Old Shatterhand und Winnetou im Horrorland: Lex Barker und Pierre Brice als Horrorstars

Lex Barker und Pierre Brice sind aus dem Genre des Abenteuerfilms nicht wegzudenken. Egal ob sie Seite an Seite in den Karl May-Verfilmungen gegen diverse Bösewichte kämpften oder jeder für sich in unterschiedlichen Abenteuern, die Namen der beiden sind unvermeidlich mit diesem Genre verbunden.  Dies verzerrt jedoch die Realität. Denn sowohl Lex Barker als auch Pierre Brice tauchten in diversen Thrillern auf. Nicht weniger interessant ist, dass beide Schauspieler in jeweils einem Horrorfilm die Hauptrolle inne hatten. So spielte Lex Barker die Rolle des Roger Mont Elise in der deutschen Produktion „Die Schlangengrube und das Pendel“ und Pierre Brice die Rolle des Hans von Arnim in der französisch-italienischen Produktion „Die Mühle der versteinerten Frauen“.

mühle der versteinerten frauen„Die Mühle der versteinerten Frauen“ (Il mulino delle donne di pietra)  stammt aus dem Jahr 1960. Regie führte der für seine Sandalenfilme bekannte Regisseur Giorgio Ferroni. Der Film handelt von dem Kunststudenten Hans von Arnim, der eine Doktorarbeit über Bildhauerhei verfassen möchte. Sein Interesse bringt ihn in Kontakt mit Prof. Gregorius Val, der in einer einsam gelegenen Mühle außergewöhnliche Skulpturen anfertigt. In der Mühle begegnet Hans auch Elfie, der Tochter des Professors, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Elfie leidet unter einer seltsamen Krankheit und ihr Vater setzt alles daran, um sie zu heilen. Je mehr sich Hans in der Mühle aufhält, desto augenscheinlicher wird für ihn, auf welche Weise Prof. Val Elfie von ihrer Krankheit befreien möchte. Diese Erkenntnis bringt ihn in Lebensgefahr.

Der Film ist ein Klassiker des europäischen Horrorkinos und besticht durch seine überaus düstere Atmosphäre. Die Optik und die Farbgebung lassen bis heute viele Kritiker und Fans darüber spekulieren, ob Ferroni überhaupt als Regisseur von Il mulino delle donne di pietra in Frage kommt. Viel eher erinnert die Machart des Films an den Meister Mario Bava. Ein anderer Aspekt ist dagegen eindeutig. Der Film lehnt sich stark an den Horrorklassiker „House of Wax“ an. Teile des Plots erinnern ebenfalls an den französischen Klassiker „Augen ohne Gesicht“, der im selben Jahr in die Kinos kam. Für längere Zeit galt „Die Mühle der versteinerten Frauen“ als verschollen. So war die Wiederentdeckung natürlich eine kleine Sensation. Mittlerweile wurde der Film restauriert, wobei jedoch die Tonspur an manchen Stellen nicht mehr gerettet werden konnte. Neben Pierre Brice spielten die italienische Schauspielerin Scilla Gabel, die ebenfalls aus verschiedenen Abenteuer- und Sandalenfilmen bekannt ist, und der deutsche Darsteller Wolfgang Preiss, der auch in den Dr. Mabuse-Filmen mitspielte. Der Film ist ein echter Leckerbissen für Liebhaber alter Horror- und Trashfilme und präsentiert die Kunst des europäischen Kinos auf geradezu wunderbare Weise.

schlangengrube und das pendel1967 kam man in Deutschland auf die Idee, auf die von den englischen Hammer-Studios und den amerikanischen Vince Price-Filmen angeführte Horrorfilmwelle aufzuspringen. Regie führte bei „Die Schlangengrube und das Pendel“ Harald Reinl. Es geht um den Anwalt Roger Mont Elise, der eine Einladung des Grafen Regula erhalten hat, ihn in dessen Schloss Andomai zu besuchen, da er dort mehr über seine Vergangenheit erfahren würde. Auf seiner Reise trifft er auf die Baronesse Lilian von Brabant, die ebenfalls eine Einladung auf das Schloss erhalten hat. Mit von der Partie ist auch der Bandit Fabian, der sich zunächst als Pfarrer ausgibt. Bereits auf der Reise zum Schloss kommt es zu allerhand seltsamen und unheimlichen Zwischenfällen. Das Schloss selbst entpuppt sich als eine einzige Falle. Denn Graf Regula hat geschworen, sich an den Nachfahren der Leute, die ihn vor 35 Jahren hingerichtet haben, zu rächen.

„Die Schlangengrube und das Pendel“ ist Unterhaltung pur. Der Film ist eine Aneinanderreihung von abenteuerlichen Ereignissen und phantastischen Zwischenfällen, welche die einfache Handlung rasant vorantreiben. Im Gegensatz zu den Hammer-Filmen aber wirkt Harald Reinls Horrorausflug doch etwas zu brav und harmlos. Dafür aber geizt der Film nicht mit wundervollen surrealen Kulissen, welche stark zur besonderen Atmosphäre des Films beitragen. So wachsen z.B. Arme und Hände aus den Bäumen. Gelegentlich auch ein Kopf. Das riesige Wandgemälde im Schloss erinnert an Hieronymus Bosch. Christoper Lee spielt den ominösen Grafen Regula, dem es mit okkulten Mitteln gelingt, wieder lebendig zu werden. Lex Barker zur Seite steht Karin Dor als Lilian von Brabant, die mehrmals ihre ohrenbetäubenden Schreikünste zum Besten geben darf. Auch Karl May-Veteran Vladimir Medar ist als Räuber Fabian mit von der Partie. Der Film war zwar kein kommerzieller Erfolg, spielte aber mehr schlecht als recht die Kosten wieder ein. Grund für das eher maue Einspielergebnis war, dass sich Ende der 60er Jahre das Horrorgenre stark veränderte. Die deutschen Produzenten hatten diesen Wandel anscheinend nicht in Betracht gezogen. Selbst die Hammer-Studios standen nur wenige Jahre vor ihrem Aus, da sie den Wandel nicht wirklich mitvollzogen. Nichtsdestotrotz gelang mit „Die Schlangengrube und das Pendel“ ein wundervoller, durchaus ästhetischer Gruselfilm, der bis heute nichts von seinem Unterhaltungswert verloren hat.