Posts Tagged ‘Polizeifilme’

untouchablelawmenMit „Untouchable Lawmen“ versucht sich Komödienregisseur Shin Dong-Yeop im Polizeifilm. Was zunächst wie ein albernes Wirrwarr erscheint, entpuppt sich im Laufe der Handlung jedoch als gut durchdachte Actionkomödie.

Es geht um den sexsüchtigen Polizisten Yoo-Min und seinen Kollegen Jung-Ju, einem leicht psychopathisch veranlagten Schlägertypen. Beide wurden von ihrem Dienst suspendiert. Doch dann erhalten beide den Auftrag, einem mächtigen Sektenführer das Handwerk zu legen.

Die ersten Szenen erinnern an die typischen koreanischen Komödien der 90er Jahre. Übertriebene Albernheiten, über die man nur selten lachen kann. Dem gegenüber stehen aufgemotzte Stadt- und Landschaftsaufnahmen, die bereits zeigen, dass Regisseur Shin etwas ganz Anderes im Sinn hat, als zurück zu den Anfängen des modernen koreanischen Kinos zu kehren. Aus der albernen Komödie wird schnell ein rasanter Spannungsfilm mit niveaulvollem Witz, viel Ironie und einer bitterbösen Satire auf die Politik von Präsidentin Park. Dabei darf auch ein Seitenhieb auf K-Pop nicht fehlen, tritt doch die Girl Group Queen B’z in der Versammlungshalle des Sektenführers auf, um die Mitglieder zu begeistern – eine durchaus originelle Kritik sowohl an der Politik als auch am Kapitalismus, geht es in der Szene doch um den Aspekt der Verschleierung.

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Joo-Min und Jung-Ju als Gefangene des Sektenführers.

Die verschiedenen Handlungsstränge fließen elegant zusammen, die Actionchoreographien sind zwar nicht überragend, dennoch sehenswert. Shin hält stets die Balance zwischen Ernst und Ironie. Besonders in einer der Schlussszenen, in denen der Film in Kitsch abzudriften droht, gelingt es Shin, die Situation zu retten, indem er sich zugleich darüber lustig macht und die typischen koreanischen Endlos-Heulszenen gehörig durch den Kakao zieht.

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Joo-Min und Jung-Ju erneut in Bedrängnis.

„Untouchable Lawmen“ ist mit Sicherheit kein Meisterwerk, aber der Film macht von Anfang bis Ende Spaß, die zwei Stunden Spielzeit sind vollkommen ausgefüllt, sodass es zu keinerlei Durchhängern kommt. Es macht den Eindruck, als habe sich Shin Dong-Yeop mit diesem Film seinen Ärger und seine Wut auf Politik und Gesellschaft regelrecht von der Seele geschrieben. So heißt es in einer der letzten Dialogzeilen: „Korea ist ein Scheißland, aber es gibt auch noch Hoffnung.“ In diesem Sinne reiht sich nun auch Shin ein in die Reihe engagierter koreanischer Filmemacher, die mit ihren Filmen nicht nur unterhalten, sondern auch kritische Aussagen treffen wollen. Shin ist beides voll und ganz gelungen.

 

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chronicleofevilPolizeifilme haben in Südkorea eine lange Tradition, sodass sie aus dem Kino nicht mehr wegzudenken sind. Auch „Chronicles of Evil“, eine Mischung aus Thriller und Drama, fügt sich beinahe lückenlos in die Tradition ein.

Es geht um den Polizisten Choi Chung-Suk, der soeben die Ehrennadel erhalten hat. Doch kurz nach einer Feier zu Ehren seiner Auszeichnung, kommt es zu einem schweren Zwischenfall. Choi, der im Taxi, das ihn nachhause bringen sollte, eingeschlafen ist, wacht plötzlich auf und bemerkt, dass der Fahrer ihn ganz woanders hinfährt. Auf einer einsam gelegenen Wiese zückt der Fahrer auf einmal ein Messer. Bei dem Zweikampf tötet Choi seinen Angreifer. In Panik geraten, versucht Choi, den Zwischenfall zu vertuschen. Doch als die Leiche des Mannes mitten in der Stadt von einem Kran baumelt, scheint seine Vertuschungsaktion gescheitert zu sein. Verzweifelt setzt er alles daran, um die Ermittlungen auf eine andere Spur zu lenken.

Genauso beliebt wie der Polizeifilm sind in Südkorea Rachefilme. Leider führen die Rachemotive meistens dazu, dass sich die Handlung eines Films in komplexen Sachverhalten verheddert, sich die Spannung dadurch in übertriebenen Kitsch verwandelt. Und genau dies trifft auch auf „Chronicles of Evil“ zu. Die Handlung beginnt vielversprechend, und als der Antagonist zum ersten Mal auftritt, scheint es beinahe auf einen Serienmörderfilm hinauszulaufen. Doch Regisseur Baek Woon-Hak hat anderes im Sinn. Chois Vertuschungsaktion zieht ihn nicht etwa aus der Affäre, sondern bringt ihn mit einem unbekannten Mann zusammen, der mit ihm noch ein Hühnchen zu rupfen hat.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Choi, der vor Jahren einen Mordfall löste, bei dem mehrere Männer vergiftet wurden, wird von dieser Vergangenheit heimgesucht. Doch statt eines Katz und Maus-Spiels, das sich aus der Konstellation durchaus hätte ergeben können, triftet Regisseur Baek ab ins Drama, drückt bei einer der Hauptszenen ordentlich auf die Bremse, sodass der Schwung des Films flöten geht. Im Finale fängt es von einer Sekunde auf die andere plötzlich an wie aus Eimern zu schütten, so als wüsste sich der Regisseur sonst nicht anders zu helfen, wie er wieder etwas Spannung in den Film bringt.

Nein, „Chronicles of Evil“ überzeugt nicht. Baek Woon-Hak fährt mit seinem Erstling voll gegen die Wand. Er verhindert alles, um einen spannenden, wendungsreichen Film zu kreieren. So schafft er einen Thriller, in dem nicht viel passiert, in dem manche Szenen geradezu für sich stehen, ohne ein abgerundetes Ganzes zu ergeben. Somit beginnt das Kinojahr 2015 für Südkorea genauso wie 2014 aufgehört hat: mit schlechten Filmen.

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