da, wo man sich ein überraschendes Ende erwartet, übernimmt der Film die Pointe des Romans „I am Legend“ von Richard Matheson. Dennoch oder vielleicht sogar deswegen bringt dies einem zum Schmunzeln, besitzt Mathesons Roman doch einen der originellsten und faszinierendsten Endgags überhaupt.

Trotz interessanter Story, wollten die Produzenten Colm McCarthy dann doch nicht allzu viel Geld in die Hand geben, sodass er mit einem Budget von vier Millionen Pfund auskommen musste. Auf diese Weise wirkt der Film mehr wie eine Direct to Video-Produktion als wie ein für die Leinwand bestimmter Film. Doch ist dies eigentlich gut so, denn auf diese Weise musste sich der Regisseur auf die Handlung konzentrieren und weniger darauf, ein Zombie-Effekt-Gewitter loszutreten. Dies macht „The Girl with all the Gifts“ zu einem durchaus interessanten Vertreter der Zombie-Welle.

The Girl with all the Gifts. Regie: Colm McCarthy, Drehbuch: M. R. Casey, Produktion: Will Clarke, Angus Lamont, Darsteller: Gemma Aterton, Paddy Considine, Glenn Close, Sennia Nanua. England/USA 2016, 111 Min.