K-Pop: Nine Muses sind nur acht oder Eine Gruppe im Abseits

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Hook des Clips „No Playboy“.

Tatsächlich besteht die Formation Nine Muses zurzeit nur aus acht Mitgliedern. Gegründet 2011, bestand die Girl Group aus gecasteten jungen Frauen, die zuvor als Models oder Darstellerinnen in Werbefilmen gearbeitet haben. Trotzdem die Gruppe mit ihren Songs recht gute Erfolge erzielte und mehrfach ausgezeichnet wurde, stand und steht sie eher im Abseits des K-Pop-Trubels. Hinzu kommt, dass die Produktionsfirma kürzlich Konkurs angemeldet hat und damit die Zukunft der acht Sängerinnen in den Sternen steht.

Als würden die Sorgen der Firma sich in ihrem neuesten Song widerspiegeln, trägt dieser den Titel „Sleeples Night“. Natürlich geht es darin nicht um die Probleme der Produktionsfirma, sondern um den Nachhall einer einstigen (lesbischen) Liebe, dennoch ist der Titel bezeichnend für die derzeitige Lage.

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Immer mit ein wenig Ironie werden eindeutige Symbole in den Clips präsentiert. Hier z.B. in „Glue“.

Ihr Debut hatten Nine Muses mit dem Song „No Playboy“, zu dem ein hervorragender Clip gedreht wurde, der ohne weiteres zu den besten Musikvideos in Sachen K-Pop gezählt werden kann. Ihre früheren Berufe als Models kommen hierbei voll zur Geltung, sind die Dance Shots doch in Form von Modeshows umgesetzt. Doch statt Glitzer, gibt es kühle, düstere, bis ins Schwarz hineinreichende Farben. Das Video und die Musik erinnern entfernt an die 80er Jahre.

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Schluss des Videos „Wild“, das in Südkorea ein strenges Jugendverbot erhielt.

Diesen Bezug verfolgten Nine Muses in den nachfolgenden Clips („Figaro“ und „News“ bis hin zu „Glue“) weiter. Stets kühl und zugleich dezent erotisch, bis die Erotikwelle auch von der Produktionsfirma aufgenommen wurde. Die Folge war das Musikvideo „Wild“, welches in Südkorea nur für Erwachsene zugelassen wurde und somit zur Hauptsendezeit nicht gesendet werden durfte. So extrem war das Video zwar nicht, dennoch wurde die hohe Altersfreigabe beibehalten. Auch musikalisch veränderte sich dabei die Gruppe. Von den 80er Jahre- und Soul-Klängen blieb nichts mehr übrig, Musik aus dem Computer verdrängten die echten Instrumente.

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Irgendwie zurück zu den Anfängen. Wieder bestimmten düstere Farben das neueste Video „Sleepless Night“.

Dieser Trend setzte sich (leider) fort. Als Tiefpunkte können die beiden Clips „Drama“ und „Heart Locker“ betrachtet werden. Nicht nur die Musik ist konzept- und einfallslos, sondern auch die Musikvideos an sich. Fast scheint es, als hätte die Firma schon Anfang 2015 finanzielle Schwierigkeiten gehabt und versucht, mindestens irgendetwas auf den Markt zu werfen. Schließlich aber schaffte die Gruppe dann doch wieder die Kehrtwende. Zurück zu Ansätzen aus den 80ern und ein komplexes Video, in dem es (man höre und staune) so gut wie keinen Dance Shot gibt. Der Clip „Sleeples Night“ ist fast zu 99 Prozent bestimmt von narrativen Elementen, die eine zu ende gegangene lesbische Liebesbeziehung schildern. Unserer Meinung nach dürfte der Clip in Südkorea bald der Zensur zum Opfer fallen, gibt es doch einen kurzen narrativen Strang, in dem eine der beiden Protagonistinnen versucht, sich umzubringen. Koreas FSK-Äquivalent ist hierbei äußerst zimperlich, sogar Videos, in denen Autofahrer ohne Gurt im Auto sitzen, werden aus dem Fernsehprogramm verbannt.

Im schlimmsten Fall, d. h. wenn Nine Muses nicht von einer anderen Produktionsfirma übernommen wird, dürfte dies die Sängerinnern nicht mehr jucken, da ihre Karrieren zwangsweise ein Ende finden werden. Es bleibt also weiterhin spannend.

K-Pop 19 oder die Eindeutigkeiten nehmen zu

Das, was wir in einem unserer früheren K-Pop-Artikel prophezeit haben, wird in der Tat nach und nach umgesetzt. Die koreanische Musikindustrie ist weiterhin im internationalen Höhenflug und schaffte sogar mit Psys „Gentleman“ einen Eintrag ins Guinnes Buch der Rekorde, da das Video zu diesem Song innerhalb von 24 Stunden am häufigsten angeklickt wurde. Und somit sind wir schon bei unserem eigentlichen Thema. Denn Psys neuestes Video wurde in Korea stark kritisiert. Zum einen wegen angedeuteten Vandalismus, zum anderen da es angeblich zu direkte erotische Anspielungen beinhalte. Noch vor einem halben Jahr herrschte helle Aufregung innerhalb der K-Pop-Welt, da das koreanische Kulturministierum meinte, eine neue Altersregelung für Musikvideos einführen zu müssen. Die Folge davon, die Clips wurden brav, Groups, die normalerweise ein erotisches oder draufgängerisches Image vermittelten, passten sich auf einmal der Norm an.

Nun, da sich die Wogen geglättet haben und K-Pop weltweit noch mehr Aufmerksamkeit erhält, scheinen sich die Images der Groups wieder zu ändern. Am Ende unseres vorletzten Artikels behaupteten wir, dass K-Pop-Clips bald mehr auf Erotik setzen würden, um mit dieser Marketingstrategie noch mehr internationalen Erfolg erzielen zu können. Tatsächlich scheint sich dieses Konzept nun langsam einzuschleichen. Damit ist nicht Hyun-A mit „Icecream“ oder die Sistar-Split-Group Sistar 19 gemeint, deren Name das Konzept des Duos bereits vorwegnimmt. Sowohl Hyun-A als auch Sistar 19 sind von Anfang an als erotische Konzepte entwickelt worden. Es geht um neuere Videoclips, die verstärkt Erotik als Strategie benutzen, um damit Erfolg zu haben.

Gain Bloom
Gains „Bloom“ ist das erste koreanische Musikvideo, in dem ein Geschlechtsakt dargestellt wird.

Bereits Ende des vergangenen Jahres erregte die Sängerin Gain durch ihr Video „Bloom“ große Aufmerksamkeit. In dem Song geht es um sexuelle Befriedigung. Das Thema wurde nicht verspielt dargestellt –  wie sonst bei K-Pop-Clips üblich -, sondern geradezu direkt visuell umgesetzt. Die narrativen Elemente des Clips zeigen Gain bei der Selbstbefriedigung und beim Sex. Interessanterweise wurde das Video nicht verboten, wie man es aufgrund der strengeren Regelung vermutet hätte, sondern lediglich mit einer Altersbeschränkung belegt, sodass es nur noch für Zuschauer ab 19 angesehen werden darf.

KimSori Dual Life
„Dual Life“ von Kim So Ri galt zunächst als zu erotisch und sollte verboten werden.

Auch die Sängerin Kim Sori bekam mit ihrem durchaus interessanten Video „Dual Life“ Probleme. Der Text spielt auf die Diskrepanz zwischen Schein und Sein an, wobei die visuelle Umsetzung durch diverse Spiegelsymbole auch auf das Thema gespaltene Persönlichkeit eingeht. Den Beamten erschien das Video als zu erotisch, sodass es tatsächlich verboten werden sollte – bei Gain stand ein Verbot überhaupt nicht zur Debatte. Die Produzenten konnten aber dieselben Herren von der Harmlosigkeit des Videos überzeugen, sodass es nun ab 12 frei gegeben ist.  Man kommt nicht umhin, an unsere FSKler zu denken, deren Entscheidungsfreude gelegentlich auch nicht wirklich nachvollziehbar ist.

Rania Just Go
In „Just Go“ kehren Rania zu ihrem ursprünglichen Stil zurück.

Anfang 2013 kehrte die Gruppe Rania zu ihrem ursprünglichen Konzept zurück, das sie ja aufgrund der strengeren Altersbeschränkungen für kurze Zeit abgelegt hatte. In ihrem neuen Video „Just Go“ erscheinen die weiblichen Mitglieder wieder in teils durchsichtigen Kostümen und legen einmal mehr eine – für K-Pop-Verhältnisse – gewagte Choreographie hin. Diesmal hütete man sich allerdings vor einem drohenden Cut, indem man auf Nahaufnahmen bei den Dance-Shots (diese hatten bei ihrem Debut-Video „Dr. Feel Good für Wirbel gesorgt) verzichtete.

NineMuses Wild
Nine Muses‘ „Wild“ ist das erste Video der Gruppe, das nur für Erwachsene frei gegeben wurde.

Schließlich und endlich ist auch der Titel „Wild“ der Gruppe Nine Muses quasi zum Programm ihres neuesten Clips geworden. Zugleich greifen die neun ehemaligen Fotomodels in visueller Hinsicht auf ihr Debut „No Playboy“ zurück, auch wenn „Wild“ eindeutig freizügiger ist und daher erst ab 19 freigegeben wurde. Anscheinend versuchten die Produzenten das etwas fragwürdig geratene Video „Dolls“, das kurze Zeit vor „Wild“ erschien, schnell vergessen zu machen, da dies wirklich an einer schlechten Umsetzung gelitten hat.

Es zeigt sich jedenfalls, dass parallel zum zunehmenden internationalen Erfolg von K-Pop die Zweideutigkeiten zunehmend in Eindeutigkeiten übergehen. Wie immer darf man gespannt sein, wie die Entwicklung weitergeht.