Trash der 60er (18): Planet der Vampire

Im Jahr 1965 wechselte der italienische Meisterregisseur Mario Bava kurz einmal das Genre. Statt eines reinen Horrorfilms, lieferte er eine Mischung aus SF und Horror ab, die in Deutschland unter dem Titel „Planet der Vampire“ (der Originaltitel lautet „Terrore nello spazio“) erst 1968 in die Kinos kam. Der Film entstand im Auftrag der American International Pictures, die in den 60er Jahren eng mit den italienischen Filmstudios zusammenarbeiteten.

Es geht darum, dass die Besatzungen zweier Raumschiffe, Argos und Galliot, plötzlich ein Notsignal empfangen, dessen Ursprung auf dem Planeten Aura liegt. Während die Galliot abstürzt, wird das zweite Raumschiff durch eine unbekannte Macht zur Landung gezwungen. Für einen Moment verliert die Besatzung das Bewusstsein. Als alle wieder zu sich kommen, ist klar, dass die Argos nicht sofort wieder starten kann. Während der Reparaturen, beschließt Captain Markarys den Planeten zu erkunden und stößt dabei auf ein vor Jahren auf dem Planeten gestrandetes Raumschiff aus einer anderen Galaxie. Zugleich beginnen sich manche Mitglieder von Markarys Mannschaft sonderbar zu benehmen …

Obwohl Ridley Scott behauptet, dass „Alien“ nichts mit Bavas „Planet der Vampire“ zu tun habe, sind die Ähnlichkeiten doch überraschend groß. Das Notsignal, das fremde Raumschiff, ja sogar die Überreste der fremdartigen Außerirdischen finden sich in Scotts Klassiker aus dem Jahr 1979 wieder. Der Ideenklau ist nicht zu übersehen, auch wenn dies nur den Anfang von „Alien“ betrifft.

Die Reste eines der seltsamen Außerirdischen in „Planet der Vampire“, verbunden mit Bavas intensiver Farbgebung; „Planet of the Vampires“ (1965); Copyright: MGM

Doch unabhängig davon, schuf Bava mit „Planet der Vampire“ einen sehr spannenden und dichten SF-Horrorfilm, der alles hat, was einen typischen Mario Bava-Film ausmacht: wundervolle Farben, surreale Kulissen und gespenstische Laute. Die Spannung erhöht sich noch dadurch, da es zu Konflikten innerhalb der Mannschaft von Captain Markarys kommt, da einer nach dem anderen von einer unbekannten Macht beeinflusst wird.

Dies führt dazu, dass die Reparaturen an dem Raumschiff sabotiert werden, um einen Abflug zu verhindern. Und schließlich tauchen auch noch die Besatzungsmitglieder des abgestürzten Raumschiffes Galliot auf, die sich wie Zombies auf die Argos zubewegen.

Bava lässt in seinem Film nichts aus, um die Spannung noch höher zu schrauben. Nicht weniger faszinierend ist Captain Markarys Erkundung des fremden Raumschiffes. Hierbei arbeitet Bava vor allem mit Andeutungen im Hinblick auf die Fremdartigkeit der Außerirdischen, was speziell diese Szenen herausragend macht. Denn Bava spielt dabei mit der Fantasie der Zuschauer, ein wundervoller Aspekt, der in heutigen Produktionen leider vollkommen abhanden gekommen ist.

Man ist geradezu gefesselt von der Handlung, die geradezu rasant von einem unheimlichen Moment zum nächsten führt, dabei jedoch nie den Faden verliert, sondern alles innerhalb des vorgegebenen Rahmens behält. All dies macht „Planet der Vampire“ zu einem faszinierenden Filmerlebnis, auch wenn man Bavas Klassiker bereits unzählige Male gesehen hat.